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Ausgabe:

1951 Nr. 11

Spalte:

682

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Grayston, E. Alison

Titel/Untertitel:

Africa 1951

Rezensent:

Rosenkranz, Gerhard

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Seite 1

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681

Theologische Literaturzeitung 1951 Nr. 11

682

was in Anbetracht seines nachweisbaren Ekklektizismus doch
wohl eine lebhafte Übertreibung bedeutet.

Für den Philosophiehistoriker ist das Werk sehr interessant
, wenn er es W. vielleicht auch nicht abnehmen wird,
daß der von ihm übersystematisierte Ph. der Urheber der
Geistesentwicklung für die nächsten 17 Jahrhunderte bis hin
zu Spinoza (II, 759) gewesen sein soll. Bibelexegese und Reli-
gionsgeschichte interessieren sich für ganz andere Seiten an
Ph., die bei W. meist außer Ansatz bleiben oder nur am Rande
vorkommen. Wenn man sich ein so bedeutendes Werk der
Philoforschung wie das bei uns kaum bekannte von E. Goode-
nough: By Light Light (New Heaven 1935) ansieht, das in
Philo mystagogische Elemente ans Licht hebt und ihn als Vertreter
einer jüdisch-hellenistischen Gnosis nimmt, oder wenn
mau an die Untersuchungen von W. Völcker, J. Pascher
oder in ganz andrer Hinsicht L Heinemann denkt, ergibt
sich erst, wie begrenzt die Interessennahme W.s an Philou im
Grunde ist. — übrigens findet Auseinandersetzung mit Sekundärliteratur
bei W. kaum (allenfalls I, 98L) statt.

W. geht von der rechtmäßigen Feststellung aus, daß Philo und das Mittelalter
vor der gleichen Aufgabe gestanden haben, zwischen Bibel und griechischer
Philosophie, zwischen Glauben und Wissen zu vermitteln und daß beide
Male harmonistische Lösungen angestrebt wurden. Nach W. (cap. II) sollen
Philo und die Alexandriner die Philosophie bereits als ancilla theologlae eingeschätzt
haben (I 145ff.), was aber durchaus fraglich wird, wenn man die
verwickelte und durch Entwicklungsstufen durchgehende Sonderart der philo-
nischen Logoslehre überdenkt, daß „Licht durch Licht", der in Natur und
Sittengesetz waltende Logos durch den „göttlichen" Logos im Menschen erkannt
wird. Cap. IV behandelt Gott, Ideenwelt und Logos nebst ihren komplizierten
Relationen (200—294). Cap. V über Schöpfung und Struktur der Welt
sowie cap. VI über den immanenten Logos, die Naturgesetze und ihre Durchbrechung
(Wunder) umschließen Philos Auseinandersetzung mit der griechischen
Philosophie, wobei die aristotelischen Denkelemente offenbar durch
W.s eigenen Ausgang von der Scholastik auffällig betont werden (295—359).
Cap. VII erörtert Philons Seelenlehre, Angelogie und Unsterblichkeitsvorstellung
mit vielen interessanten Detailproblemen (360—423). Die Nachwirkungen
philonischer Vorstellungen bei den KW. (zumal I 155ff., 354ff.,
417ff.; II 155, 290ff. U. ö.) haben für die Patristiker erhebliches Interesse. Ein
Kapitel (VIII) über den freien Willen beschließt den ersten Band, das als
Gegenstück zur göttlichen Freiheit Wunder zu wirken die jüdische Lehre von
der Wahlfreiheit des Menschen zwischen gutem und bösem Trieb bei Philon
herausstellt (424—462).

Der zweite Band ist in großen Partien den Problemen der Gotteserkenntnis
gewidmet: Cap. IX handelt von Erkenntnis und Prophetie, wobei die Pro-
phetie von Philo mit der höchsten Stufe der Erkenntnis bei Piaton, der
ärdfivrioii, identifiziert wird (II, 3—72). Cap. X erörtert die Gottesbeweise
(73—93), cap. XI die Unerkennbarkeit Gottes und der göttlichen Prädikate
(94—164), während cap. XII sehr breit die philonische Ethik, aufgebaut auf
der Übereinstimmung von lex mosaica und lex naturalis, diese aber in jüdischem
Sinne interpretiert (165—321), und cap. XIII die „PoIitik"Philos behandelt
(322—438). Die Messianologie Philons wird der Politik zugeordnet, da
Ph. eine Weltgeltung des mosaischen Gesetzes für den Völkerbund der messiani-
schen Zeit annimmt. Ein Abschlußkapitel XIV fragt danach, was an Philo
neu sei (439—459).

Mau wird dem Werke W.s seine hohe Bedeutung für die
Philoforschung nicht absprechen oder verringern dürfen. Im
Grunde hat erst W. Philon für die Philosophiegeschichte erschlossen
, wenn es auch trotz der vielen herangezogenen Gesichtspunkte
(und leider auch ermüdenden Wiederholungen)
schwerlich der ganze Philo ist, der hier behandelt worden ist.
Aber eine Fülle von Materialien und Einzelbeobachtungen
sind vor der Forschung ausgebreitet worden. Inwieweit die
liarmonistische Tendenz des Verf.s eine zu weitgehende Annäherung
zwischen rabbinischer Tradition und griechischer
Philosophie bewirkt hat, ist mindestens diskutabel. Nach W.
würde Philos System in einer Revision des Piatonismus bestanden
haben unter Einbau aristotelischer Positionen und
einer Kritik des Stoizismus.

Hinsichtlich des Zusammenhanges Philos mit der jüdischen
Tradition wird man zu größerer Klarheit aber nur in
Fortführung der sauberen Interpretationsarbeit von I. Heine-
manii kommen können, der seinerzeit (Philons griechische
und jüdische Bildung, Breslau 1932) im Detail untersucht
hatte, welche Meinungen und Lehren Ph.s hellenistischen Ursprungs
und welche als jüdisches Glaubeusgut anzusprechen
sind. Dabei ergibt sich häufig gerade aus der Zusammenbiegung
heterogener Denkelemente ein viel größerer Synkretismus
, besonders auch in Ph.s Inspirationslehre, als W. wahrhaben
will.

Die hebräischen Sprachkenntnisse Ph.s werden von W.
(I, 88f.) doch wohl überschätzt und auch seine zweifellos vorhandene
Kenntnis mündlicher Traditionen der palästinensischen
Haggada, die bis nach Alexandrien gewirkt hat, würde

ich nicht zu sehr betonen. Wichtiger erscheint mir, daß Ph'
Zentralbegriffe der hebräischen Bibel wie berit, kados usw-
nicht zu kennen scheint (vgl. Heinemann 481 ff.) und daß er
die altjüdische Sünden- und Erlösungsvorstellung psychologi-
siert und anthropologisiert hat. Ich habe dafür in „Zeitschrift
für Religions- und Geistesgeschichte" Jg. II (195°). Heft IV,
S. 297ff. einige Nachweise gegeben. Und gerade daran, daß
Ph. die berit Gottes mit den Patriarchen und dem Volke
Israel, als Ergebnis einer Übereinkunft zweier Parteien, in eine
einseitige Willenserklärung Gottes im Sinne von „Testament'
oder offenbarte „Beschaffenheit" bzw. Wesensart Gottes umgewandelt
hat (vgl. etwa de mut. 110111. 53, de somn. II, 223f.
zu Gen. 16, 18 u. ö.), läßt sich erweisen, daß Philos Verwendung
der LXX neben oder an Stelle des Urtextes zu einer
starken Umbildung des altjüdischen Glaubensgutes geführt
hat und führen mußte. Diese mehr religionsgeschichtliche und
philologische Betrachtungsweise liegt nicht im Blickwinkel des
W.sehen Interesses, müßte aber doch wohl auch einer philosophischen
Betrachtungsweise zur Voraussetzung dienen.

Erlangen Hans-Joachim Schoeps

Allgeier', Arthur: Die neue Psalmenübersetzung. Der Liber Psaimomm

cum Canticis Breviarii Roman! mit einer Tabelle des neuen Wortschatzes.
Deutsch bearb. in Verb, mit Heinrich Schneider, Othmar Heggelbachcr,
Alfons Deißler. Freiburg: Herder 1949. IV, 347 S. 8°. Lw. DM9.80.
Der bekannte katholische Psalmenforscher A. Allgeier-
Freiburg legt hier die erste deutsche Übertragung des neuen,
im Auftrage von Papst Pius XII. 1941—1944 hergestellten
lateinischen Psalteriums („Psalterium Pianum") vor, das bestimmt
ist, den bisherigen Vulgatatext — Psalterium Galli-
canum — abzulösen; vgl. A. Allgeier, ThLZ 73 (1948), 203 bis
208. Dieser Psalmenübersetzung, die besonderen Wert darauf
legt, neben einer wissenschaftlich einwandfreien Verdeutschung
auch dem Wesen unserer Sprache gerecht zu werden,
sind die Cantica des römischen Breviers vollzählig beigegeben.

Für die im wesentlichen wohlgelungene Übertragung
zeichnen verantwortlich: H. Schneider (Ps. 1—50 und Cantica
), O. Heggelbacher (Ps. 51—100) und A. Deißler (Ps. 101
bis 150). Jedem einzelnen Lied sind kurze Einführungen vorangesetzt
, die sich zwar im allgemeinen im traditionellen
Rahmen halten, gleichwohl aber hier und da auf der modernen
Forschung basieren. Zum Ganzen hat der Herausgeber eine
bedeutsame Einleitung verfaßt, in der er in die Problematik
der lateinischen Übersetzungen einführt und zugleich das neue
Psalterium methodisch begründet. Des weiteren hat er der
Übersetzung einen Schlußteil angefügt, der in gedrängter
Kürze den Wortschatz des neuen Psalteriums im Vergleich
zur Vulgata lateinisch und deutsch mit genauer Stellenangabe
enthält.

Wie die Beifügung des apostolischen Schreibens „über
den Gebrauch der neuen lateinischen Psalmenübersetzung im
Breviergebet" zeigt, ist die deutsche Ausgabe vornehmlich für
den praktischen Gebrauch des katholischen Geistlichen bestimmt
. Darüber hinaus wird aber auch der protestantische
Forscher das geschmackvoll ausgestattete Werk gern zur
Hand nehmen als einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der
Psalmenversionen und damit zur Geschichte der Psalmenexegese
.

Jena Rudolf Meyer

NEUES TESTAMENT

Blinzler.Joseph.Prof.Dr.: Der Prozeß Jesu. Das jüdische und das römische
Gerichtsverfahren gegen Jesus Christus auf Grund der ältesten Zeugnisse
dargestellt und beurteilt. Stuttgart: Katholisches Bibelwerk [1951].
VII, 171 S. 8° - Bibclwiss. Reihe Nr.4. Kart. DM 3.90.

„Die vorliegende Studie setzt sich zum Ziel, den geschichtlichen
Verlauf und den juristischen Charakter des
Prozesses Jesu zu ermitteln und darzustellen." Ohne eine
Rechtfertigung traditioneller Auffassungen zum Ziel zu haben,
hofft sie doch, „dem unvoreingenommenen Leser klarzumachen
, daß der von modernen Autoren unternommene Versuch
, die Geschichtlichkeit oder wenigstens den Prozeßcharakter
der jüdischen Verhandlung gegen Jesus zu bestreiten
, ein Irrweg ist", so äußert sich der Verf. selbst über die
Aufgabe, die er sich gestellt hat (S. VII). Es geht ihm also
wesentlich um die kritische Prüfung der öfter, am vernehmlichsten
von H. Lietzmann, Der Prozeß Jesu (Sitzungsberichte
der Preuß. Akad. d. Wiss. 1931, S. 313-322), aufgestellten
Behauptung, der Bericht über die Verurteilung Jesu vor dem
Hohenrat (Mk. 14 55—65) sei unhistorisch. Doch bietet er