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Ausgabe:

1938 Nr. 17

Spalte:

316-317

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Blätter für württembergische Kirchengeschichte; 41 Jahrg. 1938

Rezensent:

Bossert, Gustav

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Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 17.

316

nehmen. Auf sein Konto kommt das Register S. 592
bis 682, das auf 180 Spalten mit seiner Fülle minutiöser,
den Text ergänzender, die Regesten berichtigender und
erläuternder Angaben in das dargebotene Urkundenma-
terial vorbildlich die Wege weist.

Bemerkt sei, daß auf die Beigabe von Siegeltafeln
mit Rücksicht auf das von der Historischen Kommission
für die Provinz Sachsen geplante Gesamtsiegelwerk verzichtet
wurde. Auch auf eine dem vorbildlichen Abdruck
der Urkunden nachgehende Diplomatik der Magdeburger
Erzbischöfe ist mit Bezugnahme auf die Hallenser Dissertation
von Arthur B Lerbach verzichtet (1913). Möllenbergs
Anteil an dein Erscheinen dieses Werkes dokumentiert
sich noch ausdrücklich in seiner Untersuchung
über den „Liber privilegiorum S. Mauricii Magdeburgerisis
" (in der Festschrift für Robert Holtzmann 1933, S.
93—102).

Von den mitgeteilten 452 Dokumenten ist der weitaus
überwiegende Teil aus den Magdeburger Originalen im
vollen Wortlaut abgedruckt. Neben den Originalen haben
die Magdeburger Kopialbücher eine entsprechende Ausbeute
geboten. Darüber hinaus aber haben viele Archive
und Bibliotheken, voran das Staatsarchiv in Zerbst, Mitteilungen
aus ihren Schätzen beigesteuert, so Altenburg
, Berlin, Bern, Brandenburg, Breslau, Coesfeld,
Darmstadt, Dresden, Eybach, Gotha. Hannover, Jüterbog
(?)> Koblenz, Merseburg, München, Münster, Paris,
Rom, Wien, Wolfenbüttel und andere Sammlungen weiter
. Mehr als ein gutes Drittel des Buches, S. 344—586
des Textes (Nr. 275—Nr. 452) fällt in die Zeit des großen
Erzbischofs Wichmann (1152—1192). Damit erhält
ein wichtiges Gebiet und Kapitel der Kirchengeschichte
Deutschlands im Mittelalter eine neugesicherte
Grundlage.

Hinsichtlich des Druckes jetzt, nach dem er schon
fast zehn Jahre abgeschlossen, wenn auch nicht ausgegeben
vorliegt, noch Einwendungen anzumelden, erscheint
wenig angebracht. Ob es sich überhaupt lohnt oder
empfiehlt, den Unterschied zwischen e, ?, undae im
Druck genau nach der Vorlage aufrecht zu erhalten, wenn
man sonst in der Orthographie recht frei schaltet, dürfte
fraglich sein. Wir beziehen uns bei diesem Fragezeichen
auf die Bedenken, die uns beim Vergleich der Nummern
4 und 303 mit den Originalen kamen; übrigens muß
es in Nr. 303 S. 379 Zeile 13 von unten villas statt illas
heißen.

Berlin._Otto Lerche.

Zeitschrift für bayrische Kirchengescliichte. Im Auftrag des Vereins
für bayr. Kirchengeschichte hrsg. von D. Dr. Karl Schornbaum,
Direktor des landeskirchlichen Archivs in Nürnberg. XII. Jahrgang
(1937). Heft 1/2. (128 S.). München: Chr. Kaiser 1937 gr. 8°.

W. Deinhardt veröffentlicht ein mittelalterliches
Ortsverzeichnis von ca. 1460—70, aus dem „die mittelalterliche
Pfarrorganisation im Nürnberger Umland" zu
ersehen ist. Es handelt sich um 1425 Orte, die etwa
150 Pfarreien zugeteilt waren. Eine hatte bis zu 39
Filiale. An der Umgebung Nürnbergs hatten drei Bistümer
Bamberg, Eichstätt und Würzburg teil. Die Identifizierung
der einstigen und heutigen Ortsnamen war
nicht leicht und ist nicht in allen Fällen sicher. Es
handelt sich um eine private Aufzeichnung, welche, mit
Vorsicht benützt, für die Feststellung der alten Pfarreien
manchen Hinweis gibt.

M. Weigel stellt „die Rektoren der Martinsschule
in Amberg" von 1438—1627 zusammen. Manche Angaben
bedürfen der Nachprüfung. So ist es wenig wahrscheinlich
, daß Jon. Rurer, der 1433 in Heidelberg immatrikuliert
ist, 1466 noch einmal in Köln als magister
comitis palatini eingetragen ist. Es handelt sich eher um
einen Sohn. Ist der alte Mag. Jörg (S. 38) etwa identisch
mit dem folgenden Georg Helbling? Auffallend ist,
daß die vorreformatorisehen Schulmeister meist Amber-
ger Bürgerskinder waren. S. 44 muß es Murrhardt
statt Murrach heißen. W. teilt auch die Inschrift auf dem
„Grabdenkmal des M. Joh. Teitelbach" mit. Ein dritter

Beitrag Weigels behandelt den „evangelischen Zeitabschnitt
der Stadt Vilseck" von 1554—1615. Die Pfarrei
war in dem pfälzischen Dorf Schlicht; das Städtehen
j wurde vom Bischof von Bamberg an Nürnberg verpfändet
. Daraus ergaben sich vielerlei Komplikationen. Ein
großes Verdienst um die Neuordnung hatte der tüchtige
Stadtschreiber Wolf Wagner, der etwa 40 Jahre lang
j sich um das Wohl der Stadt bemühte. Die Geistlichen,
l Schulmeister und Kantoren sind zusammengestellt, so
j weit ihre Namen festzustellen waren. Die Rekatholi-
j sierungsversuche begannen nach der Rückgabe der Stadt
| an den Bischof von Bamberg, der sie mit List und Gewalt
durchführte, wobei ihm zuletzt noch die Pest von
j 1634 half. Th. Wotschke teilt als „Neue Urkunden
zur Geschichte des Pietismus in Bayern" weitere 8 Briefe
und die Satzungen des Nürnberger Frauenbundes vom
| 23. Nov. 1735 aus dem Herrenhuter Archiv mit. Neben
| den bayrischen Orten sind auch Ulm und Pforzheim
| genannt. Die ganze Anhänglichkeit zur herrnhutischen
J Sache glänzt dem Leser entgegen, zugleich die vielfache
Anfechtung um der Überzeugung willen. Beck schildert
„die Wesenszüge der Aufklärung in Franken" und
Bau m teilt mit, wie der „Amtskalender vor anderthalb
| Jahrhunderten" aussah. K. Sc ho rn b au m schildert das
| „3. Säkularfest der Reformation 1817 und Ritter Karl
Heinrich von Lang". Wir sehen, wie Lang sich vergeblich
bemühte, die Feier zu verhindern durch den Hinweis
darauf, daß „dem katholischen Baiern bei der Feier der
Protestanten der erste Platz gebühre. Denn aus baieri-
scher Erde sind die schönsten Blüten der Reformation
I hervorgegangen: 1530 zu Augsburg . . . 1532 zu Nürnberg
der erste Religionsvergleich, 1552 der Passauer
Vertrag, 1555 zu Augsburg der feierliche Religionsfriede
". Dem Oberkirchen rat Niethammer gelang es,
j die Regierung zu bestimmen, dem von ihm vorgeschlagenen
Entwurf zu einer dreitägigen Festfeier die Genehmigung
zu erteilen und die Geistlichen anzuweisen,
| „das Fest in dem Geiste des Friedens und der Liebe,
1 wie es dem Geiste des Evangeliums allein entspricht,
j zu feiern". Lang rächte sich durch den Anschlag von
Thesen an die Koburger Kirchentür, in denen er das
Fest verhöhnte.
Stuttgart-Berg. Q. Bossert.

Blätter für württembergische Kirchengeschichte. Im Auftrag des
Vereins für württembergische Kirchengeschichte hrsg. von D. Dr. Julius
Rauscher. N. F. 41. Jahrg. Stuttgart: Chr. Scheufeie 1937. Heft 1/2.
(82 S.) gr. 8°.

M. Eimer handelt „über die sogenannte Hirsauer
I Bauschule" und lehrt scharf unterscheiden zwischen der
i Bauschule und der Hirsauer Reform, in der Cluny
sich auswirkt. Er zählt eine Reihe von herkömmlichen
Irrtümern und Fehlern auf, z. B. als wäre Hirsau ein
schwäbisches und nicht viel mehr ein fränkisches Kloster
und als wäre das Münster in Konstanz abhängig von
I Hirsau; er weist auf die Bedeutung der von Hirsau un-
I abhängigen Klosterkirche in Ilsenburg hin, die, 1078—87
I erbaut, maßgebend wurde für die angeblich in hirsaui-
I schem Stil erbauten thüringischen und niedersächsischen
Großkirchen in Paulinzelle und Ballenstädt usw. und
ebenfalls an Cluny erinnert. E. beschreibt die zwei Hirsauer
Kirchen je mit ihren Eigenheiten und ihrer Sippe.
Für die 1059 begonnene Aureliuskirche weist er auf eine
schon seit 1030 auftauchende Kirchensippe (Michaelskirche
auf dem Heiligenberg bei Heidelberg, Stiftskirche
in Surburg, Sebastianskirche in Schennis bei S. Gallen,
Kirche des Nonnenklosters Hessen bei Saarburg) hin.
Sie gehört zu den vom Adel erbauten Kirchen, der von
weither die Anregung zum Bau holen konnte; E. spricht
| der Aureliuskirche vorbildliche Bedeutung für andere
| Kirchen ab. Auch bei der Basilika St. Peter und Paul
mit ihrem gerade abgeschlossenen Chor, ihren verlängerten
Seitenschiffen, Trennungspfeilern und ihren Westtünnen
sieht E. nur in dem die Mönchskirche von der
] Laienkirche trennenden Pfeiler statt einer letzten Säule
! im Langhaus eine hirsauische Eigentümlichkeit. Weiter