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Ausgabe:

1938 Nr. 12

Spalte:

216-218

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Pauline epistles : plates 1938

Rezensent:

Bauer, Walter

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Theologische Literaturzeitung 1938 Nr- 12.

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hoffentlich noch manchen Schritt weiter helfen wird, j
auch in der Festigung der Resultate dieser Studie.

2. Von der zweibändigen Luxusausgabe, die sich mit
dem Tetraevangelium von Karahissar (Gregory 574; seit
etwa 1850 in Petersburg; heute Leningrad Gr. 105) beschäftigt
, ist mir nur der erste Band, der Geschichte i
und Text der Hs. bespricht, zur Anzeige zugegangen, j
Der zweite, von H. R. Wi.llou.ghby besorgte Band |
behandelt die zahlreichen Textillustrationen; eine kurze
Inhaltsangabe seiner Ausführungen bietet W. selbst auf J
Seite 121—139 des ersten Bandes, der im übrigen von
E. C. Colwell bearbeitet ist. Ms. 574 ist eine dem
Rockefeiler McCormick N. T. (Greg. 2400; vgl. die
Ausgabe von Goodspeed-Riddle-Willoughby, Chicago
1932) in jeder Weise nah verwandte Hs., ja sie ist zum
größten Teil sogar vom selben Schreiber geschrieben.
Entstehungszeit: zwischen 1150 und 1300, eher gegen
Ende des 13. Jahrhunderts. Entstehungsort: vermutlich
die kaiserliche Schreibstube in Byzanz. Besonders auffallend
sind die sehr zahlreichen Eintragungen frommer
Pilger, die nach dem Kloster Karahissar (nicht weit
von Trapezunt) wanderten, um das heilige Tetraevanr
gelium anzubeten (jtpooxm'fioai). C. gibt alle diese, für
die Volksfrömmigkeit der damaligen Zeit interessanten
Eintragungen wieder nebst kurzen Erläuterungen. —
Der Text der Hs. weist keinerlei Besonderheiten auf;
wie nicht anders zu erwarten, ist er ein später
Text. C. untersucht ihn überaus genau und sorgfältig
und vergleicht ihn mit anderen Hss. seiner Zeit.
Am größten ist seine Verwandtschaft mit 330
und 1815, mit denen C. sein Tetraevangelium zu
einer Gruppe 574 zusammenfaßt. Auffallendere Varianten
enthält 574 so gut wie garnicht; wichtig sind nur
einige „westliche" Lesarten am Anfang von Marcus,
sowie einige besondere Lesarten des von Sodenschen
Textes von Caesarea -j- Ka am Schluß von Johannes.
— Anhangsweise gibt C. einige Hinweise zur schwierigen
Aufgabe der Datierung byzantinischer biblischer Hss.
zwischen 1050 und 1350. Mit bewunderungswürdigem
Fleiß ist die verschiedene Schreibweise der Buchstaben
sr)Xnin über 100 Hss. registriert. Auf diesen Anhang
sei nachdrücklich hingewiesen.

3. Josef Schmid untersucht vier Gruppen von Apc-
Hss., die durchweg jüngere Formen des griechischen
Textes der Apc. repräsentieren; für eine Textherstellung |
kommen sie zwar nicht in Frage, gestatten jedoch einen |
interessanten Einblick in das Wuchern der Überlieferung
und ermöglichen einen besseren Überblick über das gesamte
Hss. material zur Apc Die untersuchten Hss.
gruppen sind: 1) die Arethas-Gruppe (Ay); 2) die Ps.
Öcumenius-Gruppe (O); 3) die Complutenser Familie; 4)
die Familie 104/336 (R). Schmids Untersuchung bedeutet
eine überaus nützliche Weiterführung der Ar- j
beit von H. von Soden, H. C. Hoskier und anderer j
Gelehrter.

4. Die gemeinschaftliche Arbeit von H. A. Sand ers
und J. Ogden beschäftigt sich mit dem Acta-Text einer j
lateinischen Hs. des 12. Jahrhunderts der Universität j
Michigan. Ein Vergleich zwischen ihr und dem Acta- !
Text der Vulgata nach Wordsworth und White ergab
1384 mehr oder weniger wichtigere Abweichungen. Die
Verfasser gehen der Frage nach: woher stammen diese
Varianten? Das Resultat, das sehr sorgfältig unterbaut ,
ist, ist bemerkenswert: es wird nachgewiesen, daß das
Vorbild der Hs. ein irischer altlateinLscher Text ge- j
wesen sein muß. Zwar sind uns ja irische altlateinische j
Handschriften nicht erhalten; der Beweisgang muß
darum ein indirekter sein: über die bekannten altlatei- !
nischen Hss. und über Vulgata Hss., die irischen oder j
englischen Ursprungs sind oder nach dortigen älteren
Übersetzungen korrigiert wurden. Die Verfasser gehen ,
sehr gründlich vor, und man erhält auch durch ihre Arbeit
einen lohnenden Einblick in die Geschichte des neu-
testamentlichen Bibeltextes.

Riga. H. Seesemann.

Kenyon, Frederic O.: The ehester Beatty Blblical Papyri.

Descriptions and Texts of twelve Manuscripts on Papyrus of the Qreek
Bible. London: E. Walker 1936. Fase. III, Supplement: Pauline
Epistles. (XXII, 156 S.) 4°. £ 1. 12 s.—d.

Das Supplement zum 3. Fasciculus der Chester
Beatty Biblical Papyri enthält alles, was diese Sammlung
an Text paulinischer Briefe uns gerettet hat. Es
ist sehr erfreulich, daß sich Kenyon durch den Umstand,
daß der Text von zehn Blättern bereits im Fase. III
veröffentlicht worden war, nicht davon hat abhalten
lassen, auch ihn in die neue Publikation aufzunehmen.
Und noch dankenswerter ist die Großzügigkeit, mit der
die Verwaltung der University of Michigan sich bereitfand
, die dreißig Blätter desselben Kodex, die in ihrem
Besitze sind und deren Inhalt 1935 durch A. H. Sanders
herausgegeben und eingeleitet worden war, für unsere
Gesamtedition freizugeben.

Diese Neuherausgabe war dadurch nötig geworden,
daß zu den erwähnten vierzig Blättern noch sechsundvierzig
andere gleicher Herkunft getreten waren, die
Chester Beatty neuerdings erworben hatte und die das
schon Vorhandene zu einer beinahe vollständigen Abschrift
des paulinischen Corpus ergänzte. Sie ist um
mindestens ein Jahrhundert älter als die frühste der
großen Handschriften, die bisher der Textherstellung gedient
hatten. U. Willken schlägt sogar vor, den Papyrus
„um 200" anzusetzen (Archiv für Papyrusforschung 11,
113).

Der Beatty-Michigan Papyrus — so sagt man gern,
während die offizielle Bezifferung nach dem Vorschlag
von E. v. Dobsehütz 4<i lautet — zeigt auf den erhaltenen
86 Blättern fast durchweg noch die ursprünglichen
Seitenzahlen, sodaß die Anordnung keinem Zweifel
unterliegen kann. Sieben Blätter am Anfang fehlen
ebenso wie die entsprechenden sieben am Ende. Ferner
sind die Blätter mit den Nummern 9 und 10, dazu die
mit ihnen korrespondierendien 95 und 96 verloren. Einige
wenige Blätter sind stark angegriffen; ganz unversehrt
ist keins, doch betrifft der Verlust in der Regel
nur wenige Zeilen am unteren Ende der Seiten.

Von diesen kleinen Defekten abgesehen, fehlt heute
im fortlaufenden Text: Röin. 1,1—5, 17. 6,14—8, 15.
1. Thess. 2,3—5, 5. Ebenso was hinter 1. Thess. etwa
noch auf den fehlenden sieben Blättern gefolgt ist. Dazu
gehört nicht der Hebräerbrief, der sich vielmehr
unmittelbar an den Römerbrief anschließt und vor den
Korintherbriefen steht. Auch Eph., Gal., Phil., Kol.
sind in dieser Reihenfolge zwischen 2. Kor. und 1. Thess.
erhalten.

Für die Pastoralbriefe ist auf den nach Unterbringung
des 2 Thessalonicherbriefs günstigsten Falls noch
übrigbleibenden fünf Blättern, von denen wir zudem
noch anderthalb für Philemon freihalten müssen (Phi-
lemon geht auch im Canon Muratori den Pastoralbriefen
vor), kein Platz zu schaffen. Prokrustesmethoden
verbieten sich von selbst. Vorstufen jedoch zu den Pastoralbriefen
haben niemals in B ib e 1 handschriften gestanden
. Sonst würden sie sich als Eigengrößen ebenso
gewiß erhalten haben, wie das Markusevangelium neben
Matthäus und Lukas oder Jud. neben 2. Petr. Sollte es
jemals „Urpastoralbriefe" gegeben haben, so sind sie so
wenig wie die Redenquelle oder der Wirbericht in
den Kanon gelangt. Sie haben also auch nicht die letzten
3/2 Blätter unserer Handschrift gefüllt. Andererseits
kennt die Textgeschichte m. W. auch kein Beispiel
dafür, daß man, wenn man sich in der Bemessung des
erforderlichen Raumes verrechnet hatte, einfach wegließ,
was nicht mehr unterzubringen war, was für unseren
Fall bedeuten würde, daß etwa 1. Tim. den Abschluß
gebildet hätte.

Die letzten Seiten sind entweder unbeschrieben geblieben
— für die allerletzte mag das von Anfang an
ganz ebenso in Rechnung gestellt gewesen sein, wie für
die allererste (s. p. IX unten) — oder haben einen Inhalt
gehabt abseits unseres Neuen Testamentes. Der