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Ausgabe:

1938 Nr. 1

Spalte:

11-12

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schulemann, Günther

Titel/Untertitel:

Die Botschaft des Buddha vom Lotos des guten Gesetzes 1938

Rezensent:

Merkel, Franz Rudolf

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 1.

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außer insofern, als er zeigt, daß die in Arkona und
Garz nkht den ostslavischen, auch nicht den gallischen,
sondern in gewisser Weise den skandinavischen glichen.
Denn danach findet er es wahrscheinlich, daß ein solcher
Einfluß auch sonst ausgeübt worden ist; will er ihm,
„wenn es das Quellenmaterial gestattet", weiterhin nachgehen
, so dürfen wir uns davon eine ebensolche Bereicherung
unserer religionsgeschichtlichen Kenntnisse
versprechen, wie von dieser Erstlingsarbeit des Verfassers
.

Bonn. Carl Giemen.

Schulemann, Günther: Die Botschaft des Buddha vom Lotos
des guten Gesetzes. Freiburg i. Br.: Herder & Co. 1937. (VII,
196 S., 1 Karte) gr. 8°. RM 4.60; geb. 5.80.

Vor mehr als einem Vierteljahrhundert hat O. Schulemann
,Die Geschichte der Dalailamas' (C. Winter, Heidelberg
) veröffentlicht und nun legt er uns abermals
eine Studie aus seinem tibetologischen Forschungsgebiet
vor, wobei er, nicht wie sonst üblich, die Lehren des
Päli-Kanons der südlichen Länder zur Darstellung des
Buddhismus auswerten möchte, sondern in den Lehren
der ,Großen Überfahrt' (Mahäyäna) und in den
Spekulationen chinesischer, japanischer und tibetischer
Schulen eine Möglichkeit erblickt, zum Wesentlichen dieser
östlichen Religion vorzudringen. Da nun bei den
Anhängern des nördlichen Buddhismus der Traktat
,Saddharma-Pundarika-Sütra' „Lehrvertrag vom Lotos
des guten Gesetzes" in kanonischem Ansehen steht und
der Verfasser die erste deutsche Übertragung nach der
tibetischen Version vollendet hat — Übersetzungen aus
dem Sanskrit ins Französische und Englische und aus
dem Chinesischen ins Englische sind bereits vorhanden
—, so möchte er hier den Versuch wagen, aus dem
weitgehenden Einfluß dieses Sutra die Glaubenshaltung
des nördlichen Buddhismus zu erschließen. Nach kürzeren
, gut orientierenden Kapiteln über ,Bücher und Religionen
'; ,Vom religiösen Genius Indiens' und ,Das
Leben des Buddha' geht er über zur Darstellung ,der
Lehre des Buddha nach der «Kleinen Überfahrt»', um
dann die Bedeutung des „vierzehnten Patriarchen" Cri-
nätha Nägärjuna für die Lehren der «Großen Überfahrt»
eingehender zu erläutern. In zwei weiteren Abschnitten
folgt eine Analyse des ,Saddharrna-Pundarika-Sütra' (Abfassung
, Alter, Textgestaltung und Übersetzungen) sowie
eine ausführlichere ,Inhaltsangabe nach dem äußeren
Gang der Ereignisse und dem inneren Sinn.' Entstanden
muß das Sütra etwa vor 170 n. Chr. sein, war es
doch bereits 282 n. Chr. zu allgemeinem Ansehen gelangt
, sodaß es unter Dharmarakshas Leitung (265—316
n. Chr.) vollständig ins Chinesische übersetzt worden
ist (es wurde später noch zweimal ins Chinesische übertragen
, s. H. Hackmann Chinesische Philosophie', 1927,
S. 282). Die Nachwirkungen des ,Sütra vom Lotos
des guten Gesetzes' in China und Japan schildert das
8. Kapitel und behandelt eingehender den großen buddhistisch
-japanischen Sektenstifter Nichiren (1222—1282
n. Chr.), der die Verehrung des Lotossütra (Hokke-
kyo) besonders pflegte. Auch ,das Geheimnis der «gelben
Lehre» Tibets' mit ihrer durchdachten Symbolik
und ihrem Streben nach Universalität geht letzten Endes
aus der Erbschaft des Geistes hervor, der im Lotossütra
Gestalt gewann. Viel kürzer hätten die Ausführungen
über ,Abendländische Naturerkenntnis und Philosophie
' gehalten werden können, während die Erörterungen
über die Frage, ob zwischen ,dem Mahäyäna-
Buddhismus und dem Christentum' sich verbindende Linien
und Übereinstimmungen aufzeigen lassen, für den
Missionar und Apologeten manche beachtenswerte
Winke enthalten, wenn ich auch die Behauptung, die
vielgebrauchte Anrufungsformel (Dhärani) Om mani
padme hüm (O das Juwel ist im Lotos, Amen!) vertrage
durchaus eine christliche Auslegung: „die erlösende
Kraft sei im Weltall; das göttliche Kleinod sei durch
unbefleckte Empfängnis Mensch geworden" (S. 147),

dem allzu großen Akkommodationsbedürfnis gewisser
Missionskreise zurechnen möchte. In ähnlichem Sinn
ist auch der Schlußabschnitt gehalten: ,Letzte Weisheit?'
— „letzte Weisheilt ist wohl ein Mittleres zwischen Tätigkeit
und Beschaulichkeit. Darum wird wahre Religiosität
, die sich in einem rettenden Menschentyp verkörpert
, beidem gerecht werden, dem westlich-tätigen
und dem östlich-beschaulichen Wesen". In den Anmerkungen
ist die einschlägige Literatur fast lückenlos verzeichnet
.

München. R. F. Merkel.

! Reallexikon der Assyriologie. Unter Mitwirkung zahlreicher Fachgelehrter
hrsg. v. Erich E b e 1 i n g und Bruno Meißner. 2. Bd. 4. Lfg.
Berlin : W. de Gruyter & Co. 1936. (S. 241—320). Lex. 8°. RM 6—.
Die vorliegende Lieferung enthält die Stichworte von
Du-nsarni bis Ekeski. Unter D. finden sich zunächst
die zahlreichen mit Dur zusammengesetzten Ortsnamen;
u. a. Dür-Jakini, Dür-Igitlim, Dür-Kunigalzu; besonders
ausführlich ist behandelt Dür-Sarruukin. Unter E nehmen
die vielen mit E gebildeten Namen von Heiligtü-

i mern einen breiten Raum ein. Wichtiges Material zur
Kulturgeschichte enthalten die Artikel: Edelsteine, Ehebruch
, Eheverletzung, Eid, Eisen. Über Ehe bietet die
Lieferung eine ausführliche Abhandlung von 18 Seiten
(altbabyloniiiscbe Ehe; neubabylonische Zeit; Assyrien,
Hatte).

Hiddensee. Arnold Gustavs.

Dussaud, Rene: Les Ddcouvertes de Ras Shamra (Ugarit)
et l'Ancien Testament. Paris: P. Geuthner 1937. (129 S.,

; 23 Abb.) gr 8°.

Dussaud, der die Veröffentlichung der Funde von

j Ras Schamra (Ugarit) von Anfang an mit wertvollen

| Beiträgen in der Rev. de PHistoire des Religions (Bd.

| 104ff.) und in der Syria (Bd. 12 ff.) begleitet hat, war

' wie Wenige berufen, aus der ganzen Fülle seiner viel-

j seifigen Kenntnisse heraus einem weiteren Publikum

l ein plastisches Bild der bisherigen Ergebnisse vorzuführen
. Sein Buch, aus Vorträgen in Oxford hervorge-

■ gangen, ist umso willkommener, als die früheren Einführungen
J. Friedrich, Ras Schamra (Der Alte Orient

I 33, 1/2, 1934) und J. W. Jack, The Ras Shamra Ta-
blets, their Bearing on the Old Testament (Edinburg,

i 1935) durch die seitherigen Funde und Forschungen bereits
wieder in manchem überholt sind. Als bequeme
Zusammenfassung der in vielen Aufsätzen zerstreuten
Auffassung des Verfassers und dank den zahlreichen

j Textproben mit Übersetzung und Anmerkungen sowie

j den reichen bibliographischen Angaben wird es auch

I dem näher Interessierten wertvoll.

Kap. I stellt den Fund in den Zusammenhang der

| übrigen schriftlichen Quellen für Syrien (S. 10 eine synchronistische
Tabelle für Ägypten und Syrien vom 4.

j Jahrh. an). Kap. II zeichnet nach den 5 Grabungsschichten
(ihre Datierung S. 25) Geschichte und Kultur
Ugarits mit seinen Umweltsbeziehungen. Kap. III han-

! delt von den Tempeln der Stadt, IV von der phönizi-
schen Kunst im 2. Jahrh., V von Schrift und Sprache,
VI von den ursprünglichen Wohnsitzen der Phönizier
zwischen Akaba und dem Mittelmeer. Kap. VII führt

die mythischen Texte auf und bespricht ihren Inhalt,

| kultischen Charakter und die Hauptgestalten des Pantheons
. Kap. VIII erörtert die Beziehungen zum A.T.,

! soweit sie nicht schon vorher zur Sprache kamen (S.

; 74f. 85f. 90).

So ist die Darstellung, ähnlich wie bei Jack, vor

j allem auf die Beziehungen zum A.T. zugespitzt und
weiß deren überraschend viele zu finden: In der Sprache
(S. 96), den poetischen Formen (S. 66f.) und Wendungen
(S. 105 f. zum Hohen Lied). Zum alttestament-

i liehen Verbot, das Böcklein in der Milch seiner Mutter
zu kochen tritt das entsprechende phönizische Gebot

! (S. 95). D. findet phönizische Gegenstücke zur Tempel-

j weihe und Wasserlibation (S. 74), zu Jakobs Trauer

| Gen. 37,35 (S. 76f.), zum „Land von Milch und Ho-