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Ausgabe:

1948

Spalte:

103-106

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Tellkamp, Augustin

Titel/Untertitel:

Über die gegenwärtige Lage der katholischen Weltmission 1948

Rezensent:

Knak, Siegfried

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erstehungshoffnung stehen. Mir will scheinen, als sei über das
Problem des Spiritualismus das letzte Wort noch nicht gesprochen
.

Im einzelnen bietet die Arbeit eine Fülle von ausgezeichneten
Beobachtungen. Sie beschränkt sich keineswegs auf die
InstitUtio, sondern zieht insbesondere die Kommentare dankenswert
reichlich heran und achtet auch auf die im CR.
leider fast ausgelassenen Gebete des Reformators nach seinen
Vorlesungen. Vielleicht wären diese Gebete überhaupt einer
besonderen Untersuchung wert. Die vorliegende Arbeit würde
durch ihre umfassende Heranziehung keine Modifikation, aber
eine kräftige Illustrierung ihrer Ergebnisse erhalten.

Alles in allem: eine gute und förderliche Arbeit. Ihre
Aktualität bedarf keiner Hervorhebung.

Oöttingen Otto Weber

MISSIONS WISSENSCHAFT

Tellkamp, Dr. p., s. v. d.: Über die gegenwärtige Lage der katholischen
Weltmission. Kaldenkirchen: Steyler Missionsbuchhand!. 1946.
32 S. 8". RM —.60.

Obwohl die Berichterstattung von den Missionsfeldern
über die Einwirkungen des Krieges von Vollständigkeit noch
weit entfernt ist, hat der Verf. doch den Bitten um eine
Zusammenstellving der vorhandenen Nachrichten nachgegeben
. Das ist durchaus zu begrüßen. Mögen auch Einzelheiten
noch ergänzungsbedürftig sein, so erhält man aus dem
Bericht doch sicher ein im ganzen zutreffendes Bild von den
Kriegseinwirkungen auf die deutsche katholische Mission.
Darüber hinaus gibt der Verf. ein Bild über die Aussichten
der gesamten katholischen Weltmission, wie er sie zu sehen
glaubt.

Bei Ausbruch des Krieges stand die katholische Mission
in einer kräftigen Aufwärtsbewegung. 1939 waren die Zahlen
von 1914 um das Doppelte überboten worden. Man zählte an
Missionspersonal (Priester, Brüder, Schwestern) 89541. Die
Zahl wuchs 1940 noch auf 94000. Dazu kamen 182000 Hilfskräfte
(Lehrer, Katechisten usw.), und die Zahl der katholischen
Christen auf allen Missiousfeldern schätzte man auf
23 Millionen. Die deutsche katholische Mission hatte im ersten
Weltkrieg mehr gelitten als die nichtdeutschen. Von 39 Missionsgebieten
hatte sie nicht weniger als 21 verloren. In den
dreißiger Jahren aber nahm der deutsche Anteil sowohl absolut
wie relativ ständig zu. 1940 zählte sie 8019 an Missious-
personal (davon 1830 Priester). Statt 39 Missionsgebieten, die
die deutsche Mission 1914 zählte, waren es 1939 nicht weniger
als 63 geworden (von 543 in der gesamten katholischen Weltmission
). Sie umfaßte damit 11—12% aiicr katholischen Missionssprengel
. Die Verluste, die der letzte Krieg der katholischen
Mission und in erster Linie der deutschen zufügte,
waren sehr schwer. Schon vorher hatte die nationalsozialistische
Regierung die Orden und Kongregationen an der Wurzel
zu treffen versucht, indem sie die Ausbildung des Nachwuchses
fast unmöglich machte. Die katholische Weltmission bildet ja
nicht wie die evangelische Mission erst dann junge Männer
und Mädchen aus, wenn sie sich nach ihrer Schulausbildung
für den Missionarsberuf melden, sondern hat ein ausgebreitetes
Schulwesen, in dem die Schüler schon von früh an für die
Mission vorgebildet werden. Dieses ganze Schulwesen war von
der Naziregierung leicht zu treffen, weil das gesamte Privat-
schulwesen abgeschafft wurde. Während des Krieges nahm
man den Orden vielfach ihre Häuser samt der Einrichtung.
Das Inventar wurde verschleppt, gestohlenes Klostergut stand
zur Verfügung Rosenbergs und seiner Mitarbeiter, die Zeitschriften
wurden verboten, Druckmaschinen und Papier beschlagnahmt
. Dazu kamen die Bombenschäden, aber auch
Bedrückung aller Art durch Verwarnungen, Predigtverbote
und K.Z. Nach den Erfahrungen des ersten Weltkrieges ist eine
schwere Einbuße an Nachwuchs zu erwarten.

Auch auf den Missionsfeldern sind die Kriegseinwirkungen
schlimm genug gewesen. Zwar habe in Afrika das katholische
Apostolat wenig gelitten und auch die katholische Mission in
Indien habe trotz vieler Internierungen als Ganzes wenig gelitten
, aber schwere Schläge haben besonders die fernöstlichen
Missionsfelder seit dem japanisch-amerikanischen Kriege zu
erleiden gehabt. In ganz China gab es große Verluste an
Häusern, und die Unsicherheit auf dem Lande machte vielfach
Missionsarbeit unmöglich. Auch jetzt noch sind auf dem
Kriegsschauplatz im Nordwesten große Teile der Arbeit sehr
gefährdet. Das ganze Vikariat Ichowfu (Schantung) ist ohne
Priester und-ohne Stationen, überall mußten viele Schulen

geschlossen, Lehrer und Katecheten entlassen werden, während
die Seminare im allgemeinen weitergeführt werden
konnten. Der Mangel an finanzieller Hilfe und die Geldentwertung
(200ofache Verteuerung der Lebensmittel) brachte
die Missionare vielfach auch in persönliche Nöte und zwang sie,
sich Nebenverdienst zu suchen. Da, wo der Krieg hinkam oder
noch tobt, gab es viel Plünderung und Brandschaden auf den
Stationen. Während des ganzen Krieges wurden 50—60 katholische
Missionare, darunter zwei Bischöfe in China ermordet;
wovon einer lebendig begraben wurde. In den Küstenproviuzen
sind etwa i8°/0 desMissionspersonals der Freiheit beraubt gewesen
. Trotz allem gab es von Seiten der Missionare eine reiche
Liebestätigkeit. Aus Korea wurden 70 Missionare in die Heimat
verschoben. In Japan stand die katholische Mission einer
unverhüllten Feindschaft gegenüber, obwohl die deutschen, die
schweizerischen und japanischen Missionare weiter in Arbeit
standen. 80 Institute sind ausgebrannt, doch blieb die katholische
Universität verschont. Durch Atombomben wurden
4 jesuitische Missionare schwer verletzt, blieben aber ain
Leben. Vielfach litt man an Unterernährung. In seinem ganzen
Machtbereich arbeitete Japan unter der Losung: Kraft durch
Furcht. Auf den Philippinen wurde ein Bischof getötet, weil
er eine Schule nicht für Bordellzwecke hergeben wollte, ein
anderer ermordet, weil er sich der amerikanischen Gefangenen
zu sehr angenommen hatte. Mehrere wurden durch Bomben
getötet. Bei der Wiedereinnahme von Manila wurden 70 Priester
und 40 Brüder von Japanern ermordet. In einem Lager
aber brachten amerikanische Fallschirmabspriiiger Rettung
im letzten Augenblick. Uberall gab es grollen Sachschaden.
In Niederläudisch-Indien internierten die Holländer die deutschen
Missionare, danach die Japaner die holländischen. Es
blieben keine Priester im Lande übrig. 18 Steyler-Missionare
gingen mit dem bekannten Schiff nach Indien unter, von
japanischen Bomben erreicht. Auf Timor wurden alle gefangen
gesetzt und ihre Häuser geplündert. In ganz Niederlaudisch-
Indien starben 124 Missionare und 150 Schwestern. Der materielle
Schaden wurde dort dadurch so besonders groß, daß die
Japaner, als sie ihre Niederlage vor sich sahen, in sinnloser
Wut alles zerstörten. In Neuguinea und Neupommeni war der
Vernichtungswille der Japaner schrankenlos. In Rabaul
suchten sich Missionare der Versklavung der Eingeborenen zu
widersetzen, aber 150 Christen wurden getötet, von 20 Katecheten
blieben nur zwei übrig, die Missionare mußten sich
zum Teil Folterung und Gefangenschaft gefallen lassen und
hatten schwer zu leiden. 95°/o des Missionseigentums ist dort
zerstört. Doch hat Australien die Rückkehr genehmigt, und
die Missionare wurden von den eingeborenen Christen jubelnd
begrüßt. Aufs Ganze gesehen hat die katholische Mission
während des Krieges 6 Bischöfe, über 400 Missionare (Priester
und Brüder) und 250—300 Schwestern durch den Tod verloren
. Die Steyler-Mission allein hat 400 Gefalleue zu beklagen,
39 waren in K.Z.-Lagern, 105 starben auf den Missionsfeldern
und 200 sind vermißt.

Dieser Gesamtüberblick gibt das Bild einer tapferen, im
Glauben unerschüttert feststehenden, in Bekennermut und
Leidensbereitschaft bewährten Schar treuer Missionare, und
mit dem Verf. ist zu hoffen und zu erwarten, daß die katholische
Mission innerlich ungebrochen an das Werk des Wiederaufbaues
herangeht und daß auch die deutsche katholische
Missionsbewegimg, obwohl sie am schwersten getroffen ist,
wieder kräftig Hand anlegen wird.

In Deutschland sind die enteigneten Häuser der Orden zum grollten Teil
bereits von ihnen wieder besetzt. Das Missionsschulwesen befindet sich wieder
im Aufbau. Bombenschäden sind wiedergutgemacht, so gut es bisher ging.
Auf den Missionsfeldern sind die deutschen Missionare nicht überall ausgeschlossen
. Von Afrika und überraschenderweise auch von Britisch-Indicn
heißt es, daß die deutschen Missionare ungehindert weiterarbeiten. Dann
müßten also auch z. B. nach dem früheren Deutsch-Ostafrika deutsche katholische
Missionare ungehindert zugelassen werden. Da das aber sicher nicht
der Fall ist, kann es sich hier und auch wohl an anderen Stellen Afrikas um
nichtdeutsche katholische Missionare handeln, die „ungehindert weiterarbeiten
können". China läßt die deutschen Missionare weder internieren noch ausweisen
, was im wesentlichen mit den Erfahrungen der evangelischen Missionen
übereinstimmt, ja, es wünscht sogar, mehr deutsche Missionare zu erhalten-
Nach Neuguinea und Neupommern kommen die deutschen Missionare zurück,
doch ist der Zeitpunkt noch unbestimmt. Auch die Philippinen wollen die
deutschen katholischen Missionare wiederhaben. Die Rückkehr nach Indonesien
ist freilich noch fraglich. Seltsamerweise wendet sich der Verf. hier an
das „christliche Holland" mit der Hoffnung, daß es sich „von christlichen
Grundsätzen leiten lasse". Aber dort handelt es sich ja viel entscheidende
um die Stellungnahme der eingeborenen Christen.

Konnte man bisher die Darlegungen mit warmer Teilnahme
verfolgen und überall die gleichen Erfahrungen aus