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Ausgabe:

1938 Nr. 25

Spalte:

451

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dandekar, Ramchandra Narayan

Titel/Untertitel:

Der Vedische Mensch 1938

Rezensent:

Glasenapp, Helmuth

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Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 25.

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Der Verf. ist freimütig genug, an verschiedenen Stellen
seines Werkes, das ja die gesamte materielle wie geistige
Kultur der Baja umfassen will, zuzugestehen, daß
ihm nicht alle Fragen zu klären und über alle Einzelheiten
Bescheid zu erhalten möglich gewesen ist und daß
deshalb noch weitere Nachforschungen an Ort und Stelle
notwendig sind. Doch auch so hat er die Kenntnisse über
die Baja-Kultur und -Religion ein beträchtliches Stück
vorwärts getragen, wobei er auf die außer seiner Veröffentlichung
vorhandene Literatur keinen Bezug nimmt.
Allerdings scheint mir noch weit mehr als der Verf.
es tut, der Einfluß des Islam auf die Religionsanschauungen
der Baja berücksichtigt werden zu müssen. Die
Bemerkung des Verf. (2, S. 175), daß der Islam an die
Verehrung der Seelen, wie sie bei den Baja üblich ist,
angeknüpft habe, reicht gewiß nicht hin, die Einflüsse
des Islam auf die innere Gestaltung der Baja-Religion
zu kennzeichnen.

Leipzig. _F. Rudolf Lehmann.

Dandekar, Dr. R. N., M. A., Ph. D.: Der vedische Mensch.

Studien zur Selbstauffassung des Inders in Rg- und Atharvaveda.
Heidelberg: C. Winter 1938. (V, 69 S.) kl. 8° = Indogerm. Biblioth.,
Dritte Abt.: Untersuchungen, 16. RM 3.40; kart. 3.80.

Der Titel des Buches läßt erwarten, daß hier eine
Darstellung der Wesensart des vedischen Menschen gegeben
wird. Das Ziel des Buches ist ein ganz anderes:
es untersucht die Wörter, Begriffe und Vorstellungen
des Rig- und Atharva-Veda, die sich auf den Körper,
die Sinneskräfte und das Seelisch-Geistige beim Menschen
beziehen, (rasa, präna, jiva, asu, tanü, manas, hrd,
daksa, kratu, dhi, cetas, citta, ätman). Der Verfasser
sucht dabei die einzelnen Etappen der fortschreitenden
Welterkenntnis zu ermitteln und die Geschichte der einzelnen
Begriffe bis zu den Anfängen systematischen Philosophierens
zu verfolgen, wobei Ergebnisse und Termini
der modernen Ethnologie reiche Verwendung finden.
Zeigt sich Dandekar in all' diesem mit den neuesten
Theorien und Schlagwörtern („Orendismus", S. 14) vertraut
, so vermißt man andererseits eine Kenntnis der
zahlreichen europäischen Arbeiten, welche dieselben Probleme
behandelt haben. Eine Beschäftigung mit den
Abhandlungen Oldenbergs, Tuxens, Arbmans hätte D.
nicht nur auf viele wichtige Einzelheiten aufmerksam
gemacht, sondern ihm auch neue Gesichtspunkte erschlossen.
Königsberg i. Pr._H. v. G 1 ase n a p p.

Brei ich, Angelo: Aspetti della tnorte nelle iscrizioni sepol-
crali dell' impero Romano. Budapest: Istituto di Numismatica
e di Archeologia dell' Universitä; in Komm, bei O. Harrassowitz,
Leipzig. (88 S.) gr. 8° = Dissertationes Pannonicae ex Iiistituto Nu-
mismatico et Archaeologico Universitatis Budapestinensis provenientes.
Ser. I. Fase. 7. Pengö 8—; geb. 10-.

Der Verfasser der vorliegenden Untersuchung hat
sich die dankbare Aufgabe gestellt, ein schwer faßbares
Phänomen aus seinen unmittelbarsten Äußerungen pla-
^tisch hervortreten zu lassen. Wohl niemand wird es bezweifeln
, daß die geheimnisvolle Realität des Todes dem
Menschen am greifbarsten als Grab offenbar wird. Das
Grab als metaphysisches Phänomen ist viel mehr als der
bloße Bestattungsort lebloser Kadaver; es ist eine eigene
Welt, die eine eigene Sprache und sogar ein eigenes
„Leben" für sich hat. Es wäre jedoch ein allzu kühnes
Wagnis, diese Welt aus sich selbst verstehen zu wollen,
wenn das Grab immer dasselbe gewesen wäre, wie es in
dem modernen Friedhof ist. Zweifellos drückt auch der
moderne Friedhof durch seine erstarrte und meistens
schematische Formenwelt eine Seite des Todes aus. Aber
wenn man die Grabinschriften der modernen Zeit mit denen
der Antike vergleicht, wird der Unterschied ins Auge
fallen. Es wäre schwer, aus den modernen Grabinschriften
die Aspekte des Todes erkennen zu wollen. Selbst
das Symbol der christlichen Auferstehung, das Kreuz,
ist schematisch geworden. Dagegen erstaunlich ist die
Vielfalt der antiken Grabinschriften. Die Grabinschrift
war in der Antike sozusagen ein literarisches G e n o s.
Gerade deswegen ist die Problemstellung des Verfassers:

j die antiken Offenbarungen des Todes von den Grabinschriften
ablesen zu wollen, völlig berechtigt. Unter dem
j Rahmen dieses Genos ist ja die unmittelbare Inspiration
, die Erschütterung vor der Realität des Todes beinahe
immer aufrichtig und intensiv. — Die überraschende
! Fülle des diesbezüglichen Materials hat es für Breiich
, ermöglicht, die Grabinschriften zum Gegenstand einer
I mehr existenz-philosophischen als rein philologischen Untersuchung
zu machen. Eben als existenz-philosophische
Untersuchung verdient diese Arbeit Beachtung auch in
; solchen Punkten, wo der Philologe geneigt wäre, Mängel
zu erblicken. Der Verf. vernachlässigt z. B. die
chronologische Schichtung des Materials. Dadurch wird
natürlich die Unterscheidung einzelner Epochen innerhalb
der Antike, — d. h. in diesem Fall vor allem innerhalb
der römischen Kaiserzeit, — unmöglich. Aber eben
| infolge dieser einseitigen Vernachlässigung konnte er
diese Seite der Antike in einem eindrucksvollen Bild
j als Einheit darstellen. In diesem Fall ist auch die
| Einseitigkeit Verdienst. — Weniger kann man dieselbe
i Nachsicht gelten lassen, wenn der Verfasser auch den
! Grabeshumor mit einem existenz-philosophischen Gedanken
erklären will (S. 46). Die Beispiele, die er anführt,
sind so verschiedenartig, daß hier eine Untersuchung über
das Genos selbst wünschenswert gewesen wäre. Am
besten fundiert ist zweifellos in der ganzen Untersuchung
j das 3. Kapitel (S. 54 ff.) über diejenigen philosophischen
Gedanken, die uns in den Grabinschriften der Kaiserzeit
| so oft begegnen, sowie der Exkurs über die Manen
(S. 21 ff.). Dagegen besagen die letzten zwei Kapitel
; über die angeschnittenen religionswissenschaftlichen Pro-
j bleme (Göttlichkeit bzw. Apotheosis und Unsterblichkeit
der Toten) nichts wesentliches. Wenn z. B. der Verfasser
schreibt (S. 70): Essa (seil, la coneezione della divi-
nilä de! morto) non involve alcuna fede nell' aldilä, sol-
| tanto pone il morto in una sfera divina: su un piano su-
j periore della realtä, — so kann diese Umschreibung
i mit anderen Worten keineswegs als eine Lösung des Pro-
! blems gelten. Ebenso ungenügend und willkürlich ist
auch die Theorie des Verfassers von der Umwandlung
des Mythos in Glauben (S. 78). Es muß betont werden,
daß die Mythos-Definition des Verfassers, trotz jenen
[ schönen Worten, die er über den Sinn des Mythos tref-
j fend ausspricht (S. 15), unzulänglich ist. Eine genaue
Untersuchung über das Genos hätte auch hier zu einem
besser fundierten Ergebnis geführt.

Zum Schluß möchten wir dennoch den Wert der
Untersuchung betonen. Es ist dem Verfasser gelungen,
das reichhaltige Material in einer übersichtlichen und an-
| regenden Darstellung zusammenzufassen.

Frankfurt a. M. Arpäd Szabö.

Schäfer, Hermann: Götter und Helden. Über religiöse Elemente
in der Germanischen Heldendichtung. Stuttgart: V. Kohlhammer (1Q37].
(V, 126 S.) gr. 8° = Tübinger Germanische Arbeiten, 25. Bd. RM 7.50.

In einer gründlichen, mit scharfen kritischen Waffen
kämpfenden Auseinandersetzung mit einer in der Roman-
! tik wurzelnden, aber noch von heute lebenden Germani-
j sten und Religionsgeschichtlern vertretenen Forschungs-
I richtung, die die Inhalte der germanischen Heldendich-
1 tung auf religiös-mythische Motive zurückzuführen sucht,
) verficht Schäfer die beiden Thesen: 1. daß „das alte
| Lied und somit der Geist der kunstzeugenden Schicht
zur Wanderzeit frei war von religiösen Elementen primi-
I tiv-dämonischer, asischer und christlicher Herkunft",
! 2. daß „das Anwachsen dieser Elemente aus der wach-
j senden Primitivität der Verfasser" zu erklären sei. Nach
I einer geistes- und religionsgeschichtlichen Grundlegung
(Teil I) werden in einem zweiten Teil die einzelnen Sa-
| genkreise quellenkritisch behandelt und die Entwick-
lungslinie vom religiösen Standpunkt aus für jeden von
ihnen herausgearbeitet. — Auf Einzelheiten dieser Untersuchungen
kann hier nicht eingegangen werden. Den
Nachweis, daß die mythisch-religiöse Ausdeutung des
Heldenliedes (und der entsprechenden Teile der isländisch
-dänischen Heldenromane) ein Irrweg ist, die he-