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Ausgabe:

1937 Nr. 9

Spalte:

161-163

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bauer, Walter

Titel/Untertitel:

Griechisch-deutsches Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der übrigen urchristlichen Literatur 1937

Rezensent:

Debrunner, Albert

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Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 9.

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einander reihen. Innerhalb der einzelnen Bibliotheken
ist die Folge chronologisch. Und durch die ganze Reihe
hin werden sowohl die reproducierten Manuskriptproben,
wie die Tafeln, auf denen sie enthalten sind, durchnumeriert
. Die ersten 6 Fascikel der 1. Serie stellen uns
257 Manuskripte auf 452 Blättern vor.

Auf 6 (Blättern sind jedem Fascikel die Typen der
griechischen Minuskeln in schematischer Darstellung
vorangestellt. Das Charakteristische daran tritt stark
in die Erscheinung und erleichtert die Zusammenschau.

Vorausgeschickt ist ferner eine ganz kurze Beschreibung
der Handschriften, denen die Proben entstammen.
Dabei liegt natürlich der ganze Nachdruck auf den
Paläographischen. Wir werden unterrichtet über Beschreibstoff
und Tinte, Seitenzahl und Kapiteleinteilung,
Randbemerkungen und Unterschriften (Golophon), gegebenenfalls
die verschiedenen Schreiber und den vielfach
beigegebenen Buchschmuck von allerlei Art.

Die bisher erschienenen 6 Fascikel der ersten Serie
enthalten Manuskriptproben nachstehender Herkunft:
I. Jerusalem, Patmos, Athen; II. Venedig, Oxford, London
; in. (der einleitende Bogen trägt versehentlich die
Zahl IV) Athos-Klöster, Mailand; IV. Paris Teil 1;
V. Paris Teil 2, Oxford, Berlin, Wien, Jerusalem; VI
Moskau, Leningrad.

Die Sammlung stellt in dem, was sie schon ist,
und in dem, was sie noch zu werden verspricht, eine
wundervolle Gabe dar, die auch auf den, dem paläo-
graphische Probleme bisher ferner lagen, einem dämonischen
Reiz ausübt und ihn fast zwingt, sich nunmehr
mit diesen wichtigen Fragen ernstlich zu befassen. Mindestens
hat er hinfort kein Recht mehr, seine mangelnde
Geneigtheit und Arbeitslust damit zu entschuldigen
, daß ihm die Anschauung fehle, weil Vergleichsmaterial
im nötigen Umfang nicht zu beschaffen sei.
Damit wird es jetzt von Jahr zu Jahr besser bestellt
sein. Grund genug, den Herausgebern unseren wärmsten
Dank auszusprechen.

Göttinnen. W. Bauer.

Bauer, Walter: Griechisch-Deutsches Wörterbuch zu den
Schriften des Neuen Testaments und der übrigen urchristlichen
Literatur. Dritte, völlic neu bearbeitete Auflage. Berlin: A. Töpel-
mann. 3. bis 10. Lief.: öi&coui bis Schluß (Sp. 321 — 1490, S. I —XII).
Jede Lief. RM 2.80. Preis des Gesamtwerks (1937): geb. RM 30-.
Dein Urteil, das ich im Jahrgang 1936 (Sp. 311 f.)
auf Grund der ersten zwei Lieferungen über die Neuausgabe
des Bauer'schen Wörterbuchs abgegeben habe,
brauche ich kaum etwas beizufügen. Denn was der
Anfang versprach, ist alles gehalten worden: die in
Aussicht genommenen 100 Bogen sind nicht einmal
voll beansprucht, die letzte Lieferung erschien zwar
nicht auf Weihnachten, aber wenigstens auf Neujahr,
und nach dem Inhalt und nach der äußern Form sind
die vom Anfang erweckten Erwartungen durchaus erfüllt
. So stehen wir staunend und bewundernd vor dieser
Riesenleistung des Verfassers und des Verlags: die
Drucklegung hat nicht einmal ein Jahr erfordert!

Vielleicht erwartet mancher vom Besprecher nach
Abschluß des Werks eine eingehende Einzelkritik. Natürlich
wird jeder, der sich genauer mit der Sprache
des griechischen Neuen Testaments beschäftigt, eine
Liste von Bemerkungen anlegen können. Das habe ich
bei zahlreichen Stichproben ebenfalls getan; aber ich
ziehe es vor, sie dem Verfasser zu schicken (nebst etwa
einem Dutzend harmloser Druckfehler), damit er sie
für die nächste Auflage verwenden kann. Nur als Probe
will ich den Artikel evap richtig stellen: Zu xat' Svap
»im Traum" des Matthäus werden in der Klammer eine
Anzahl außerneutestamentlicher Belege gegeben, aber
jnit dem Zusatz „allerdings in der Bed. 'infolge eines
Traumes'". Aus der Druckart geht nicht hervor, ob
sich dieser Zusatz nur auf die letzte Stelle bezieht
^der auf alle: beides ist unrichtig; von den Stellen,
deren Zusammenhang ich nachprüfen konnte, stimmen

j die literarischen zu Mt, da von Traumerscheinungen
! berichtet wird („im Traum": Anth. Pal. 11,263,1 [ Druckfehler
bei Bauer: 253], Diog. L. 10,32, Strabo, Plut.,
Eunap.; s. Lobeck Phryn. 423), die inschriftlichen aber
nicht, da es sich um Weihungen „auf Grund eines
Traumes" handelt (Ditt. Syll3 1147—1149, Inschr. v.
Perg. 357,8, IG XII 1,979,4; dazu auch die von Phry-
| nichus 421 Lobeck beanstandete Weihinschrift des
J Sophisten Polemo: Ar|u.o<xöew| riuiuvteu no^Eu.wv xcit' övarj,
was nach Phrynichus' Erläuterungen zu übersetzen ist:
„die Qemosthenesstatue (hat) Pol. (errichtet) auf Grund
eines Traumgesichts"). Es könnte zum Vergleich hinzugefügt
werden einerseits xax' ovEipov „infolge eines Traumes
" Ditt. Syll.3 1150 (dazu Dittenbergers Anm. zu
1153,4, wo auf ;<ax'ejutuyu.u, xad' vnvovc, u. a. verwiesen
wird), andererseits xof}' &rvov „im Schlaf" LXX Gen.
20, 6. Niemand wird Bauer einen Vorwurf machen aus
solchen Mängeln, am wenigsten die Philologen, die
uns bis heute den jetzt bekannten Wortschatz der Korne
weder im Rahmen eines gesamtgriechischen Wörterbuchs
noch in einem Sonderwerk darbieten; auch der neue
„Liddell-Scott", der leider dieser Grundforderung der
Koineforschung nur ganz unvollkommen Rechnung trägt,
ist bei y-ux' ovap nicht einwandfrei, indem er Polemo-
Phrynichus zur Bedeutung „im Traum" stellt. Ich habe
also das Beispiel mehr gegeben, um zu zeigen, daß noch
viel zu tun ist.

Zum Philologischen ist noch zu sagen, daß in
der neuen Auflage die 9 Seiten „Zur Einführung", die
einen Überblick über die Koineprobleme und eine Gruppierung
des nt. Wortschatzes gaben, aus Ersparnisrücksichten
weggelassen sind. Man wird das bedauern, aber
verschmerzen.

Der schnelle Verbrauch der zweiten Auflage (in 8
Jahren) beweist, daß das Buch die Benutzer gefunden
hat, für die es geschaffen ist. Das ist entschieden hoch
erfreulich, und es lohnt sich, einen Blick rückwärts zu
werfen. Vor 40 Jahren standen den Pfarrern und Theologiestudenten
an vollständigen Wörterbüchern zum N. T.
nur zwei zur Verfügung: die alte, philologisch sehr
tüchtige Clavis von Christian Gottlob Wilke in der
Bearbeitung von Willibald Grimm (zuletzt 1903 in 4.
Aufl. bei Töpelmann erschienen), ein Buch, dessen lateinische
Sprache wohl schon damals dem nichtphilologischen
Benützer unbequem war, sodann der allzu bescheidene
Schirlitz-Eger (zuletzt 6. Aufl. 1908), den ich
einst als Gymnasiast mit sehnsuchtsvollen Blicken auf
dem Bücherbrett eines Pfarrers stehen sah. Erwin Peuschens
Verdienst ist es, den Wilke-Grimm durch ein deutsches
Buch ersetzt und durch Einbeziehung der übrigen
urchristlichen Literatur und durch die Nennung der wissenschaftlichen
Literatur erweitert zu haben (1910); nur
ließ er leider die Profanbelege weg, was nach dem
damaligen 'Stand der Forschung entschieden ein Rückschritt
war. Den hat Bauer in der 2. Aufl. (1928)
wieder beseitigt und in breitem Maß die außerneutesta-
mentliche Literatur, namentlich auch die Papyri herangezogen
. Und nun ist in der 3. Aufl. der Name Preu-

I sehen auch aus dem Untertitel verschwunden (und soerar
aus dem Vorwort, so daß der Name ganz fehlt). Ähnliche
Versuche von anderer Seite bilden keine ernsthafte

I Konkurrenz: Heinrich Ebel mg (1913) bietet zwar für

j wenig Geld sehr viel, macht sich aber durch eine fast
zur Unverständlichkeit führende Abkürzungsalgebra un-

j genießbar (s. Ad. Deissmann Th L Z 1913, 1245 ff )
und das Buch des Jesuiten Fr. Zorell (1911, 2 Aufl'

I 1931; s. Th L Z 1931, 344) wird wohl schon der la-

J teinischen Sprache wegen auf katholische Kreise be-

i schränkt bleiben.

Die Pfarrer und Theologiestudenten dürfen beglückwünscht
werden, daß sie heute ein Werk zur Verfügung
haben, das man sich vor 50 Jahren nicht träumen &lieff

j Der Anfänger bekommt die Hilfe für die erste Übersetzung
, der Vorgerückte, der etwa einzelne Wörter

I oder Begriffsgruppen genauer studieren will, findet den