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Ausgabe:

1954 Nr. 9

Spalte:

571-572

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Paton, David M.

Titel/Untertitel:

Christian missions and the judgment of God 1954

Rezensent:

Rosenkranz, Gerhard

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Theologische Literaturzeitung 1954 Nr. 9

572

,,Les sources du ,De procuranda salute omnium gentium"
(Pierre Charles); „Missionsmethodische Richtlinien nach
den Schriften des hl. Paulus" (Gregorius van Breda);
„Education to world Christianity" (J. C o n s i d i n e); „Un tour-
nant dans l'oeuvre missionnaire en Afrique noire" (L. D e n i s);
„The need for Islamic studies" (J. H o u b e n); „Soziographische
Forschung in der Missionierung" (G. Z e e g e r s, C. T h o e n);
„The mission and linguistics" (J. Wils); „Le probleme du
Vocabulaire Chretien. Experiences d'evangelisation paleo-chre-
tiennes et modernes" (Ch. Mohrmann); „Psychiatrie, Tiefenpsychologie
und Mission" (H. Urban); „Das Verhältnis der
Mission und Missiologie zu den Profanwissenschaften" (M. Bierbau
m).

Tübingen Gerhard Rosenkranz

Paton, David M.: Christian Missions and the Judgment of Cod.

London: SCM Press 1953. 79 S. 8°. s.6/6.

Das Buch gibt, überarbeitet, des Verfassers Godfrey Day
Memorial Missionary Lectures wieder, die er im Februar 1952
in Dublin gehalten hat. Es ist das Buch eines China-Missionars,
der seine China-Erfahrung „nur mit Einschränkung ungewöhnlich
nennen möchte", und eines Anglikaners, der sich „angesichts
gleicher Möglichkeiten und Bedrohungen sowie angesichts von
Bedrängnissen durch gleiche Verwirrungen" mit der Weltmission
als ganzer eins weiß. Die Sendung der Kirche ist ihm — davon
geht er in Kap. I („The Christian Mission today") aus — ein Teil
des Heilshandelns Gottes im Sinne von Kol. 1, 26—29, insbesondere
die „Äußere Mission", der seine Untersuchung gilt. Gottes
Gericht an der Christenheit vollzieht sich heute durch politische
, widerchristliche Bewegungen, an der Mission und Kirche
in China durch den Kommunismus. Das fordert von der Mission
„prophetische Buße", „starke Nerven" und ein Ernstnehmen des
kommunistischen Angriffs auf den Imperialismus.

Die Mission — so fährt Paton in Kap. II („Missions under
Judgment") fort — muß sich ihrer Fehler bewußt werden, die in
China (aber nicht nur dort) den Eindruck erweckt haben, sie sei
„ein Teil des totalen imperialistischen Angriffs des Westens".
Solche Fehler waren in der Vergangenheit ihre Nutznießung ungleicher
Verträge, ihre Hoffnung auf Verwestlichung Chinas mit
Hilfe westlicher Mittel und Menschen sowie die Verbindung der
Missionare mit den diplomatischen Vertretungen ihrer Länder.
Heute ist die Mission dadurch belastet, daß sie 1. als reaktionär
gilt, weil „sie sich mit den Kreisen in China verbündet hatte, die
mit dem kapitalistischen und imperialistischen Westen sympathisierten
oder ihm als Werkzeuge dienen konnten"; daß sie 2.
„die Entwicklung einer genuin dynamischen, sich selbst erhaltenden
, verwaltenden und ausbreitenden Kirche in Wirklichkeit
nicht gefördert, sondern ausgeschlossen hat." Seiner ausführlichen
Begründung des zweiten Vorwurfs, der heute gegen die Mission
zu erheben ist, legt Paton die beiden Bücher von Roland Allen
„Missionary Mcthods: St. Paul's or Ours" (1912) und „The
Spontaneous Expansion of the Church and the Causes which hin-
der it" (1927) zugrunde, die erst heute stärker zu wirken beginnen
: Die Mission hat Allens ernste Warnungen überhört! Paton
weist das an zwei Punkten nach: an der fast ausnahmslos westlichen
äußeren und inneren Struktur der Kirche in China und an
der sozial unfruchtbar gebliebenen Instituts-Mission (Schule,
Spital, rural Service work). Was sich darin seit Allens Zeit geändert
hat, ist hauptsächlich durch Einwirkungen von außen bewirkt
worden: durdi das nationale Erwachen Chinas seit 1927,
durch die Krise der Weltwirtschaft seit 1928 und durch die Erschütterung
des abendländischen Überlegenheitsgefühls auf kulturellem
Gebiet. Heute stehen trennend zwischen den Missionaren
und den einheimischen Christen das rassische Vorurteil,
das Geld (d. h. „die Kontrolle über die Finanzen der Kirche und
der Mission sowie der verhältnismäßig hohe Lebensstandard des
Missionars gegenüber der Armut der im Kirchendienst stehenden
Chinesen") und das Versagen in der Theologie. Das „Debäcle
der Mission in China" hat, so schreibt Paton, „einigen unter uns
und einer noch viel größeren Zahl unter unseren chinesischen
Freunden" gezeigt, „daß unser Auftrag zu Ende ist, daß die Zeit
für die Mission, wie wir sie gekannt haben, vorüber ist, und
daß Gott das Ende der Missions-Ära gewollt hat".

In Zukunft (Kap. III: „Looking ahead") muß die Mission
damit rechnen, daß sie ihr Werk nicht in der „freien Luft" tun
kann, „an die wir im kapitalistisch-demokratischen Westen gewöhnt
sind". Daraus folgt, daß sie für ihre Arbeit nur noch mit
einer kurzen Frist rechnen kann. Ihre Aufgabe ist darum, „nicht
in erster Linie Seelen zu retten, sondern für dauerhafte Mittel
zu sorgen, durch die Seelen gerettet werden können", nicht die
Erweckung einer „christlichen Bewegung", von der nicht viel
übrig bleibt, wenn die Missionare das Land verlassen, sondern
die „Pflanzung der sichtbaren Kirche". Hier gebraucht der An-
glikaner die Formel, deren sich die katholische Mission zur Kennzeichnung
ihrer Aufgabe bedient; aber sein Kirchenbegriff ist
viel dynamischer als derjenige der katholischen Mission. Und
wenn er mit Recht die Beachtung der neueren katholischen missionswissenschaftlichen
Literatur fordert, so hat er dabei gerade
die Bücher solcher Autoren (Charles, Danielou) im Auge, die
von Rom beargwöhnt werden. Das immer neue Auftauchen von
„sektenhaften" Bewegungen, „die vorwiegend als Protestbewegungen
gegen eine oder mehrere Kirchen entstehen, sich oft als
Erweckungsbewegungen in ihnen bilden, völlig national in ihrer
Führung und ihrem Geldwesen, immer fundamentalistisch in ihrer
Theologie und gewöhnlich mit anderen lehrhaften und praktischen
Besonderheiten", nötigt die jungen Kirchen zu immer neuer
Besinnung. Der Missionar darf niemals der „spontanen Ausbreitung
der Kirche" im Wege stehen. Seine Aufgabe ist nur „vorübergehend
". Seine Stellung darf niemals „zentral" sein; in China
hat sie sich sogar als „unwichtig" erwiesen. Seine Bedeutung für
die jungen Kirchen liegt darin, daß er „Erbe einer langen christlichen
Tradition" und „in gewisser Beziehung beweglicher, lenkbarer
sowie von örtlichen Bindungen und sozialen und familiären
Verwicklungen freier ist als Einheimische". Die Hauptaufgaben
für Mission und junge Kirchen liegen künftig nicht in der Instituts
-Mission, sondern in der Evangelisation und der Ausbildung
einer einheimischen christlichen Führerschaft, die jedoch „nicht
durch uns in unserer Tradition" zu erfolgen hat. Gemeinde und
Haus sind die Erziehungsstätten für die jungen Kirchen. Daheim
aber bedürfen wir zur theologischen Bearbeitung all der Probleme
, die sich ergeben, in weit höherem Maße als bisher der
Missionswissenschaft.

Patons Buch ist wegen der gedrängten Zusammenstellung
einer Fülle von Erfahrungen, kritischen Gedanken und positiven
Anregungen nicht leicht zu lesen, besonders in seinem letzten,
skizzenhaft wirkenden Kapitel. An die Missionswissenschaft ist
es in seiner Gegenwartsbezogenheit ein Aufruf, den sie nur zu
ihrem Schaden überhören kann; denn was ihm an Erfahrungen in
China zugrundeliegt, ist ja in der Tat durch ein Geschehen bewirkt
, daß „uns ein äußerstes Beispiel einer allgemeinen Tendenz
" darstellt. Für die Mission selbst ist es ein „Bußruf, der
von der Bußbank kommt".

Tübingen Gerhard Rosenkranz

BERICHTE UND MITTEILUNGEN

Bericht über die Arbeiten der Kommission für
spätantike Religionsgeschichte

(Stand vom Juni 19 54)

Der heutige Bericht kann anknüpfen an die Mitteilungen, welche
im Februarheft 1953 der Theologischen Literaturzeitung veröffentlicht
wurden. Die Kommission hat sich seither auf allen ihren Arbeitsfeldern

weiter festigen können. Zu beklagen hat sie den Tod ihres früheren
Mitarbeiters Dr. Martin Johanncssohn, dem es nicht vergönnt war, die
Arbeiten, die er in den wohlverdienten Ruhestand mitgenommen
hatte, zum Abschluß zu bringen; er verstarb am 2 5. Juni 1953 an Herz'
schlag. Als Septuaginta-Forscher und Sprachvergleicher hat er sich
der Wissenschaft einen bleibenden Namen geschaffen. Sowohl die Zahl
der freien wie der hauptamtlidien Mitarbeiter der Kommission ist wci'
ter gewachsen; 13 Wissenschaftler, zumeist jüngere Kräfte, stehen zyr