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Ausgabe:

1952 Nr. 6

Spalte:

368

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Cheng, Fatting T.

Titel/Untertitel:

China 1952

Rezensent:

Rosenkranz, Gerhard

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1952 Nr. 6

368

daß es eine wirklich in die Tiefe gehende Untersuchung eines Einzelgebietes
nicht geben kann ohne einen Blick auf die Gesamtheit der Wissenschaft überhaupt
. Diese Gesamtheit der Wissenschaft wiederum will aber nicht nur als
etwas rein Objektives verstanden sein, so stark ihr gegenüber auch die Haltung
der Sachgemäßheit vorgeschrieben ist. Sie wird ja vollzogen vom Menschen.
Deshalb geht es in der Frage der Allgemeinbildung darum, daß der ganze
Mensch in einem inneren Verhältnis zur Wissenschaft steht. Dabei handelt es
sich nicht nur um ein Wissen, sondern um ein inneres Beteiligtsein, das die
Sphäre des Intellekts weit übergreift. Wo dies aber geschieht, dort vollzieht
sich am Lernen der wirkliche Bildungsprozeß des Menschen. Der Mensch wird
dabei überall auf die Grenzen nicht nur der Einzelwissenschaften stoßen,
sondern auch auf die Grenzen der Wissenschaft überhaupt; in der Begegnung
zwischen Wissenschaft und Menschen brechen die Fragen auf, die über alles
Wissen hinaus in die echte Transzendenz verweisen. Von da aus bejaht P.
eine docta ignorantia, die die innere Offenheit für die Frage der letzten Wahrheiten
besitzt. Dies erst ist wirkliche Weisheit, die mehr als Klugheit ist.
P. schließt die Schrift mit den Worten des von ihm besonders geschätzten
Nikolaus von Kues: „Mehr freut sich, wer den unzählbaren und unausschöpf-
lichen Schatz seines Lebens gefunden hat als jener, der nur einen zählbaren
und vergänglichen fand."

In der Gesamtlialtung kann diese Schrift nur begrüßt
werden. Sie ist geeignet, die Frage um die rechte Haltung zu
Bildung überhaupt und Studium im besonderen wirklich weiterzuführen
. Es geht P. um die Grundfragen; er legt nicht ein
Programm vor, das in die Einzelheiten geht. Aber darauf
kommt es wohl auch zunächst nicht an. Erst aus einer wirklich
grundsätzlichen Untersuchung heraus können die Einzelfragen
fruchtbar behandelt werden. Es bleibt für den Theologen natürlich
die Frage offen, ob von einer Erkenntnis der Grenzen
der Wissenschaft und des denkenden Subjekts her schon der
Weg zu einer letzten Erkenntnis und damit zu einer Bildung
aus letzter Tiefe heraus erschlossen ist. Doch sollte diese Frage
auch für den protestantischen Theologen kein Hindernis darstellen
, Petzelts Gedankengang zu folgen und sich gerade von
ihm her in die entscheidende theologische Frage der Bedeutung
des Offenbarungsgehaltes für Bildung und Studium hineinstellen
zu lassen.

Berlin Hans Köhler

MISSIONS WISSENSCHAFT

Gensichen, Hans-Werner: Das Taufproblem in der Mission. Güters

loh: Bertelsmann 1951. 67 S. 8° = Beiträge zur Missionswissenschaft und
evang. Religionskunde, hrsg. v. W. Freytag u. G. Rosenkranz. H. 1. Kart.
DM 5.—.

Das Heft von H.-W. Gensichen ist für die Missionswissen-
schaft in doppeltem Sinne eine willkommene Gabe. Erstens
nimmt der Verlag Bertelsmann mit ihm eine alte schöne Uberlieferung
auf, indem er damit eine neue Reihe von Monographien
zur Missions- und Religionswissenschaft eröffnet, die
eine frühere Reihe von Allgemeinen Missionsstudien fortsetzt
und die Hoffnung weckt, daß die Mission wieder stärker in
die allgemeine theologische Diskussion kommt. Zweitens: Der
Verfasser, durch die Herausgabe der Allgemeinen Missionsnachrichten
und seine Mitarbeit an der Ev. Missions-Zeit-
schrift beachtlich ausgewiesen, nimmt ein Thema auf, das
meines Wissens seit Martin Kähler nicht ausführlich behandelt
worden ist. Wohl hat die Mission viel über Taufunterricht
, Taufvorbereitung, Taufbedingungen und Taufvollzug
veröffentlicht (besonders lehrreich sind die Arbeiten über die
neuen Namen, die sich die Täuflinge bei der Taufe wünschen),
aber dogmatisch hat man die Taufe kaum behandelt, und doch
ist ein klares Handeln nur möglich bei klarer Erkenntnis vom
Wesen der Taufe. Unter Heranziehung eines weit zerstreuten
Stoffes behandelt der Verfasser zuerst die Erwachsenentaufe
als Entscheidung, als Tat Gottes und als Aufnahme in die Gemeinde
, sich dabei an die deutschen Äußerungen über die
Taufe in der Mission anlehnend. Daraus ergeben sich ihm die
Taufprobleme, also die Frage nach den Voraussetzungen des
Katechumenats, die Frage nach der Wirkung der Taufe und
die konstitutiven Züge der Taufe als Sakrament der Gemeinde.
Aus diesen Problemen ergibt sich als entscheidend das Problem
des Verhältnisses von Glaube und Taufe, das in der Kindertaufe
in neuer verstärkter Form sichtbar wird. Die Lösung
des Problems findet der Verfasser, indem er die Taufe als
eschatologisches Sakrament würdigt, das den Täufling kraft
des Auftrages des Herrn in die Gemeinde aufnimmt, die
„schon" und doch „noch nicht voll" an der eschatologischen
Freude Anteil hat. So bleibt Gott der Handelnde und der

Mensch der Empfangende, dem aus dem Sakrament immer
neue Kräfte des Glaubens zuströmen. Ich führe einige Worte
aus indischer Missionserfahrung an: „Weil es von Jesus heißt: -
Das Wort ward Fleisch, darum gibt es das sichtbare Wort der
Taufe. Gott baut seine Gemeinde inmitten dieser Welt durch
die Taufe, und läßt sie wachsen durch das Abendmahl, weil es
ihm gefallen hat, seinen Sohn in das Fleisch kommen zu
lassen." Versteht man die Taufe so als das Handeln Gottes,
so bleibt dem Taufbewerber nur die Aufgabe des „empfangenden
Handelns", wobei nur das in einem kleinen Satz des Verfassers
umschlossene Problem bleibt, daß dem Glauben nicht
„jegliche Beziehung auf das Vorher der Taufe aberkannt" werden
darf. Vielleicht hilft hier die Erkenntnis weiter, daß in
der Gemeinde das „Schon" der eschatologischen Freude bereits
wirksam ist, das den Täufling berührt, aber erst durch
den Vollzug der Taufe für ihn in immer neu gewirktem Glauben
ganz persönlich wirksam wird. An den Missionen wie an
der dogmatischen Theologie wird es sein, die fruchtbaren Anregungen
des Schriftchens neu zu durchdenken und auszuwerten
.

" Tübingen M. Schiunk

Cheng, f.t.: China, das Werk des Konfuzius, chinesisches Wesen im

Lichte des Westens. Zürich: Rascher 1949. III, 436 S., 16Taf., 1 Kt. 8°.
Lw. DM 24.—.

Cheng schreibt im Vorwort seines Buches, das hier in
einer Übertragung aus dem Englischen („China moulded by
Confucius") vorliegt: „Genau besehen besteht ein Teil dieser
Arbeit — zwecks Erläuterungen — aus den Ubersetzungen von
ausgewählten Stellen der alten Klassiker mit deren Kommentaren
, einschließlich der Lehrsätze des Konfuzius und anderer
Weisen, und eines Kapitels eines bekannten historischen
Romans als literarische Ergänzung". Dieser Teil macht den
besonderen Wert seines Buches aus. Es ist ein hochgebildeter
Chinese, der hier, unberührt von kritischen Erwägungen gegenüber
seinem Stoff, getragen von dem stolzen Gefühl des ihm
anvertrauten Geisteserbes, schreibt und der zugleich bemüht,
durch seine 20jährige diplomatische Tätigkeit im Westen auch
befähigt ist, die geistige, religiöse und sittliche Welt seines
Volkes mit derjenigen des Abendlandes zu vergleichen. Daß
seine Ausführungen oft in einem Vagen, Schwebenden befangen
bleiben, nicht die dem Europäer notwendig erscheinende
Grundsätzlichkeit und Konkretheit gewinnen, entspricht
ostasiatischer Wesensart. Hier liegt auch der Ansatzpunkt
für die häufigen Auseinandersetzungen des Verf.s mit
europäischen Sinologen und Chinakennern, die für das Studium
seiner Anschauungen nur förderlich sind. Vorangestellt
ist dem Buche jener Abschnitt aus dem „Buch der Sitte", der
das Ideal der „Großen Gemeinsamkeit", die dem Konfuzius
„vorschwebende Gesellschaftsordnung", preist. Im Grunde ist
alles, was Cheng über die „Sitte", den „Edlen", das „Gefühl",
über Religion, Philosophie, Familie, Hochzeit, Freundschaft,
über Literatur und Kunst schreibt, eine Darstellung der
geistigen Kräfte, die nach konfuzianischer Lehre der Verwirklichung
dieses Ideals dienen. Es wäre wertvoll gewesen, wenigstens
in einem Schlußabschnitt zu erfahren, wie die Verwirklichung
dieses Ideals mit seinem Höchstwert der „Bruderschaft
" in der Geschichte Chinas verlaufen ist. Vollends heute,
wo das Schicksal Chinas in den Händen eines Mannes liegt,
in dessen Anschauungen sich konfuzianischer Geist und
Marxismus-Leninismus verbinden, hat das Ideal der „Großen
Gemeinsamkeit" in seiner Begegnung mit dem Ziel der Herrschaft
des Weltproletariats bedrängende Aktualität gewonnen.
Von außen gesehen, besteht weithin eine Gleichheit der
Formulierungen und Methoden. Ob auch im Wesen ? Diese
entscheidende Frage bleibt zu untersuchen und zu beantworten
. Chengs Buch vermag dafür vorbereitende Dienste zu
leisten.

Tübingen Gerhard Rosenkranz

Eberhard, Wolfram: Chinas Geschichte. Bern: Francke [1948]. 404 s.,
31 Abb. auf Taf., 6 Kt. 8° = Bibliotheca Sinica. Chines. Philosophie, Literatur
, Kunst, Geschichte. Hrsg. v. E. H. v. Tscharner Bd. I. sfr. 18.— ;
geb. sfr. 22.50.

Der Verf. ist sich des Wagnisses bewußt, das die Veröffentlichung
einer neuen „Geschichte Chinas" nach ihren zahlreichen
Vorgängern bedeutet. Wenn er es dennoch unternommen
hat, so hat ihn dazu die Erkenntnis bewogen, daß die
moderne Sinologie im Abendland wie in China selbst auf
Grund literarkritischer Forschungen wie umfangreicher Ausgrabungen
der letzten 20 Jahre an einem Punkte angekommen