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Ausgabe:

1938 Nr. 3

Spalte:

53-54

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Fairweather, William

Titel/Untertitel:

Among the mystics 1938

Rezensent:

Völker, Walther

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Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 3.

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Ausführungen unverkennbar, weshalb alles viel knapper
hätte gefaßt werden können, zumal die „Entdeckung"
Verls, daß stets die „Zweckbestimmung" einer Schrift
für deren Würdigung ausschlaggebend sei, doch wahrlich !
nichts überraschend Neues sagt.

Die weiteren Ausführungen behandeln nur noch den
Traite („Die logische Verknüpfung der Wissensinhalte" S. j
48—58; „Die Prinzipien der Theologie des hl. Franz von
Sales" S. 58—76; „Historische Faktoren" S. 76—89) mit
dem Ergebnis, daß im Traite eine „Totalsynthese des
Lebens" zu erkennen sei, „die ganz und gar ein lebendiges
, harmonisches, hierarchisches Gebilde der mensch- j
liehen Geist-Körpernatur entspricht, der als dem höchsten
Lebenswerte jede metaphysische, rein spekulative Synthese
wissenschaftlicher Ordnung als Teilglied einver- i
leibt sein muß" (S. 75).

Hier hat man zugleich eine Probe für den unge-
schickten Stil des Werkes, in dem einfache Tatbestände ,
mit Vorliebe geschraubt und langatmig ausgedrückt wer- |
den. Eine wesentliche Förderung unserer Erkenntnisse
bringt diese Studie nicht, wenngleich nicht verkannt werden
soll, daß man bei der nicht immer leichten Lektüre
des öfteren durch feine Beobachtungen entschädigt wird.
Man wird auch bereitwillig zugeben, daß Verf. eine treffliche
Belesenheit bekundet und sich in der reichen Literatur
gut umgesehen hat. Aber was er Neues zu bieten hat,
hätte knapper und eindringlicher gesagt und in der Persönlichkeit
des FvS tiefer verankert werden müssen,
denn Cap. V („Historische Faktoren") bleibt doch recht
auf der Oberfläche und hinterläßt einen unbefriedigenden
Eindruck.

Halle a. S. Walther Völker.

Fairweather, William, M. A., D.D.: Among The Mystics. <

Edinburgh: T. und T. Clark 1936. (XVI u. 145 S.).
Dies kleine Buch erhebt selbst keine Wissenschaft- I
liehen Ansprüche, es will nur eine kurze Einführung in !
die mystische Welt sein und ist für Leser bestimmt, die
sich etwas informieren wollen, ohne dabei in größeres
Detail zu gehen (S. V). So wird man von vornherein
keine großen Erwartungen hegen und keine Behandlungen
der schwebenden Fragen erwarten dürfen. Verf. versucht
es auch nirgends, die Entwicklungslinie in der Oe-
schichte der Mystik herauszuarbeiten, er beschränkt sich
Vielmehr darauf, einige äußere Tatsachen lose aneinanderzureihen
, ohne die von anderen erarbeiteten Forschungs- t
resultate gebührend zu berücksichtigen. Auch die verhält- J
iiismäßig ausführlichen Abschnitte über die großen spani-
sehen Mystiker, oder über Franz v. Sales und Frau
v. Guyon erheben sich nicht über dieses Niveau, denn
Verf. "begnügt sich hier damit, einzelne Lebensdaten
iinzuführen und für die Lehre gewisse Abschnitte aus den
betreffenden mystischen Werken zu zitieren. Die beiden
Kapitel, welche die Anfänge der christlichen Mystik und
deren weitere Ausprägung bis zur Reformation hin auf
etwa 30 Seiten beschreiben, können in ihrer Dürftigkeit
kaum noch überboten werden. Cyrill y. Jerusalem, j
Gregor v. Nyssa, Nilus Sinaita, Diadochus v. Photice,
Johannes Climacus, Symcon der Neue Theologe u. a.
werden überhaupt nicht erwähnt, andere mit einer kurzen |
Bemerkung abgetan. Vergeblich sucht man Gregor den I
Großen, obwohl dessen Lehre von der contemplatio so
stark auf spätere Mystiker (Anselm) eingewirkt hat. I
Von dem schwierigen Problem, das Seuses Lebensge-
schichte und die Frage ihrer Authentizität dem Forscher j
stellt, weiß Verf. anscheinend nichts, was man aus dem I
Satze schließen darf: „Suso dictated a history of his !
5*H S. 30; ebenso unhaltbar ist auch die Datierung j
des Büchleins der ewigen Weisheit (1338), wo sich die j
besten Kenner wie Bihlmeyer für 1327/1328 eingesetzt
haben). Die Forschungen über die Quellen der spani- j
sehen Mystik, die Gelehrte wie Denifle, Böhmer, Etche- I
goyen, Groult so erfolgreich durchgeführt haben, werden
nicht berücksichtigt; der Quietismus wird weder in seiner
Besonderheit noch in seinen Auswirkungen erkannt. Man |

könnte noch lange fortfahren, Lücken aufzuzählen und
Ungenauigkeiten festzustellen, aber es hat m. E. keinen
Zweck, Anforderungen an dieses Buch zu stellen, die es
nicht erfüllen will. So wundert mau sich auch nicht, daß
Verf. nirgends auf die innigen Zusammenhänge zwischen
Mystik und Theologie hinweist, daß er wichtige
Quästionen aus der Summa Theologica des hl. Thomas
nicht erwähnt, obwohl sie für das Verständnis mittelalterlicher
Mystik von entscheidender Bedeutung sind.

Vielleicht füllt vorliegendes Werk eine Lücke im englischen
Büchermarkte aus, in Deutschland halte ich seine
Lektüre für überflüssig. Der Fachmann wird sich über
die vielen Unzulänglichkeiten nur ärgern, und der Laie
wird beim aufmerksamen Lesen eines mystischen Traktates
, ja einer Seite Augustins, mehr von den Geheimnissen
des inneren Lebens spüren als beim Lesen einer
derartigen Schrift.

Halle a. S. Walther Völker.

Messenger, Ph. D. Ruth Ellis: Ethical Teachings in the Latin
Hymns of Medieval England. With special reference to the seven
deadly sins and the seven principal virtues. New York: Columbia
University Press 1930. (210 S.) 8°. $ 3.50.

Aufgrund eines Satzes von Clem. Blume in einem Artikel
in der Cath. Encyclopedia über „Hymnody", die
religiöse Lyrik der Hymnen gebe uns einen aufschlußreichen
Einblick in das kulturelle Leben der Alten Kirche
und des Mittelalters, wird hier versucht, den ethischen
Gehalt der Hymnen herauszuarbeiten. Die Hymnologie
hat sich ja auch zweifellos vorwiegend mit formalen Fragen
beschäftigt. So darf man dankbar sein für diese
inhaltliche Untersuchung.

Allerdings ist das Ergebnis trotz großen aufgewandten
Fleißes aufs Ganze gesehen doch recht difrf-
tig. Zwar ist Blumes Satz bewiesen, die altkirchlichen
und mittelalterlichen Lieder spiegeln tatsächlich, die zeitgenössischen
Ideale wieder. Aber das ist schließlich
keine neue Erkenntnis. Wichtig wäre es jedoch in diesem
Zusammenhang gewesen, den Inhalt der kirchlichen mit
dem der profanen Literatur zu 'vergleichen. Es hätte hier
auch bei der Beschränkung auf England aufschlußreiches
Material vorgelegt werden können. Statt dessen ist die
Untersuchung im wesentlichen beschränkt auf eine Analyse
der Hymnen selbst, was wegen der weitgehenden
Gleichartigkeit ihres Inhalts viele ermüdende Wiederholungen
bringt. Das Ganze leidet daher auch an einer
unnötigen Breite. Dabei sind aber nur 14 von den Hymnen
der Frühzeit (Liste A bei Blume) hier verwendet,
dagegen mit einer Ausnahme sämtliche Hymnen britischer
Herkunft (Liste B). Das kommt daher, daß
hier die im 1. Kap. besprochenen Liturgien von Salis-
bury, York und Hereford zugrundegelegt sind. War man
schon so ausführlich, so hätte man auch die Hymnen des
„benediktinischen Zyklus" voll heranziehen sollen. Man
hätte dabei trotzdem kürzer sein können bei Anwendung
systematischer Gesichtspunkte. Die Heranziehung des
Tugend- und Lasterkatalogs ist ja ein Anisatz dazu.

Statt dessen hat die Verfasserin nach einleitender
Behandlung der Fragen, wieweit die Lieder in ihrem Ausdruck
durch konventionelle Formeln gehindert waren,
und ob sie wegen der lateinischen Sprache auch dem Volk
verständlich waren, also einen erzieherischen Einfluß ausüben
konnten (was meines Erachtens hier überschätzt
wird, z. B. Seite 192), sowie nach Darstellung der englischen
Liedersammlungen zunächst die Hymni proprii
de Tempore (Kap. II ü. III), dann die Hymni de Commune
Sanctorum (Kap. IV) und endlich die Hymni proprii
de Sanctis (Kap. V u. VI) einzeln durchgesprochen. Die
Hymni Communes de Tempore werden nicht besonders
erwähnt, weil die Verf. die Hymnen der kanonischen
Zeiten als Passions- und Osterhymnen behandelt.

Das VII. Kapitel stellt die Ergebnisse dar. Es wird
zusammenfassend festgestellt, daß in der Hauptsache die
Tugend- und Laster-Kataloge sich in den Hymnen wiederspiegeln
, wobei Glaube und Liebe, Mäßigkeit und Mut