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Ausgabe:

1938 Nr. 24

Spalte:

441-442

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Titius, Arthur

Titel/Untertitel:

Beiträge zur Religionsphilosophie 1938

Rezensent:

Eisenhuth, Heinz Erich

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Seite 1

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441 Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 24. 442

Lehre der Kirche von England. Im zweiten Teil wird die Was den verschiedenen Beiträgen gemeinsam ist,
Lehre von der Vergebung zusammenhängend bespro- , ist der Versuch, die Unterschiede und die Gemeinsam-
chen; vielleicht wäre es richtiger, zu sagen, daß einige keiten im Blick auf eine höhere Verbindung zu erfassen.
Gesichtspunkte dazu dogmatisch und ethisch erörtert Von da aus kommt er auch vor allem zu einer positiven
werden. So ist denn zumal für die biblische Zeit ein ' Würdigung des Verhältnisses zwischen Christentum und
reiches Material geboten, aber es bricht mit der alten Idealismus. An einem Beispiel wollen wir die religions-
Kirche ab; vom Protestantismus ist (sofern man nicht philosophische Grundhaltung von Titius näher ausführe
Church of England dahin rechnen will) nicht die ren, bei dem Verhältnis von Religion und Kunst: Beide

Rede. Diese Stoffverteilung und ebenso die Auswahl

beziehen sich auf das Innere des Gemütes, für beide sind

der Gesichtspunkte im 2. Teil hängen mit der inhalt- die Gefühle wertbetont, für beide ist die anschauende
liehen Besonderheit eng zusammen. R. legt das entschei- Betrachtung (Kontemplation) Ausgangspunkt aller freien,
elende Gewicht darauf, daß die vom Menschen dem inneren Tätigkeit, beide leben von dem Schöpferischen.
Menschen gewährte Vergebung die fundamentale, vor- | Die Unterschiede ergeben sich aber daraus, daß die
hergehende Bedingung von Gottes Vergebung an den , Kunst nicht die Ganzheit des Ichs erfaßt und auch nicht
Menschen sei; er bezieht sich dafür vor allem auf die fordert. Z. B. braucht ein großer Künstler nicht immer
5. Bitte des Vaterunsers. Es sei der Ruhm der Kirche eine sittliche Persönlichkeit zu sein. Das Christentum
von England, daß sie diese primarny condition nicht ergreift dagegen den ganzen Menschen, auch in seinem
vergessen habe (S. 262), was aus dem Common Prayer sittlichen Leben, ohne daß damit die Religion schon
Book bewiesen wird. Hiermit im Zusammenhange stehen mit dem Sittlichen gleichzusetzen wäre. Sodann wendet
die vielfachen Ausführungen über Verhältnis von Sün- | sich die Religion viel stärker der Gemeinschaft zu als
denvergebung des Menschen und Buße. Beide werden I die Kunst. Auch im Ziel selber liegen bedeutsame
energisch auseinandergehalten; es handelt sich um zwei | Unterschiede. Das Ziel der Kunst ist die innere AusBedingungen
für Gottes Vergebung. Es ist danach ver- ; geglichenheit, die Beseitigung des Störenden und Häß-
ständlich, daß der Erzbischof von York in seinem Vor- liehen. Für die Religion ist dieses Ideal nicht bestim-
wort die Frage aufwirft, ob R. in dem Grad ein Geg- ! inend. Sie weiß um den Ernst, vor Gott zu stehen
ner des Pelagianismus sei, wie er es vom Theologen i und um den schweren Kampf um Gott, bei dem dem

erwarte. Daß unter dem bestimmten Gesichtspunkt, der
ja durch das Vaterunser und durch Jesu Gleichnisse
immer wieder in den Vordergrund geschoben wird, vieles
aus dem großen Zusammenhang beleuchtet wird, ist ein

Menschen Wunden werden (S. 41). Trotzdem besteht
zwischen Religion und Kunst eine innere Verbindung.
Die Kunst kann oft der Frömmigkeit einen besseren Ausdruck
verleihen, als es durch Worte möglich ist; und

Vorzug des Buches; die Art, wie R. seine These durch- ; die Religion erfüllt im tiefsten Sinne das Wollen der

führt, wird freilich nicht allgemeine Zustimmung finden. ' Kunst. Dies weist Titius nach bei der Idee des Erha-

Bresiau-Sibyllenort._M. Schian. i benen innerhalb des Tragischen. Das Christusopfer am

Titius, Dr. Arthurt: Beiträge zur Religionsphilosophie. Aus )<re"z vollendet die Idee des in der Kunst geahnten

dem Nachlaß hrsg. v. Lic. MarieHorstmeier. Göttingen: Vandenhoeck & °Pfers d^ Helden ,Fur einen Menschen der wagt

Ruprecht 1937 (213 S) 8°. RM 4.80. I zu sein wle e1' (Christus), ist überhaupt auf Erden kein

In diesen Beiträgen zur Religionsphüosophie zeigen j Platz, weder damals noch heute. Das ist seine tragische

JS^f'Fünrdei^Fr^n: &J^&£Sl ^c™hl^t vollenden, um sich viele Kinder, ihm
Theologen beschäftigen müssen. Es ist zwar keine aus- v ,„.uj"r fu.g"VInnJTn, V5- 4"^' .. n ..
Eefthrte RelSonsplilosophie, die hier vorliegt, wohl I . *em Aufsatz „Gedanken über die Prägung und
aber sind die einzelnen Arbeiten dafür bezeichnend, , Ausbildung der Rasseneigenart nach ihrer geistigen, ins-
vc cheFrage Titius innerhalb einer solchen behandelt ; ^^11^2^ fClte hm ' ze# SlCh' Wie Sehr Ti"
wissen wölbe Wir nennen einige Themen: Das Problem "eu£ Erkenntnisse aufgeschlossen war. An verde
? ^eTSionsphitosSe; Religion und Idealismus; schiedenen Stellen kommt klar zum Ausdruck, daß er
&J^ff^SS^S^JBI^»t und Metaphyl ^LnS sondert!uc^ «LÄaWS IS "oT^""
£?5HjfS £?ÄTÄdäS "^"Das5^ vÄSÄ & vSto2rh en

SionSe^ KrnÄrahrt einem großen Theo-

sophie der Religion. Titius bringt in seiner Arbeit die loK™ ein en|enaes ueaenken.

innere Verbindung zwischen dem christlichen Glauben -L—:-.-tiseniiutn.

und einer weltweiten Sicht klar zum Ausdruck. Ange- Kirn, Prof. D. Otto: Grundriß der Theologischen Ethik. 7., verm.

sichts einer solchen gläubigen Lebensarbeit empfinden Aufl., nach dem Tode des Verf. hrsg. von Hans Hofer. Leipzig:

wir besonders stark die Verengung, in die unsere Theo- A- Deichert 1936. (XVI, 94 s.) gr. 8°. RM3.50; geb. 4.80.

logie heute zum Teil hineingeriet. In der Botschaft vom Das Werk, besonders bei Studenten mit Recht beliebt

Sünderheiland vernimmt er den „eigentlichen Herzton j wegen der guten Wortprägungen, Begriffsbestimmungen,

des Evangeliums"; er weiß aber auch, daß darin noch i Zusammenfassungen und Literaturangaben, wurde —&wie
nicht „alle Gedanken des Christentums zum vollen und
unmißverständlichen Ausdruck kommen" (S. 193). Er
hat immer wieder das Einzigartige und Besondere des
christlichen Glaubens herausgestellt. Trotzdem spürt er

die Verpflichtung, auch die Verbindungslinien zu den j ist es das alte Buch geblieben; es ist eben nicht vom

anderen Religionen und geistigen Bestrebungen aufzuzei- Standpunkt der im letzten Vierteljahrhundert neu aufge-

gcn. In diesem Dienste sieht er die religionsphilo- ; brochenen Probleme und der neu orientierten Theologie

sonhische Arbeit. Religionsphüosophie ist bei ihm Philo- geschrieben; es kann in keiner Weise heute führend

früher durch H. Preuß — nun durch H. Hofer neu
herausgegeben. Die Änderungen und Einfügungen suchen
die gegenwärtige Lage und die neuen Fragestellungen
etwas zu berücksichtigen. Aber im Wesentlichen

sophie. Sie wird aber von einer bestimmten Glaubens- und wegweisend sein und will es auch nicht
Voraussetzung aus gesehen. Er hat ihr drei Aufgaben ZU- Bei der inhaltlichen Bestimmung des Sittlichen wird die Beherrschung

des sinnlichen Lebens durch den Geist und die Unterordnung des Einzellebens
unter die Gemeinschaft betont, ohne daß beides genügend miteinander
und mit dem Glauben in Verbindung gebracht wird. Das

gewiesen: .
l.die religiöse Kritik an der Philosophie, wenn diese
sich als letztlich setzen will;

2 die nl Hosonllische Kritik an' der Religion, wenn diese j*"*"* sit!licl;e Leben erscheint als die Vollendung menschlicher Sitt

l. CI1C pllUOSOpIllSCnc IM IHK ™ , lfchkdt, und als das Höchste wird es hingestellt, wenn Christus das

dem geistig Autonomen Widerstreitet Gewissen des Gewissens wird. Religionslose Sittlichkeit wird nicht hl

3. die Synthese „der religiösen Idee mit allen leitenden stri,ten, doch wird bezweifelt, ob ohne den rdiS QUubSn etae

Ideen des menschlichen Geisteslebens (b- !")• , sichere Begründung und zuversichtliche Durchführung der unbedingten