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Ausgabe:

1954

Spalte:

116-118

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Seumois, André

Titel/Untertitel:

Introduction à la missiologie 1954

Rezensent:

Rosenkranz, Gerhard

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in.

Dorfkirchen vom Ende des 11. Jahrhunderts an erhalten geblieben
. Sie entwickelten sich zur Patronatskirche. Anders als die
Kirchenbauten frommer Adelsherren und reichsstädtischer Patrizier
in ihren Besitzungen erscheinen die Dorfkirchen, wie sie seit
dem 15. Jahrhundert von Bauernhand geschaffen wurden, die
Wehrkirchen, die dem bedrängten Bauern Schutz in Kriegsnöten
boten. In ihrer rührenden Schlichtheit sind sie stark unterschieden
von den reich ausgestatteten Patronatskirchen, insbesondere der
alten Patriziergeschlechter, die ihre Dorfkirchen mit Altären und
Andachtsbildern berühmter Meister schmückten. Die Dorfkirchen
in Dorfkemmathen, Kalchreuth und besonders in Dettwang mit
Tilman Riemenschneiders Kreuzigungsaltar bewahren besondere
Schätze. Eindrucksvoll ist die Schilderung der Frömmigkeit am
Vorabend der Reformation und der Weg der Lehre Luthers in
die fränkischen Dorfgemeinden. Die ältesten Bauten aus lutherischer
Zeit sind die fränkischen Kirchen der Markgrafen von
Brandenburg-Ansbach. Zu ihren besonderen Kennzeichen wurden
zunächst die Emporen, die ohne feste Verbindung mit der Architektur
der Kirche, „einem Möbelstück vergleichbar" (S. 36), angelegt
sind und so ähnlich nur noch im fränkisch besiedelten Schlesien
vorkommen. Ein wichtiger durch die Reformation erfolgter
Bedeutungswandel wird dadurch erkennbar: Die Kirche ist das
Haus der Gemeinde und wird zum Hause Gottes durch die Gemeinde
, die von der Gegenwart des Herrn nach seiner Verheißung
in der in seinem Namen erfolgten Versammlung weiß. Auch in
der Zeit des Barockstiles zeigt sich die lutherische Dorfkirchc
nach diesem Verständnis als Haus der Gemeinde Gottes. Hierhin
gehört die um 1700 von Elias Räntz, dem Hofbildhauer des
Markgrafen von Bayreuth, geschaffene Kirche von Pilgramsreuth.
Sie verbindet schlichte gotische Architektur mit farbenfreudig
barocker Ausstattung zu einer beglückenden Einheit, die diese
Kirche zu „einer der schönsten Dorfkirchen Deutschlands" macht
(S. 40). Liebevolle Ausstattung erfahren in der lutherischen Zeit
Altar, Kanzel und Taufstein; aber auch Beichtstühle werden für
lutherische Dorfkirchen Bayerns noch im 18. Jahrhundert neu
gefertigt. Zum Kennzeichen der lutherischen Barockkirchen in
Franken, der sogenannten „Markgrafenkirchen", wird im 18. Jahrhundert
die Verbindung von Altar und Kanzel. Der Kanzelaltar
ist „keine rationalistische Zweckgeburt" (S. 44), sondern gibt
auch äußerlich dem Wort und Sakrament in der versammelten
Gemeinde die ihnen nach lutherischem Verständnis zukommende
Mittelpunktsstellung. Wo, wie z. B. in Bindlach, die untere Empore
bis zum Kanzelaltar hin ausschwingt, da ist ein Kreis so
geschlossen, daß die Gemeinde die Stätten der Wortverkündigung
und der Sakramentsverwaltung in ihrer Mitte hat. Vom Blick in
die Vergangenheit weist der Verfasser auf die drängenden Probleme
der Gegenwart. Durch die Nachkriegsereignisse wurden,
besonders sichtbar in Bayern, Menschen durcheinander geworfen
ohne Rücksicht auf ihre Konfession. Es ist zur zwingenden Notwendigkeit
geworden, daß in den einst rein katholischen Gebieten
Altbayerns den seit wenigen Jahren entstandenen lutherischen
Gemeinden Kirchen gebaut werden. Ein Anfang ist bereits
gemacht; hier und da ragen im Gebirge die Türme lutherischer
Kirchen aus den Tälern. Aus solchen Notwendigkeiten
sind beispielsweise die dem Landschaftsbild der Alpen besonders
gut angepaßten Kirchen von Mittenwald und Partenkirchen entstanden
.

Heinrich Thiel führt uns mit seinem dem bayerischen Landesbischof
D. Meiser zugeeigneten Buch durch die bayerische Kirchengeschichte
und zugleich durch die bayerische Landschaft. Er zeigt
außerordentlich viel Schönes, weitet den Blick und erquickt das
Herz. In seinem Spiegel der Kirchen begegnen wir wirklich der
Gemeinde Gottes als einer durch die Jahrhunderte geführten
Schar. Hoch zu loben ist die Absicht des Verlages:

„Dieses Buch trauert nicht um Verlorenes, sondern es möchte in
der Freude an bewahrten Schätzen den Reichtum widerspiegeln, den
Gott der Herr seiner armen Gemeinde täglich und zu allen Zeiten
schenkt. Trost aus der Vergangenheit und verantwortungsvolle Zuversicht
für das Kommende könnte jedem einzelnen, den Gemeinden
und nicht zuletzt denen geschenkt werden, die neu Wurzel zu schlagen
haben im bayerischen Land" (Vorwort des Verlages).

Dazu ist dies Büchlein in der Tat ein wertvoller Helfer, dem
weiteste Verbreitung zu wünschen ist. Willi Harwerth hat es

mit vielen Textzeichnungen illustriert und den Einband geschaffen
. Von Helga Schmidt-Glassner stammen die 48 ganzseitigen
Aufnahmen, die die Dorfkirche im Landschaftsbild eingebettet
zeigen und über die Architektur und über die Ausstattung der
Kirchen eindrucksvoll Beridit erstatten.

Dr. Gürsching (Landeskirchliches Archiv Nürnberg) und
Max Dorn (Gebr. Klingspor, Offenbach a. M.) haben bei der Entstehung
des Buches „wertvolle Mithilfe" geleistet.

Erlangen Bernhard Klaus

MISSIONSWISSEN SCHAFT

S c u m o i s, Andre V., Dr., M. A., OMI: Introduction ä la Missiologic.

Schöneck-Beckenried: Administration der Neuen Zeitschrift für Mis-
sionswissenschnft 1952. XI, 492 S. gr. 8° = Neue Zeitschrift für Missionswissenschaft
. Suppl. III. sfr. 26.—

„Die Missiologie ist eine junge Wissenschaft; sie muß sich
noch ihrer selbst bewußt werden; sie sucht sich noch zu identifizieren
", so schreibt S., Professor für Missionswissenschaft an
der kanadischen Universität Ottawa, im Vorwort zu seiner „Einführung
in die Missiologie", die eben jener „Identifizierung"
dienen will (S. 13). „Missiologie" ist für ihn, wie er in einer
ausführlichen Herausarbeitung des Begriffes (S. 61—106) feststellt
, der für die katholische Missionswissenschaft angemessene
Name, der sich zwar nicht „durch offizielle Verlautbarungen",
wohl aber durch den Gebrauch seitens der „Vereinigung der Seminare
und Universitäten" eingebürgert hat (S. 106). Es ist ein
imposantes Lehrgebäude, das er mit Hilfe der thomistischen Wissenschaftslehre
der Missiologie errichtet hat. Seine Gliederung ist
von einer solchen inneren Geschlossenheit, daß die oft reichlich
ausführliche Behandlung von Einzelheiten das Lesen des Buches
nicht beeinträchtigt. Die vielen Anmerkungen und umfangreichen
Bibliographien nimmt der Leser dankbar entgegen, wie auch das
ständige Bemühen des Verfassers, seine Thesen in den Zusammenhang
dessen zu stellen, was katholische und evangelische
Missionswissenschaft bisher geleistet haben, von besonderem
Wert ist. Deutlich bringt S. den zeitlichen Vorrang der evangelischen
Missionswissenschaft vor der katholischen und ihre Einwirkung
auf deren beide Begründer zur Geltung, unter denen
er im Gegensatz zur vorherrschenden Auffassung, aber nicht ohne
Grund dem Pater Robert Streit die Priorität vor Joseph Schmid-
lin zuerkennt. Daß er ihr ebenso wie dem Studium der orthodoxen
Mission und der islamischen, buddhistischen und hindu-
istischen Ausbreitung nur den Rang einer Hilfswissenschaft zubilligt
(S. 326 f.), ergibt sich aus dem Charakter der Missiologie
als katholischer Wissenschaft.

Der erste T e i 1 des Buches enthält einen geschichtlich-bibliographischen
Überblick über den Begriff „Missiologie", seine schon erwähnte
Definition, eine Untersuchung des „objektiven Wesens der Missiologie
" und die Begründung ihres „wissenschaftlichen Charakters".
S. kommt zu dem Ergebnis: „Die Missiologie ist das wissenschaftliche
Fachgebiet, das der Missionstätigkeit, d. h. dem Apostolat der Pflanzung
der katholischen Kirche, in Beziehung auf ihre Lehre, ihre Geschichte
, ihren gegenwärtigen Stand und ihre Praxis gewidmet ist"
(S. 161). Hierzu verweist er auf den Schlußabschnitt seiner 1948 erschienenen
Schrift „Auf dem Wege zu einer Definition der Missionstätigkeit
" (S. 109), der folgendermaßen lautet: Die Mission ist „jener
Teil des kirchlichen Dienstes, der das Apostolat der Einpflanzung der
katholischen Kirche in den Gegenden betrifft, wo sie noch nicht dauerhaft
eingerichtet ist. Ihr Ziel ist auf das Werk der Bekehrung der Seelen
und deren normale Rechtfertigung gerichtet. Diese Tätigkeit findet
ihre Rechtfertigung im göttlichen und kirchlichen Recht, aber auch in
der Natur der Kirche selbst und noch direkter in der räumlichen Katho-
lizität, die ihrerseits gegründet ist auf die Katholizität hinsichtlich der
Personen und auf die Universalität der Erlösung." Es ist hier nicht unsere
Aufgabe, zu dieser Begriffsbestimmung der Mission Stellung zu
nehmen; aber die katholische Theologie wird nicht umhin können zu
prüfen, ob sie weit und tief genug ist. Für den Verf. ergibt sich aus
ihr, daß es zwar auch „in anderen Religionen, besonders im gegenwärtigen
Protestantismus", Mission gibt, daß aber allein „die katholische
Missionstätigkeit die wahre, objektiv legitime Mission" ist, jene also
nur „im Blick auf das Studium der katholischen Mission" studiert
werden (S. 120) und ihr Studium somit allein eine Hilfswissenschaft