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Ausgabe:

1938 Nr. 7

Spalte:

135-136

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

A - Baubetrieb 1938

Rezensent:

Campenhausen, Hans

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135

Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 7.

136

Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Unter Mitarbeit
zahlreicher Fachleute aus Wissenschaft und Praxis herausgegeben von
Prof. Dr. Otto Schmitt. Stuttgart: J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung
1937. Band I (A — Baubetrieb) (X, 764 Seiten = 1528 Spalten,
über 1250 Abbildungen) Lex. 8°. In Leinen RM 75— Subskriptionspreis
, in Halbleder RM 78.50 Subskriptionspreis.
Mit dem Erscheinen der 12. Lieferung ist der erste
Band des Reallexikons zur Deutschen Kunstgeschichte
abgeschlossen. Wenn wir ihn im Folgenden als Ganzes
ins Auge fassen (vgl. im übrigen ThLZ 1934, Sp. 61 f.;
1935, Sp. 112; 1937, Sp. 314), so mag die Anzeige zugleich
als letzte Mahnung an alle diejenigen gelten, die
für einen Bezug des Werkes in Betracht kommen und
sich noch nicht dazu entschlossen haben. Denn mit dem
Erscheinen der nächsten Lieferung erlischt die Möglichkeit
einer Subskription.

Das RDK ist zunächst ein Nachschlagewerk, nach
den einzelnen Stichworten geordnet, ein Buch zur Orientierung
und Erläuterung einzelner kunstgeschichtlicher
Gegenstände und Begriffe. Aber es ist zugleich sehr viel
mehr. Dank der musterhaften Sorgfalt, mit der die verschiedenen
Artikel auf einander abgestimmt und überall
(auch für das Abbildungsmaterial) Verweisungen angebracht
, Überschneidungen aber vermieden sind, ist es
nicht nur denkbar leicht und bequem, sich in dem Buche
zurechtzufinden (man denke als Gegenbeispiel etwa an
das Dictionnaire von Cabrol-Leclercq!), sondern der verständige
Leser gewinnt damit zugleich auch die Möglichkeit
, unter den verschiedensten Gesichtspunkten den Gesamtstoff
zu übersehen und zu einem Ganzen zusammenzuschließen
. So viel läßt sich nach Abschluß des ersten
Bandes deutlich erkennen. Der Umfang des ganzen Werkes
wird jetzt auf 6 Bände derselben Art geschätzt.
Zum Schluß soll ein Gencralregister auch für diejenigen
Stichworte den Weg weisen, die keine gesonderte Be

sen. Trotz ihrer großen kultisch-liturgischen Bedeutung,,
besonders an Wallfahrtsorten, sind die Frei- und Außenkanzeln
, Benediktionsloggien usw. m. W. noch nie zusammenfassend
behandelt worden. Es ist allerdings auch
überraschend, wie wenig künstlerisch bedeutsame Lösungen
die hier gestellte, an sich dankbare Aufgabe gefunden
hat. Den würdigen Abschluß des ersten Bandes
bilden die Ausführungen über den „Baubetrieb" und das
„Bauhandwerk" (Eberh. Hempel). Die Entstehung eines
mittelalterlichen Kirchengebäudes wird ja in mancher
Hinsicht erst dann wirklich verständlich, wenn man sich
von dem Charakter der Bauhütte (über diese erscheint
noch ein eigener Artikel), der Aufgabe der Bauverwaltung
, der Geldbeschaffung und ähnlichen Dingen ein gewisses
Bild machen kann. Die Stellung der verschiedenen
Bauhandwerker gegenüber der Bauverwaltung und zueinander
(z. B. die allmähliche Scheidung der Bildhauer,
Steinmetzen, Baumeister usw.) enthüllt darüber hinaus
ein wichtiges Stück deutscher Kulturgeschichte.

Bedenken erwecken die Ausführungen über den Brunnen im
„Atrium" (unter diesem Stichwort Sp. 1197 f. von Hans Reinhardt). Es
ist schwerlich richtig, daß das Weihwasserbecken an der Kirchentür sich
von diesem herleitet. Dagegen spricht schon die Seltenheit der Atriumsbrunnen
, deren Vorhandensein beider Kirchen durchaus nicht als altkirchliche
Regel angesehen werden darf; sie fehlen ja vielfach sogar vor
den großen Prachtbasiliken des 4. Jhd.s. Jon. 3,5 gehört in diesen
Zusammenhang überhaupt nicht herein, da die Stelle auf die Taufe
bezogen wird und die Taufbrunnen natürlich ihre eigene Geschichte
haben. — Sp. 1478 scheint ein Versehen vorzuliegen: schon in altchristlicher
Zeit ist Paulus vor allem durch das kahle Vorderhaupt, nicht
durch „reiches Haupthaar" gekennzeichnet. — Sp. 1405, Z. 17 v. u. lies
„m." statt „cm.".

Wo man das Buch aufschlagen mag, man schlägt es
so leicht nicht wieder zu. Es soll Leute geben, die jeden
neu erschienenen Band des großen Brockhaus oder Meyer

gleichliches Bilder-, Lese- und Lernbuch zur gesamten
deutschen Kunstgeschichte.
Qreifswald. H. v. Campenhausen.

handlung erfahren haben. j mit Begeisterung durchlesen, und deren Beispiel ist viel-

Ura ein Beispiel von der Reichhaltigkeit des Inhalts l leicht nicht immer nachahmenswert. Aber recht ver-
zu geben, seien im Folgenden die verschiedenen Artikel I standen und benutzt, ist das RDK m der Tat alles in
genannt, die für die Geschichte des Kirchenbaus «i,neni,:. «n yo lendes Nachschlagewerk, und ein unver-
von Bedeutung sind, wobei die bisher hier noch nicht be-
sprochenenen Lieferungen besonders berücksichtigt werden
mögen. — Für die rein technischen Fragen des
Baus, die in mancher Kunstgeschichte viel zu kurz behandelt
werden, kämen etwa „Balken" und „Balkenlage
" (Otto Gruber), „Backstein" (Otto Stiehl) und
„Backsteinhau" (ders. und Hans Wentzel) in Betracht.
Dieser letztgenannte Artikel greift dann aber auch weiter
und behandelt kurz, aber lehrreich die ganze kunstgeschichtliche
Entwicklung des kirchlichen Backsteinbaus,
wie stets, mit vorzüglichen Illustrationen. Die landschaftliche
Gliederung wird dabei nicht aus dem Auge verloren
. Sowohl für die Entstehung des bayerischen, wie
des klassischen norddeutschen Backsteinbaois wird das
oberitalienische Vorbild als maßgebend herangezogen,
für dieses aber ein unmittelbarer Zusammenhang mit
der altrömischen Tradition in Abrede gestellt. Unter dem
Gesichtspunkt eines bestimmten Ordensstils kommt der
Kirchenbau der Augustinerchorherren und Augustineremi-
ten in dem auch sonst sehr fesselnden, großen Artikel
„Augustiner" zur Darstellung (Oskar Thulin). Die Entwicklung
des allgemeinen Typs der „Basilika" wird unter
diesem Stichwort ziemlich ausführlich behandelt (Jos.
Hecht). Doch verdiente hier bei der Gegenüberstellung
der frühchristlichen und der mittelalterlichen Basilika vor
allem wohl dies Erwähnung, daß das kirchliche Altertum
die Gestaltung der Kirche als monumentalen Außenbau
— mit Ausnahme Syriens — so gut wie überhaupt noch
nicht kennt. — Zahlreiche Artikel sind einzelnen Teilen
des kirchlichen Bauwerks gewidmet, so Apsis, Atrium,
Auditorium (in der mittelalterlichen Klosteranlage). Aber
auch allgemeinere Bezeichnungen für bestimmte Architekturteile
wie Arkade, Atlant, Attika, Baldachin, Basis
usw. erweisen sich in diesem Zusammenhang als sehr
ergiebig. Auf den interessanten Artikel über die „Außenkanzel
" (Guido Schoenberger) sei besonders hingewie-

311s Sonbcrbruck aus Sf)£3 1937 9Tr. 23 erfchten:

©te Itrtfts

Zur &useüianberfe6ung jmt'fthen Barth unb ©ogartett
über „©ert'cht ober Sfepff»"
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©ojent 3Uc. ©r. Belmut Chfelfcfe

Unioerfität jjeibelberg
20 Seiten. 8°. spreis geh. 9*2Jt -.90.

5)ie Streitfchrift ©ogartens gegen Äarl 'Barth mufs jeben
ernfthaften Sheologen auf ben <pian rufen. Stimmt es roirk*
Itd), bafj "Barths Rheologie auf einer fäkularen, gans unb gar
uneoangelifchen Bafis ruht, bafj frembe 3beoIogten in fie ein»
geftrömt (inb unb bafj fie nidjts anberes als eine uerhappte
^3t)ilofophie tft ? Unb roenn bas fo fein follte, fteht bann ntdjt
alle Sheologie in ber gleichen 'Berbammnts ?

3Mefe Srage fucht bie Schrift „5)ie Ärifis ber Sheologte"
ju bcantroorten. Sie roill ein 9lechenfchaftsbencht eoangelifcher
Sheologie fein unb einen Appell an alle bie richten, bie mit»
ringenb in ber gegenroärtigen Stunbe ber 5vird)e unb ber
Rheologie ftehen.

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 9. April 1938.

Verantwortlich: Prof. D. W. Bauer in Göttingen, Düstere Eichenweg 14.
J. C. Hin rieh s Verlag, Leipzig C 1, Scherlstraße 2. — Druckerei Bauer in Marburg.