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Ausgabe:

1937

Spalte:

169-170

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Allier, Raoul

Titel/Untertitel:

Magie et religion 1937

Rezensent:

Clemen, Carl

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. D. HERMANN DÖRRIES, Göttingen, und Prof. D. Dr. GEORG WOBBERMIN, Berlin

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, und Bibliothekar Lic. E. STEINBORN, Berlin.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und Belehrte Mitteilungen sind ■u«ichlie6lich an Professor D. BAUER in Göttinnen, DOMere Eichenweg 14. so senden,
Kecensiontexeraplare ausschließlich an den Verlag. Gewähr für Besprechung von unverlangt gesandten Rezensionsexemplaren
, besonders noch bei Zusendung nach Göttingen, kann nicht übernommen werden.

Printed in Germany.

J. C. HINRICHS VERLAG, LEIPZIG Cl
62. JAHRGANG, N r. 10 8. M AI 1937

Spalte' Spalte
Allier: Magie et Religion (Clemen). . . . 169 Grabmann: Mittelalterliche Deutung und

Asmus: Pestalozzis Theorie der Menschenführung
(Kesseler).............189

Baetke: Art und Glaube der Germanen

(Kesseler)..................174

Brom: Vondels Geloof (Kalthoff).....183

Browe: Zur Geschichte der Entmannung

(Vorwahl)..................171

Fausel: D. Dr. Rotermund (Lerche) .... 183
Gennrich: Evangelium und Deutschtum
in Portugal (Lerche)............183

Spalte

— Gibt es Offenbarung in der Religionsgeschichte
? (Ders.)..............172

Schieder: Die kleindeutsche Partei in
Bayern in den Kämpfen um die nationale
Einheit (Lerche)..............181

Umbildung der aristotelischen Lehre vom

voüc; jioiT|Ti.itö<; (Piper)..........180

Herntrich: Theologische Auslegung des

Alten Testaments? (Hertzberg)......177

Le Seur: Die Briefe an die Epheser, Ko- [Schröder: Brasilien u. Wittenberg (Lerche) 183

losser und Philemon (Lohmeyer)..... 178

O'Leary: The Ethiopian Church (Duensing) 178

M u 1 o t: Erühdeutsches Christentum (Kesseler) 176
Rosenkranz: Der Nomos Chinas und das

Evangelium (Merkel)............ 172

Schütz: Der Psalter (Luther)....... 191

Tellenbach: Libertas (Hessel)...... 179

Thielicke: Vernunft u. Offenbarung(Heinze) 188
Weber: Anleitung zur Abfassung einer

Pfarrgeschichte (Meyer).......... 190

Allier, Prof. Raoul: Magie et Religion. Paris: Berger-Levrault | dann im 4. Teil verfolgt, zunächst am Mazdaismus,
1935. (XV, 470 S.) . Fr. 36—. j an der ägyptischen und babylonischen Religion, dann

Das vorliegende Werk des bekannten Pariser Theo- aber namentlich an der griechischen. Sie enthielt manche
logen, dessen Besprechung mir übrigens erst vor kur- , primitive Elemente, und auch der Orphismus wurde der
zem übertragen worden ist, bezeichnet sich selbst als j Magie dienstbar, während die Götterbilder von den Phi-
die logische Folge und den natürlichen Abschluß seiner ; losophen, die sie ursprünglich verwarfen, später doch
früheren Arbeiten: La Psychologie de la Conversion j verehrt wurden.

«Iiez Les peaples non-eivilises und Le Non-civilise et i Endlich der letzte, das Geheimnis Israels überschrie-
nous. Es untersucht daher in einem 1. Teil die Magie j bene Teil zeigt zunächst, wie auch hier anfänglich mä-
und führt sie zunächst auf die von Frazer sogenannten I gische Anschauungen herrschten, danin aber, wie die Men-
Gesetze der Ähnlichkeit und der Sympathie zurück. Da- I schenopfer, bekämpft wurden. Gleichwohl drangen jene
neben aber wird zu ihrer Erklärung noch der Gedanke selbst im Christentum später wieder ein, während die-
einer verborgenen Kraft angenommen, wie sie im Wort, i Ses in Japan, China und Indien die religiösen Anschauun-
im Namen und in bestimmten Formeln wohne. Später I gen reinigt. Daran muß, so wird zum Schluß ausge-
ist noch besonders von Segen und Fluch die Rede, vorher ; führt, die Mission anknüpfen, die auch sonst die Wahr-
aber von der Bedeutung des Einzelnen in der Zauberei. , heitsmomente in andern Religionen anerkennen sollte.
Im allgemeinen wird sie dann aus Furcht oder einem Schon diese kurze Inhaltsangabe dürfte beweisen,

Wunsch erklärt, auch nach dem Vorbild von Maret't | welche Fülle von Problemen in dem A.schen Buch be-
auf natürliche Bewegungen zurückgeführt, aber zugleich , handelt wird, ja daneben kommen noch zahlreiche an-
nach Hubert und Mauß mit dem mana und ähnlichen dere zur Sprache, auf die hier nicht eingegangen werden
Begriffen zusammengebracht. Endlich wird sie noch als kann. Der Verfasser ist auf allen Gebieten der Reli-
von Haus aus amoralisch und nicht älter als die Religion • gionsgeschichte, wenngleich vor allem in den primitiven
Religionen, zu hause und zitiert ausführlich —
manchmal leider nur mit Nennung des Autors, nicht
seines besondern Werks — eine umfangreiche und bei
uns zum großen Teil unbekannte Literatur darüber.

bezeichnet.

Als das Wesen dieser wird im 2. Teil, wieder nach
Marett, awe bezeichnet; dann aber wird zunächst das Gebet
geschildert, das später mit einer Anrufung, in der
von A. sogenannten Vorgeschichte, d. h. bei den Primi

Werden, wie wieder schon jene Inhaltsangabe gezeigt

tiysten auch mit Pfeifen, Schnalzen mit der Zunge be- ; haben wird, manche Probleme im einem Zusammenginne
und aus unartikulierten Lauten bestünde. Da j hang behandelt, in dem man das eigentlich nicht erwar-
das gemeinsame Gebet manchmal unfeierlich sei, tet, (und andere überhaupt nicht), so liegt das wahrschweige
man vielmehr; das erstere dagegen werde . scheinlich daran, daß das Buch aus einzelnen Studien
such durch Antworten und Wechselgesang Delebt. Schon j entstanden ist, die an fremde Meinungsäußerungen anbei
Primitiven fänden sich individuelle Gebete, die be- , knüpften und nicht immer mit einander in Verbinduno-
sonders an ein höchstes Wesen gerichtet würden und gebracht wurden. Aber das ist schließlich eine Äußer

öfters Sündenbckenntnisse enthielten. Daneben kämen
Opfer vor, die zunächst den Dank, aber auch eine Bitte .
au die Gottheit ausdrücken sollten. Zum Schluß wird
Wer die Einweihung des Medizinmanns geschildert.

lichkeit, und auch die ganz wenigen Fälle, in denen man
andrer Meinung sein muß, können an der Bewunderung
und Dankbarkeit für das Buch nichts ändern. Man bedauert
nur, daß seine Korrektur offenbar jemand über-

Der 3. Teil behandelt die Beziehungen zwischen j lasser: worden ist, der vom Lateinischen wenig und

Magie und Religion, die ursprünglich getrennt gewesen | vo;n Griechischen absolut keine Ahnung hatte- nament-

seien, sich aber später vermischt hätten. Das wird na- i ijcn die entsprechenden Zitate im 3.°und 4 Kapitel

^entlieh am Gebet, sowie an der Tätigkeit des Medi- des 4. Teils sind großenteils überhaupt nicht wiederzu-

Ijnmanns nachgewiesen, auf den aber nicht etwa, wie | erkennen,
rrazer wolle, der König zurückgehe.

An einzelnen Religionen wird jene Entwicklung

169

Bonn.

Carl Clemen.

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