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Ausgabe:

1938 Nr. 24

Spalte:

437-438

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Die Literatur der Jahre 1925 - 1934 1938

Rezensent:

Elliger, Karl

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 24.

438

Material in Ausführlichkeit vor, wobei es nicht ohne
Kritik der oft irrenden Überlieferung abgeht, so etwa S.
41, wo eine Lesart der Mekhilta des Rabbi Simeon verworfen
wird oder S. 42, wo eine spätere Glosse festgestellt
wird oder S. 110, wo eine Korrektur des rabbini-
scheu Textes vorgenommen wird, S. 115—117 oder
S. 103, 118, Nr. 5, S. 119, 143 oben usw., wo Kritik
geübt wird. Von Wert ist es, wenn, wie S. 147/148 eine
Erklärung aus der geschichtlichen Lage heraus gegeben
wird oder wenn S. 43 ff. 4 Reden des Pappus in
ihrem ursprünglichen Sinn wiedererweckt werden. Im
Vorübergehen fällt auch einmal paralleles Material zur
Erklärung außerrabbinischer Stoffe ab. So sind die Materialien
beachtenswert, welche S. 88 f. über das Opfer
beigebracht werden, wozu eine Äußerung der klementi-
nischen Rekognitionen angezogen wird. Zu der Stelle
Henoch 54, V. 8, welche ich OQA. 1903, S. 628 f. für
eine Glosse erklärt habe, wird S. 45 paralleles jüdisches
Material beigebracht. Die an einigen Stellen erfolgende
Hineinziehung neutestamentlichen Materiales in den Fluß
der im Buche besprochenen jüdischen Diskussion ist
wenig glücklich, am wenigsten wohl die Einbeziehung
von Hebräer 12, V. 14, wobei keine sachliche, nur eine
formelle Parallele herauskommt. Für besonders instruktiv
ist der 4. Aufsatz über die Terminologie der Schulen
anzusehen. Die aus vollkommener Stoffbeherrschung erwachsenden
Ausführungen des Verfassers bieten im einzelnen
manche Belehrung und behalten deshalb ihren
Wert auch da, wo das geschichtliche Urteil vielleicht
einen anderen Weg einschlagen wird.

Goslar am Harz.__Hugo Duensing.

Thonisen, Peter: Die Palästina-Literatur. Eine internationale
Bibliographie in systematischer Ordnung mit Autoren- und Sachregister
. Unter Mitwirk, von J. de Oroot u. A. Gustavs bearb. und
mit Unterstützung der Hermann Guthe-Stiftung u. des Deutschen Vereins
zur Erforschung Palästinas hrsg. V. Band: Die Literatur
der Jahre 1 925— 1 934. Lfg. 1-3. Leipzig: J. C. Hinrichs
1936. (11 * it. 224 S.) gr. 8°. RM 15—.

Wohl keine Wissenschaft darf sich einer so umfassenden
Bibliographie erfreuen wie die Palästinakunde,
für die nun schon seit Jahrzehnten mit beispielhafter
Gewissenhaftigkeit der verdiente Peter Thomscn samt
seinen Mitarbeitern die nicht genug zu dankende Arbeit
des Sammelns, Ordnens und Beschreibens der weitverstreuten
Literatur leistet. Was an Büchern, Zeitschriftenaufsätzen
oder Lexikonartikeln aller Sprachen, aber auch
an Karten und Bildern irgendwie mit Palästina-Syrien zu
tun hat, sei es dein gegenwärtigen, sei es dem vergangenen
mit seiner reichen Geschichte, ist alles sorgsam
registriert, zum guten Teil mit kurzen Inhaltsangaben
und Hinweisen auf Besprechungen. Der seit 1936
im Erscheinen begriffene fünfte Band enthält die Literatur
der Jahre 1925—1934, und zwar in den bereits
vorliegenden drei Lieferungen alles, was in diesem Jahrzehnt
zur Geschichte (S. 96—333), Archäologie (S.
333—515), historischen Geographie und Topographie
(S. 515—574) und Geographie (S. 574—660) veröffentlicht
worden ist, während die noch für das laufende
Jahr in Aussicht gestellte Schlußlieferung den größten
Teil des Abschnittes „Syrien-Palästina heute" und vor
allem die wichtigen Register bringen soll.

Das Werk ist von Band zu Band angeschwollen.
Das ist sehr begreiflich. Das wachsende Interesse, dessen
sich besonders seit dem Kriege das Heilige Land
aus den verschiedensten Gründen erfreut, hat naturgemäß
auch einen steigenden literarischen Niederschlag
gefunden, und das wirkt sich in der Bibliographie aus.
Aber das legt Fragen und Wünsche nahe, die hier zu
äußern erlaubt sei. Sollte man nicht zu dem Fünfjahres-
umfang zurückkehren wie beim 2. und 3. Bande? Das
würde nicht nur den Anschaffungspreis vermindern, sondern
auch die Arbeit für die vielen Nutznießer schneller
fruchtbar machen. Und ferner: lohnt es sich wirklich
, etwa jeden Aufsatz über Drüsenkrankheiten oder
jedes Traktätchen irgendeiner Sekte zu verzeichnen, zu-

1 mal absolute Vollständigkeit — je länger, desto mehr
— ja doch nicht erreicht werden kann? Gewiß ist es
schwierig, hier Grenzen zu ziehen; aber andererseits
wird nicht des Guten zuviel getan? Videant consules!

Auf alle Fälle gebührt dem Verfasser und seinen
Mitarbeitern für die gewaltige Arbeit, die in der Welt
ihresgleichen sucht, der Dank aller, die sich so oder

' so mit dem Heiligen Lande beschäftigen. Und in den
Dank müssen eingeschlossen werden die Hermann-Guthe-
Stiftung und der Deutsche Verein zur Erforschung Palästinas
, deren Unterstützung die Drucklegung des Wer-

! kes wieder zu verdanken ist.

j Tübingen. Karl El liger.

Schlee, Ernst: Die Ikonographie der Paradiesesflüsse. Leipzig
: Dieterich'sehe Verlagsbuchhandlung 1937. (XI, 220 S., 8 Tafeln,
31 Abb.) gr. 8° = Studien über christliche Denkmäler. Herausgeg.
v. Johannes Ficker. Neue Folge der Archäologischen Studien zum
christlichen Altertum und Mittelalter. 24. Heft. RM 16-.

Der Verfasser der Ikonographie über die Paradieses-
j flüsse schränkt seine Aufgabe soweit ein, daß eine Kritik
eigentlich unmöglich ist; denn er will lediglich einen
methodischen Versuch bieten und jede geistesgeschicht-
liche Ausdeutung vermeiden. Unter diesen Voraussetzun-
! gen läßt sich die Materie schwerlich anmutiger gestal-
| ten, und der Leser wird gezwungen, sich durch eine
| reichhaltige Stoffsammlung, die mit großem Fleiß und
! guter Sachkenntnis zusammengetragen ist, hindurchzuar-
j beiteri. Hoffentlich gibt nun der Verfasser auch später
einmal die Deutung, damit er selber zur geistigen Aus-
| beute seiner Vorarbeit kommt. Aufs Ganze gesehen fragt
es sich aber doch, ob ein so enger Begriff von Ikonographie
, bei dem kein „grundsätzliches Ergebnis" heraus*
j springt, haltbar ist.

Der Verf. verfolgt sein Thema durch drei Perioden
| der Kunstgeschichte, von der frühchristlichen über die
karolingische durch die mittelalterliche Kunst. Voran
| geht 1) ein Abschnitt über die Pfl. in der Genesis-
I illustration, der in den mittelalterlichen Teil verarbeitet
werden konnte, da er für die altchristliche Periode
unergiebig ist, und 2) ein Abschnitt über die Paradiesesflüsse
in der Literatur, der in dieser Kürze auch fehlen
konnte, zumal aus den sehr interessanten Einzelbeobach-
i tungen kaum Schlüsse gezogen werden, und besonders
in der altchristlichen Ikonographie die literarischen Aussagen
fast als Negativum gewertet werden. Der Verfasser
hat aber zur Literatur offenbar keine konsequente
j Stellung, wie der Widerspruch auf S. 50 zu S. 51
zeigt. Auf S. 50 wird die Bedeutung der Literatur
gering angeschlagen, auf S. 51 soll eine Deutung deshalb
I falsch sein, weil es ihr an literarischen Stützen fehle.
Der Abschnitt über die frühchristlichen Bildtypen,
der Monumentalkunst, Kleinkunst und die Art der Dar-
! Stellung behandelt, bietet eigentlich mehr Probleme als
Lösungen. Man spürt, daß der Verfasser in der mittelalterlichen
Kunst zu Hause ist und die Hintergründe
j der frühchristlichen nicht ganz überschaut. Sicher ist,
| daß die Pfl. in der symbolischen Form, wie sie die
! altchristliche Kunst geprägt hat, älter sind, als in der
| Illustration des Genesistextes. Aber Einspruch würde
ich erheben, wenn gefordert wird, „daß die Bildelemente
aus einem und demselben Gedankenkreis stammen" müssen
(S^ 38). Die altchristlichen Künstler waren, wenn
auch oft geistlich beraten, sicherlich keine Theologen.
Mir scheint überhaupt, daß der Verfasser der Phantasie
und Kombinationsgabe der altchristlichen Künstler zu wenig
zutraut. Daß die Pfl. schon in der altchristlichen
Zeit die Evangelien bedeuten können, nicht erst im Mittelalter
, will der Verf. durchaus nicht zugeben, obwohl
die Taufkapelle in Neapel es wirklich nahelegt, trotz
der Polemik dagegen auf S. 56 und S. 153, und obwohl
der Verf. die Gleichung schon bei Augustin (vielleicht
sogar bei Tertullian) nachgewiesen hat. Aber Literatur
und Kunst sind ihm eben für die Frühzeit streng gesonderte
Gebiete, nur die jüdische Apokalyptik macht
eine Ausnahme, sie wäre aber besser in dem Abschnitt