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Ausgabe:

1955 Nr. 1

Spalte:

49-51

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Afrikanische Missionsliteratur 1880 - 1909, N. 7724 - 9753 1955

Rezensent:

Westermann, Diedrich

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Theologische Literaturzeitung 1955 Nr. 1

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manns her. Die vorliegenden Schriften nehmen auf das abschließende
Votum von Balthasar noch kaum Bezug (einzig van Dijk
erwähnt es und hat es überhaupt kennen können; Wingren setzt
sich S. 23 mit den beiden Aufsätzen Balthasars in Divus Thomas
von 1944 und 1945 auseinander). Keine der vorliegenden drei
Schriften bietet durchschlagend neue Beiträge zur Sache. Alle
gehen von einer vorgegebenen Grundanschauung aus: Wingren
vom Luthertum, Ebneter vom (thomistischen) Katholizismus,
van Dijk vom (Kuyperschen) Reformiertentum. Sie sind sämtlich in
der Form würdig, in der Sache offen ablehnend, und zwar von
verwandten Gesichtspunkten her. Der wesentliche Einwand läuft
bei Wingren auf die These hinaus, Barth richte eine metaphysische
Gegenüberstellung von Gott und Mensch auf und verkenne eben
deshalb das Gewicht der Sünde. Ebneter wendet sich vor allem
dagegen, daß bei Barth Natur und Gnade gegenseitig eingeebnet
würden. Van Dijk findet, daß Barth Gnade und Existenz streng
aufeinander beziehe, daher „keine Offenbarung extra usum",
also außerhalb des Glaubens kenne und insofern in den Positionen
des 19. Jahrhunderts steckenbliebe, sie lediglich in der
Nachbarschaft der Existenzphilosophie radikalisiere. Augenscheinlich
besteht zwischen den erwähnten kritischen Positionen eine
Konkordanz — es ist das bei Barth vorliegende Fehlen eines
ontologischen Kontinuums, das überall moniert wird. Daß an die
Stelle dieses Kontinuums die christologische Grundthese bzw.
deren „Gegenstand" tritt, gilt bei allen drei Kritikern als unzureichend
oder gar als Verirrung; van Dijk übernimmt das Schlagwort
vom „Christomonismus" Barths. Es ist schwer einzusehen,
wie auf diesem Wege weiterzukommen sein soll. Barth ist seit
dem Band IV, 1 seiner Kirchlichen Dogmatik ja nun selbst dabei,
die christologische Grundthese zu explizieren, und es zeigt sich,
daß er gegenüber mancher Kritik keineswegs taub geblieben ist,
sondern seine eigene Position erneut überprüft hat.

Angesichts der m. E. doch nur schwer verkennbaren inneren
Entwicklung in Barths Denken erscheint es mir überraschend, bei
Wingren der These zu begegnen, es habe sich im Grunde seit dem
„Römerbrief" nichts geändert (S. 6 u. ö.). Demgegenüber erkennt
Ebneter (S. 5 u. ö.) bei Barth eine „tiefgehende Wandlung" an,
deren Ansatz er mit Recht in Barths Anselmbuch sieht (S. 10).

Obwohl die Schrift von Ebneter in ihrer Gesamthaltung
ebenso vornehm ist wie das Buch von H. Urs von Balthasar, obwohl
auch van Dijk, dessen Arbeit wissenschaftlich am tiefsten
eindringt (und dabei übrigens ausdrücklich von van Til abrückt;
S. 59), bei aller Schärfe der Kritik die gleiche Sachlichkeit wahrt
wie der ihm nahestehende G. C. Berkouwer und auch Wingren
bei aller Spürbarkeit des konfessionellen Temperaments die Sachfragen
als solche in die Mitte stellt, wird man kaum urteilen
können, daß in diesen drei Veröffentlichungen etwas anderes vorliegt
als eine erneute Aufrichtung bereits bezogener Gegenpositionen
gegen Barth. Für Wingren gilt dies am deutlichsten: seine
kleine Schrift ist ursprünglich schon 1948 in den Studia theolo-
gica erschienen, nimmt also auf die Kirchliche Dogmatik nur bis
III. 1 Bezug und zitiert Barths Werk: „Die protestantische Theologie
im 19. Jahrhundert" (1947) als sein „letztes großes Werk",
obwohl dieses Buch ja inhaltlich und formal schon aus den Jahren
1932/33 stammt.

(Döttingen Otto Weber

MISSIONSWISSENSCHAFT

Bibliothcca Missionum. Begonnen von P. Robert Streit

O. M. Li fortgeführt von P. Johannes Dindinger O. M. I.

18. Band: Afrikanische Misiionsliteratur 1880—1909 n. 7724—975 3.

Freiburg: Herder 1953. 23" u. 1428 S. gr. 8° = Veröff. des Instituts

für Missionswiss. Forschung. DM 84.—.

Die beiden ersten afrikanischen Bände dieses Mammutwerkes
(Band 15 und 16 des Gesamtwerkes) erschienen 1951
und 1952, der erste umfaßte die Jahre 1053—1599 und die Nummern
1—2217, der zweite die Jahre 1600—1699 mit den Nummern
2218-5151.

Im Vorwort des vorliegenden Bandes wird des um die katholische
Afrikamission und die Bekämpfung des Sklavenhandels

verdienten Kardinals von Karthago Lavigerie ehrend gedacht
(er war mit Gustav Nachtigal befreundet). Im Jahre 1886 übernahm
Lavigerie die Diözese Karthago mit dem Vorsatz, die
Islammission zu unternehmen und das Licht des Evangeliums ins
Innere Afrika zu tragen; seine Missionare sollten die apostolischen
Livingstone des schwarzen Erdteils sein. In der Islammission
sind unter seiner Leitung kaum hervorragende Erfolge
eingetreten; auf diesem Gebiet war einer seiner bedeutendsten
Nachfolger der Lothringer Augustin Hacqward, geboren in Allersdorf
, später apostolischer Vikar von Sahara und Sudan und
Titularbischof, der in apostolischer Schlichtheit große Teile der
Sahara und des nördlichen Sudans bereiste, sich auch durch
sprachliche Arbeiten verdient machte, aber missionarisch ebenfalls
über Pioniererfolge nicht hinausgelangte.

Dagegen hat Lavigerie das große Verdienst, ein bedeutender
Förderer der katholischen Mission in großen Teilen des heidnischen
Afrika geworden zu sein, in erster Linie durch Gründung
der Orden der Weißen Väter und der Weißen Schwestern. Nicht
minder bedeutsam sind seine Erfolge im Kampf gegen Sklaverei
und Sklavenhandel. An dem Zustandekommen der Brüsseler Konferenz
und des Pariser Antisklaverei-Kongresses hatte er wesentlichen
Anteil.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich der vorliegende Band
der Bibliographie von den Bdd. 15 und 16 dadurch, daß er weniger
ungedruckte päpstliche und andere amtliche Schreiben enthält
, sondern vorwiegend gedruckte Missionsliteratur im engeren
Sinn, d. h. Publikationen der Missionare. Auch fehlen fast ganz
die kurzen Inhaltsangaben der beiden ersten Bände in deutscher
Sprache, die sie fast zu einem Abriß der Missionsgeschichte machten
, während der vorliegende Band nur die nackten Schriftentitel
bringt (natürlich mit allen bibliographischen Angaben),
wohl aus Gründen der Raumersparnis. Erfreulich ist dagegen, daß
fast jedem Autor kurze Lebensdaten beigegeben sind. Die Angaben
sind nach dem Erscheinungsjahr geordnet und innerhalb
des Jahres alphabetisch. Ausführliche Indices erleichtern das
Auffinden.

Das Ziel der Arbeit ist, jede von einem katholischen Missionar
in Afrika sowie jede von einem Katholiken über afrikanische
Mission und verwandte Gebiete handelnde Schrift aufzuführen
. Bei dem Schrifttum der Missionare macht es keinen
Unterschied, ob es sich um missionarisches oder um Schrifttum
anderer Art handelt. Die Angaben sind in großer Sorgfalt und
fast vollendeter Vollständigkeit gehalten. Selbst die kleinsten
und bescheidensten Publikationen, Traktate und andere Werbeschriften
, populäre Erzählungen und Zeitschriftentitel werden
gewissenhaft aufgeführt.

Solche Schriften sind z. B. „Fliegende Blätter aus Mariannhill" (in
Südafrika), „Der Trappist unter den Kaffern", „Das Heidenkind", „Stern
der Neger", „Kameruner Missionskalender", „Afrikanisches Missions-
glöcklein", „Jahresberichte des Vereins zur Unterstützung der armen
Negerkinder", oder Erzählungen und dramatische Darstellungen, wie
„Sucmo, die kleine afrikanische Negerin, Drama in 5 Aufzügen"; „Tim,
der Negerknabe, Schauspiel in 5 Aufzügen"; „Daniel Sorur Pharin D'er,
Die Geschichte eines schwarzen Priesters, den kleinen Teilnehmern am
Werk der heiligen Kindheit erzählt". „Der Gefangene des Korsaren,
eine Erzählung". In jedem Jahrgang findet sich eine Abteilung „Missionsbriefe
aus Afrika", mit genauen Angaben über Veröffentlichung und
Verfasser, wahrscheinlich Berichte aus der Arbeit.

Natürlich bilden diese kürzeren, zumeist der heimatlichen Werbung
dienenden Schriften einen fast verschwindenden Teil der Bibliographie.
Einen breiten Raum nehmen Schriften Lavigcries ein, Hirtenbriefe an
die Missionare, Verfügungen, Anordnungen. Häufig sind auch Brevc6
des Papstes Leo XIII. in Missionsangelegenheiten .

Die immer wieder versuchte Gewinnung der äthiopischen (abessi-
nisdien) Kirche für Rom findet auch in dem vorliegenden Band ihren
Niederschlag. Es wird ein äthiopischer Kardinal Massaja ernannt.
Leo XIII. richtet einen Brief an Kaiser Menilek. Ein Buch handelt von
der Mission der Jesuiten und ein zweites über die Tätigkeit der Frati
Minori. Ein höchst eigenartiges Werk erschien von einem Begleiter des
Kardinals Massaja, dem P. Giustino da Urbino O Cap.: das äthiopisch
geschriebene „Examen des (abessinischen Kaisers) Zara Yakob, ein Vergleich
zwischen Christentum, Judentum und Islam, worin alle drei verworfen
werden und nur die Gottesidee als berechtigt anerkannt wird.
P. Alfred de Caronge schrieb die Memoiren des Kardinals Massaja und
behandelte in einem „Anhang für die Missionare" folgende Gegen-