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Ausgabe:

1937

Spalte:

125-126

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Beda Venerabilis, Bedas metrische Vita Sancti Cuthberti 1937

Rezensent:

Boerner, Oskar

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125

Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 7.

ment de Jesus-Christ" und „Histoire du dogme de la
Trinke" I—II, (wo erst auf die entscheidende Literatur
hingewiesen wird), so daß die Darstellung nicht in
sich ruht, sondern nur an Hand seiner größeren Arbeiten
vollständig wird, was eine ernste Entwertung
des Werkes bedeutet.

Nach dem ersten Band zu urteilen, wird diese Kirchengeschichte
trotz ihres Riesenumfanges wesentlich
nur eine für ein größeres Publikum geeignete Darstellung
bedeuten. Für Nachschlagezwecke (ein Index fehlt)
und für Forscher sind die üblichen Handbücher besser
geeignet. Hier ist der Text zu unförmlich und zu farblos
.

Kopenhagen. Johannes Munck.

Jaager, Werner: Bedas metrische Vita sancti Cuthberti.

Leipzig: Mayer & Müller 1935. (XI, 136 S.) 8°. = Palaestra 198. RM9-.

Die erste Blütezeit der englischen Kultur erreichte
ihren Höhepunkt mit Aldhelm (f 709) und Beda (f 735).
Sie waren Vertreter jener Kultur, die in den über ganz
England weit verbreiteten Klöstern erblühte, in denen
nicht nur das Studium der Theologie gepflegt, sondern
auch manche klassischen Schriftsteller gelesen wurden
zu einer Zeit, wo die klassische Bildung in den übrigen
Ländern des westlichen Europas entweder fast ausgestorben
oder doch, wie in Italien, nicht länger produktiv
war. Englische Mönche und Bischöfe schrieben eifrig
lateinische Verse. Unter den Stätten gelehrter Bildung
ragten in Nordhumbrien die Klöster Wearmouth und
Ya. row hervor, wo Beda seine schriftstellerische Tätigkeit
entfaltete. Beda war energischer, produktiver als
Aldhelm, aber seine lateinischen Verse waren von geringerem
poetischen Reiz als die des andern. Während
seine Hymnen und Epigramme zum größten Teil verloren
gegangen sind, ist uns sein Buch über die Mirakel
des hl. Cuthberht, Bischofs von Lindisfarn (f 687)
erhalten. Bedas Prosa ist bei weitem bedeutender als
seine Poesie. Auch seine Prosabcarbeitung der Vita
sancti Cuthberti (spätestens 721) ist viel bedeutender
als das Gedicht, das zwischen 705 und 716 entstanden
ist.

D. Verf. hat mit aller Sorgfalt einen kritischen Text
der metrischen Vita unter weitgehender Heranziehung
der Überlieferung hergestellt, Abhängigkeit von poetischen
Vorbildern aufgedeckt, auch die übrigen Dichtungen
Bedas zum Vergleich herangezogen und aufgezeigt,
welche Wirkungen das Gedicht in der Folgezeit namentr
lieh auf spätere Bearbeiter der Vita des Cuthbert ausübte
. Ferner hat der Herausgeber die Verskunst und
den poetischen Stil Bedas in seine Untersuchung einbezogen
, hat sich doch Beda in einem besonderen Buche
»De arte metrica" auch mit Metrik beschäftigt.

Die Quelle Bedas ist die Vita Cuthberti eines unbekannten
Verfassers aus Lindisfarn. Kirchengeschichtlich
steht diese anonyme Vita weit höher als das Gedicht
»edas, das in dieser Hinsicht auch hinter Bedas Prosa
weit zurücksteht. Im Gedicht steht das Wunder ganz
»rn Vordergrunde. Auf S. 38 hebt der Verf. als ein merkwürdiges
Zeichen der Ehrfurcht vor einem Heiligen
ein seltsames Wunder hervor (Kap. 8 der Vita), wonach
die Meerkälber nicht wagen, auf der Insel des
Heiligen Junge zur Welt zu bringen, bevor er es ihnen
erlaubt (das Wort „nicht" vor „erlaubt" ist sinngemäß
zu tilgen). Bei H. Günther (Legendenstudien, 1906) und
L; Zoepf (das Heiligenleben im 10. Jahrh, 1908) sei
nichts Ähnliches erwähnt; auch nicht in den umfangreichen
Sammlungen von Peter Toldo, Leben und Wunder
uer Heiligen im Mittelalter (Studien z. vergl. Literatur-
gesch. 1—3, 5, 6, 8, 9). Im übrigen ist das Verhältnis
ues Heiligen zu den Tieren besonders innig.

Unter den Wundern spielt auch die Austreibung der
j-jamonen eine Rolle; so Kap. XIII: daemonium eicere.
nier ist der Dämon die Ursache verschiedener körper-
"cher Gebrechen. Es ist ferner die Rede von der saevitia
atri daemonis (V. 349). Der Heilige baut sich ein

I Haus nach der Austreibung der Dämonen aus der Ge-
I gend („pulsis daemonibus"); die Schar der Geister
flieht: „turba minax spirituum fugit (XV, 395). Bei
dem Begräbnis des verstorbenen Bischofs Eadberht heißt
es: „Morborum fugiunt labes, furor impius atri Daemonis
absistit" (V. 843/4). Ein mit einem Dämon behafteter
Knabe wird von dem blinden Zorn des Dämons
; durch Waschung mit klarem Wasser (limpha, V. 856)
, geheilt: Puer daemoniacus in aqua sanatur; er wird befreit
von dem blinden Zorn des Dämons, caeca Daemonis
i ira (V. 848). Wir haben es hier, entsprechend der
Bibel, mit der Vorstellung von dem bösen Geist zu
tun, der gewissen Menschen innewohnt. Das entspricht
der Auffassung der Griechen, die mit dem Worte Bottum
nicht nur die Vorstellung von einem von außen kommenden
Schicksal verbanden, sondern auch die von einem
iV/uiov, im Innern des Menschen, einer unheimlichen
Macht, die den Menschen willenlos zu bestimmten Handlungen
fortreißt (s. o. furor impius atri Daemonis).
Wer einen guten Dämon mitbekommen hatte, der wurde
Bvootfuov, wem ein übler zugeteilt war, dem geriet nichts.
Hieraus hat sich später die christlich-mittelalterliche
Vorstellung vom guten und bösen Engel entwickelt.

Unter den übrigen Dichtungen Bedas ist besonders
die Darstellung des jüngsten Gerichts (Hymnus
de die judicii) bemerkenswert, weil sie nicht nur zu
den poetisch eindrucksvollsten Dichtungen Bedas gehört,
sondern auch späteren Autoren vielfach als Vorbild gedient
hat (S. 53).

In Kap. 11 der Einleitung über die übrigen lateinischen
Dichtungen Bedas geht der Herausgeber des näheren
auf die Frage der Verfasserschaft Bedas ein. In
den Hss. finden sich sehr häufig Beda zugeschriebene
Gedichte über die Jahreszeiten, Monate, den Lauf der
Gestirne und ähnliches, aber auch z. B. der Lazarushymnus
des Paulinus von Aquileja (vgl. S. 52 Anm. 86).
Es bedarf noch des Nachweises, ob man in Beda nicht
auch den Erfinder erzählender biblischer Gedichte nach
Art des Lazarushymnus sehen soll (vgl. S. 50 Anm.
78 a).

Reichliche Literaturangaben, ein Verzeichnis der
Eigennamen, sowie eine Übersicht über die Abhängigkeit
der Prosa von Anonymus erhöhen den Wert der
in jeder Hinsicht sorgfältigen Untersuchung.

Göttingen. Oskar Bo er n er.

Well er, Prof. Dr. Karl: Württembergische Kirchengeschichte
bis zum Ende der Stauferzeit. Stuttgart: Calwer Vereinsbuchhandlung
1936. (XI, 372 S.) gr. 8°. = Württembergische Kirch engeschichte
hrsg. vom Calwer Verlagsverein. 1. Bd. Bis zur Mitte des 13. Jahrh.

Kart. RM 9— ; geb. 10.80.

Die dritte Neubearbeitung der württembergischen
Kirchengeschichte erfolgt in fünf Teilen, von denen
1934 zuerst die Reformationsgeschichte von D. Dr.
Jul. Rauscher erschienen ist. K. Weller, der sachkundigste
württembergische Historiker, ein Philologe, hat den
ersten Teil übernommen. Die erste Bearbeitung erschien
einst 1848 von C. Römer, in die zweite Bearbeitung
von 1893 teilten sich G. Bos&ert, Fr. Keidel, J. Hartmann
und Chr. Kolb. Damals hatte G. Bossert neben
der Reformationsgeschichte auch die Anfänge bis 1303
übernommen und war der Entstehung der Pfarreien
und einzelner Klöster nachgegangen. In den folgenden
I Jahrzehnten ist fleißig weitergearbeitet worden; es seien
nur die Namen V. Ernst, P. Gößler, A. Mcttler und K.
Weller auf evangelischer, J. Ahlhaus und J. Zeller
auf katholischer Seite genannt. Die Besiedlung Württembergs
und den Städtebau in der Stauferzeit hat K. Wel-
! 1er grundlegend erforscht, V. Ernst hat die Bedeutung
| des Adels, des Grundeigentums und der Feldkirchen
nachgewiesen, P. Gößler die ältesten kirchlichen In-
! Schriften und A. Mettler die Kirchen- und Klosterbauten
j ganz neu gewürdigt, Ahlhaus die Landkapitel und Zeller
u. a. Klosterurkunden genau untersucht. Diese Ar-
| beiten sind außerhalb Württembergs noch zu wenig be-