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Ausgabe:

1938 Nr. 8

Spalte:

141-142

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Stuhlfauth, Georg

Titel/Untertitel:

Das Dreieck 1938

Rezensent:

Vorwahl, Heinrich

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 8.

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wurde). Von dieser Atridensage in ihrer ursprünglichen Form ist die
Sage von dem Paare Peirithoos ~ Theseus abhängig, denn Theseus gewinnt
ebenfalls Helena, während Peirithoos durch seinen Anschlag auf

hat, wobei die Sexualdeutung des Grundwertes „Tür"
durch den Talmudtraktat Oholot (I, 8) ausdrücklich
hätte bestätigt werden können. So wird das Dreieck nach

Persephone ewiger Strafe verfällt. Auf denselben Nenner ist vielleicht j pythagoreischer Lehre zur «(.'"/•) ytN&OSmq Und bestehen
auch das Verhältnis der Tyndariden und der Apharetiden zu den Leu- j Jgf plato letzthin alle Flächen und Geschöpfe aus Drei-
kippiden (bzw. Marpessa) zu bringen und m.t groGerer Sicherheit das k Schwindeschemata in Dreiecksform auf Amuletten
des Tydeus und des Polyneikes zu Adrastos und seinen Töchtern Argeia , p-elänfiir wie der ührio-pn Welt
und Deipyle (bzw Hypsipyle). In andern Fällen handelt es sich um waren den Juden SO gelallt lg WieMr Übrigen We t,
einen Einzelhelden der im jenseits mit Hilfe einer Göttin eine Tat voll- , und es nimmt zunächst Wunder daß seitens der altbringt
und auch hier erscheint die Sage oft wieder in mehreren christlichen Kirche das Dreieck als militärisches Sym-
Brechungen, so bei Theseus (Marathonischer Stier mit Hekale entspre- ! bol eine starke Zurückhaltung, ja Ablehnung erfahren
chend Minotauros = Minos mit Ariadne, dazu Phaidra und Amazone). | hat. Das erklärt sich aber damit, daß in der ägyptischen
Auch die Sagen von Perseus, Bellerophontes, [Hermes] Argeiphontes , Religion sich um die Wende der Zeiten ein trin'itarischer
ergeben dasselbe Grundschema, ferner Jasons Fahrt ins Land des Sonnen- I Monotheismus herausgebildet hat Und es im System des
gottes Aietes (= Argos mit Unterstützung der Hera (Medea, Hypsipyle) gnostischen OffenbarungsmytllUS wie bei den Manichäeril
und schließlich der Mythos des Knechtes Herakles, vor allem seine & . m ± <■ j a i/ j - i i j i i r ■ t
unu Knucmiai uc. »w« seinen Platz fand. Augustin dünkte daher das Dreieck

7ittT*> 7ii Iiiohm nnn erpuen PvuML . ...... _ . °. ___

Züge zu Augeias und gegen Pylos.

Howald ist sich der Unsicherheit seiner Einzelergeb
nisse selber bewußt, und es würde den Rahmen dieser

als trinitarisches Symbol für die Kirche ein untragbarer
Greuel; und auf viele Jahrhunderte existierte es für
die Kirche so gut wie garnicht. Nur 7 altchristliche

Rezension sprengen, wenn ich Bedenken gegen die ein- 0rabinschriften sind bekannt, auf denen das Dreieck
zelnen Punkte seiner Argumentation vorbringen wollte. | be„egniet

Was aber seine Gesamtposition angeht, so muß ich ge- : ^ n Jahrhundert erst beginnt eine neue

stehen, daß es mir unmöglich ist, den Reichtum so vieler | ße E che des Dreiecks: es verbindet sich mit der
Mythen auf e.n einziges Qründmotiv im wahrsten Sinne , ^usgestl,eckten Hand Gottes, weiterhin mit Haupt und
des Wortes zu reduzieren"; ich kann mich nicht int Na£ üottes Dagegen ist das Auge Gottes im Drei-
dem Gedanken befreunden, daß zu irgend einer Zeit , ^ ^ Schö fun| ^ Barock. Auf Violett Le-Duc
^iÄ^Ä-Mf Ä geht die These vo/der Triangulatar als Grundform der

war, sondern wer etwas Besonderes leisten wollte, sie
verlassen mußte und den Zugang zu einer andern zu
suchen hatte" (S. 106). Sicher ist es ein Verdienst Ho-
walds, wieder einmal nachdrücklich auf die gestaltende

Baukonstruktion in Grundriß und Aufbau zurück, wie sie
sich am Dom zu Speyer und der Michaelskirche in München
nachweisen läßt, während sie für die Malerei z. B.

K 75 'de' DichtoThi n£vi sen zü h^und =he bei ,Konrad vorliegt. In der Neuzeit bei astrolo-

sciner fesselnd entwickelten und scharfsinnig begründe- ^^^l^^^^J^^

ten Aufstellungen sind diskutabel, wen. auch, jede Aus- , äf^J^So^hlÄ ASSÄ^Ä.HeS

e nandersetzuner mit entgegenstehenden Ansichten fehlt. , ■ r» • i n • i i 5 • _i _« ,ci=cl>

Niemand wird es ja beifallen, zu leugnen, daß Motiv- der e'n D[^eck aus Dreiecken konstruier e, um das Le-

übertVagungen stattgefunden haben und daß Sagenfigu- ben dei' Idee auszudrucken, Die jüngste Anwendung

ren in fndfre Zusammenhänge gerückt oder schlechtweg ^hem^SS?' Das" Geist LtÄÄS^üf

erfunden worden sind, aber es ist doch nicht angängig, »gf^S?$2S!£S£2£^!^

unterschiedslos alle beliebigen Helden wie Spielfiguren
hin- und herzuschieben. Wenn die Zeit der mythischen
Handlungen und Persönlichkeiten sich in der Tradition
der Jahrhunderte vielfach verschiebt und verwirrt, so ist

chen 1937) findet, ist dem Verfasser leider noch nicht
zu Gesicht gekommen. Selten ist aber auf so knappen
Räume eine so weit ausgreifende und doch in klarer
Linienführung unbedingt überzeugende Geschichte eines

dTr St da^genVin üS^SS^^S^^ S™**^™**» Symbols «schrieben worden die
stanz man nicht hoch genug veranschlagen kann. Kul- ?Äf,ftS.ft h10*"'^ ^r'""

tische Verehrung von Helden in verschiedenen Gegenden, ^ %™^hpe J^J8 auffu11* und JPjS"1 verdien-
z. B. des Aias in Lokris (S. 44 f.), ist für Howald tenVei asser gegenüber zu Dank verpflichtet,

durchgängig vom Epos abhängig, sofern er nicht, wie ! Quakenbruck--._H- Vorwahl.

im Falle der Helena (S. 51f.), mit ursprünglichen Gott
heiten rechnet, die in die menschliche Sphäre hinabgesunken
sind; aber es steht durch archäologische Funde

Thiers ch, Hermann: Ependytes und Ephod. Gottesbild und
Priesterkleid im alten Vorderasien. Stuttgart: W. Kohlhainmer 1936.
(XXII, 225 S., 54 Taf.) gr. 8° = Geisteswiss. Forschg. 8. RM36—.

schlechthin fest, daß der Heroenkult zu einem guten Tei- j Als Frucht langjähriger Studien und in Fortsetzung
le aus dem Ahnenkult erwachsen ist, und daraus ergibt | und Erweiterung der Forschungen über die Artemis

sich für uns die unabweisbare Notwendigkeit, damit zu
rechnen, daß manche Sagenfiguren historische Persönlichkeiten
gewesen sind. Und erst recht müssen wir für
eine Reihe von Sagenhandlungen eine geschichtliche

Ephesia (Abh. der Gesellsch. d. Wiss. zu Görtingen
1935) ist die vorliegende Schrift entstanden. Sie beruht
auf umfassender Kenntnis der klassischen Archäologie
und berührt das gesamte Gebiet der Kultklei-

Grundlage annehmen: seitdem Troja ausgegraben ist, j düng im Altertum bis in seine Auswirkung in der öst-
geht es nicht mehr an, die Kämpfe um diese Stadt auf ! liehen und westlichen Kirche. Die mit Sorgfalt auseinen
Abenteurerzug ins Jenseits zurückzuführen (S. 75), i gewählten 54 Bildtafeln ermöglichen auch dem Nicht-
und so ist es auch bei andern Sagen geraten, den Boden j fachmann das Verständnis. Das überreiche Material wird
der Diesseitswelt nicht ohne Not zu verlassen. Und noch I in einer Einheit zusammengehalten durch die Herausschälung
eines bestimmten Teils der Kultkleidung in
einem bestimmten geographisch begrenzten Raum, des
Ependytes.

Ependytes, ein kurzer mehr oder weniger starrer
ärmelloser und nur bis an die Schultern reichender
Überzug über den längeren Chiton, ist nach Ausweis
der Plastik und Münzen aus dem 2. vorchr. bis ins

eins dürfen wir heute sagen: die großen Heldentaten der
mythischen Zeit sind nicht vorgriechisch, sondern ebenso
hellenisch wie das Epos, das sie besungen hat.

Tübingen. Hans Herter.

Stuhlfauth, Prof. D. Dr. Georg: Das Dreieck. Die Geschichte
eines religiösen Symbols. Stuttgart: W. Kohlhammer 1937. (V, 56

S-, 6 Taf.) gr. 8°. Kart. RM 3 . j 3. rrachchr. Jahrhundert als Kultgewand über Syrien,

Seit der jüngeren Steinzeit sind symbolhafte Ver- | Palästina und Kleinasien verbreitet. Die Verbindung

Wendungen des Dreiecks belegt, und zwar bezeichnen j nach rückwärts bis ins 6. Jhdt. ergeben die stereoty-

sie bei einer Anzahl von Frauenfiguren wie bei den sog. ] pen steifen Idole mit futteralartigem Überzug. Für

Kykladenpfannen ,die als Idole der Artemis gedeutet | diesen Typus wird Syrien als Ausgangspunkt bezeich-

werden, Yvvaixtfov aiöoiov. Von hier erhält der Buch- net, wobei festgestellt wird, daß der Typus weder in

stabe Delta wegen seiner Dreiecksform seine Bedeutung Mesopotamien noch in Ägypten heimisch war, dagegen

in Magie und Mystik, wie schon Dornseift gezeigt i in Griechenland als Fremdgut auftritt. Hervorgehoben