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Ausgabe:

1953 Nr. 6

Spalte:

376-380

Kategorie:

Missionswissenschaft

Titel/Untertitel:

Bibliotheca Missionum. 15. Bd.: Afrikanische Missionsliteratur 1053-1599. 16. Bd.: Afrikanische Missionsliteratur 1600-1699 1953

Rezensent:

Westermann, Diedrich

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375

Theologische Literaturzeitung 1953 Nr. 6

376

Schwester. Zeugnis dafür ist die „Einleitung in die Missionswissenschaft
" des holländischen Professors Mulders. Sie ist kein
neuer Wurf, wie ihn auch die katholische Missionswissenschaft
braucht (vgl. hierzu B. M. Biermann, „Missionslehre oder Missionstheologie
" in „Missionswissenschaft und Religionswissenschaft
", Jahrg. 1949, Nr. 2, S. 138 ff), aber ein gutes Kompendium
ihrer gegenwärtigen Möglichkeiten und Notwendigkeiten,
vor allem nach der formalen Seite hin.

Ihr 1. Hauptstück beschäftigt sich mit der „Missionswissenschaft
im allgemeinen", stellt die etymologische, kirchliche und
theologische Bedeutung des Wortes „Mission" heraus, erläutert
den Begriff „Wissenschaft" und definiert die Missionswissenschaft
— diesem Ausdruck wird der in romanischen Ländern gebräuchlichen
Bezeichnung „Missiologie" gegenüber der Vorzug
gegeben — als die „methodische und systematische Kenntnis und
Behandlung der Missionsaktivität" (S. 19 f). Nachdem sodann
die „Entstehung und Entwicklung" der katholischen Missionswissenschaft
unter weitgehender Berücksichtigung der Anregungen
, die von dem beträchtlich früheren Bemühen auf protestantischer
Seite um einen systematischen Aufbau der Missionswissenschaft
und ihren Einbau in die theologischen Fakultäten ausgegangen
sind, dargestellt ist, wird ihr wissenschaftlicher und kirchlicher
Charakter betont und auf wichtige Quellen und literarische
Dokumente hingewiesen, die ihrer Arbeit auf katholischer wie
evangelischer Seite zur Verfügung stehen. Ihre Arbeit kommt
nicht nur der Missionspraxis, sondern auch der Philologie, Naturwissenschaft
, Geographie, Rechtskunde, Technik, Medizin und
vor allem der Theologie in ihren verschiedenen Disziplinen zugute
.

Das 2. Hauptstück ist der „Missionskunde" gewidmet, die
als „wissenschaftliche Vorstellung vom gegenwärtigen Zustand
des ganzen katholischen Missionswesens, sowohl was ihr Werk
in den Heidenländern als auch dessen Unterstützung in christlichen
Ländern betrifft" (S. 59) verstanden wird. Ihre besondere
Bedeutung wird herausgearbeitet, ihre Methode geklärt und ihre
Geschichte von der Apostelgeschichte bis zu wissenschaftlichen
Beiträgen unseres Jahrhunderts skizziert. Quellen- und Literaturangaben
ergänzen auch diesen Teil, der mit einer kurzen Betrachtung
der Missionsstatistik und Missionskartographie als
Hilfswissenschaften der Missionskunde schließt.

Der „Missionsgeschichte" wird im 3. Hauptstück die ausführliche
Behandlung zuteil, die sie erfordert. Es wird zwischen
ihrem materialen und formalen Gegenstand unterschieden und
ihre Aufgabe in ihrer Selbständigkeit und Notwendigkeit gegenüber
der Aufgabe der Kirchengeschichte nachgewiesen. Sie muß
objektiv, kritisch, pragmatisch, genetisch sein und das Ziel vollkommener
Geschichtsschreibung vor Augen haben. Sie soll ferner
nicht nur die Tatsachen des geschichtlichen Verlaufs, sondern die
ihn vorwärtstreibenden Ideen beachten, ohne die Tatsachen nach
den Ideen zu schematisieren. Der Stoffverteilung sind die Zeiträume
zugrunde zu legen, die sich „aus dem inneren Entwicklungsgang
der Mission selbst" (S. 88) ergeben. „Bei der Charakterisierung
der Zeiträume der Missionsgeschichte muß man mit
verschiedenen Faktoren rechnen, von denen wir mit Namen nennen
: Missionssubjekt und -objekt, Missionsziel und -resultat,
Missionsmittel und -methode" (S. 88f). Diese Faktoren werden
gekennzeichnet. Das systematische Vorgehen der evangelischen
Weltmission, „wie die Weltmissionskonferenzen zu Edinburg, Jerusalem
und Tambaram beweisen" (S. 93), wird zur Beachtung
empfohlen. Die Besprechung der Quellen und Sekundärliteratur
am Ende dieses Abschnittes ist besonders umfang- und inhaltsreich
.

An die Stelle der mancherlei Berührungen zwischen katholischer
und evangelischer Missionswissenschaft, die der evangelische
Leser bisher nicht nur deshalb empfand, weil der katholische
Verfasser sie erkennen ließ, treten im 4. Hauptstück, das von der
„Missionstheologie" („Allgemeine Betrachtungen; Besondere Unterteile
: Missionsapologetik, Biblische Missionstheologie, Überlieferte
Missionstheologie; Dogmatische Missionstheologie, Ethische
Missionstheologie") handelt, Gegensätze, die zutiefst im
katholisch-evangelischen Gegensatz wurzeln. Dennoch bedarf gerade
dieser Teil mit seiner katholischen Begründung und Rechtfertigung
der Mission des Studiums durch den evangelischen
Theologen, nicht zuletzt wegen des umfangreichen, in so wesentlicher
Zusammenstellung nur selten gebotenen Schrifttums, das
der Verfaser seinen Ausführungen zugrunde legt.

Auch die drei letzten Hauptstücke, die das „Missionsrecht",
die „Missionsmethodik" und die „Hilfswissenschaften (Sprachwissenschaft
, Völkerkunde, Religionswissenschaft)" behandeln, enthalten
viel Wertvolles und Anregendes, grundsätzliche Entscheidungen
und praktische Anwendungen, in denen sich der evangelische
Theologe dem Verfasser verbunden weiß. Über alles Trennende
hinüber bleibt auch hier der Dank dafür, daß Mulders'
Bericht über den gegenwärtigen Stand der katholischen Missionswissenschaft
für die evangelische Missionswissenschaft ein Anlaß
und auch eine Hilfe ist, sich ihrer besonderen Aufgabe in der
Weltlage von heute und im Ganzen der evangelischen Theologie
neu bewußt zu werden.

Tübingen O. Rosenkranz

Bibliotheca Missionum. Begonnen von P. Robert Streit O. M. I..
fortgeführt von P.Johannes Dindinger O. M. I. Freiburg:
Herder 1951/52. gr. 8° = Veröffentl. d. Inst. f. missionswiss. Forschung
.

15. Bd.: Afrikanische Missionsliteratur 1053—1 599, n. 1—2217. XXIII,
719 S. DM 40.-.

16. Bd.: Afrikanische Missionsliteratur 1600—1699, n. 2218—5151.
XXIII, 978 S. DM 55.-.

Nicht ohne Ergriffenheit kann man dies monumentale Werk
in die Hand nehmen, das, wenn in der Hauptsache auch nur in
der Form von Schriftentiteln, Zeugnis ablegt von einer christlichen
Missionstätigkeit, die in ihren Anfängen auf das 11. Jahrhundert
zurückgeht, eine fast unübersehbare Folge von niemals ganz aufgegebenen
Bemühungen, unter schwersten Opfern, Gefahren und
oft unter harten Entbehrungen und unendlich mühsamen Reisen
die christliche Religion auszubreiten. Immer fanden sich Männer,
später auch Frauen, die bereit waren, jedes Opfer fast wie selbstverständlich
auf sich zu nehmen, um dem an sie ergangenen Ruf
zu folgen. Wenn auch in alledem viel Nurmenschliches mitspielte,
so zeigt es doch überwältigend, daß der Missionssinn in der
christlichen Kirche niemals ausgestorben ist und der innere Drang
zur Ausbreitung des Glaubens, das Bewußtsein einer Verantwortung
für die Andersgläubigen, in der Christenheit stärkere Antriebe
zeigte als in anderen Weltreligionen. Daran ändert auch
wenig die niederdrückende Tatsache, daß das meiste von dem im
11. bis 17. Jahrhundert, also in mehr als einem halben Jahrtausend
Erreichten keinen Bestand gehabt hat, sondern bis auf unbedeutende
Reste untergegangen ist, um erst in der neuen
Missionszeit des 19. Jahrhunderts wieder aufgenommen zu werden
. Schuld an diesen schweren Rückschlägen sind die politische
Weltlage, von der die Missionen immer in hohem Maß abhängig
sind, die großen Entfernungen und unsicheren Verbindungswege
zu den Missionsvölkern, das siegreiche Vordringen des Islams, die
geringen Kenntnisse, die man über die fremden Völker und ihre
Lebensbedingungen hatte, die vielfach oberflächliche Missionsmethode
und schließlich wohl auch eine gewisse Erschlaffung
innerhalb der Kirche.

Die vorliegenden zwei Bände sind nicht eine Bibliographie
im gewohnten Sinn des Wortes. Sie enthalten nicht vorwiegend
Bücherritel, sondern in ihrer großen Mehrzahl außer päpstlichen
Bullen und Breven die Korrespondenz zwischen den Missionsoberen
und den Missionaren. Ihren eigentlichen Wert erhalten
die Schriftstücke dadurch, daß in den meisten Fällen kurze Inhaltsangaben
, oft mit erläuternden Bemerkungen, in deutscher
Sprache beigefügt sind. Man erhält dadurch einen überaus lebendigen
Einblick in den Alltag der Missionare, ihre Sorgen und
Hoffnungen, ihre Geld- und Krankheitsnöte, ihre Enttäuschungen
und Entmutigungen, gelegentlich auch ihre Entzweiungen und
Ordensstreitigkeiten und das Einschleichen falscher Brüder, aber
immer wieder auch die Bereitschaft, sich senden zu lassen und
jede Last auf sich zu nehmen.

Es sind in der vorliegenden Arbeit drei große Missionsgebiete
zu unterscheiden:

1. Nordafrika, 2. Ägypten und Äthiopien (Abessinien) und