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Ausgabe:

1938 Nr. 20

Spalte:

355-356

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Galling, Kurt

Titel/Untertitel:

Biblisches Reallexikon 1938

Rezensent:

Bardtke, Hans

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Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 20.

356

aus der Diskussion über dasselbe herauszunehmen. Viel
eher wird man gerade von da aus das Verhältnis der
Sinaischrift zum Alphabet von neuem prüfen müssen.
Es wäre auch zu fragen, ob die Inschriften von Byblos
wirklich so als Normalform zu betrachten sind, ob sie
nicht eher eine lokale Variante darstellen; die Annahme
einer einsträngigen Entwicklung, der sich alle bekannten
Texte einreihen würden, wird ohnehin immer zweifelhafter
. Auf alle Fälle aber kommt man mit der „Erfindung"
des Alphabets über die Mitte des II. Jahrtausends zurück
, wenn nicht bis in das III. hinein.

In solchem Sinne wird der Leser B.s Schrift berichtigen
und ergänzen und die Augen für weitere Funde
und Forschungen offen halten müssen. Wie sehr sich
dabei das Bild verändert und komplizierter wird, das
lehrt der Vergleich mit den Ausführungen von Albright
BASOR 63, 8 ff., Grimme AfO 10, 267 ff. und Galling
BRL 460 ff.; so gewiß auch dort vieles hypothetisch
bleibt.

Basel. W. Baumgartner.

Galling, Kurt: Biblisches Reallexikon (BRL). Bogen 6 — 10
und 11 — 18 u. Titelbogen. Tübingen: J. C. B. Mohr 1937. (Sp. 321
bis 548, VIII S. mit Abb.) 4° = Handbuch z. Alten Testament
Lfg. 6 u. 7 hrsg. von O. Eißfeldt. Vollst. RM 11.70; geb. 13.50

Mit diesen beiden Lieferungen liegt das BRL, dessen
erste Lieferung in dieser Zeitschrift (1935 Nr. 15/16)
angezeigt und besprochen wurde, abgeschlossen vor. Der
alttestamentliehen Wissenschaft ist in ihm ein Werk
geschenkt worden, für das dem Verfasser ehrlicher Dank
und aufrichtige Anerkennung gebühren. Auf den 540
Spalten des Lexikons ist ein umfassendes Material mit
gründlicher Sachkenntnis und treffsicherer Auswahl in
kurzer, klarer Form dargeboten. In allen Artikeln hat
der Verfasser seine Aufgabe, ein Nachschlagewerk zu
schaffen, getreu und oft sicher in strenger Selbstbescheidung
durchgeführt. Nie hat ihn, wie es wohl nahe lag,
die Liebe zum Stoff über die Grenzen des Lexikoncharakters
hinausgetrieben. Darum fehlen auch alle polemischen
Auseinandersetzungen. Von der eigenen Überzeugung
abweichende Forschungsergebnisse werden registriert
, gelegentlich wird auf ein endgültiges Ergebnis
mit wissenschaftlicher Nüchternheit verzichtet, wenn das
Material in seinem Umfang oder seiner Deutbarkeit ein
solches nicht ermöglicht (z. B. Art. Gibeon Sp. 193 ff.).

Die beiden Lieferungen enthalten insgesamt 133 Artikel
und 42 Verweisungen auf sachgleiche bezvv. sachähnliche
Stichworte. Einige Stichworte sind infolge reichen
Materials umfangreicher bearbeitet, so daß sie fast
als Monographien über die betreffenden Gegenstände
bezeichnet werden können. Hier sind besonders die inhaltreichen
Arbeiten über „Männliche und weibliche Götterbilder
" (Sp. 200—234), über „Grab" (Sp. 237—252),
über „Jerusalem" (Sp. 297—307), über „Keramik" (Sp.
314—330), über „Schreibmaterial" (Sp. 460—469). über
„Siegel" (Sp. 481—490) zu erwähnen, um nur einige
herauszugreifen. Erwähnung verdienen die zahlreichen
stadtgeschichtlichen Artikel, die in dieser erstmaligen
Zusammenstellung unter dem Gesichtspunkt, nur Orte,
an denen Ausgrabungen stattgefunden haben, zu nennen,
dem Exegeten wertvolle Anregungen bieten und weitere
Forschungsarbeit ungemein befruchten können. Dankenswert
sind die fast jedem dieser Artikel beigefügten Planskizzen
.

In der Auswahl der Stichworte ist alles Wesentliche,
was in diesem Werk gesucht werden könnte, enthalten!
Um die Zahl der Artikel nicht zu sehr anschwellen zu
lassen, sind manche Dinge unter einem Sammelbegriff
bearbeitet. Einige Aufsätze stellen trotz der durch die
Stichwörter gebotenen einzelhaften Behandlung geradezu
eine Kulturgeschichte für sich dar.

Eine besondere Würdigung verdienen die Abbildungen
, deren Wert sich nach Abschluß des ganzen Werkes
erst ermessen läßt. Sie sind fast durchweg sauber und
klar gezeichnet. Der jeweils beigefügte Maßstab ermöglicht
eine Vorstellung der tatsächlichen Größenverhältnisse
. Hierfür sind die prächtig gezeichneten Keramik-
i tafeln (Sp. 317/318, 321/322, 325/326) zu nennen.
Einige Zeichnungen haben künstlerischen Wert. Der Verfasser
hat in Architekt A. Pretzsch-Halle einen ihm
ebenbürtigen Mitarbeiter gefunden, dem größter Dank
für seine Leistung gebührt.

Auf das Ganze gesehen, sind in den meisten Artikeln
die hebräischen Bezeichnungen in Umschrift beigefügt,
so daß das BRL eine feine Verlebendigung des hebräischen
Lexikons bietet. Auch das literarische Material
! aus dem A. T. ist bei vielen Artikeln in zahlreichen Stellenangaben
beigezogen worden. Gelegentlich mußte, wie
| z. B. zum Stichwort „Priesterkleidung" (Sp. 429—432)
: stärker literarisch gearbeitet werden, wenn es sich aus
der Natur der Sache ergab. Bei einzelnen Artikeln freilich
I ist die durch die Lexikonform gebotene Kürze zu bedauern
, so werden beispielsweise die Gegenstände
. „Teraphim, Ephod und Lade" unter dem Sammelbegriff
I „Kultgeräte" (Sp. 340—344) kurz abgehandelt. Auch
der Stiftshütte (Sp. 5031) wird nur ein sehr kurzer
Abschnitt gewidmet. Der unter dem Stichwort „Musik
j (und Musik-Instrumente)" (Sp. 389—394) gebotenen Abhandlung
gegenüber würde man vielleicht eine noch stärkere
Einführung in den Stand der Forschung über die
Art der altorientalischen Musik wünschen. Diese durch
die Eigenart des Gesamtwerkes bedingten Mängel wird
der Benutzer gern ertragen, will doch das BRL ihn
durch das Gebotene zum selbständigen Weiterarbeiten
anleiten.

Ein Verzeichnis der Stichwörter bietet das Werk
nicht. Es ist in ein Gesamtregister hineingearbeitet.
! Ein Register der zitierten Stellen des A. T. sowie der
| genannten hebräischen Worte fehlt; da der Leser von
der einzelnen Realie suchend und fragend an das Werk
herantreten wird, würde sein Vorhandensein dem Werk
nicht zum Nachteil gediehen sein.

Einige kleine Versehen und Druckmängel seien hier notiert: Sp. 175
I Z. 8 v. u. wird die Tributzahlung Salomos an Hiram nach LXX zitiert
mit 1. Kön. 5, 11, ohne daß dieses vermerkt wird. Sonst wird nach dem
hebr. Text zitiert. Nach MT müßte es 1. Kön. 5,25 heißen. — Sp. 181
| Z. 6 v. o. und Z. 3 v. u. 1. Kön. 9, 1 ö, nicht 15. — Sp. 186 Z. 3 v. u.:
Statt Dtn. 22, 19 22,29, weil in Vs. 29 die Zahl von 50 Schekeln erwähnt
wird, auf die es im Zusammenhang ankommt. Vs. 19 erwähnt
die Zahl von 100 Schekeln. — Sp. 196 Z. 19 v. o.: Jos. 18, 26 statt 25.
— Zu der Literatur s. v. Grab (Nr. 3, Sp. 252 Toten- und Trauerbräuche
) hätte Erwähnung verdient P. Heinisch, „Die Trauergebräuche
bei den Israeliten" und „Die Totenklage im A.T.", Münster 1931. —
Sp. 239 Z. 22 v. o. Gen. 50,26. — Sp. 255 Z. 11 v. o. Lev. 13,45,
nicht 43. - Sp. 258 Z. 5 v. o. HL. 1,10. — Sp. 261 Z. 21 v. u. Ex. 13,
17, nicht 1.7. — Sp. 279 Z. 13 v. o. muß es beim Verweis auf den
Artikel „Götterbild, männliches" II Ab. 3, nicht 4 lauten. Es handelt
sich um den Gott einer Ras Schamra-Stele mit der Pickelhaube. —
; Sp. 286 Z. 3 v. u. Hes. 27, 6. — Sp. 331 gegen Ende des Artikels
„Keule" muß es Esth. 4,11 heißen, da sarbit erst in Vs. 11 erwähnt
' wird. — Sp. 342 Z. 14 v. u. 2. Chron. 4,6 statt 4, 10. — Sp. 345
Z. 21 v. u. statt Mi. 11,3 1, 13. — Im Artikel „Leder und Lederbearbeitung
" Sp. 357 ff. fehlt bei Erwähnung der Messer der Hinweis auf
diesen Artikel. Ebenso vermißt man unter „Messer" einen Hinweis auf
diese unter „Leder" erwähnten handwerklichen Messer, zumal auch im
Register unter „Messer" nur Sp. 378 (d. i. der einschlägige Artikel) angegeben
wird. — Sp. 382 wird Z. 6 v. u. als Belegstelle für Kerub als
mythische Wesenheit Jes. 19, 1 zitiert. Da an dieser Stelle nur das
Fahren auf schneller Wolke genannt wird, Kerub aber nicht ausdrücklich
erwähnt wird, zitiere man besser Hes. 9,3. — Sp. 404 Z. 18 v. o.
' muß es Ex. 27,20 heißen, da erst in diesem Vs. Lampenöl erwähnt
I wird. — Sp. 405 Z. 10 v. u. 2. Chron. 26, 23 statt 33. — Sp. 416 Z. 3
v.u. l.Sam. 17,38, nicht 35. — Sp. 417 Z. 4 v. o.: In der dritten
' Hiobstelle 41,8 kommt nesek nicht vor. Lediglich 41,18 wird iTHtfl
j erwähnt. — Sp. 426, Abs. 2,' Z. 7 v. o 2. Chron. 12,3. — Im Artikel
! „Pferd" Sp. 419 ff. muß unter dem reichen literarischen Material aus
j dem A.T. Jer. 46, die einzigartige Schilderung ägyptischer Reiterei, nachgetragen
werden. — Sp. 454 Z. 15 v. o. muß es genauer 1. Kön. 9, 26 ff.
heißen, da die Sache gerade in Vss. 27. 28 erzählt wird. — Sp. 458
Z. 3 v. o. des Art. „Schlange" Num. 21, 8f. Nur Vs. 9 kommt für die
: Sache in Betracht. — Sp. 487 Z. 14 v. u. statt 2. Kön. 25, 3 ist zu
I lesen 25,23. — Sp. 491 Z. 3 des Art. „Sodom und Gomorrha". Statt
Gen. 21 Gen. 19. — Sp. 529 Z. 18 v. u. Hi. 31,20. — Sp. 538 Art.
j Weinbereitung Z. 5 v. o. statt Jes. 66, 3 63, 3. — Die Spaltenbezifferung
329 ist verdruckt in 239.

Leipzig-Borsdorf.___ Hans Bardtke.