Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1951 Nr. 11

Spalte:

692

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Newbigin, Lesslie

Titel/Untertitel:

A South India diary 1951

Rezensent:

Rosenkranz, Gerhard

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

691

Theologische Literaturzeitung 1951 Nr. 11

692

bungen der Handschriften allzu uneinheitlich und oftmals allzu
knapp ausgefallen sind; zur Kontrolle jedoch wird die Arbeit
höchst erwünscht sein.

Inwieweit aber wird der Verfasser seiner eigentlichen Aufgabe
gerecht, das Quellenmaterial für die Erforschung des patri-
stischen Einflusses auf das abendländische Mittelalter an die
Hand zu geben ? Wie das Vorwort ausweist, erwuchs die Studie
aus dem Seminar Paul Lehmanns und wurde in ihrer Thematik
mehrmals erweitert. Dieser Umstand erklärt wohl die
Diskrepanzen, die sich in mancher Hinsicht feststellen lassen.
So setzt sich der Verfasser beispielsweise S. 7 „die weitestmögliche
Erfassung" der einschlägigen Handschriften zum
Ziel und muß doch bereits S. 33 bei der Behandlung der Apo-
kryphen-Literatur die Einschränkung machen, daß er für diesen
Abschnitt „durchaus nicht den Anspruch" auf Vollständigkeit
erheben könne; so wird zwar die direkte Überlieferung
neben den Angaben der mittelalterlichen Bibliothekskataloge
bestens berücksichtigt, während die indirekte Überlieferung
der Zitationen gänzlich unbeachtet bleibt. Auch in seiner Anlage
und Gestalt ist das Büchlein nicht immer so übersichtlich,
wie mau es gerade bei solch einer statistischen Arbeit wünschte,
über Fragen, die für die gegebene Aufgabe von durchaus
zweitrangiger Bedeutung sind (z.B. solche über Entstehung,
Überlieferung und Ausgaben der griechischen Originalwerke)
wird mitunter ziemlich breit referiert, obgleich ein Literatur-
hinweis an dieser Stelle genügt und die Ubersicht erleichtert
hätte.

Der Umstand, daß Siegmund, wie im vorigen Abschnitt
gezeigt wurde, das verwertbare Material noch nicht bis zum
letzten vollständig zusammengetragen hat, hindert jedoch
nicht, daß die Schlüsse, die er daraus zieht, als begründet zu
gelten haben und durch Fortsetzung seiner Studien wohl noch
in Einzelheiten geschärft, im ganzen aber doch nicht mehr umgestoßen
werden können. In einem eigenen Schlußkapitel faßt
sie der Verfasser S. 2y8ff. zusammen: Es steht fest, daß besonders
während der karolingischen Zeit und zu dieser wieder
an einigen Schwerpunkten, wie z.B. dem mittelrheinischen
und Bodenseegebiet, Bobbio und Nordfrankreich, die griechische
Patristik studiert worden ist, und auch in späterer Zeit
noch Interessenten fand. Groß war freilich der Einfluß des
„griechischen Geistes" nicht. Am stärksten wirkt noch die
griechisch-christliche Historiographie, das entscheidende dogmatische
Schrifttum blieb dagegen unübersetzt. Was am ehesten
verbreitet wurde, waren Predigten, asketisch-monasti-
sche Traktate und Heiligenviten. So zeigen Siegmunds Untersuchungen
recht eindrücklich, wie wenig das Abendland im
frühen Mittelalter von der Geisteswelt des griechischen Ostens
wußte.

Resümieren wir abschließend den Ertrag unserer Betrachtungen
! Siegmuud legt eine im wesentlichen vollständige
Quelleusammluug vor, ausgerichtet auf ein geistesgeschichtliches
Problem. Die Ergebnisse, die sich dabei andeuteten, werden
sich auch dann nicht wesentlich ändern, wenn der Verfasser
, seine Arbeiten in der bisherigen Linie fortsetzend, jene
Quellensammlung kompletierte. Sollte er darum nicht besser
seine weiteren Studien auf die philologische Aufgabe abstellen,
die wir eingangs berührten, und zu einem umfassenden Werke
über die Uberlieferung und den Bestand der griechischen
christlichen Literatur in mittelalterlichen lateinischen Ubersetzungen
(Wahl des Titels in Analogie zu Ehrhards Werk) zu
gelangen suchen ? Seine bisherigen Arbeiten haben ihn wie nur
wenige mit den einschlägigen Hilfsmitteln vertraut gemacht,
so daß es ihm sicher nicht schwer fallen dürfte, seine Erfassung
des Handschriftenbestandes bis in die Humanistenzeit voranzutreiben
. Und dazu noch ein paar Ratschläge für die äußere
Gestaltung: Knappe Fassung des Textes; Verzicht auf nicht
zur Sache Gehöriges, statt dessen Literaturhinweise; weitestgehende
Verwendung der Tabellenform; einheitliche, ausreichende
Beschreibung der Handschriften. Möge am Ende
eine Schulmeistern verziehen sein: Bekleidete Infinitive werden
im Deutschen durch Kommata von den übergeordneten
Sätzen getrennt!

Berlin Jon. Irmscher

MISSIONS WISSENSCHAFT

Schilling, Dorotheus, Prof. Dr., o. f. M.: Hospitäler der Franziskaner
in Miyako (1594—1597). Schöneck-Beckenried (Schweiz): Administration
der Neuen Zeitschrift für Missionswissensch. 1950. 93 S. gr. 8° — Schriftenreihe
der Neuen Zeitschrift für Missionswissenschaft IX. Kart. sfr. DM 4.20.

Durch das Breve „Ex pastorali officio" vom 28. 1. 1585
hatte Papst Gregor XII. die Missionierung Japans ausschließlich
den Jesuiten, die dort bereits seit 1549 tätig waren, zugewiesen
. Es zeugt von der hohen missionarischen Verantwortung
, die die Franziskaner erfüllte, daß sie es wagten,
• gegen die päpstliche Anordnung und gegen den Widerstand
vieler jesuitischer Japanmissionare und der von ihnen aufgehetzten
japanischen Behörden von den Philippinen aus ihre
Missionsarbeit in Japan zu beginnen. Sie taten das im Jahre
1594 durch die die besondere Art ihrer Wirksamkeit kennzeichnende
Eröffnung einer ärztlichen Mission in der damaligen
Hauptstadt Miyako, dem heutigen Kyoto. Diese
Arbeit, die ihren Mittelpunkt in zwei Hospitälern hatte,
schildert Sch. in vielen Einzelheiten, die die Gründung, Finanzierung
und den Betrieb der beiden Krankenhäuser betreffen.
Bereits am 2. 1. 1597 mußten beide Hospitäler — St. Anna
nach kaum zweijähriger, St. Joseph nach einjähriger Tätigkeit
— ihre Arbeit einstellen. Die Jesuiten hatten erreicht, daß der
Diktator Hideyoshi, der den Franziskanern zunächst freundlich
gesonnen war, sich gegen sie wandte. Sch.s Ausführungen
geben seinem Urteil recht, daß die beiden Krankenhäuser
„bald nach ihrer Errichtung zu zwei Sammlungs- und Strah-
lungspunkten echt christlicher und franziskanischer Karitas
wurden, zu zwei Kraftzentreu, von denen das Licht des hl.
Evangeliums ausstrahlte, und die Wärme echt katholischen
Lebens auf Christen und Nichtchristen ausströmte" (S. 81).
Der Verf. hat dadurch, daß er als Historiker nicht „vor der
Behandlung auch weniger angenehmer Seiten seines Objektes
" zurückgeschreckt ist, einen wertvollen Beitrag zur Geschichte
des „Christlichen Jahrhunderts" in Japan geleistet.

Tübingen Gerhard Rosenkranz

Grayston, E. Alison, and Clifton Ackroyd: Africa. Christianlty on the
map. Number onc. London: Edinburgh House Press 1950. 31 S.Pp.3s.6d.

Unter Verwendung der neuesten statistischen Angaben
führt dieser Atlas durch zahlreiche Karten und Zeichnungen
sehr übersichtlich und einprägsam in den Stand und die Umwelt
der Arbeit der größeren britischen Missiousgesellschaften
in Afrika ein. Ein entsprechender Band „Indien" ist in Vorbereitung
. Ob sich nicht eine ebenso eindrucksvolle Darstellung
der Arbeit der übrigen britischen sowie amerikanischen
und kontinentalen Missionsgesellschaften ermöglichen
ließe? Vor allem sollten unsere deutschen Missionen erwägen,
ob nicht auch sie den Weg, der hier beschritten ist, verfolgen
sollten.

Tübingen Gerhard Rosenkranz

Newbigin, Lesslie: A South India diary. London: Edinburgh House
Press 1951. 125 S. Pp. 3 s. 6 d.

Zweierlei macht dieses Büchlein empfehlenswert: einmal
das Vorwort, in dem der Verf. einen Uberblick über die Entstehung
der Kirche Südindiens gibt, der er als Bischof an -
gehört, sodann die fesselnde Darstellung des noch von Kaste
und Vedänta bestimmten, aber auch von modernen politischen
und wirtschaftlichen Problemen aufgewühlten Lebens in den
Dörfern seiner Diözese Madura. So ist ein in seiner Nüchternheit
wie in seiner Tiefenschau sehr eindrucksvolles Bild der
Möglichkeiten, die der Arbeit der Mission wie der einheimischen
Kirche gegeben sind, der Mängel, die ihr anhaften, und der
Grenzen, die ihr gesetzt sind, entstanden.

Tübingen Gerhard Rosenkranz