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Ausgabe:

1951 Nr. 10

Spalte:

621-624

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Oehler, Anna

Titel/Untertitel:

Das Wagnis des Glaubens 1951

Rezensent:

Rosenkranz, Gerhard

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Theologische Literaturzeitung 1951 Nr. 10

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sehen zur existentiell bevorzugten Seinsart, der Weite zur
höchsten seelischen Qualität, des Unendlichen zur göttlichen
Substanz erhellt und von der Romantik radikal und endgültig
geschieden (wie auch der — an sich leichter zu erkennende —
Unterschied von der klassischen Welt, z. B. der Goethes, sehr
gut formuliert ist). Als letzte Stufe und wesentliches Sinnbild
(mehr als Sinnbild) ist derRaum erkannt, als geistiges Etwas
erlebt, die Gestalt verschlingend, fließende Substanz, die Diesseits
-Jenseits-Scheide aufhebend, im „Engel" sich verdichtend
und selbst in Rilkes Sprache eingehend, deren Aufhellung
allerdings kaum gelungen, vielleicht überhaupt nicht möglich
ist,

Halle und Berlin Wilhelm Kncvels

MISSIONSWISSENSCHAFT

Odller, Anna: Das Wagnis des Glaubens. Leben und Werk Hudson
Taylors. Basel: Basler Missionsbuchhandlungr 1948|. 432 S., 1 Titeibl., 1 Kt.
8". Lw. sfr. 15.50.

Hoffman n, Albert: Lebenserinnerungen eines Rheinischen Missionars.

Bd. h Auf dem Missionsfeld in Neu-Guinea. Bd. II: In der Heimat. IHrsg.
v. Dr. Wilhelm Brandenburger.] Wuppertal-Barmen: Verl. d. Rhein. Missionsgesellschaft
[I948/49J. 344 S., 1 Titelb.; 259 S., 1 Titelb., 1 Kt. 8".
Hlw. DM 7.50 u. DM 5.80.
Sinclair, Margaret: William PatOll.^ London: SCM Press 1949. 272 S.,
1 Titelb. 8°. Lw. s. 15.—.

Jedes dieser drei Werke schildert das Leben eines Mannes,
das von dem Auftrag, der Welt Christus zu verkünden, erfüllt
gewesen ist. Was die drei unterscheidet, ist der Ausgangspunkt
, von dem aus sie ihren Dienst taten, sowie Form und
Weite ihres Wirkens. Hudson Taylor, im Jahre 1832 in dem
englischen Städtchen Barton als Sohn eines Apothekers geboren
, wuchs schon als Knabe in die innere Geborgenheit
hinein, die seinen Eltern der Glaube an das Versöhnungswerk
Christi schenkte, eine Geborgenheit, die alles andere als Quic-
tisinus war, die vielmehr von der Sorge um alle die Menschen
bewegt wurden, die in China starben, ohne von Christus erfahren
zu haben. A. Oehler schreibt in diesem Zusammenhang
(S. 23) von den „vierhundert Millionen Chinesen, unter
denen kein einziger predigender Christ war". Das stimmt nicht.
Es gab damals schon Missionare in China, auch aus England.
Und wenn Taylor sich mit Zustimmung seiner Eltern entschloß
, China-Missionar zu werden, so geschah das unter dem
Eindruck der Tätigkeit Gützlaffs in China, der auch die Chinesische
Evangelisations-Gesellschaft in London ihre Entstehung
verdankte. Von dieser Gesellschaft ließ Taylor sich
im Jahre 1854 aussenden, nachdem er sich auf seinen Dienst
gründlich vorbereitet hatte; seine medizinischen Studien
schloß er erst nach seiner ersten Rückkehr aus China (1860)
durch das Staatsexamen ab. Was ihm in den 51 Jahren seiner
missionarischen Tätigkeit — er ist im Jahre 1905 auf Hongkong
gestorben — an Leiden und Freuden, an Enttäuschungen und
Erfolgen beschieden gewesen ist, gewinnt in der Darstellung
A. Oehlers, die auch persönlichstes Erleben sachlich, aber mit
starker innerer Anteilnahme dem Leser nahebringt, eine unvergeßliche
Eindringlichkeit. Taylors Briefe und Tagebuchaufzeichnungen
werden von ihr reichlich benutzt. Daß Taylor
sich von seiner Londoner Gesellschaft trennte und zum Gründer
einer selbständigen Mission, der China-Inland-Mission,
wurde, geschah aus den Erfahrungen seiner Wirksamkeit heraus
, die der neuen Organisation ihr ganz besonderes, sehr persönliches
Gepräge gab. Taylor, der allein nach China gegangen
war, hatte zeitweise 1350 Mitarbeiter auf dem Missiousfelde;
bei seinem Tode waren es 849, und die Zahl der chinesischen
Christen, die bei seiner Ankunft 300 betragen hatte, war auf
125000 angewachsen. Es lassen sich zweifellos gegen die Art
der Wirksamkeit Taylors wie auch gegen die Ausbildung seiner
Missionare Bedenken vorbringen; auch haben sich die Verhältnisse
, unter denen er wirkte, in der gesamten Weltmission
seit Beginn unseres Jahrhunderts so grundlegend gewandelt,
daß seine Arbeit zu einem abgeschlossenen Kapitel der Missionsgeschichte
geworden ist. Aber dieses Kapitel ist einmalig,
wie der Mann, der es aus der Kraft seines Glaubens und Gebetes
gestaltet hat, einmalig ist. Das gilt auch dann, wenn
man seine innere Abhängigkeit von Gützlaff überprüft. Die
Verfasserin geht daran leider ganz vorüber, und so sei der
Leser dafür auf einen Abschnitt des Buches von Hermau
Schlyter „Karl Gützlaff als Missionar in China" (S. 287fr)
verwiesen. Dankbar aber sind wir A. Oehler dafür, daß ihr
Buch uns die gewaltige Kraft verspüren läßt, die, hier in einer
einzigartigen Gestalt zusammengeballt, alle echte Missions-
arbeit durchwirkt.

Taylor hat, noch ehe in Deutschland die Liebenzeller
Mission zur Trägerin der von ihm entfachten Bewegung geworden
ist, mit der Rheinischen Mission Fühlung genommen.
Die Voraussetzungen, die dafür gegeben waren, werden in den
Erinnerungen A. Hof f manus sichtbar, der zwar sein Geburtsjahr
nicht angibt, aber in jener Zeit das Licht der Welt erblickte
, als Taylor nach seiner ersten Rückkehr aus China die
China-lnlaud-Mission gründete (1865). Taylor kam aus der
englischen Erweckungsbewegung; der tragende Grund der Rheinischen
Mission ist die Erweckungsbewegung des Siegerlandes.
Wir gewinnen durch Hoffmann wertvolle Einblickein diese Bewegung
, von der er selbst als junger Grubenarbeiter ergriffen
wurde. Von daher hat sein Leben den inneren Anstoß bekommen
, der ihn über das Barmer Missionssemiuar als Sendboten
der Rheinischen Mission im Jahre 1892 auf das Missions-
feld in Neu-Guinea geführt hat. Damals stand die deutsche
Kolonisation des Kaiser-Wilhelm-Landes noch in ihren Anfängen
, und Hoffmann berichtet viel über seine Begegnung
mit den Kolonialbcaiutcn und ihr Verhältnis zur Mission.
Uber seiner Arbeit unter den Papua in der Astrolabe-Bai lagen
Glanz und Schatten einer Pionierarbeit. Ihre äußere und innere
Dramatik kommt uns gerade in der Schlichtheit ihrer Darstellung
sehr nahe. Die gleichen Kräfte des Glaubens und Gebetes
, die Taylors Wirksamkeit in die Weite des chinesischen
Reiches geleitet haben, haben hier im engen Kreis die Anfänge
einer Gemenide bewirkt, deren Aufblühen Hoffmann
zwar als Missionar nicht mehr erlebt hat, dessen Zeuge er aber
viele Jahre später auf einer Inspektionsreise nach Neu-Guinea
geworden ist. Er ist als „gebrochener Mann" im Jahre 1904
heimgekehrt. Aber alsbald ist sein Leben in der Heimat in
neue, immer größere Aufgaben hineingewachsen. Seine Tätigkeit
als Reiseprediger der Rheinischen Mission, seüie Mitarbeit
auf dem deutschen Kolonialkongreß in Berlin und seine Teilnahme
an der Edinburger Weltmissionskonferenz, seine Verbindung
mit der Gemeinschaftsbewegung — das sind die
Hauptetappen des Weges gewesen, der ihn in der Ausweitung
und Auswertung seiner Erfahrungen auf dem Missionsfeld
schließlich in das Heimatinspektorat der Rheinischen Mission
führte. Als er nunmehr die Barmer Hilfsvereine neu aufbaute,
lag es ihm besonders am Herzen, die Studenten an den Universitäten
für die Mission zu gewinnen. Aus dieser Arbeit
wiederum ergab es sich, daß er während des ersten Weltkrieges
als Sekretär der Deutschen Christlichen Studenten-
Vereinigung zum Betreuer der Studenten in der Heimat und
an der Front wurde. Nach dem Kriege wirkte er als Volks-
missionar im Ravensberger Land, im Vorstand der Westdeutschen
Allianz und als Delegierter zur Verfassunggebenden
Kirchenversammlung in Berlin. Es ist das gleiche wahrhaft
demütige Vertrauen, in dem Hoffmann, wie einst seinen Auftrag
als Papua-Missionar, so auch jede Möglichkeit zu einer
Reichsgottesarbeit in der Volksmission und Inneren Mission
daheim als einen Ruf von Gott annimmt, und aus dieser
inneren Fülle seüies Lebens heraus bleibt auch die Sprache
seiner Erinnerungen dort immer echt, wo sie sich der vom
Sprachgebrauch der Gemeinschaftsbewegung geprägten Formeln
bedient. Das Ziel, dem er diente, leuchtete noch einmal
hell auf, als er im Jahre 1929 die Möglichkeit zur Informationsreise
auf das Missionsgebiet in Neu-Guinea und in Verbindung
damit zu Besuchen im Kapland und in Australien bekam. Hier
wird noch einmal, wiederum in der Schilderung vieler Einzelerlebnisse
, die Weite seines Wirkens und die Verflechtung
seines Lebens in die Gesamtarbeit der deutschen Weltmission
sichtbar. Nach seiner Rückkehr war er während der Zeit des
Kirchenkampfes trotz seines Alters und seiner anfälligen Gesundheit
unermüdlich als Evangelist tätig. Er ist 1942 im
Pfarrdienst, dessen Vertretung er für seinen zur Wehrmacht
einberufenen Sohn übernommen hatte, gestorben.

William Paton ist niemals Missionar im eigentlichen Sinn
gewesen. Er wurde 1886 geboren und studierte in Oxford zunächst
mit der Absicht, als Zivilbeamter nach Indien zu gehen.
Hier ist seine Begegnung mit der Student Christian Movement
zum Wendepunkt seines Lebens geworden. Sie führte ihn zu
dem Entschluß, als Missionar nach China zu gehen. Sem Zusammentreffen
mitDr.Mott bestärkte ihn darin. Auch als er
nach Beendigung seines Studiums (1908) drei Jahre als theologischer
Dozent am Westminster College in Cambridge tätig
war, hielt er daran fest, und auch als er sich dann entschied,
zunächst für drei Jahre als Sekretär der SCM tätig zu sein, geschah
dies in der Absicht, für seine weitere Ausbildung für den
Missionsdieust in China Zeit zu gewinnen. Er war durch
Examensvorbereitungen verhindert, an der Edinburger Weltmissionskonferenz
teilzunehmen; aber er sah deutlich die Aufgaben
, die der SCM durch die Konferenz gestellt waren, und
griff sie sofort an. Es mußte gelingen, mehr Mitglieder der