Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1938

Spalte:

249-251

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Peterson, Erik

Titel/Untertitel:

Zeuge der Wahrheit 1938

Rezensent:

Michel, Otto

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

241» Theologische Literaturzeitung 1938 Nr. 14. 250

voll Dankbarkeit und Verehrung an die ausziehenden kämpft und der gegenüber er de:i Begriff des Wahrheits-
Kämpfer des August 1914, zögern aber trotzdem, eine i zeugen, das heißt aber den des Märtyrers in den Mittel-
unmittelbare Verbindung zu Luc. 14, 26 f. herzustellen, punkt rückt, ist nur die notwendige Folge aus der prote-
Der Ernst der religionsgeschichtlichen Arbeit und die stantischen Verwerfung des Märtyrer- und Heiligenkul-
Härte der theologischen Neubesinnung lassen derartige tus." Man wird über das historische Recht dieses Satzes
Umprägungen nicht ohne weiteres zu. Aber ich gebe streiten können, das theologische Recht dieser Warnung
gern m, daß auch bei uns die Umprägungen verschie- ist mehr als anfechtbar. Die protestantische Kirche wird
dener Art wieder häufiger werden und die theologische weder den katholischen Märtyrerbegriff aufnehmen noch
Arbeit zurückzuwerfen0 drohen. Unser Verf. will auch im Prozeß der Verbürgerlichung und Verweitlichung
in der Grundfrage: Wovon erlöst Jesus Chri- ihr ureigenstes Wesen aufgeben dürfen — den schlichten
stus? Wozu erlöst Jesus Christus? die alte Form Gehorsam gegen die Botschaft des Evangeliums, durch
aufgeben (Erlösung von der Verdammnis, von Got- den sie eben „Zeuge der Wahrheit" wird. Und wenn sie
tes Zorn) zugunsten des modernen Gegensatzes: Bos- gerade durch dies ihr ureigenstes Wesen dazu gedrängt
lieit und Gutsein, er glaubt dabei die Sache beibehalten wird, vom Martyrium und Märtyrertuin zu reden, dann
zu haben. Aber genügt diese ethische Fassung des Er- werden diese kirchlichen Begriffe vom neutestamentlichen
lösungsgedankens? Oder führt nicht auch hier eine Grundansatz aus durchdacht sein müssen und den katho-
falsche Unterscheidung von Form und Sache den theo- lischen Fehlschluß zu vermeiden haben. Daß das N.T.
logischen Forscher in die Irre? Die tiefen Schatten des in der Sprachgruppe n<M?.T«eeIv, na^Tvgia und
menschlichen Lebens (die übrigens gerade C. A. Ander- ! nciotuc zunächst von der Verkündigung und
son Scott nicht übersieht) scheinen nicht genügend zum dem Dienst des Wortes an und in der Welt
Ausdruck zu kommen; die eschatologische Grundspan- s p r i c h t, i st zud e m e i ne h i s to ris c h e E r k en nt
»ung, die über dem N.T. liegt und in der Frage der nis, die uns nicht mehr verlorengehen darf.
„Ethik" einen ganz eigenartigen Ausdruck gewinnt (A. Diese grundsätzlichen Vorbemerkungen, auf die ich geSchweitzer
!), bleibt unberücksichtigt. Dürfen wir über- legentlich in anderem Zusammenhange ausführlicher eiu-
haupt von „Ethik" reden, wenn wir die Frage des 1 gehen möchte, seien der Besprechung vorangeschickt,
menschlichen Handelns meinen? (H. Preisker spricht j E. P.'s Büchlein umfaßt drei Teile: 1. Der Märtyrer
bezeichnenderweise von einem „Telos-Ethos" des Ur- ; und die Kirche (S. 11—29), 2. Die Offenbarung und der
Christentums). So bleibt hier doch ein breiter Graben ! Märtyrer (S. 33—51), 3. Die Märtyrer und das priester-
zwischen unserer exegetischen Fragestellung und dieser ijche Königtum Christi (S. 55—71). Dem letzten (drit-
engüschen Ethik, obwohl die deutsche Theologie sehr ( ten Teil) gliedert sich ein Anhang an: Christus als Inihäufig
zu Worte kommt, was wir dem Verfasser gebüh- j perator (S. 75—86). Nicht zu übersehen sind ferner die
rend danken wollen. Sehr fein ist übrigens die gelegent- ! wissenschaftlichen „Anmerkungen" (S. 89—94). Schon
liehe Erörterung biblischer Grundbegriffe (&y&xr, nleo- der Aufbau zeigt, daß es sich um eine feinsinnige Ana-
vtlfa, ü<r(x>avvi), ujtoxpm'ic), und sehr viel Mühe macht ' iySe neutestamentlicher Texte handelt, zu denen vor allem
sich unser Verf. mit der Herausarbeitung eines echten i die synoptische Leidenslehre Mk. 8,34—9,1, die Aus-
Autoritätsgedankens („Eine innere Autorität, die inner- j sendungsrede nach Mth. 10, die johanneische Leidens-
Uch empfunden wird", „keine erzwungene, sondern eine , geschiente und nicht zuletzt auch die Joh. Oifenb. zu
uberzeugende"). Dabei ist gewiß manche idealistisch rechnen sind. Manche gute und kluge Formulierung wich-
khngende Wendung nicht so idealistisch gemeint wie j tiger theologischer und kirchlicher Sätze könnte hervor-
sie klingt. Zum Aufbau: Es handelt sich um 6 Vor- gehoben werden: „Wenn die Botschaft Jesu freilich eine
lesungen: die ersten drei beschäftigen sich mit der bloße Philosophie wäre, Uber die man zu diskutieren
Lehre Jesu, die beiden folgenden mit der des Paulus hätte, jahrelang, jahrhundertelang, würde es keine Mär-
(Unter besonderer Berücksichtigung seiner Ubereinstim- | tyrer geben, und wenn einzelne Menschen für eine sol-
mung mit dem Herrn), die letzte spricht von grundsatz- ciie Philosophie Christi in den Tod gingen — sie würden
liehen Einwänden und ihrer Erledigung. Gerade die ; ^eme Märtyrer im christlichen Verständnis des Wortes
Schlichtheit des Zeugnisses, die in der Behandlung der f sein« (g. 20). „Nicht menschliche Überzeugungen und
schwierigen wirtschaftlichen und politischen Fragen her- Meinungen, ja noch viel zugespitzter ausgedrückt: nicht
vortritt, ist nicht ohne Wirkung. Gewiß müssen wir ejrimal menschlicher Glaubeiiseifer machen Märtyrer, son-
auch hier gegen manche Vereinfachung und allzurasche dem Christus selber ist es, der zum Martyrium beruft,
Folgerung Bedenken anmelden, aber liegt nicht in der und der damit das Martyrium zu einer besonderen Gnade
Botschaft des Evangeliums der Anspruch auf die ganze macht" (S. 21). Andererseits erheben sich exegetische
Wirklichkeit unseres Lebens? Unser deutsches kirchliches Bedenken gegen bestimmte Grundthesen des Verf.'s:
penken ist immer in Gefahr, sich in letzte Denk- und darf man z. B. das Martyrium (als kirchliches Leiden
Lebensschwierigkeiten zu verstricken und konkreten Ent- verstanden) ein „Charisma" nennen, wie es S. 18 ff. ge-
scheidungen auszuweichen. Darum müssen Theologen schiebt? Bei der Auslegung der Leidenslehre Jesu fällt
und Kirchen miteinander im Gespräch bleiben. auf, daß der schändende und entehrende Charakter des
Halle/Saale. O. Miche.l Kreuzes zurücktritt. Es fehlt auch eine ernsthafte Berücksichtigung
der Möglichkeit, daß der Zeuge der Wahr-

Otersen, Erik- Zeuge der Wahrheit. Leipzig: Jakob Hegner ; heit gegen" die äußere Irdische Kirche kämpfen und strei

1937 (95 s 18° RM3.20. ten muß. An diesem Punkte hatte die Lektüre Kierke-

Üer katholische Theologe Erik Peterson hat uns durch gaards gerade der katholischen Kirche Entscheidendes

du. ■ jKainoll^c.ne 11 e "!v„ „ ' ^'°xiiii.i»ti «eitriP- zu saeen. Gut herausgearbeitet wird der apokalyptische

zum ff Z^CZdMLt^i^^^Pi Orunfcharakter des urchristlichen Verhältnisses zu.n Staat

S-Hp, f™? . ^^rrS^L^^SS^ (vgl. dazu die beachtliche Studie von E. Stauffer, Gott

ffiffth? fer aUC . in KÄ£ Ps weicht una Kaiser, Bonn 1935, die unser Verf. hätte heranziehen
nicht ubersehen werden soH. Die > £anrteDUflg I .: wuuu d> sachHche Zusammenhang von Joh. Evgl.

Kvnrir d€r Äf6« V- £?X<' S so eitschcWend und Joh. Offenb. in den Äußerungen über das Königtum

Martyriums in der alten Kirche 1936 so e ^cne üenü u j ^ Zw d Zt 1932 312 bis

IfÄftft^s vddÄ a; ^^^^^^^

^rr^h^^Tw^S^t altahrätlichetl Mär- will). Manche These verrat zwar Ifa tpuA Jufog

^«rbegrirf^ Dazu^afrSh pl Warnung an die pr* lische Voraussetzung, zeugt aber auch für dk Frucht-

testantische Adresse § 19 De Verbürgerlichung des barkeit einer bestimmten Fragestellung, die nicht alltag-

Protestantfsmus, 5 e Kierkegaard so SdenschaftlicTi be- lieh ist (z. B. der Zusammenhang zwischen der Hares.e