Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1938 Nr. 2

Spalte:

39

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Kirkehistoriske Samlinger; 1936 1938

Rezensent:

Achelis, Thomas Otto

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

39 Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 2. 40

Siegmund, D. Dr. Georg: Nietzsche der „Atheist" und „Antichrist
". Paderborn : Bonifatius-Druckerei G.m.b.H. 1937. (103 S.)
kl. 8°. RM 1.60; geb. 2.70.

Das Büchlein ist mit die beste volkstümliche Darstellung
und Bewertung Nietzsches von christlicher Seite
. Die Punkte, auf die es bei Nietzsche ankommt, sind
klar herausgearbeitet, die Zitate aus seinen Werken geschickt
gewählt. Scharf ist die seelische Analyse; z. B.:
Nietzsche bekämpfte forciert Dinge, die als Mängel in
seiner eigenen Seele wohnten, — und: Der aufgewühlte
Seelengrund schreit zu Gott, den das verkrampfte Ich
verschmäht. Im übrigen versteht Siegmund die verborgene
Religiosität Nietzsches doch nicht völlig und hebt
zu sehr auf den lueiferischen Trotz und Hochmut bei ihm
ab. So macht er sich die „Widerlegung" zuweilen zu
leicht und redet vorschnell von hoffnungslosem Scheitern
. Sehr treffend dagegen ist die Beobachtung durchgeführt
, daß die Ichverhaftung bei Nietzsche den
Blick trübe und das Bild der Welt verfälsche. Die Über- j
Windung Nietzsches kann tatsächlich meiner Überzeugung I
nach nur von einem ganz radikalen Realismus her ge- |
schieben. Gut gelungen ist auch der Nachweis Siegmunds,
daß Nietzsche dauernd von seinem infantilen weichen, pietistischen
Christusbild bestimmt blieb. Ein gut Teil von j
Nietzsches Kampf gegen Christus und seine Mitleidslehre j
fällt sofort hin, wenn an die Stelle eines falschen das
echte Christusbild gesetzt wird. Ebenso ist ein Teil seines
Widerstandes gegen die Christen erledigt, wenn es i
nicht um Christen geht, die das Christentum verzerrt
darstellen, sondern um wirkliche Jünger des wahren Christus
. Aber dann bleibt doch noch ein sehr erheblicher
Rest, ein Gegensatz Nietzsches gegen Jesusund den Gott
Jesu, ein Gegensatz, der in der letzten Tiefe liegt. Dieser
kann nicht ernst genug genommen werden und darf auch
nicht allein auf den Trotz oder auf den Hochmut Nietzsches
geschoben werden. Hier fehlt allen christlichen
Gegenschriften, auch dieser, etwas. Immerhin möchte ich
meine obige Bewertung der Schrift Siegmunds unterstreichen
und ihre Verbreitung in unserer von Nietzsche so
überaus stark bestimmten Gegenwart wünschen.

Heidelberg. Wilhelm Knevels.

Kirkehistoriske Samlinger. Sjette Rotkke. Udgivet af Selskabet for
Danmarks Kirkehistorie ved J. Oskar Andersen. Andet Binds forste Hefte.
Kopenhagen, G. E. C. Gad 1936. (240 S.) 8°. Kr. 6.50; bei Subskr. 5—.

Das neue Heft der alten Zeitschrift, die seit 1849
erscheint (vgl. Th.L.Z. 1933, 440, 1936, 144, 1937,
72), beginnt mit einem Aufsatz von Henny Glarbo über
dänische Palästinafahrer im 16. und 17. Jahrhundert
(bes. Mitglieder der Adelsfamilie Rantzau). Ausführlich
berichtet sodann Björn Kornerup über das erste Reformationsjubelfest
in Dänemark im Jahre 1617. Von ihm
ist auch die Herausgabe einer Sammlung kurzer Charakteristiken
von dem Küster Herlov Dalboff in Hvirring
an der Ostküste Jütlands (f 1792), bes. jütische Persönlichkeiten
betreffend, besorgt, ferner eine Fortsetzung
seiner Mitteilungen über die Besetzung der Dompropstei
Roskitde 1866 (vgl. Th.L.Z. 1937, 73) und endlich
ein Brief aus Emmerleff (1867), der die schwierige
Lage der dänischen Pastoren schildert, als von ihnen
der Eid auf den preußischen König gefordert wurde.
Weiter enthält das Heft eine Untersuchung von F.
J. Billeskov über Kingos Bibelzitate in seiner Leichenpredigt
auf Jakob Bircherod (1691). K. F. Hafström
behandelt eine Bekehrungsgeschichte (um 1800) und
legt ihr Verhältnis zur älteren Erbauungsliteratur dar.
Endlich gibt H. H. Fusing kurze Beiträge zur dänischen
Pastorengeschichte der Zeit von 1514 bis 1657.
Rendsburg. Th. O. Achelis.

6 o e b e n erfdjten:

Hermann Sauer

Cntfdjetöung

arifchet: iWßthus uni» cfariftUdhe WMUtyttit

790 eciten. ©r. 8°. <Breis 12 Sölurk, in £einen 14 2Kark

Sic Boräeidjcn einer umroälsenben Sinnbeutung abenb»
länbifdjer ©cfd)id)te holten ben Cefer biefes SBerkes oon
Einfang bis ©nbe in unerhörter Spannung. Stftit |id)erem
©riff reifst ber Sßerfaffer bie in bie 3ukunft roeifenben
3becn aus bem (Efjaos unb <r)albfd)lununer abeublänbifcher
Probleme. Seine ^Deutungen ber jeituniroanbeinben Äata«
ftropl)eneinbrüd)e unb ocrsmeifelten Kraftproben, bie bas
Slbenblanb burd) bie 3aljrl)uiiberte beftehen mufjtc, ge=
roinnen burd) Orientierung an einer imponierenben ®e*
famtfdjau überjeugenbe Äraft. Sie oft in rabikaler
(Entgegenfefiiing auftretenben begriffe Ghriftentum unb
3)eutfd)tum, 2)emut unb (Ehre, Sölannestum unb ©ott=
oertrauen roerben am Quellpunkt ihres iberbens auf ihr
urfprünglid) oerpflidjtenbes Verhältnis befragt. Sic 5luf=
roertung biefer begriffe aus bem 'Berftänbnis ihres 2Bur»
jelgrunbes unb bem ©eroiffcnserlebnts unferer Borfaljren
roirkt gerabeju befreienb. 2ltts ber (Ergriffenheit unb bem
frühen Berantroortungsbcroufjtfein unferes Volkes roadjfen
bie OTabnmale unferer eigenen 3ukunft; nad) bem 2Ecfta=
ment unferer 'Bäter formt fid) unfer eigenes Sdjidtfal.

Sie abenblänbifchc ®efd)id)tc erhebt fid) fo 511 ftcllucr=
tretenbem, reprcifentatioeni ©efdjeljen an unferen Vor*
fafjren, aus bem bie Äraft ihres "Borbilbes unb bie Caft
ihres (Erbes auf uns übergeht. Sas 9JIannestum bes
frühen Mittelalters, bas SDiichaeliserlebnts ber Ungarn»
fd)lad)t, ber Seroistuus ber 9itter;seit, bie ftaatsbilbenbe
Äraft bes Örbcnsgebankcns, bie Sdjidifalsroenbe ber
^Reformation, bie (Erneuerung bes SReidjsgebankcns unter
'Breufjens Führung — bas finb aus ber Sülle einige
Beifpiele, bafj bie hier gebotene 'JBeltfchati fid) aus ber
gefd)id)tlid)en '2Birklid)keit erhebt. 2)as Buch bleibt nid)t
in einem felbftfidjeren Surdjforfdjen bes 'Bergangenen
ftecken. 3nbcm es ben hereinbrechenben 9Totjeiten unb
bem medjfelnben 3riebensfd)affen, bem Ceiben unb Opfer«
fterben unferer 'Bäter leiste Sinnhaftigkctt einprägt burd)
bie (Erkenntnis, bafe es fid) babei ftets um ©ottes <r)er»
ausforbenmg sur „Umkerjr" an bie jeroeiiige ©etieration
hanbelt, ift ber 3ugang 511 ben 'ülntruorten gefunben, nad)
benen unfere ©egenroart fudjt. Sie „(Entfcheibung", uor
ber bas Slbenblanb ftefjt, ift bamit letjtlid) eine ©laubens«
frage, roie fie es immer fd)on mar. Sjier finbet ber letjte
aKahnruf bes Buches feine Stärke in lebenbiger <Hus*
einanberfe^ung mit Sllfreb '•Rotenberg unb bem ^effimis«
mus Osmalb Spenglers. Sas Bud) ift SBiffenfdjaft unb
Ceben, gefchrieben aus ber glühenben Ueberjeugung, bafj
bas ßhriftentum für bie 3ükunft bes 'Jlbenblanbes ent=
fd)cibenb bleibt, roie es bei feinem Anfang unb 2lufftieg
entfdjeibenb geroefen ift.

Surd) jebe <8ud)f)anblung su besiehen

0. C, ^fntfdp ©erlag/IUtpät'rj

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 29. Januar 1938.

Verantwortlich: Prof. D. W. Bauer in Göttingen, Düstere Eichenweg 14.
C Hinriehl Verlag, Leipzig C 1, Scherlstraße 2. — Druckerei Bauer In Marburg,