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Ausgabe:

1938 Nr. 1

Spalte:

296

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Die evangelische Choralmusik in praktischen Ausgaben 1938

Rezensent:

Luther, Wilhelm Martin

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Seite 1

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295

Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 15/16.

296

in unseren Reihen schon viel früher, als man in der j wird sagen müssen, daß der Hrsgbr. eine sehr gute und
Philosophie weithin anthrozentrisch dachte, die Gedanken sorgfältige Arbeit geleistet hat. B. ist nun fast zwei
sich auf theozentrische Theologie richteten. So wird der ; Jahrzehnte tot, aber er ist weder vergessen noch unTheologe
dem Worte Beifall pflichten, „daß es nicht j wirksam; gerade die letzten Jahre zeigen wieder ein
möglich ist, das Sein lediglich aus dem Grundwesen 1 Ansteigen der Nachwirkungen von ihm her; und so
des Menschen zu verstehen", ein Wort, das auch in die | wird wahrscheinlich diese Sammlung von Predigten und
Auseinandersetzungen um die völkische Frömmigkeit hin- j Andachten auf ein keineswegs bloß historisches Ineinwirken
sollte. Wenn Dessoirs Darstellung Vaihinger, j teresse stoßen, wie es nicht vielen Predigtsammlungen
Marx, Dilthey, Kierkegaard, Nietzsche, Scheler, Klages, j längst Verstorbener entgegengebracht wird. — Die AusHeidegger
, Jaspers u. a. auf die anthropozentrische I gäbe des noch ausstehenden letzten Bandes ist nun wohl

Seite, Mucken, Bergson, Simmel, die Neukantianer, Nicolai
Hartmann u. a. auf die andere Seite stellt, so wird da
allerhand Widerspruch laut werden müssen. Es zeigt
sich hier, wie schwer es ist, Gegenwartsgestalten schon
systematisch einzuordnen. Und mußte nicht auch ein
Wort über Krieck gesagt werden? Und die Zukunft?
Dessoir schließt mit starker Zurückhaltung: „Richtung
und Ziel liegen für den Mitlebenden noch im Dämmer
des Werdens". Aber er sieht die vordringliche Macht
des ganzheitlicben Denkens.

Lanz (Westprignitz). Kurt Kessel er.

bald zu erwarten; die Sammlung von Predigten und
Andachten aber ist, soweit sie geplant ist, nunmehr vollständig
. Übrigens gibt dieser Band nirgends über den
Plan des 5. Bandes Auskunft; daß dieser Plan besteht,
entnehme ich dem Literaturverzeichnis RGG 2, Bd. 1,
Sp. 1154.

Breslau-Sibyllenort. M. Schi an.

Altemark, Joachim: Die evangelische Choralmusik in praktischen
Ausgaben. Nachschlagewerk für planvolle Choralarbeit in
der Kirche. Berlin: Trowitzsch & Sohn 1937. (VIII, 184 S.) kl. 8°.

Geb. RM 7.80.

Abgesehen von ganz vereinzelten Versuchen einiger

Breys ig, Prof. Kurt: Psychologie der Geschichte. Breslau:
m. & H. Marcus 1935. (xx, 194 s.) 8°. RM 7.20. j Verlage und kirchenmusikalischer Zeitschriften, die aber

Der Akzent des Titels liegt auf Geschichte, nicht auf j in einer völlig anderen Richtung verlaufen, hat J. Alte-
Psychologie. Ein Historiker großen Formats schreibt | mark in seinem Nachschlagewerk zum ersten Mal ein
das Buch in dem Bedürfnis, hinter die bloßen Tatsachen Verzeichnis aller im Notenhandel käuflichen Choralbear-
zu greifen. Sollte doch das Werk erst heißen: „Vom ' bedungen zu den Melodien 1—171 aus dem „Melodien-
Sein und Erkennen geschichtlicher Dinge". So finden wir j buch zum deutschen Evangelischen Gesangbuch" vorge-
nicht, wie der Titel vermuten läßt, die Grundlegung einer legt. (Die Melodien 1 — 171 des DEG entsprechen den
neuen Wissenschaft, was B. auch nicht will, sondern Un- j Texten 1—342 des ersten Teils eines jeden neuen Lan-
tersuchungen über „Sentio ergo sum" statt „Cogito j desgesangbuches. Der Verfasser hofft, die landeskirch-
ergo sum", über das Leib-Seele-Problem, über das Ver- j lieh verschiedenen Melodien des Anhangs in einem zwei-
hältnis von Natur- und Geisteswissenschaft in Beziehung j ten Bande zu erfassen.) Unberücksichtigt blieben mit
zur Geschichte. j Recht die Gesamtausgaben, die Denkmäler der Tonkunst

Gießen. Johannes Neumann. j und alle wissenschaftlichen Abhandlungen, die die eine

---oder andere Choralbearbeitung zu analytischen Zwecken

Blumhardt, Christoph: Jesus ist Sieger! Predigten und An- | enthalten. Das Buch ist also aus der Praxis rein für
dachten aus den Jahren 1880- 1888. Erlenbach-Zürich: Rotapfel- ; die Praxis geschrieben. Die 171 Choralmelodien sind
Verlag 1937. (480 S.) 8° = Christoph Blumhardt. Eme Auswahl j alphabetisch geordnet und auf jedes Mal drei Sparten
aus seinen Predigten, Andachten und Schriften. Herausgeg. von R. , (ch Instrumente, Orgel) ihre Bearbeitungen näher
Leieune. I. Band. RM 5.40; geb. 6.80. > . ! fa , ' , , CjL- b- ■ D

' , „ _, , , , , , ' l • , ■ bezeichnet. Die Einzelangaben betreffen Stimmigkeit, Be-

o, °ue 2?* £ Bdl?'- berechnete Ausgabe von Christoph | set Tonart nähere Beschreibung des c. f., Bearbei-
Blumhardts (des Jungeren, t 1919) Predigten und An- ; tungsart (Verf. macht hier die Unterscheidung polyphon
da^en unter Leitung von R Lejeune hatte es bisher untf motettisch, die aber, weil die Grenzen durchaus
auf 3 Bde. gebracht, die die Zeit von 1888-1917 um- fließend sind mit Vorbehalt aufgenommen werden muß),
fassen. Jetzt erst ist Bd. 1 nachgebracht worden; er , Textbehandlung und schließlich sogar Länge der Kompo-

bietet Stoffe aus 1880—1888 in sichtender Auswahl.
Aus inhaltlichen Gründen ist kein Stück aus den vor
1880 liegenden Jahren aufgenommen worden. Zur Be-

sitionen. Beim ersten Hinsehen wird man zwar durch
die Unmenge der Abbreviaturen entmutigt, bekommt
aber bald in dem großen Anhang einen guten Schlüssel.

schränkung zwangen im Übrigen Raumrucksichten doch J Nach eM Zeit handhabt man das Ganze rein media
auch sachliche Erwägungen. Es standen viele ge- ; ni£ch Altemark hat mit diesem „Nachschlagewerk für
druckte Predigten zur Verfügung, daneben die „Ver- ; die planvoll€ Choralarbeit in der Kirche" einen wirk-
traulichen Biattcr aus Bad Boll" Betrachtungen aus dem ; lkhen Dienst an dein Ganzen getan; er hat dem Kirchen-
Stuftgarter Evang. Sonntagsblatt, sodann vervielfältigte ; musiker dem Liturgen, und jedem, der sich mit den BeWiedergaben
und endlichhandschriftliche Nachschriften; ; arbeitungen des evangelischen Gemeindeliedes beschäf-
die letzteren bezeichnet der Herausgeber als durch Ur- ti t die Arbeit ung€mein erleichtert,
sprunghcnkeit und Frische besonders wertvoll. Uber
die jeweiligen Quellen hat L. in einem sorgfältigen Ver

Qöttingen. W.M.Luther.

zeichnis der Einzelstücke genau berichtet. In Summa i „ . lf a-*uu, ^ n * „ ^ . u, s i j „
sind 81 Stücke aufgenommen Ein 20 S lanpes Nich- Rudolf ott°-Arch,v- Das Rudolf Otto-Arch.v ist der Rehg.ons-

^ LSJhl** «EI? H!^ A^a -i a wg u 1 kundlichen Sammlung der Universität Marburg-Lahn angegliedert. Seine

wort berichtet über die Grundsätze der Herausgabe Auf be ist das wi8seD8chaftHche Werk RU[iolf ottos zu betreuen,

spricht aber auch auch in Kurze über B.s Tätigkeit und , Das; nacliste Ziel soll die Zusammenstellung einer Bibliographie des

Gedankenwelt. Auf diese letztere kann hier nicht ein- j literarischen Werkes Rudolf Ottos sein. Wir bitten daher, uns auf Arbeiten

gegangen werden; es gibt ja schon eine ganze B.-Litera- i von und über Rudolf Otto, soweit sie an entlegenerem Orte, in Zeit-

tur. Wesentlich aber ist, daß durch diesen Band die j Schriften und in Sammelwerken usw. sich finden, aufmerksam zu machen,

innere Art B.s in den Anfangsjahren in Boll nach vie- j Völlig und ohne Ausnahme sind wir auf solche Hilfe bei den Zeit-

len Seiten hin lebendiger wird. Seine Predigten an vielen ' Schriften des Auslandes, den Tageszeitungen, Nachrichten von Vereini-

großen Orten im deutschen Südwesten und in der ! ™n und losfen B^ttf" "fTlLh^t releva"n- Btfe

c u „• • Di- /c -u- u~ ioön „JoIp Anrlo^U4,Q„ i bitten wir uns freundlichst, evtl. m Abschritt, zu uberlassen. Die An-

Schweiz, in Berlin (Frühjahr 1880), Viele Andachten aus ■ sch,.jft für MitteiIungen und Sendungen ist: Religionskundliche Sammlung

Boll in ganz ungewöhnlicher Vertraulichkeit und durch- j in Marburg an der Lahn, Biegenstraße U. IBank-Konto: Dresdner

aus familienmäßiger Art vervollständigen das Bild, das Bank 6072/2 Konto Rudolf Otto-Stiftung, Marburg-L.). Auch Anfragen

man sich von dem eigenartigen Manne gemacht hat. Man | sind dorthin zu richten und werden gerne beantwortet.

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 30. Juli 1938.

Verantwortlich: Prof. D. W. Bauer in Qöttingen, Düstere Eichenweg 14.
J. C. Hinrichs Veilap, Leipzig C 1, Scherlstraße 2. - Druckerei Bauer in Marburg.