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Ausgabe:

1942 Nr. 11

Spalte:

329-330

Kategorie:

Missionswissenschaft

Autor/Hrsg.:

Winkelmann, Justus

Titel/Untertitel:

Die Bedeutung der Mission für die Kirche 1942

Rezensent:

Knak, Siegfried

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Seite 1

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329

Theologische Literaturzeitung 1942 Nr. 11

330

Dies Christentum, erwachsen auf dem Mutterboden
katholischen Kirchentums, trägt doch das Gepräge überkonfessioneller
Frömmigkeit (die ergreifende Gestalt des
Pfarrers im „Kalkstein" war im Entwurf als Protestant
gedacht). Lehre und Dogma werden nicht berührt; Erziehung
zur Überwindung der zerstörenden Leidenschaften
, zur Selbstverantwortung und zu jener wahren Freiheit
die auf Selbstbeherrschung und Pflichterfüllung beruht
, vor allem aber zu reiner Güte und steter Liebe
sind Stifters großes Anliegen. „Lieben als unbedingte
Werthaltung mit unbedingter Hinneigung", sagt Risach ;
im ,Nachsommer', „kann nur das Göttliche... Gott gab
uns für die Liebe auf Erden Teile des Göttlichen in verschiedenen
Gestalten, denen wir uns zuneigen können:
so ist die Liebe der Eltern zu den Kindern, die Liebe
des Vaters zur Mutter, der Mutter zum Vater... Wen
die größeren Gegenstände der Liebe verlassen haben,
oder wer sie nie gehabt hat, und wer endlich auch gar I
keine Liebhaberei besitzt: der lebt kaum und betet kaum !
Gott an, er ist nur da."

Mit Recht betont die Verfasserin die Beziehung zu j
Herder und zum klassischen Goethe, zu dem Goe- '
the, „dessen großartige Ruhe und Heiterkeit den Streit I
der blinden Leidenschaften in edle Harmonie auflöset".
Es lohnte sich, nach der Verbindung mit Pestalozzi )
zu fragen und auf die Berührung mit W. R a a b e zu j
verweisen: beide, St. und R., erblicken das Große und
Wirksame, das die Welt segnet und erneuert, nicht in
dem, was laut und lärmend auftritt, sondern in dem, was j
schlicht, leise und unscheinbar tätig ist (Raabe, Alte
Nester, Eingang).

A. Märkisch kennt auch Stifters Grenze. Seine
Weltanschauung „ist so bewußt untragisch, daß sie alle
Schattenseiten des Lebens ausschaltet", zum mindesten
sie nicht schwer genug nimmt. Wir begreifen auch,
warum: mehr konnte er mit seinem Ausschnitt vom
Christentum nicht bewältigen. Und so verstehen wir,
daß in den Erschütterungen unserer Tage sich viel
sehnsüchtige Liebe der schönen Besinnlichkeit Stifters
zuwendet, ohne doch bei ihm vollgültige Lösung zu
finden.

Hannover-Kleefeld Hermann Schuster

MSSIONSWISSENSCHAFT

Winkel mann, Justus: Die Bedeutung der Mission für die j
Kirche. Ein erweiterter Vortrag. Gütersloh: C. Bertelsmann 1941.
(83 S.) gr. 8° = Allgem. Missions-Studien H. 26. RM 2-.

Hatte sich Martin Kähler in seinem bekannten grossen
Aufsatz bemüht aufzuzeigen, daß „die Mission ein
unentbehrlicher Zug am Christentum" sei und daß „dem
Christentum an und für sich etwas fehlt, wenn es nicht |
Mission treibt", so geht Winkehnann in seiner gedankenreichen
, biblisch wohl unterbauten Arbeit einen Schritt j
weiter und spitzt den Gedanken zu der Formulierung zu:'
„Die Heidenmission ist die Hauptaufgabe der Kirche", I
und die Kirche ist eine „Arbeitsgemeinschaft für die
Sendung des Evangeliums an alle Völker". Das ist frei- j
lieh nicht als Definition von der Kirche gedacht; denn |
es wird nicht übersehen, daß die Kirche schon durch j
ihr Dasein, nicht erst durch ihren Zweck „Sendung der
Verwirklichung dessen ist, was die Offenbarung Gottes j
aus der Welt gestalten will", „eine ganz neue Schöpfung j
Gottes über die natürliche Welt hinaus". Aber nicht zu |
ihrem Rechte kommt die missionarische Aufgabe, die
die Kirche an ihrer jeweiligen nächsten Umwelt zu erfüllen
hat, vor allem also an dem Volk, unter dem sie
lebt. Es handelt sich bei der missionarischen Aufgabe
der Kirche an ihrem Volk doch nicht nur um die „Wiedergewinnung
der verlorenen Schafe", vielmehr gilt es
gerade heute, der Kirche zum Bewußtsein davon zu
verhelfen, daß sie überall der Welt gegenübersteht, die
in der Gottesferne lebt und das Evangelium neu zu hören
hat, d. h. echte missionarische Verkündigung braucht.
Ergänzt man aber den Gesichtskreis dieser gehaltvollen

Schrift nach dieser Seite hin, so wirft sie auf den Sinn
der Bibel, das Wesen der Evangelien, den Herzschlag
der apostolischen Briefe und das innere Leben der Kirche
außerordentlich viel Licht. Die Zusammenhänge des
Missionsgedankens mit der Offenbarung, mit der Lebendigkeit
von Gemeinde und Kirche in allen Zweigen
ihrer Betätigung, mit gesunder Theologie, selbst mit dem
weltlichen Berufsleben werden wirksam zur Sprache gebracht
. Darüber hinaus wird von dem Sendungsauftrag
der Kirche her der Sinn der Weltgeschichte gedeutet
und das gegenwärtige Völkerringen verständlich gemacht.
Was für einen Reichtum an Erkenntnissen und Glaubenskräften
, an Wegweisung und Belehrung über ihr Wesen
im ganzen und ihre Haltung im einzelnen die Kirche an
ihrer Völkermission hat, ist seit Martin Kähler wohl nie
so erschöpfend und anregend zusammengefaßt worden
wie in dieser Schrift, die in bisweilen nicht ausgeglichener
Sprache und theologisch nicht immer einwandfrei,
aber stets lebendig und aufrüttelnd zum Umdenken und
zu glaubensvollem, verantwortlichem Handeln drängt.
Berlin Siegfried K n a k

Louis, Dr. Peter: Kirche im nordischen Raum. Christi Reich
im Umkreis des Nordpols. Berichte über d. Kirchen d. Nordens in
Island, d. Faröer. . (u. über Geschichte u. Kultur d. Nordens).
Hrsg. Köln: Bachem 1941. (66 S. mit Abb.) gr. 8°. RM 1—.
Dr. Peter Louis gibt in diesem 100 Seiten umfassenden
Jahrbuch Berichte über die Kirchen in Island und
den Faröer, in Grönland, Alaska, Rußland, Sibirien,
Finnland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Irland, den
baltischen Staaten, Danzig und Kanada. Die katholische
Kirche in ihrem Wirken zu schildern, ist sein Hauptanliegen
. Er stützt sich dabei auf eine Fülle von Literatur
und die Berichte besonderer Sachverständiger. Auch rein
lutherische Gebiete wie Grönland und die skandinavischen
Länder schließt er in seinen Bericht ein, teils ohne
von katholischer Arbeit erzählen zu können, teils so, daß
die Darstellung der katholischen Arbeit die Bilder beherrscht
und die lutherischen Kirchen nur nach ihrer
Struktur skizziert werden. Die Gesamthaltung dem Protestantismus
gegenüber ist überwiegend freundlich. Viele
Leser werden dafür dankbar sein, daß auch Gedenkworte
und Hinweise auf wertvolle Literatur, sowie kleine Erzählungen
in das Jahrbuch aufgenommen sind. In der
Geschichte „Das Geheimnis der Felsenhöhle" kommt der
lutherische Pfarrer gegenüber seinem katholischen Vorgänger
, der nach 40 jährigem Exil heimlich in einer
Höhle Zuflucht gesucht hat und dort sein Leben beschließen
will, besonders ungünstig weg.
Tübingen M. S c h 1 u u k

Mitteilungen

Das neu erschienene Jahrbuch der Preußischen Akademie der
Wissenschaften für 1941 (in Komm, bei de Gruyter, Berlin 1942,
297 S., RM 4—) enthält dankenswerterweise die Berichte für 1940
und 1941. Da die Akademieberichte jeweils im Januar am Friedrichstag
für das vergangene Jahr erstattet werden, erschienen sie
nach dem bisherigen Brauch erst zwei Jahre später (1941 also der
Jahrgang 1940 mit den Berichten für 1939). Von jetzt ab sollen
die Berichte sofort erscheinen, womit das vorliegende Jahrbuch den
Anfang macht.

Das Jahrbuch enthält wie herkömmlich außer den Kommissionsberichten
und den Protokoll auszügen der Akademiesitzungen die
Reden und Vorträge bei den Festsitzungen sowie die Nachrufe auf die
gefallenen und verstorbenen Mitarbeiter und Mitglieder der Akademie
(H. G. Opitz, I. Geizer, K. Holl, vgl. ThLZ 1941, Sp. 241 f. und
1942, Sp. 53 f. — Chr. Jensen, K. A. Hofmann, H. Dragendorff,
H. Meyer, W. Sombart und H. Ludendorff). Ein auch nur auszugsweiser
Bericht über die umfangreichen und vielgestaltigen Ergebnisse
der Arbeiten der Akademie ist hier selbstverständlich nicht
möglich. Ober die Arbeiten der Kommission für spätantike Religionsgeschichte
(Kirchenväterkommission) im genannten Zeitraum ist
bereits mehrfach referiert worden (vgl. ThLZ 1941, Sp. 123 und
1942, Sp. 55). Nachzutragen ist, daß eben zur Zeit des Erscheinens
des Jahrbuches B. Rehm, der Herausgeber der ps. - klementinischen
Schriften, im Osten vor dem Feind gefallen ist — als sechster Mitarbeiter
der Kommission. Seine Arbeit liegt nahezu abgeschlossen vor.
(Ein Nachruf auf ihn wird voraussichtlich im nächsten Heft er-