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Ausgabe:

1938

Spalte:

253

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Cunz, Dieter

Titel/Untertitel:

Ulrich Zwingli 1938

Rezensent:

Hashagen, Justus

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Seite 1

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253 Theologische Literaturzeitimg 1938 Nr. 14. 254

statt und ist nicht etwa in von der Kaiserin Pulcheria | XII—XV. An die Darstellung seiner Theologie XVI

alterierter Form in die Akten von Chalcedon gekommen, j bis XVII), wobei M- dem Gange der Institutio folgt,

Die außerordentlich vornehm geführte Auseinanderset- : schließt sich als Ausklang eine Würdigung seiner Qe-

zung ist ein Muster wissenschaftlicher Polemik. — G. j samtpersönlichkeit und seiner Bedeutung (XVIII).

Mo Hat: Contribution ä l'histoire de Padministration M. ist bereits durch seine Monographie über „Luther

judiciaire de l'eglise Romaine au XIVe siecle, bringt an j and the Reformation" (1925—30) als Historiker der

Hand mitgeteilter Dokumente aus der Pariser biblio- I Reformation bekannt geworden- In dem vorliegenden

theque nationale und der Vaticana neue Nachrichten über | „pendant, on a smaller scale" über Calvin will er anläß-

das Prozeßverfahren in Benefizialsachen an der Rota j lieh des neuerwachten Interesses für C. „a critical survey

und der Camera apostolica unter Johann XXII; die j of the Reformer's work and influence" bieten (IX),

Tätigkeit der einzelnen Beamten (auditores, procurator j entstanden aus einer Überarbeitung seiner Vorlesungen

fiscalis u.a.) erfährt neue Beleuchtung. — Ch. Martin: j über C. (VII). M. will keine neuen Erkenntnisse über C.

Proclus de Constantinople, Nestorius et le „bienheu- ; bringen, keine neuen Gesichtspunkte für sein Verständ-

seux Nil" Ei? xr)v 'Avdi/kTii|)iv beschäftigt sich mit den bei j nis, sondern bewegt sich, unter ausgiebiger Verwer-

Migne PSG 65, 833—850 abgedruckten Homilien, von j tung der Quellen und der gängigen Calvinliteratur und
denen die erste die Himmelfahrt Christi behandelt; bei
Photius (PSG 104, 253 ff.) findet sich diese in abgekürzter
Form, und zwar, zusammen mit noch zwei anderen

bei selbständiger Stellungnahme zu mancherlei Einzelfragen
auf der Linie des üblichen Bildes von Calvin.
Sein Werk zeigt durchaus die Eigentümlichkeit der eng-
Honiilien' „dem seligen Nilus" zugeschrieben. Martin j lischen Geschichtsschreibung, das Behagen am konkreten

hält, gestützt auf Papad. Kerameus und Ehrhard, Proklus
von Konstantinopel für den Verfasser und macht wahrscheinlich
, daß die dritte jener Homilien Nestorius zuzuweisen
ist.

Mit Freude unterrichtet man sich in den überaus
reichlichen Comptes rendus, kurzen Notizen über die
Publikationen in den einzelnen Ländern, und der Bibliographie
über den derzeitigen Stand unserer Wissenschaft
.

Heidelberg. W. Köhler.

Cunz, Dieter: Ulrich Zwingli. Aarau: II. R. Sauerländer & Co.

[1937]. (68 S.) 8°. RM l-'O.

Als Einführung in das Studium Zwingiis kann die
vorliegende Schrift empfohlen werden, wenn sie auch
einen bedauerlich knappen Rahmen gewählt hat und infolgedessen
kaum etwas Neues bieten kann. So wird
zwar Zwingiis Abendmahlslehre kurz gewürdigt. Von
einer Darstellung des Abendmahlsstreites ist jedoch abgesehen
. Das Verhältnis zu Luther wird nicht unter allgemeinere
Gesichtspunkte gerückt. Auch das Verhältnis
zu Calvin bleibt fast ganz beiseite. Von der ganz außerordentlichen
politischen Befähigung des Schweizer Reformators
und von seinem bewunderungswürdigen Heroismus
bekommt man keinen rechten Eindruck. Die
Lebensbeschreibung hätte auch ohne wesentliche Erweiterung
des Raumes mit mehr Farbe gegeben werden
können. Auch charakteristische Zwinglizitate, von denen
es eine reiche Fülle gibt, vermißt man nur ungern. Das
dürftige Literaturverzeichnis hätte ebenfalls ohne Raum-
verschwendung eine wesentliche Erweiterung verdient,
poch ist der ganzen Darstellung Klarheit und Besonnenheit
nachzurühmen.

Hamburg. J- Hashagen.

Mackinnon, James: Calvin and the Reformation. London,
New York, Toronto: Longmans, Green and Co. 1936. (302 S.).
. Das vorliegende Buch schildert einleitend die Züricher
Reformation Zwingiis, um den historischen Ein-

ü§nUnn f£r ?af *WJrkeQ u!vi"S in °enf ,al'fzUf'i6!1 both in thought and action of the first rank" T253)"
ner"PRpP', Es folgt, dl£ Sch;lderung s,ein5)r S£ % aber „verstanden" hat er ihn nicht. (

geschichtlichen Detail, an der Dramatik des Lebenskampfes
Calvins, läßt aber auch die großen Linien seines
geschichtlichen Wirkens kräftig hervortreten.

Das Hauptanliegen von M- ist eine kritische Würdigung
Calvins von seiner Gesamtanschauung der Reformation
aus. M. sieht in der Reformation primär kein
theologisches, sondern ein kulturelles Ereignis, in dem
sich, hinausgreifend über Luther und Calvin (289f.),
die Emanzipation des menschlichen Geistes aus den
mittelalterlichen kirchlichen und dogmatischen Bindungen
zur Gedanken-, Gewissens-, Rede-, Glaubens- und
politischen Freiheit des Individuums vollzieht (115).
Daß sich Calvin in diesem Rahmen überhaupt nicht
verstehen läßt, wird grotesk darin deutlich, daß nach
M. es für ihn wie für die anderen Reformatoren gilt:
„they . . did not truly understand the cause they espou-
sed" (153). Nicht sie, sondern erst der Calvinismus
(269) und die Schwärmer (290) haben das Eigentliche
der Reformation voll erkannt und zum Siege gebracht.
Calvins Dogmatismus, seine Kirchenzucht, seine „asketische
" Sittenstrenge, sein unduldsamer Kampf gegen
seine theologischen Gegner, all das wird von da aus
als mittelalterliche Gebundenheit verstanden und kritisiert
, wobei M. jedoch auch neben der zeitgeschichtlichen
die persönliche Bedingtheit stark unterstreicht. Abgesehen
von seinem Kampf gegen die katholische Kirche,
seinem hintreten für die Duldung seiner verfolgten Glaubensbrüder
und seiner Formung eines kämpferischen
calvinischen Typs, der den eigentlichen „reformatorischen
" Kampf später durchführen konnte, bleibt wenig,
was M. von seinem Ansatz aus als positiv „reformatorisch
'' an Calvin werten kann. Das mangelnde Verständnis
M.s für die eigentlichen, nämlich theologischen
Ansätze des Wirkens Calvins zeigt sich schon rein äußerlich
darin, daß er „Calvin als Theologen" an das Ende
seines Werkes stellt. Calvin innerhalb der Grenzen einer
bestimmten Humanität, das ist das Bild, das M. z. t. positiv
wertend, vor allern aber stark kritisch entwirft.
Er bezeugt ihm seine Achtung als „great moral and
religious personality" (293), als „construetive geuius,

!ler Bekehrung und seiner Anfänge als Reformator (II ,

,bls HI). Bei der Darstellung seiner Genfer Tätigkeit . Dm kulturelle ^ßverstandnis der Reformation und des reformato-

i^gt das Hauptinteresse auf dem kirchenpolitischen ^^^^J^^L"^ dur^ngig in der Behandlung

Karrmt j- r-v u i j !/■ f. i i j„„ 1 der fcmzelrragen aus. Nicht Calvin, der „mediaeval Inquisitor m the

EndPPr T- DuIchsetzU"g der K'^1™* " * f,' ' g"ise of the evangelical Reformer" (146), sondern die „progressive inde-

orlp £ 1S d€S »TnurnPnes der TheOkratie" (IV—XI), pendent thinkers" (153) Bolsec, Castellion, Servet vertreten kämpfend

uer besser der praktischen „cleroeraey", nämlich der j und leidend die eigentlichen Ansätze der Reformation (115). Die Ver-

rierrschaft des Wortes Gottes „as interpreted by Calvin" ; brennung Servets wird als allerdings auch persönlich und kirchenpolitisch

j.102). in besonderer Breite (VIII—X) wird der Fall i bedingtes „example of human stupidity and brutality" beklagt (129)

-ervet dargestellt, wie auch sonst neben dem Organi- | ohne wirkliche Einsicht in den doch auch hier geführten Kampf gegen

Sator der Streittheolop-e stark in den Forderorund tritt. die Spekulation für das reformatorische Heilsverständnis. Fortwährend

^alvins Tätigkeit als literarUrher Vorkämpfer der Re- wird der Mangel an Duldsamkeit und die „dog.natik acerbity" (182) ge-

Wation geVen l^ ^ V^l^ zS^ den rÜgt' während doch die eigentliche Reformation antidogmatisch (51) sei

'•efonnatnriLhVn l£ u , »'»€r."1,tt,.er ZW1SC yjl" i "»d als „essential doctrine" „the r.ght of individual judgment and free-

'inn<P"Sche" K'rclIen' aIs Lelter der „evangelischen dom of h» (n5) und damit „the Protestant principle of Toleration"

Mi~ •'—Ti ,Ä'KU iviicncn, ais Leiter uer „evaiigciisLiicn
n'^.si°n ' ^ und außerhalb Europas und als weitsichtiger
protestantischer Kirchenpolitiker füllt die Kapitel

(37) vertrete. Unreformatorisch erscheint M. dann natürlich auch die
Kirchenzucht des „mediaeval monk", nämlich als mittelalterlicher Ver-