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Ausgabe:

1948

Spalte:

166-170

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Schlyter, Herman

Titel/Untertitel:

Karl Gützlaff als Missionar in China 1948

Rezensent:

Knak, Siegfried

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l6ß Theologische Literaturzeitung 1948 Nr- 3__

Stellung, daß Klopstock keine Selbstbeobachtung übte und
kein guter Briefschreiber war.

Als Künstler wollte Klopstock, wie Kindt feststellt, das
Allerhöchste. Ja, sein Künstlersein ist dem, was er darstellen
2 , • völlig untergeordnet. Die Objektivität des Darzustellenden
stellt ihm über seinen Gefühlen. Das, was er gewichtet
hat, tritt mit vollem Wahrheitsanspruch auf. Er ist

'lieologe und Philosoph! Dichter ist er nur der Form nach.

n vi a^er doch wohl gerade seine Grenze als Dichter.

und wenn er die Sprache „aufs äußerste steigerte", um sie

<lem göttlichen Inhalt anzupassen, dann wurde sie dadurch

■Unnatürlich, un-menschlich und somit auch un-dichterisch. Er

'ehrte die Sprache feiern —, sagt Kindt. Aber er schraubte sie

eben künstlich krampfhaft hinauf, — das müssen wir hinzu-
ugen. Solche feierliche Sprache zu lesen oder anzuhören, hält

unsereiner nicht lange aus. Wie anders ist die Feierlichkeit

Hölderlins!

Die Einführung Kindts in das Odenwerk Klopstocks
k K'änzend. Unter dem Titel „Der Evangelist" behandelt
*-indt eingehend Klopstocks Messiade. Dabei ist die Inhalts-
^n.SaDe gut; die Formung übertrifft zuweilen den Dichter
- eibst. Klopstocks Inspiration, sagt Kindt, floß aus biblischer
Quelle. Sie ist also gar nicht das, was man sonst unter unmittelbarer
dichterischer Inspiration versteht. Seine Gesichte
si 1 Cr untur die Kontrolle seines Verstandes. Mir scheinen
sie bereits mehr im Bereich des Verstandes, der Vernunft

ntstanden zu sein als in der unterbewußten Bilderschicht,

ein Urgrund wirklicher Gesichte. Er verbesserte seine Dich-

ung: nach theologischen Gesichtspunkten. Dadurch verdarb
Ah T ""Hierhin nicht selten das ursprünglich Dichterische.
Oer das Verstandesmäßige liegt schon in seiner dichterischen
?nzeption vor. Die im 19. Gesang des Messias z. T. nach-
S bildete Traumvision darf m. E. nicht so streng als Vision

ni l°mmen werden, wie Kindt es tut (S. 439). Es ist wohl

(ig,„Scheu und Bescheidenheit, sondern richtige Auffassung
s Sachverhaltes, wenn Klopstock die Erscheinung einen

xr raum" nennt, „der wahrscheinlich durch mein anhaltendes

de M kcn entstand". Die Einordnung des Messias als Werk

ühS fC''barock, nicht wildwuchernd, sondern klassizistisch
ertornit und gebändigt, nichts Naturalistisches oder Ex-

y ^'pnistisches, — hat Gefahren, aber trägt in vielem zum

a ^täi'dnis bei, etwa wenn die Durchführung mit den großen

]icj utektonischen Leistungen der Zeit verglichen wird: „Reif-

we • e*n umfassender Plan ersonnen, der dann ohne

zäiSCntliche Änderungen durchgeführt wird — in jahrelanger seinen Kindern von Anfang bis ZU tiflQe der weil, ...... 11 anci r«u

^jeC.r Arbeit, immer die Grundkonzeption vor Augen, zuerst des Papsttums und Mahomets Ursprung, Kraft und Macht — aber auch und
fort '1'!1 ^urni. allseitig vom Ganzen ZU den Teilen organisch vor allem von der reformatorischen Wahrheit: „Das ist das Herz aller Dinge:
sici Scllreitend, dann im Ubergang zum ornamentalen Ausputz
selb y . anRsaniend, nie ohne kälteste artistische Überlegungen
Sehr lm, Überschwang der höchsten Schaffensfreude" (S.462).
L>ie W- tjK ist der Hinweis auf die Bedeutung des Leiblichen.

8eistleibliche Schöpfung ist das Ziel, nicht wie bei Dante
zeir4 allerdings nicht, wie Kindt es tut, als Mystiker be-

"-nnen würde) das Geistwesen.
schlMu einem umfassenden „geistesgeschichtlichen Epilog"
Rio 1 ^"idt sein Buch ab. Von seiner Bewertung der
iös Teilleistung" Klopstocks, „alle Späteren gleichsam arbeits-
urü vlacbend oder zu Kärrnern entwertend", alles nieder-
abzi 1 ' Was Ilacb 'bin kam, werden wir von selbst etwas
jq e"> aber wir werden uns von Kindt belehren lassen,
will iA 80 zu verstehen, wie er selbst verstanden werden
neben"/- irrtümliche Auffassung von Klopstock, an der
ZwoX eraturwissenschaftlern die Pietisten (die ihn für ihre
Rewalr umb°gen) schuld sind, ablegen. Kindts Werk ist ein
LV„+lü8er Wurf. Wir sind dankbar, nun eine große Klopstock-
"eutung zu haben

Pfarrer Bo Giertz mit seinem historischen Roman aus der Reformationszeit. In
6 Szenen, die in den Jahren 1540—1543 spielen, ersteht vor uns das Bild
des schwedischen Volkes im Umbruch vom alten zum neuen Glauben. Die geschichtlichen
Tatsachen, die Verflechtung von Politik und Glaubensentscheidung
, echtem kirchlichen Aufbauwillcn und politischem Machtstreben, die auch
die Anfänge der Reformation in Schweden belastet, stehen im Hintergrunde —
vielleicht wäre es für eine Neuauflage des Buches günstig, durch eine Zeittafel
mit den wichtigsten Daten wie durch eine Landkarte dem Leser den Zugang
zu diesem verhältnismäßig unbekannten Stück Geschichte zu erleichtern.
Aber die Historie ist nicht das Wichtigste (vielleicht ist die Gestalt des Königs
Gustav I. Wasa allzu fragwürdig und negativ gezeichnet?). Entscheidend ist,
wie in dem Erleben des Pfarrers Andreas Ragvaldi und seines Bruders Martin
der alte und immer neu uns aufgegebene Kampf um das rechte Verständnis
des Wortes Gottes, der Christusnachfolge und kirchlicher Gestaltung vor uns
ersteht. Andreas, der Pfarrer von Fröjerum, hält leidenschaftlich am alten
Glauben fest, lebt in dem Reichtum der katholischen Liturgie, aber in einer
gesetzlich verkrampften Frömmigkeit, ist zugleich besessen von einem bitteren
Haß gegen den König, dessen Werk er nur als tyrannisches Willkürregiment,
als Kirchenschändung und Ausbeuterei sehen kann. Im Aufstand der bedrückten
Bauern gegen den König läßt sich Andreas über die Förderung der
Sache durch sein Wort zu aktiver Teilnahme hinreißen, verwirkt damit vor
seinem eigenen Gewissen sein Amt, sinkt herab zum Wegelagerer, Plünderer,
Mordbrenner — der „wilde Priester" gerät in die Hände der Königlichen und
wird nach qualvoller Gefangenschaft zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Sein Bruder Martin ist mit jungen Jahren Schreiber in der Kanzlei des Königs
geworden — religiös zunächst gleichgültig und ohne Probleme, wird er von
der enthusiastischen Bewegung der Schwärmer, die vom Festland her auch
nach Schweden hinüberwirken, ergriffen, findet fieilich auch bei ihnen
keinen Frieden. Zwischen ihnen steht — mit die eindrücklichste Gestalt
des Romans — der Pfarrer Peter Knutsoon von Vi, der aus innerster
Überzeugung sich der evangelischen Bewegung erschlossen und sich die
Botschaft Martin Luthers wirklich zu eigen gemacht hat. So lernen wir an
diesem Ausschnitt schwedischer Geschichte alle Probleme der Reformationsgeschichte
, wie sie auch für Deutschland gelten, kennen — vor allem die Auseinandersetzung
mit Rom und den Schwärmern, mit Gesetzlichkeit auf dieser
und jener Seite, aber auch die ganze Problematik des Verhältnisses von Glaube
und Politik, Kirche und Obrigkeit. Merkt man auch streckenweise, daß ein
Pfarrer das Buch geschrieben hat, und gibt es Partien darin, in denen mehr
gepredigt als gestaltet wird — im ganzen ist es auch künstlerisch eine starke
Leistung — Szenen, wie die große Bauernschlacht oder am Schluß die Hinrichtung
des Andreas Ragvaldi, der, überwunden durch das Wort Gottes, im
Frieden Christi stirbt, sind von großer Eindruckskraft. Das Buch ist eine
lebendige, unmittelbar ansprechende Vergegenwärtigung von Luthers Satz in
den Schmalkaldischen Artikeln, daß der Enthusiasmus sticket in Adam und
seinen Kindern von Anfang bis zu Ende der Welt, und ist aller Ketzerei, auch

die Versöhnung und Vergebung der Sünden."

Günther Ruprecht hat dem Buch eine dankenswert gute, flüssig zu
lesende Übersetzung gegeben, in der nur an wenigen Stellen eine Reihe vermeidbarer
Fremdwörter störend wirken.

R. Frick

Bethel

MISSIONS WISSENSCHAFT

Schlyter, Herman: Karl Gützlaff als Missionar in China. Lund: c. w.

K. Gleerup,und Kopenhagen: Ejnar Munksgaard 1946. Zu beziehen durch
die Buchhandl. d. Berliner Missionsgesellschaft, Berlin N. 0.18, Georgen-
kirchstr. 70. 318 S.

Niemand hat um die Mitte des 19. Jahrhunderts stärkere
Anregungen in Holland, Deutschland, England und Amerika
zur Missionsarbeit in China gegeben wie Karl Gützlaff.
Dennoch ist die Beurteilung seines Lebenswerkes und seiner
Persönlichkeit sehr verschieden gewesen. Die Urteile schwanken
zwischen größter Bewunderung, begeisterter Hingabe
auf der einen und einem vernichtendem Urteil über den Mann
und sein Werk auf der anderen Seite. Das macht sich bis in
die Gegenwart durch eine Unsicherheit in der Stellungnahme
zu ihm bemerkbar. Das vorliegende Buch ist geeignet, dieser
Unsicherheit ein Ende zu bereiten. Hier ist uns das abschließende
Wort über Gützlaffs Persönlichkeit, Missionstätigkeit
und Nachwirkung gegeben. Das Quellenmaterial ist
mit einer bisher nie erreichten oder auch nur versuchten Vollständigkeit
herangezogen worden. Die Stellungnahme zu
dieser höchst eigenartigen Erscheinung auf dem Gebiete der
evangelischen Mission geschieht trotz aller warmherzigen Anteilnahme
sine ira et studio, und das Gesamtergebnis wird
sowohl der Größe der Leistung wie den starken Schwächen
dieses hochbegabten und eigenwilligen Mannes in vollstem
Maße gerecht. Neben der selten grotten Sprachbegabung, die
Evangeliums' rt^l^r'iSu Dörth* jidm Klepper, Willy Kramp, I ihn befähigte in kurzer Zeit eine ganze Reihe von Sprachen,
°ertrud von Le Fort Werner Bergengruen tritt nun auch der schwedische | unter dinen das schwere Chinesisch, so zu erlernen, daß er in

reielwPv-Ut. gibt eine äußerst gut ausgeführte und aufschluß-
Liternt ttafcl bei (Rubriken: Weltgeschichte; Kunst und
GesclT- Leben Klopstocks; Werke Klopstocks; Philosophie,
aber d«Tt Und Staatslehre; Theologie und Kirche). Möge sich
zeitp(> Ci . ser dadurch nicht verleiten lassen, dem Götzen des
Keschichtlichen Verständnisses zu huldigen!
Berlln Wilhelm Knevels

setztZ' Bo: Das Herz aller Dinge. Roman. Aus dem Schwedischen über-
37o oV°n °untl'er Ruprecht. Göttingen: Vandenhoeck <S Ruprecht [19461.
'a S- 8*. Oeb. RM 6.50.
und TE'" cnristlicher Roman? Wir sind mißtrauisch gegenüber aller Tendenz-
°cstaltun atur- Aber wir sind dankbar für Werke echter dichterischer
Be8egnu *" 'hrer Art" eln stuck Lcben elnzufangen, Menschen in der

>'t Gottes Wort vor uns hinstellen, ein Zeugnis für die Kraft des