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Ausgabe:

1938

Spalte:

66-70

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bienert, Walther

Titel/Untertitel:

Der älteste nichtchristliche Jesusbericht: Josephus über Jesus 1938

Rezensent:

Fascher, Erich

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES, Göttinnen, und Prof. ü. Dr. GEORG WOBBERMIN, Berlin

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D.WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, und Bibliothekar Lic. E. STEINBORN, Bei lin.

Jährlich 26 Nrn.— Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen sind ausnchliefilich an Professor D. BAUER in Göttinnen, Düstere Eichenweg 14. iu senden,
Rezensionsexemplare ausschließlich an den Verlag. Gewähr für Besprechung von unverlangt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Güttingen, kann nicht Übernommen werden.

Frinted in Germany.

J. C. HINRICHS VERLAG, LEIPZIG Cl

63. JAHRGANG, Nr. 4 12. FE B RU AR 1938

Spaltel Spalte

Bienert: Der älteste nichtchristliche Jesusbericht
. Josephus über Jesus (Fascher) . . 66

Ekklesia (Achelis)...............72

Günther, Schelsky: Christliche Metaphysik
und das Schicksal des modernen Bewußtseins
. (Sieber)................73

Henderson: Religions Life in Seventeenth-
Century Scotland (Reich)..........70

Lewy-Stihl: Die Funktionen des Gewissens
in den neurotischen Krankheiten (Knabe) . . 79

Mahling: Die innere Mission (Schian) . . 76

Merkelbach: Summa Theologiae Moralis

Spalte

(Piper)....................70

Richter: Der Begriff der Subjektivität bei

Kierkegaard (Ruttenbeck)..........71

Thomas: Die Darstellung Christi in der Kelter

(Stuhlfauth).................77

Zimmer: Maya, Der indische Mythos (Merkel) 65

Zimmer, Heinrich: Maya, Der indische Mythos. Stuttgart: i ten aus dem India-Museum in London sowie dem Mu-

DeutscheVerlags-Anstalt [1936]. (506S. u. 12 Tafeln) s". Geb. RM li—. I see Guimet in Paris beigegeben, die den Wert dieser

Heute da das Problem des Mythus aktuell geworden, i neuesten indischen Mythendar Stellung erhöhen,

ist es ein hohes Verdienst des Heidelberger Indologen | München. r. f. Merkel.

Hch. Zimmer, uns mit der Wesensart des indischen

Mythos eingehender vertraut zu machen. Schon in sei- j Bienert, Lic. theol. habil. Dr. phil. Walther: Der älteste nicht-
nem Buch ,Indische Sphären' (1935; s. m. Besprechung ; christliche Jesusbericht. Josephus über Jesus. Unter beson-
in ThLZ. 1937, Nr. 5) steht ein anschaulich orientieren- j derer Berücksichtigung des altrussischen „Josephus". Halle: Akade-
der Aufsatz über ,den indischen Mythos' und auch in mischer Verlag 1936. (VIII, 319 S.) 8°. rm 9.60.
dem vorliegenden Werk gibt er eine ausführliche ,Ein- Die ebenso gründliche wie methodisch höchst Umleitung
' über Wesen und Bedeutung des indischen My- sichtig angelegte Arbeit des jungen Kirchenhistorikers
thos im religiösen Sein dieses uralten Kulturvolks. „Der ; in Halle ist nach der lebhaften, in- und ausländischen
Westen hat Geschichte seit Herodot und Geschichte Diskussion des letzten Jahrzehnts zum Thema: Echtheit
handelt von Personen; der Mythos aber schliefst Per- des Testim. Flavianum keineswegs überflüssig, sie stellt
sonen aus, er kennt nur Sinnbilder ... In Indien ist j auch nicht etwa, wie häufig solche noch unter Aufsicht

das mythische Element die allgemeine Sphäre, bis an
den Rand der Gegenwart, bis in ihre Zersetzung durch

eines Lehrers geleisteten Zweckarbeiten, eine Zusammenfassung
der bisherigen Diskussion dar, sondern bie-

die Gärstoffe des Westens. Das Gedächtnis des alten ; tet eine auf philologischer und quellenkritischer Ana-
Indien ist mythisch; nur wer dazu taugt, ein Sinnbild ': iyse wie auf umsichtiger Verwertung kirchen- und dog-
abzugeben, kann in ihm haften, so der geschichtliche j mengeschichtlicher Zeit- und Streitfragen beruhende Lö-
Krischna epischer Heldenzeit, indem er zum göttlichen j sung der Probleme an, welche in energischer Weise
Heros und Bringer einer neuen Weltepoche wird, zur weiterführt und zugleich die fragwürdigen Ergebnisse
Verleiblichung des Allgottes unter den gläubigen Men- i Eislers, dessen anspruchsvolle Darstellung ein gewisses
sehen — oder wer wie der Buddha als ein Weiser i Aufsehen zu erregen wußte, abtut, nicht ohne ihm bei
und Yogin die Person ganz überwindend den Weg über ' einzelnen Beobachtungen anerkennend gerecht zu werden,
sie hinausweist ins Überpersönliiche, Gotthafte an Mensch In seiner Einleitung (1—6) stellt B. die Situation

und Welt: ins Jenseits des Ich tief innen, und außen j hinsichtlich der Geschichtlichkeit Jesu im Rückblick auf
jenseits aller gestaltigen Welt" (S. 32 f.). Die sorgfältig ; die Debatte des letzten Menschenalters klar, führt die
ausgewählten und eingehend religions- und kulturge- sechs erhaltenen nicht-christlichen Jesuszeugnisse der
schichtlich interpretierten Mythen sind größtenteils dem vorkanonischen Zeit dem Leser kurz vor Augen und
,Matsyapurana', aber auch dem ,Brahmapurana' oder greift dann als wertvollstes und umstrittenstes Testimo-
dem ,Narasimhapurana' entnommen, während die Schiva- | nium jene Stelle Josephus Antiqu. XVIII § 63—64 her-
Mythen dem ,Kurmapurana' entstammen. In den ange- i aus, um sie nicht nach der formalen Seite (Geschichtlichfügten
Erläuterungen stellt Z. die einzelnen Mythen hin- ; keit Jesu), sondern nach der inhaltlichen erneut zu be-
ein in den religiös-kosmischen Zusammenhang der in- fragen: was sie uns über Jesus zu sagen weiß. Kapitel
dischen Welt- und Lebensanschauung, wobei er Ver- ; 1 und 2 (S. 7—46) führen in anschaulicher Weise
gleiche aus der Religions- und Mythengeschicbte an- 1 den Text und seine Übersetzung vor (cap. 1), sodann
derer Völker wiederholt heranzieht, ja sogar aus der die Geschichte seiner Interpretation an deren Hauptver-
europäischen Literatur ähnliche psychologische Gestal- ; tretern mit den 3 Möglichkeiten: volle Echtheit (Burkitt,
tungsformen anführt. Verschiedentlich läßt sich der Harnack, Barnes, Laqueur), die volle Unechtheit, weil
Zweck eines Mvthos noch deutlich erkennen, wie z. B. der Text christliche Interpolation ist (Schürer, Norden,
bei der .Entstehung des Lingakults', dessen „Einführung Batiffol, Lagrange); Annahme eines interpolierten ech-
aus vorarisch-alter Tradition in die brahmanisch-hin- j ten Textes (Gieseler, Hase, Ewald, Linck, G. A. Müller,
duistische Überlieferung" damit erklärt werden soll: j Eisler, Laqueur, Goethals. Der hier noch einmal ge-
„Vischnu selbst wird bestellt, was die Veden und ganze nannte Schürer scheidet praktisch aus, da seine Strei-
Zeitalter nach ihnen bekämpften, endlich heiligzuspre- 1 chu.ngen ein so farbloses Bruchstück übrig ließen, daß
chen und das Linga als geheimnisvollste Offenbarung j er zur Konsequenz voller Unechtheit gedrängt wurde.)
des höchsten Gottes zu lehren" (S. 415). In vorzüg- ; Das Ergebnis di eser Überschau ist kurz dieses: Jo-
licher Widergabe sind Abbildungen mythischer Gestal- I sephus muß über Jesus berichtet haben, freilich in einem

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