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Ausgabe:

1938 Nr. 1

Spalte:

9

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Vahiduddin, Syed

Titel/Untertitel:

Indisch-moslemische Werterlebnisse als Parallele zu europäischen Kulturwandlungen 1938

Rezensent:

Mensching, Gustav

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9

Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 1.

10

Vahiduddin, Syed: Indisch-moslemische Werterlebnisse als j schaftsieben überall in Erscheinung tretenden Gottesber-

Parallele zu europäischen Kulturwandlungen. Mit einer Einführung: ! ge", die Ursprünglich der Weltenbaum gekrönt habe,

Gemeinsame Probleme der Kulturmenschheit im Lichte der psycholo- j)Sicll regelmäßig in allen deutschen Gauen noch heute

gischen Typenforschung von Prof. E. R. Jaensch. Leipzig: Johann nachweisen lassen und daß sich Überdies von ihnen

Ambrosius Barth 1937. (V, 59 s.) 8°. = Abh. u. Monogr. 7 Philoso ausgehend die umliegende Landschaft in ihren Grenzen

phie des Wirklichen Nr. 8. RM 3.bo mit a]len irgendwie bedeutsamen Örtlichkeiten allent-

Die vorliegende Schrift eines Inders stellt sich d,ie ilaiDen nach den gleichen Maßeinheiten und Maßverhält-

Aufgabe, mit Hilfe der von E. R. Jaensch in seiner Inte- nisser in den Richtungsbeziehungen einheitlich geortet

grationspsychologie erarbeiteten typologischen Katego- zeigt". Ja auch wenn der Verfasser bewiesen zu haben

rien einen Vorgang innerhalb des religiösen Lebens des ,aubt (S n) daß die deutsche Landschaft in ihrer

indischen Islam zu beschreiben und zu erklären, der seine
genaue Analogie im deutschen Geistesleben hat, nämlich
die Abwendung von der Vorherrschaft des sogenannten
„Auflösungstypus" und die damit gegebene Genesung
und Rückkehr zu einer „gesünderen Strukturbeschaffenheit
". Den Ausführungen des Inders wird man
im wesentlichen widerspruchslos folgen können, denn
sie bieten vor allem eine Darstellung der Grundintuitio-

urtümlichen sakralen Raumordnung eine riesige, umfassend
einheitliche Hieroglyphe darbietet, die am Ende
auch ihren urgründigen Sinn wieder dem iin selbstloser
Hingabe mit dem Spaten des Geistes (!) nach Wahrheit
und Klarheit Schürfenden denkerisch erschließen wird,
der sich aus dem Innersten heraus zielklar um die kosmisch
wirksamen — ehedem geschauten und gefühlten —
Zahlengesetzlichkeiten bemüht, die sich aus dem lotrechnen
der islamischen Mystik Indiens und wenden dann j ten Bezuor re„ehnäßig zueinander geordneter, .georteter'
auf gewisse Entartungserscheinungen die Begriffe der , Kultpunkfe auf den für Alles und Jedes, immer und über-
Integrationspsychologie an, vor allem also den »egnn : a)1 Jm wahrsten Sinne des Wortes .maßgebenden' ,Maß-
des „Auflösungstypus", unter dessen Herrschaft sich baum< der Nord-Süd-Weltachse ergeben", so fragt es
eine lebensfremde und kasuistische Religiosität gebildet sich) ganz abgesehen von der Unklarheit des ja' jetzt
habe, die man heute wieder uberwinde. ; auch sonst oft gebrauchten Ausdrucks: Kult, immer erst,

E. R. Jaensch hat diesen Ausführungen seines indischen Schüler [ 0D jene georteten Punkte vorzeitlich, d. h. hier vorchrist-
eine sehr ausführliche (S. 1-26) Einleitung vorausgeschickt, in der c jjgj, sin,d jn dieser Beziehung ist auf das Buch von
zunächst die Grundidee des „Auflösungstypus" erörtert und zusammen- _ Ro,f MülIcr. Himmelskundliche Ortung auf nordiscfl-
fassend folgendermaßen charakterisiert: „Das durchgehende Hauptmerk- „ermall;sc|,en Rnir|Pn nenn Of,H „nd spihp Hpsnrp-
mal des Gegentypus ist die extreme Lo ck e rh e i t, Auflösbarkeit germaniscneil »Oden (lyJÜ ^OTt.J und seine «l-Spre-
und Auf gel östheit seiner seelischen und körperlich-seelischen Struk- j chung durch Freih. von Richthofen in der Zeitschrift

turen und Funktionsbereiche. Der Auflösungstypus ist charakterlos"
(S. 3). Von diesem Typus wird weiterhin gesagt, daß ihm ebensowohl
ein opferbereiter Idealismus wie auch ein tieferes Gefühlsleben und ein
zielbewußter Wille fehlen. Statt dessen zeichnet ihn ein übersteigertes
und von tieferen Lebensschichten „abgelöstes" selbständig wucherndes

für deutsches Altertum und deutsche Literatur 1936,
112 ff. zu verweisen.
Bonn. Carl Clemen.

Palm, Thede: Wendische Kultstätten. Quellenkritische Unter-

F^nüde-^'vorstdhlllgsleben auT'Sokhe Entartun^erschdnnn^; ; Buchungen zu den letzten Jahrhunderten slavischen Heidentums. Lund:

können nun also innerhalb jedes wie immer sonst ausgerichteten Kultur- I G'«rupska un.versitetsbokhandeln 1937. (179 S.).

lebens eintreten und Jaensch legt Wert darauf, in seinen weiteren Aus- Der Verfasser der vorliegenden Abhandlung beab-

führungen die Divergenz der hier in Rede stehenden Kulturgebiete, des j sichtigt die wendische Reltgions- und Kulturgeschichte

deutschen und des indischen, typologisch aufzuzeigen. Diese Ausfüh- j überhaupt zu untersuchen, beginnt aber mit wendischen

rungen aber leiden m. E. unter einem starren Schematismus. Um nur . Heiligtümern, weil für sie noch am ehesten brauchbare

zwei Beispiele dafür anzuführen sei auf folgende Thesen Jaensch's hin- j Que]len vorliegen. Doch bilden solche die Ergebnisse

Sdüng';^ I der Ausgrabungen nur unter bestimmten Vora/ssetzun-

sondern vielmehr als Mittel, die auf Abwege geratene religiös-metaphy- ! gen U"d das volkskundhche Material zunächst uber-

sische Ausrichtung des Daseins wieder richtig zu stellen" (S. 10) gilt, : haupt nicht, um so mehr die literarischen Quellen, also

spezifisch indisch sei. Zweifellos aber wird jede religiöse Ein- ; Thietmar von Merseburg, die Biographen Ottos von

Stellung zu Welt und Leben das Biologische nicht als Letztes und nicht ! Bamberg, von denen nach Palm Herbord den sog. Mona-

als Selbstwert ansehen. Hier wird also etwas als typisch indisch ange- chus Prieflingensis benutzte, während Ebbo von ihm

sehen, was nur typisch religiös ist, so sehr differenziert das Religiöse unabhängig war, Helmold, Saxo und die Knytlineasao-e

weiterhin in Indien und in Deutschland nun auch ist. — J. ver- [m ejnzejnen behandelt P zuerst Hip wpnrlicrrTpn

tritt ferner den Standpunkt, daß der deutsche Osten mehr zur Mystik ^uIt-+::HZ. ,.n£r frpil™ hLL'„I a • + ^ a i u

neige als der Westen: „Der deutsche Westen neigt in viel geringerem I^Kf? ""Jer freiem Himmel und zeigt daß solche

Maße als der Osten zur Mystik und Romantik. Man vermag sich nicht fUT. Hohen Steh nicht nachweisen lassen, Wahrend einig«

recht vorzustellen, daß Jakob Böhme, Leibniz, Kant, Fichte oder auch ' (Keineswegs aber alle) Tempel auf solchen gestanden

Schleiermacher, Lotze, Gustav Theodor Eechner ebenso gut aus dem i haben. Um so häufiger ist von heiligen Hainen die

Westen stammen könnten" (s. 24), wozu zu sagen wäre, daß die wirk- Rede, jedoch in Verbindung mit einem Tempel nur In

liehen Vertreter deutscher Mystik z. B. Hildegard von Bingen, Thomas Riedegost, WO das bekannteste Und gleichzeitig lim-

yon Kempen, Seuse, Tauler, Jan von Ruysbrock, Albert der Große, Niko- j Strittenste wendische Heiligtum stand P. sucht es in

di^vTi r^;Te?teegen aUS dem deutschten Westen.stammen und ! Übereinstimmung mit Schuchhardt auf dem sog. Schloß-

die von J. Genannten nur zum geringsten Te e as Vertreter der Mystik (,pr„ i • pp,,, „°„ „m , „ . „ , , . T" f. K ^'.'"~"J

gelten können. An diesem Beispiele zeigt sich, daß eine Typologie, ! bf1 Feldberg am LUC.nsee, lehnt aber die bestimm-

deren Grundlage so undifferenziert ist wie die hier verwendete einer { Tei]en Annahmen jenes ab, ebenso wie seine von Bruckner

typologischen Unterscheidung von Ost und West notwendig mit der j geteilte Verwerfung der einschlägigen Angaben Adams

Wirklichkeit in Konflikt geraten muß. von Bremen. Den Tempel, der in Stettin neben dem des

Bonn. Gustav Mensching. Triglav erwähnt wird, und den in Wollin vorausgesetzten

---- hält er überhaupt für legendarisch, und auch über den in

Hei nsch, Dr.: Vorzeitliche Ortung in kultgeometrischerSinn- Wolgast und Gützkow sei nichts Genaueres bekannt;

deutung. Der „Maßbaum" der Edda im Sonncnjahrkreise. Berlin: ja in Brandenburg könne ein solcher wieder nicht nach-

Herbert Wichmann 1937. (25 S.) gr. 8°. = SA. aus „Allg. Ver- | gewiesen werden. Auch über den in Malchow, Kessin (?)

messungs-Nachrichten" 22. u. 23/1937. RM l.io ,Und pjön erfahren wir nichts Bestimmteres, um so

wenn der Verfasser dieses Sonderdruckes die Esche i mehr über den in Arkona, der ja wieder von Schuch-

Yggdrasil nicht nur, wie schon andre, als Weltachse, son- j hardt ausgegraben worden ist, während in Garz nur die

h" hlS ^a^baum 'm Sonnenjahrkreis bezeichnet, so um- ( zwei kleineren von Saxo erwähnten Tempel gefunden

schreibt Gering (Kommentar zu den Liedern der Eda 1,5) j worden sind. Auch der Tempel in Arkona war, wie

aen entsprechenden Ausdruck in der Völuspä vielmehr: I P. zeigt, kein wendisches Zentralheiligtum, ebenso wie

der nach rechtem Maße, nach sorgfältiger Überlegung ! der in Riedegost nur von den verschiedenen leutizischen

gesciianene Baum. Dann aber kann man auch nicht von Stämmen besucht wurde.

vornherein sogar erwarten (S. 3), „daß die als urtüm- i Was P. endlich über die Bauart der wendischen Tein-

hche Zentren für das kultische wie völkische Gemein- j pel ausführt, ist hier wohl ohne besonderes Interesse,