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1938 Nr. 24

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440

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Blackwell's Byzantine handlist 1938

Rezensent:

Herter, Hans

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4139

Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 24.

440

Literatur mitbehandelt worden. — In der Auseinandersetzung
mit von Sybel S. 38 ist der Verf. wenig glücklich.
Seine Meinung von der allmählichen Vereinfachung der
Bildtypen verliert auch noch dadurch an Gewicht, daß
die neue Datierung der Stadttorsarkophage in Theodo-
sianische Zeit durch von Schoenebeck ihr widerspricht.
Die Entwicklung der altchristlichen Kunst ist nicht vom
Vielfältigen zum Einfachen gegangen, sondern vom Einfachen
über das Vielfältige zum Einfachen im neuen Sinne.

Die Behandlung der karolingischen Typus hätte in
die frühchristliche Kunst einbezogen werden können, da
ja in Bezug auf das Thema nichts Neues hinzukommt
imd auch die Art der Darstellung — Pfl. als Wasserläufe
— bestehen bleibt.

Der mittelalterliche Teil unterscheidet primäre und
sekundäre Darstellungen der Paradiesesflüsse. Die dekorative
Verwendung des Motivs hätte in die sekundären
Darstellungen einbezogen werden können. Schließlich
wird die Art der mittelalterlichen Darstellungen behandelt
. Man wundert sich, daß erst „in der mittelalterlichen
Kunst gewisse Themen einander in seltsamer
Weise anziehen" und „kraft eines eigenartigen Assozia-
tionsbestrebens in ständiger latenter Verbindung" (S. 96)
stehen sollen. Gibt sich nicht schon in der altchristlichen
Kunst das gleiche Bestreben zu erkennen? Und spielt
wirklich erst im Mittelalter die Literatur eine so entscheidende
Rolle für die Kunst? — Wir können hier nur
die Ergebnisse des sehr ausführlichen mittelalterlichen
Teiles zusammenfassen. Anlaß zur Darstellung der Pfl.
sind weniger die Illustrationen zur Genesis, als kultische
Geräte, die mit dem Wasser in Sinnzusammenhang zu
bringen sind. Oft werden die Pfl. auch rein sekundär
von anderen Viererreihen angezogen. In der Darstellung
unterscheiden sie sich vom frühchristlichen Typus
durch die Personifikation. Sie entsteht seit etwa 1000,
und es ist sinnvoll, die Zuordnung der Pfl. zu den
Evangelistensymbolen als eine ihrer Wurzeln zu begreifen
, und als die andere die Renaissancestimmung
der Ottonischen Zeit. Jedenfalls finden sich die meisten
Darstellungen auf deutschem Boden, so daß mit Recht
auf deutschen Ursprung des Typus geschlossen werden kann.

Angehängt sind der Monographie 1. ein Exkurs
über die Datierung des Deckels vom Kodex Epternacen-
sis in Gotha, 2. eine Übersichtstafel über die mittelalterlichen
Darstellungen, 3. einige Tafeln mit guten Abbildungen
.

Zum Schluß noch einige Einzelheiten zur Kritik:

1) S. 30 Anm. 8 ist unklar. Sind Johannes von Damaskus oder
Epiphanius von Salamis etwa Antiochener?

2) S. 47. „Jerusalem" und „Bethlehem" bedeuten sicher mehr als
einfach „die Hütten Israels". Welche Deutung die richtige ist, muß
erst noch erarbeitet werden.

3) S. 58. Die Annahme der Herkunft des Pfl.-Motivs aus dem
Osten, die sich auf die Bearbeitung der Stadttorsarkophage durch Lawrence
stützt, ist durch v. Schoenebecks Arbeit, die der Verfasser offenbar
nicht kennt, unwahrscheinlich geworden.

4) S. 58 Anm. 75 handelt es sich doch wohl um ein Versehen.
Auf S. 31 ist nachgewiesen worden, daß sich die Deutung der Pfl. auf
die Evangelien bei Augustin findet, also nicht in der alexandrinischen
Literatur ihren Ursprung hat.

5) S. 71. Im Baptisterium der Orthodoxen in Ravenna sind die
Throne Christi nicht in Nischen und Arkaden gestellt, um ihre Bedeutsamkeit
zu steigern, sondern Nischen und Arkaden sind verkürzte Abbilder
•altchristlicher Kulträume.

6) S. 101. Ich sehe nicht ein, warum auf dem besprochenen Elfenbeindeckel
nicht das Qenesisparadies gemeint sein kann. Die Erzengel,
zumal in Verbindung mit den Paradiesestoren, würden doch gerade
darauf hindeuten.

7) S. 186. Ich würde nicht von einer Richtungslosigkeit im Symbolischen
sprechen. Der Primat liegt nicht in den koordinierten Einzelgliedern
, sondern in der Idee, die sie zusammenhält.

8) Ekklesia und Synagoge als menschliche Gestalten sind keine
Prägungen des Mittelalters, vergl. die Darstellungen in S. Sabina.

Jena. Hanna J urscn.

Preuß, Prof. D. Dr. Hans: Von den Katakomben bis zu den
Zeichen der Zeit. Der Weg der Kirche durch zwei Jahrtausende.
Erlangen: Martin Luther-Verlag 1937. (V, 341 S.) gr. 8°. RM 6.50.

Diese neue Gesamtdarstellung der Kirchengeschichte

„schreitet nicht im schweren Panzer wissenschaftlicher
I Darstellungsform einher" (S. 1), sondern will absichtlich
allgemeinverständlich sein. Diese Zielsetzung erreicht
sie aber gerade darum, weil sie auf selbständiger
wissenschaftlicher Beherrschung des Stoffes beruht. Dadurch
wird sie über andere ähnliche Unternehmungen der
letzten Jahre weit hinausgehoben. Das Buch ist „aus
dem Luthervolk für das Luthervolk" (S. 1) geschrieben,
j Daher nimmt auch die Darstellung der deutschen Refor-
j mation (S. 117 ff.) einen besonders breiten Raum ein.
: Hier bewegt sich P. am meisten auf dem Boden eigener
j Forschung, ebenso wie in der liebevollen Nachzeich-
j nung der mannigfachen Wiederspiegelungen, welche die
Geschichte der Frömmigkeit in der Kunst gefunden hat.
| Auch das sorgfältig ausgewählte Bildermaterial (vgl.
j S. 333 f.) darf in diesem Zusammenhang genannt wer-
| den. P. schreibt bewußt vom lutherischen Verständnis
des Evangeliums aus. Das gibt dem Buch seine
innere theologische Geschlossenheit. Von hier aus will
auch seine eschatologische Grundhaltung verstanden sein,
die auf die „Zeichen der Zeit" achtet, aber doch „dem
Herrn der Zeiten in demütiger Geduld und starkem
; Glauben" (S. 332) die Offenbarung seiner Herrlichkeit
überläßt.

| Göttingen.__ Martin Gerhardt.

Blackwell's Byzantine Hand List. A Catalogue of Byzantine
Authors and Books on Byzantine Literature, History, Religion, Art,
Archaeology, etc. Oxford: B. H. Blackwell [1938]. (VII, 67 S.) 8°.

Kart. 2 s. 6 d ; geb. 3 s. 6 d.
Der vorliegende Katalog verzeichnet Ausgaben, Kommentare
, Übersetzungen und monographische Behandlun-

; gen byzantinischer Autoren, zu denen auch griechische
und sogar lateinische Schriftsteller seit konstantinischer

i Zeit gerechnet werden, und in weiteren Abschnitten
Werke über byzantinische Literatur, Geschichte, Reli-

| gion, Kunst usw. Er geht über den Standard eines

i Verkaufsverzeichnisses hinaus, ohne andererseits eine voll-

1 ständige Bibliographie bieten zu wollen. In der Tat
lassen sich nicht unbeträchtliche Nachträge geben. So
fehlen z. B., um bei den eigentlichen Byzantinern zu
bleiben, unentbehrliche Gesamt- oder Einzelausgaben bei
Michael Akominatos (Sp. Lambros 1879/80), Theodoras
Prodromos (R. Hercher 1873: Katomyomachie; H. M.

i Stevenson sen. 1888: Komment, zu Kosmas v. Jerus.
und Johannes v. Damask.), Theodoras Metochites (Chr.

| G. Müller u. Th. Kießling 1821) u. a.; einige wichtige

| Autoren sind recht unzureichend vertreten, z. B. Johannes
Tzetzes, und andere fehlen ganz, z. B. Maxknos
Planudes, ferner Achmes (F. Drexl 1925), Johannes
Kamateros (L. Weigl 1908), Manuel Philes (E. Miller
1855/7 u. a.), der Physiologus (F. Sbordone 1936)
usw., auch fast durchweg die Ausgaben einzelner Heiligenlegenden
. Ungern vermißt man auch L. Dindorfs

i Historici Graeci minores (1870/1), die Anthologie von
W. Christ und M. Paranikas (1871), die verschiedenen
Editionen von Wilh. Wagner (besonders Carmina Graeca
medii aevi 1874), die Analekten der mittel- und neugriechischen
Literatur von A. Ellissen (1855 ff.) u. a.,

i auch den Sammelband El? nWjjiTyv 2;t. Adujtpou (1935).

j So kann also die Benutzung der Blackwellschen Handliste
nicht von weiterer Literatursuche entbinden, aber

I andererseits ist das Gebotene doch so reichhaltig und
von einigen Versehen abgesehen so zuverlässig, daß

! jeder, der nicht gerade unmittelbarer Kenner ist, sie

! dankbar benutzen wird.

Tübingen._ Hans H e r t e r.

! Redlich, E. Basil, B.D.: The Forgiveness of Sins. Edinburgh:
T. & T. Clark 1937. (XVIII, 340 S.) 8°.

Eine in Anlage und Zielsetzung besonders geartete
j Studie. Etwa vier Fünftel bringen historische Darlegun-
j gen über die Vergebung der Sünden; sie beginnen mit der
vorprophetischen Zeit im A. T., verweilen ausführlich
) bei der Lehre Jesu, verhältnismäßig recht kurz beim
| apostolischen Zeitalter und geben eine knappgehaltene
j Übersicht über die Geschichte der Sündenvergebung in
i der alten Kirche. Den Abschluß dieses Teils bildet die