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Ausgabe:

1952

Spalte:

513-522

Autor/Hrsg.:

Goppelt, Leonhard

Titel/Untertitel:

Heilsoffenbarung und Geschichte nach der Offenbarung des Johannes 1952

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Begründet von Emil Schürer und Adolf von Harnack
Unter Mitwirkung von Professor D. Ernst Sommerlath, Leipzig
HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. KURT ALAND, HALLE-BERLIN

NUMMER 9

Spalte

Heilsoffenbarung und Geschichte nach
der Offenbarung des Johannes.

Von Leonhard Ooppelt................ 513

'Auxgila ovx iXXoyütctt Rom. 5,13.

Von Gerhard Friedrich ............... 523

Das „Gesetz der Freiheit" in der Ordensregel
von Jericho. Von Ethelbert S t a u f f e r 527

Zur Terminologie der Acta von der Auferstehung
Jesu. Von Herbert Braun____ 533

Reuchlin und das Judentum. Von Wilhelm
Maurer.............................. 535

Beichte und Absolution nach den lutherischen
Bekenntnisschriften, von Emst

Kinder............................... 543

Alberti: Welchen Text nehme ich? (Fendt). 567
Balthasar: Origenes, Geist und Feuer. 2. Aufl.

(Altaner) ............................. 563

Driver: The'Hebrew Scrolls from the Neigh-

bourhood of Jericho and the Dead Sea

(Rost)................................ 559

Dürig: Imago (Altaner).................. 560

Eichrodt: Gottes Ruf im Alten Testament

(Zimmerli)............................. 559

77. JAHRGANG

Spalte

Green: Initium omnis peccati superbia
(Altaner) ............................. 563

Leys: L'image de Dieu chez Saint Gregoire
de Nysse (Völker)...................... 561

Matthews: The Problem of Christ in the
Twentieth Century (Delekat) ............ 564

Mohrmann: Tertullianus, Apologeticum en
andere Geschritten uit Tertullianus' voor-
montanistischen Tijd (Altaner)........... 563

[Notscher-Festschrift:] Alttestamentliche
Studien (Noth)......................... 557

Noppel: Aedificatio Corporis Christi. 2. Aufl.
(Fendt)............................... 566

Oepke: Das neue Gottesvolk (Wolf)....... 549

Perl: Augustinus, Der Gottesstaat (Altaner) 563

Peterson: Theologische Traktate (Kinder).. 554

Rowley: The Old Testament and modern
Study (Alt) ........................... 555

Rüther: Die sittliche Forderung der Apatheia
in den beiden ersten christlichen Jahrhunderten
und bei Klemens von Alexandrien
(Heussi) .............................. 564

SEPTEMBER 1952

Spalte

Schneider: Kennen und Erkennen (Schultz) 564
Wurm: Lebensrätsel und Gottesglaube.
4. Aufl. (Fendt)........................ 568

Theologische Arbeiten in Mikrokopie:

Kavolis: Das Problem der Wesenserkenntnis
des Staates in positivistischer und christlicher
Schau........................... 567

Korth: Wesen und Ordnung der Kirche im
theologischen Denken Alexandre Vinets ... 569

Ludwig: Das christliche Erbe in der deutschen
Frauenbewegung.................. 570

Lutz: Das Phänomen der Abtreibung in christlicher
Sicht ........................... 571

Marxsen: Die Einsetzungsberichte zum

Abendmahl............................ 572

Niebergall: Augustins Anschauung von der
Gnade................................ 574

Sauber: Die Abstraktion im israelitischen
Recht................................. 574

Berichte und Mitteilungen:

Preisausschreiben ........................ 576

Heilsoffenbarung und Geschichte m

Von Leonhard Go

Heilsoffenbarung und Geschichte ist heute weithin die bedrängendste
kirchliche und theologische Frage. Sie umschließt
die Frage nach dem Sinn der zur Schicksalsmacht gewordenen
Geschichte wie nach der Sendung des Christentums in der
Welt. An ihr bricht die innere Problematik der theologischen
Disziplinen auf1. An ihrer Lösung scheiden sich die theologischen
Richtungen. Sie ist unmittelbar das Thema des die
Kirche durch die Zeit leitenden letzten Buches der Bibel.

Daher spiegeln sich ihre Lösungen in den Deutungsweisen
der Apk. Die kirchengeschichtliche, die zeitgeschichtliche
und die endgeschichtliche Deutung verstehen die Apk
auf Grund ihrer apokalyptischen Sprache nach Analogie der
Geschichtsdarstellungen in der alttestamentlich-jüdischen Apo-
kalyptik. Man deutet sie analog z.B. Dan.7,1—14 naiv als Beschreibung
des Ablaufs der Kirchen- bzw. Weltgeschichte,
historisch-kritisch als Charakterisierung der Zeitgeschichte des
Sehers, historisch-positiv als Weissagung einer großenteils zukünftigen
Endgeschichte. Demgegenüber versteht sie die von
E. Lohmeyer2 eingeführte übergeschichtliche Deutung als Darstellung
mythischer Endereignisse, die zum Ausdruck bringt,
„was der Sinn alles Glaubens in Vergangenheit, Gegenwart
und Zukunft ist"3. Das dieser Deutung entsprechende sachliche
Anliegen macht Bultmann gegen Cullmann und Stauffer
in der These geltend: Das NT enthält keine Geschichtstheologie
, sondern die Botschaft „von dem in Jesus Christus die
Geschichte verneinenden und aufhebenden Gott"4.

Tatsächlich beschreibt die Apk nicht wie die Apokalyptik

') Vgl. H. Diem, Theologie als kirchliche Wissenschaft, 1951.

2) Die Offbg. d. Joh., 1926, weiter begründet in dem Forschungsbericht
ThR 1934 (besonders S. 280ff.) und 1935.

3) a. a. O. 188.

4) ThLZ 1939, S. 253ff. und 1948, S. 665ff. Lohmeyer:,,Für den Seher
ist Christus nicht aller Geschichte Wende, sondern Ende" (ThR 1935, S.62).
Die Apk enthält religionsgeschichtlich eine „apokalyptische Gnosis, welche

513 i

R 1? a.TÜB.

ich der Offenbarung des Johannes

ppelt, Hamburg

Hermann Strathmann in dankbarer Verehrung zum 70. Geburtstag

eine zu irgendeinem Zeitpunkt einsetzende, schicksalhaft festgelegte
Abfolge von Weltereignissen um ein Gottesvolk auf die
Äonenwende hin, sondern die Wesensgestalt des Geschehens,
das durch die Erhöhung des Gekreuzigten (Apk 5) und seine
Parusie (Apk 19) begrenzt und bestimmt ist. Diese beiden Vorgänge
aber sind nicht urzeitlicher und endzeitlicher Mythus,
der die Gnosis zur individuellen Selbsterlösung erschließt.
Beide Vorgänge und entsprechend auch das von ihnen bestimmte
Geschehen sind in einer Weise auf die Geschichte bezogen
, die weder durch die apokalyptische noch durch die gno-
stische Weltanschauung vorgegeben, sondern in Abgrenzung
gegen beide zu ermitteln ist. Die Apk entfaltet das Verhältnis
der in Christus erfolgten Heilsoffenbarung zur Geschichte nicht
wie die Evangelien an seiner Erscheinung selbst und nicht wie
vor allem Paulus an der vorhergehenden Geschichte, sondern
an der folgenden. Wir versuchen, diesen Ausschnitt im Umriß
nachzuzeichnen und in Wechselwirkung damit die Deutungsweise
zu klären1.

in der Nähe des Joh.-Ev. steht" (ThR 1934, S. 309). Über den systematischen
Hintergrund der gesamten Diskussion vgl. F. Holmström, Das eschatolo-
gische Denken der Gegenwart, 1936.

') Auf den hiermit skizzierten hermeneutischen Ansatz führen hin Ha-
dorn (1928), Behm (1935) und Strathmann (Was soll die Offbg. d. Joh. im
NT, 19472): Die Apk eine über die zeitgeschichtliche Beziehung hinausweisende
endgeschichtliche Prophetie. Aber der Akzent ist wohl noch stärker auf letzteres
zu legen. Die Beleuchtung der Zeitgeschichte ist nur Anwendung einer
kerygmatischen Wesensschau der Endgeschichte. Das Tier in Apk 13 ist ähnlich
wie das Subjekt von Röm.l,18ff. und 7,7ff. ein kerygmatisches Wesensbild
, das sich in der Geschichte immer nur ansatzweise realisiert. Den Hinweisen
der Apk auf diese ansatzweise Realisierung gingen zuletzt nach R. Schütz,
Die Offbg. d. Joh. und Kaiser Domitian, 1933, und E. Stauffer, Christus und
die Cäsaren, 1948, S. 161 ff. und Friedrichsen-Festschrift, 1947, S.237ff. Die
Im einzelnen weithin unsicheren Hinweise auf die Anwendung dürfen jedoch
keinesfalls als die Sinndeutung verstanden werden!

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