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Ausgabe:

1938

Spalte:

81-83

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wahmann, Paul

Titel/Untertitel:

Gnade 1938

Rezensent:

Wolff, Ludwig

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VOIN EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES, Göttinnen, und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN, Berlin

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GOTTING EN

Mit Bibliopraphiechem Beiblatt, bearbeitet von Bibliotheksrat Lic.ür.phil. REICH, Bonn, und Bibliothekar Lic. E. STEINBORN, Berlin.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

M.nu.kripf nnd p.lchr.e Mittriluncen «in.l . u . « c h I i c I1 i ch >n Profe..or D. BAUER in Güttingen, Dtt.tere Eichenweg 14. «■ «enden,
Reren.ionse.emplare ■■ ■•chlieSlich an den Verlag. Gewähr für Be.prechung von unverlangt gesandten Hezension«-
nplaren, besonder, noch bei Zunendung nach Göttingen, kann nicht übernommen werden.

exen

Printed in Germany.

J. C. HIN RI CHS VERLAG, LEIPZIG Cl

63. JAHRGANG, Nr. 5 26. FEBRUAR 1938

Edwards: John Wesley and the Eighteenth
Century (Laun)...............87

Spalte sPalte
Linden: Luthers Kampfschriften gegen das
Judentum (Wolf)...........• ■ • 86

G raber t: Der protestantische Auftrag des iSchilgen: In der Schule Loyolas (Völker) 88
deutschen Volkes (Wolf)..........84Schwartz: Acta Conciliorum Oecuuienico

Spalte

rum (Koch).................85

Simons: Religion und Recht (Meyer) .... 83

Wah mann: Gnade (Wolff).........81

Wünsch: Evgel. Ethikd. Politischen (Welirung) 89

Wah mann, Dr. Paul: Gnade. Der althochdeutsche Wortschatz im O*"«; Wie ^ht cs ' dc" dachen Isidor unter Nichtbeachtung

Bereich der Gnade, Gunst und Liebe. Berlin: Junker & Dünnhaupt ; Hinweise die man dem Lautstand entnommen hat als ostfraukisch

1937. (178 S.) gr. 8°. = Neue deutsche Forschgn., Abt. Deutsche i hinzustellen ? Eine pet.tio pr.ncipii ist es, wenn W. dafür wortgeogra-

Philologe Bd 4 ^2S" ' Pniscne Grunde geltend macht, obgleich seine Untersuchungen ja erst die

_ . j r> -rx j: i Verteilung der Worte festzustellen suchen. Wie kann er die Monsee-

Der deutschen Berktttungs- und Begriffstorschiung ■ Wjener Brllchstücke a]s bairisch in Reciiming stellen, obwohl sie doch

hat Jost Trier, der auch die vorliegende Arbeit angeregt J sicnuich nur als Umschrift mit bairischen Lautgebungen zum Isidor ge-

hat, mit seinem Buche Der Deutsche Wortschatz im j hören? Eben darin liegt ja die besondere Schwierigkeit, daß mit solchen

Siunbczirk des Verstandes, die Geschichte eines sprach- : Umsetzungen zu rechnen ist; das war auch in anderen Fällen zu erwägen,

liehen Feldes, I (Heidelberg 1931), dem sich verscllie- j z.B. beim Petrusliede, das man auch nicht mehr von Otfried ableiten

dene orundsätzliche Aufsätze gesellen, bahnbrechend neue i sollte. In jedem Handbuch steht, was jeder wissen sollte, daß das Memento

Weo-e° gewiesen. Grundlegend war die Erkenntnis, daß < mori (s- 68) nicht von Notker dem Deutschen stammt, sondern wesent-

ein%0lfes Erfassen und Verstehen der wechselnden Be- i «J* sPätfr.?" ^derer Geisteshaltung hervorgegangen ist. Ubersehen

.,. i' * i ~7 'l -i. -u w/ 4. f Qi __i j___ 1 sind die Lubliner Psalmen, die außer ginada und Ab eitungen für miseri-

griffe die jede Zeit mit ihren Worten faßt und der cordia usw auch sm6di f_r mansuctus bril!gen.

Wandlungen, die sie erfahren, nicht aus der Betrachtung , Der Verfasser hat es großenteils mit einem spröden und schwierigen

des EinzelwOl'teS möglich ist; hinter den Verschiebungen ; Stoff zu tun, der oft fragen läßt, ob ein unfreier Übersetzer wohl auch
im Wortilllialt steht eine Neuformitllg der Begriffe, die I den besonderen Sinngehalt des lat. Wortes an der betreffenden Stelle
sich mit anderer Spannweite und anderer Verteilung und j richtig erkannt und ausgedrückt hat. Trotz aller Mühe, mit der W. z. B.
Belichtung der Inhalte, die sie zusammenfassen Ulld aus- | bei den Glossen die umgebenden Worte heranzieht, setzt er die Bedeutung
präget) in neuartiger Weise voneinander abheben lind ab- ! noch öfter zu summarisch und nach vorgegebenen Begriffen fest, gerade
grenzen, und es ist darum nötig, auf einem ganzen Felde ' bci den fre!<!ren' zü[ Auslegung aufrufenden Werken. Mehrfach muß ich
____i_,i______._«_ n._.?tt. ____ ________u:: I rundweg widersprechen, z.B. bei der Bestimmung von hold als gläubig

festzustellen, wie sich die Begriffe eines zusammengehö
rigen Bereichs, die sich gegenseitig ihren Kreis zuweisen,
an den einzelnen Wortkörpern neu kristallisieren. Es ist

S. 69, thanc als Bezeichnung für Gnade bei Otfried S. 80 (auch die
Heliandstellen S. 104 fasse ich anders), diurida als Mitleid S. 105/6
wo Heliand 4414 übersehen ist: warum ist das Sehrtsche Wörterbuch

freilich nicht bloß eine Neugliederung im Begriffsfeld: j nicht benutzt, und sind die lat. Vorlagen der Dichtung nicht verglichen f

mit den Wandlungen des Weltbildes erfährt der auszu- j Nur als abkürzende Ausdrucksweise kann man es allenfalls gelten lassen,

gliedernde Bereich im Ganzen im Absterben von Altem ! wenn es immer wieder heißt, ein Wort bedeute an dieser Stelle dies

und Heranwachsen von Neuem, Ungekamntem mannig- (etwa »Wohlwollen, Gunst"), an anderer Stelle etwas anderes, als ob es

faltige Veränderungen, die nicht bloß ein Verrücken sei- l sich Jedesmal mit den Begriffen der Übersetzungsworte einfach deckte,

ner Grenzen sind: gerade in der Ablösung altgermani- f'ne "e'n""f-,,der !Ä di? ™dbetrachtung schützen soll. Ist es

__ , , . ... . fa „ . „ . , 3 iv; J, inden meisten Fallen nicht grundsätzlich unrichtig, wenn man zwischen

sehen und christlichen Denkens muß das bei W. deutlich | zwei verschiedenen Bedeutungsmöglichkeiten schwanken zu dürfen meint?

We»j"i r • j i ! Schließt nicht vielmehr meist die eine wahre Bedeutung, die bei ver-

Mlt der feldgeschichtlichen Betrachtung verbindet er : schiedenen Tatbeständen angewandt wird, die verschiedenen Möglichkeiten

die wortgeographische Fragestellung, wie sie in der ! ein, die man mit den Übersetzungsworten ausdrückt? W. verzeichnet

Hauptsache aus der Forschungsarbeit am Deutschen [ und verarbeitet einen vielfältigen Bestand von Worten, die er nahezu als

Sprachatlas hervorgewachsen ist, und folgt dabei beson- ! Fächer, verschieden große Fächer, für eine Reihe von Begriffen nimmt;

ders Th. Frings, der in der Germania Romana (Halle das verleitet zu den allzu bündigen Versicherungen. Das Streben nach

1932) an der Aufnahme und Ausbreitung lateinischen "ner so weit gespannten Oberschat. und dazu doch auch das Ausgehn

Lehngutes so klar und lebensvoll Kulturräume und -strö- ! WeH ™ ^ÄkT v %JS£2££E^ Sprach-

„,., ö, i__sx_j. «. i w £ i „,+ „..f I we!t darbot, die den Deutschen zur Verarbeitung gegeben war, assen

nungen herausgearbeitet hat Der Verfasser kommt auf I es begreiflicherweise nicht immer dazu kommen! in ausdeutender VerGrund
umfassender Untersuchungen des Wortbestandes, i senkung ,„ den lebendigen Zusammenhang des Einzelfalls und die Reihe
der sich bis zum 11. Jahrhundert in den deutschen Quel- i sich gegenseitig beleuchtender Einzelfälle dem Sinngehalt und der be-
len darstellt, ZU schönen Ergebnissen. Es wird sichtbar, sondern Tönung hinlänglich nachzuspüren, um so erst den im Wort
Wie sich aus der neuen Gesamthaltung heraus die Christ- verkörperten Begriff zu finden. Auch die Betrachtung des Einzelworts
liehen Begriffe mit ihrem besonderen Gehalt formen Und | behält noch ihr Recht. Wir können es nur dann verstehen, und nur
ihren sprachlichen Ausdruck finden: die geschichtlichen i d,e Grundlage zum Vergleich mit andern Worten finden, wenn wir
Kraftströme, die mit den verschiedenen Missionsbewe- dle Verwendung im Ganzen mit allen Möglichkeiten näher- und
P/uncen pincnr,Q a a- vi- i s ■ ;„ a.onor, l fernerlicgenden, übersehen, auch die Ähnlichkeiten und Unterschiede
fie für Wh! '. U"d ^ P°lltlScher KJe.19e« n,de":ei1 i verschiedener Zeiten in der Verwendung: dann erst ist es bei Heran-
nHpr irl 1 g kommen können Und aufeinandertreffen ziehnng der Worte des gleichen Feldes zu ermitteln, welcher allgemei-
oaer Sien Uberschneiden, lassen sich noch schärfer er- 1 nere Begriff den besondern sachlichen Gegebenheiten des Einzelfalls ankennen
und umgrenzen als bisher. ' gelegt wird.

Die Erstlingsarbeit, die fleißige, bleibt freilich unverkennbar. Zunächst Trotz der Einwendungen, die sich ergeben, halten,
erheben sich allerlei Einwände und Bedenken gegen die Einordnung der ! wie ich glaube, die Gesamtergebnisse stich. Aufzuhellen

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UrB.TÜB.

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