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Ausgabe:

1953

Spalte:

178-179

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Warren, Max

Titel/Untertitel:

The Christian mission 1953

Rezensent:

Rosenkranz, G.

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177 Theologische Literaturzeitung 1953 Nr. 3___l™

"eile" (Bischof Stohr, S. 27). Demgegenüber konnte Pius
Parsch aus Klostcrncuburg, der Begründer der volksliturgischen
Bewegung, auf dem Kongreß fordern: „Gebet dem Volk
seinen gebührenden Anteil an dem Kult zurück!" (S. 184) und
diese Forderung wie folgt begründen und präzisieren: „Die Liturgie
und auch die Seelsorgc ist klerikal geworden. Die Klcri-
kalisicrung der Liturgie geht weit zurück bis in die Zeit Gregors
L Diese hat es zum Teil verschuldet, daß die Messe eine
reine Priesterhandlung wurde, hat es verschuldet, daß die Gläubigen
immer mehr stumme Zuhörer, noch mehr, stumme und
verständnislose Zuschauer wurden . . . Wenn jetzt aber die Volksliturgie
die Laien aktivieren will, so droht ihr auf Schritt und
Tritt die Gefahr, mit den Rubriken in Konflikt zu geraten. Die
Volksliturgiker stehen beständig mit einem Fuß im rubrizi-
stischen Gefängnis. Ich möchte damit keineswegs andeuten, daß
wir die Rubriken geringschätzen. Es muß Ordnungsvorschriften
in der Kirche geben. Aber es steht fest, daß wir Volksliturgiker
die aktive Teilnahme des Volkes Schritt um Schritt erkämpfen
müssen. Und wir müssen es leider beklagen,^ wir nicht immer
Verständnis und Wohlwollen bei unseren kirchlichen Vorgesetzten
gefunden haben" (S. 191 f.). In der Linie der Enzyklika
• ■Mediator Dci" liegt die Verteidigung von Privat- und Stillmesse
; demgegenüber konnte der Oratoriancr Josef Gülden
aus Leipzig fordern, daß die ganz stille Messe wenigstens aus dci
Gemeinde-Sonntagsliturgie auszuklammern sei, und er beruft
sich dafür auf die Äußerung von Dr. Johannes Wagner in einem
1942 im Auftrag des Trierer Bischofs gehaltenen Referat:
-Die sonntägliche stille Messe, in der weder gepredigt noch gesungen
noch laut gebetet wird, und jeder völlig sich selber überlassen
bleibt, bedeutet erfahrungsgemäß, seclsorgerlich betrachtet
, ein Unglück" (S. 127). Der evangelische Christ wird sich
darüber freuen, wie energisch bestimmte Richtungen der liturgischen
Bewegung in der katholischen Kirche die Bibel auf den
Schild erheben. Pius Parsch berichtet davon, wie er die Bibel
erst im Feld 1916 als Priester richtig entdeckt habe: „Es war im
Stellungskrieg in den Karpathen, da kam urplötzlich der Gedanke
über mich: du kennst ja das Leben unseres Heilandes nicht; jeder
Germanist kennt das Leben Goethes genauer als ich das Leben
Jesu. Nun nahm ich die Evangelien zur Hand und mit einem
Heißhunger forschte ich in ihnen, bemühte ich mich um eine Harmonie
des Lebens Jesu. Gleich nach Beendigung des Krieges war
es für mich das erste, den Laien Bibclstunden zu halten" CS. 188).
Von daher kommt Parsch zur Forderung regelmäßiger Predigt:
-Es sollte am Sonntag keine Mcßfcicr geben, an der nicht das
Gotteswort verkündet und das Himmclsbrot gereicht wird"
(S. 193). Die gleiche Forderung ereibt sich für den schon erwähnten
Münsterer Theologen Volk aus der Zeichenhaftigkeit
des Sakramentes: ,, Die Zeichen im Gottesdienst erfordern das
Wort im Gottesdienst. Der christliche Gottesdienst ist ebenso
worthaft wie zeichenhaft. Zum Sakrament gehört ja auch Zeichen
und Wort. Das Wort hat eine überragende Funktion in der Verwirklichung
des Christlichen, insofern im Wortgottesdienst etwas
von Gott her. ja Gott selbst auf uns zukommt, ähnlich wie überhaupt
die Offenbarung, wenn auch nicht allein, so doch überwiegend
im Worte geschieht. Die Offenbarung des Herrn über
sich selbst ist in allem Tun doch ohne das worthaftc Selbstzeugnis
nicht vollständig, das Äußerste über sich selbst sagt Christus
. Die Offenbarung ist wesentlich worthaft, der Glaube kommt
vom Hören" (S. 45). Die Verwirklichung der Ziele der liturgischen
Bewegung erfolgt einmal im „Deutschen Hoch-
*mt": „Es ist jene Form des Hochamtes (genauer Amtes), in der
"ie Priestergesänge ohne jede Vcränderune in lateinischer Spraye
gesungen werden, das Volk aber an Stelle des lateinischen
Ordinariums und Propriums Lieder oder Gesänge in der Muttersprache
sinet" (S. 135 f.). Pius XII. hatte diese Form der Singmesse
auf Bitten Kardinal Bcrtrams durch Schreiben des Staats-
sekretariats vom 24. Dezember 1943 für alle damals zu Deutschland
gehörenden Bistümer ausdrücklich gestattet. Die Kritik am
deutschen Hochamt bemängelt, daß es dem gottesdienstlichen
Geschehen unangemessen sei, wenn sich die Gemeinde „einfach
selbst aussinge" (S. 129); es gelte, kultische Lieder zu schaffen,
mit denen das Volk Gottes den einziehenden Gottkönig nun
auch wirklich begrüße, ihm huldige, ihn anbete und sich von ihm

zur Entscheidung aufrufen lasse. Die zweite, von der liturgischen
Bewegung verwirklichte gottesdienstliche Form ist die Gemein-
s c h a f t s m e s s e, bei der die Gemeinde die priesterlichen Meßgebete
in deutscher Sprache laut mitbetet. Gülden zitiert die
Äußerung eines lutherischen Pfarrers nach der Mitfeier einer Gemeinschaftsmesse
: „Hätte es sie im 16. Jahrhundert gegeben,
so wäre in Bezug auf die Liturgie eine Reformation unnötig gewesen
" (S. 113). Eine Verbindung beider Formen stellt die Betsingmesse
dar, in der die Gemeinde die Stücke des Ordi-
nariums singt. Der Kongreß faßte vier Entschließungen, und
zwar bat er die deutschen Bischöfe, beim Heiligen Stuhl die Erlaubnis
zu erwirken: 1. Daß die Liturgie des Karsamstags vom
Morgen auf den Abend verlegt wird. 2. Daß überall, wo ein seelsorgerliches
Bedürfnis vorliegt, an Sonntagen und Werktagen
Abendmessen gehalten werden dürfen. 3. Daß die Erleichterungen
vom Gebot der eucharistischen Nüchternheit bestehen
bleiben. 4. Daß bei Gemeindemessen, d. h. bei solchen heiligen
Messen, die als gemeinsame Feier mit den Gläubigen gehalten
werden, nicht jedoch bei der bloßen sogenannten Privatzele-
bration der Priester, Epistel und Evangelium vom Zelebranten
selbst statt erst lateinisch unmittelbar in der Volkssprache verkündet
werden dürfen. Die drei ersten Bitten, die sich der deutsche
Episkopat zu eigen gemacht hatte, sind inzwischen vom Heiligen
Offizium erfüllt worden. Die Jugend hat darüber hinaus,
wie Prälat Ludwig W o 1 k e r aus Altenberg vortrug, die Bitte
„um die Erneuerung der Liturgie der ganzen Karwoche, um den
Gründonnerstaggottesdienst am Abend mit Einschluß des Man-
datums und der Fußwaschung dort, wo die Vorbedingungen gegeben
sind; um die volksnahe Gestaltung der Karfreitagsliturgie,
im besonderen mit der gesungenen deutschen Passion, und um
die entsprechende Gestaltung der herrlichen Karsamstagsliturgic"
(S. 172). Aus dem Referat von Romano Guardini über „Die
Liturgie und die geistige Situation unserer Zeit" griff der Kongreß
seine Kritik an der heutigen Gestalt der Hostien auf, die
der Gleichniskraft ermangele: „Das Brot ist zur papierähnlich
dünnen Hostie geworden. Die Gestalt ist nicht zerstört, aber sie
hat sich auf ein Mindestmaß zusammengezogen" (S. 75). Man
wünscht, die Hostien echter gestaltet zu sehen, brotähnlicher;
die Rücksicht auf die Fassungskraft der Ziborien verliere in der
Zeit der täglichen Konsekration ihre Bedeutung (S. 207). Imposant
ist das Arbeitsergebnis der den Bischöfen von Mainz und
Passau attachierten Liturgischen Arbeitsgemeinschaft und des
neuerdings begründeten, unter Leitung von Dr. Johannes Wagner
stehenden Liturgischen Institutes in Trier: Ein gemeinsames Rituale
der deutschen Bistümer wurde geschaffen und vom Papst
inzwischen bestätigt („Collcctio Rituum"), es wurden Richtlinien
für die Feier des deutschen Hochamtes und der Gemeinschaftsmesse
aufgestellt, in Guardini's approbierter Psalmenübcrtragung
wurde dem katholischen Volk ein einheitlicher deutscher Psalter
für das Stundengebet geschenkt. Regeln für das deutsche Psalmo-
dicren wurden aufgestellt CLiDphardt), ein deutsches Stundengebet
für die Schwester- und Brüderkonprcgationen ist fertiggestellt
, eine einheitliche deutsche Meßbuchausgabe, die dem störenden
Nebeneinander des „Schott" und des „Bomm" ein Ende
bereiten soll, befindet sich in Vorbereitung. Steckengeblieben
ist der Plan eines Einheitsgebetsbuches für die deutschen
Bistümer.

An den Verhandlungen nahm als Vertreter der liturgischen
Bestrebungen in Frankreich Pater Pie Duploye O. P. aus Paris
teil. Er faßte seine Eindrücke in einem kurzen Referat über den
peqenwärtigen Stand der liturgischen Dinge in Frankreich wie
folet zusammen: „Tout ce qui a etc dit ici, depuis trois jours,
nous le disons en France, tout cc que vous voulcz, nous le vou-
lons. tout ce que vous aimez, nous l'aimons" (S. 152).

Bcr,in Oskar SöhnEen

MISSIONSWISSENSCHAFT

Warten, Max: The Christian Mission. London: SCM Press [1951].
128 S. 8°. Lw. 8 7/6.

Inmitten der Krise, in die der Strudel des Weltgeschehens
auch die evangelische Weltmission hineingerissen hat, ist das Er-