Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1937 Nr. 7

Spalte:

117-118

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Alt, Albrecht

Titel/Untertitel:

Völker und Staaten Syriens im frühen Altertum 1937

Rezensent:

Meinhold, Johannes

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

117

Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 7.

118

um die Existenz handelte, auch glanzende Proben von
kriegerischer Tüchtigkeit und todverachtendem Mut darboten
(Tyrus gegen Nebucadnesar und Alexander, Karthago
gegen Rom). Weiter: es war doch ein hochgemuter
Sinn, der die Phönizier zu ihren fast iin mythische
Fernen hineinstrebenden Erkundungs- und Erwerbfahrten
veranlaßt hat. — Von der Kultur und Religion der
Philister ist wenig zu sagen. Sie werden eben bald die
semitische Kultur übernommen haben. Die im AT. erwähnten
Götter im Philisterland (Dagon, Astarte und
Baal Sebub (im N.T. zu Beel-Sebul nicht Beelsebu*
S. 37 geworden) sind semitische Gottheiten. — Dagegen
haben die Phönizier und Karthager ihre Religion mit
erstaunlicher Zähigkeit zu behaupten gewußt und vieles
in die hellenistische und christliche Religion hinübergerettet
. — Es ist verdienstlich, daß der Verfasser
das Material zusammengestellt und gewandt verarbeitet
hat. Manche Satzungeheuer hätten allerdings vermieden
werden können, z. B. auf S. 7. „Bei Israels Landnahme"
u.s.w. und S. 12. „Ähnliches wäre u. s.w. S. 7, 1. 2.
Sam. 5, 11, st. 1. Sam.
Bonn. . Jon. Mei n h o 1 d.

Alt, Albrecht: Völker und Staaten Syriens im frühen Altertum
. Leipzig: )■ C. Hinrichs Verlag 1936. (39 S. u. eine Übersichtskarte
) 8°. = Der Alte Orient. Bd. 34, H. 4. RM 1.50.
Es ist verdienstlich, daß Alt einmal für weitere
Kreise in das Gebiet Syriens in der Frühzeit hineinleuchtet
und in seiner vorsichtigen Art das Gewisse
vom Zweifelhaften und Ungewissen unterscheidet. Er
teilt den Stoff folgendermaßen: 1. Geographische Voraussetzungen
S. 5—8. 2. Rassische Grundlagen S. 8—9.
3. Gliederung der Ortsnamen S. 9—11. 4. Schichtung
der Personennamen S. 11 — 17. 5. Bedeutung der Völkernamen
S. 18—26. 6. Gestaltung der Volkstümer S. 26—30.
7- Prinzipien der Herrschaftsbildung S. 30—38. Eine
Übersichtskarte von Syrien und Palästina am Schluß
(dieselbe, die wir auch bei Eißfeldt, Philister und Phönizier
. Heft 3, alter Orient 1936 finden) will den Leser
Über die Lage und den Sitz der einzelnen Stämme und
Volksteile orientieren, genügt allerdings nicht, da eine
Reihe von Namen, die der Text bietet, in ihr nicht zu finden
sind.

Nach Alt ergab es sich aus der Struktur des syrischen
Landes mit seiner Schmalheit (zwischen Meer und
Wüste), seiner Wasserarmut, seiner durch hohe unwegsame
Gebirge, durch die stark versumpfte Sohle des
sogenannten syrischen Grabens für den Verkehr vielfach
von einander abgesperrten Gebiete, daß es zu
einer staatlichen Einheit der Völker Syriens in der Frühzeit
nicht gekommen ist. Und wenn die künstliche
Beseitigung dieser Verkehrshindernisse, die von den
Großreichen, denen Syrien in späterer Zeit eingegliedert
War, bewirkt wurde, für die Frühzeit nicht in die
Hand genommen ward, so liegt das doch auch daran,
daß in der Frühzeit die Einheit gemeinsamen Volkstums
fehlte. Es waren vielmehr wohl aus Arabien eindringende
langschädelige Semiten und aus Kleinasien, Armenien
, Mesopotamien südwärts vorstoßende „armenoide"
(so von Luschan) Stämme, die sich nach Syrien hineindrängten
und zu einer wirklichen Einheit zunächst
nicht zusammenwuchsen. Jedenfalls ist es in der Frühzeit
zu einer vollständigen Semitisierung nicht gekommen
, .wie aus den erhaltenen Personen- und Ortsnamen
Jener Zeit deutlich zu entnehmen ist. — Weder die
Horiter des A.T. (die Hurri der Keilschrifttexte aus
Boghazköi), das sind die aus Mesopotamien eingedrungenen
nichtsemitischen und nichtindogermanischen Grup-
Pen, noch die Hittiter haben die semitische Schicht etwa
aufgesogen und so dem Lande und der Bevölkerung
ihren Stempel .aufgedrückt. Es handelt sich in beiden
fallen nur um Herrenschichten, die mit ihren fremdsprachigen
Untertanen durchaus nicht zu „einem von
der Nachbarschaft charakteristisch verschiedenen Volkstum
zusammengewachsen" sind. Auch „Amoriter" kommen
nach dem Verf. als Namenbezeichnung der vorisrae-
litischen Bevölkerung Syriens nicht in Betracht, wie
man auf Grund der alttestamentlichen Angaben meinen
sollte. Das Reich 'Amurru' ist (von Assyrien und Babel
aus gesehn) das syrische Reich des Westens: 'Amur-
I ru' bedeute im Akkadischen: Westen. „Kanaan" aber,
: ein offenbar nichtsemitisches Wort, ist eine Landesbe-
I Zeichnung und Kanaanäer meint die Bewohner von Westpalästina
und der phönikischen Küste und geht auf alle
; Einwohner des Landes ohne Unterschied der Herkunft
| und Eigenart. — Allerdings hebt sich das Gebiet, das
I man unter Kanaan versteht, nach den Teil el-'amarnad-
■ briefen von der Umgebung dadurch stark ab, daß hier
i um 1500 etwa die Volkssprache semitisch war und daß
I die auch dorthin eingedrungenen „nichtsemitiischen Be-
i völkerungselemente ihr sprachliches Eigenleben nicht lan-
: ge haben behaupten können". Von Interesse ist schließlich
, daß nach Alt die syrisch-palästinensische Zwergstaaterei
von den Pharaonen des ägyptischen Neuen
Reiches nicht geschaffen, sondern vorgefunden ist. Sie
gehe vielmehr auf die Hyksos zurück, die nicht — wie
es die antike Tradition meint — aus Arabien vordrangen,
sondern vom Norden, jenseits von Syrien und selbst
Mesopotamien, aus einer Gegend, wo die Heimat des
Pferdes zu sehn ist, das sie dann mit dem Streitwagen
nebst der entsprechenden Kriegstechnik in die von ihnen
I eroberten Gebiete (Syrien, Ägypten) einführten. Zur
Stützung ihrer Macht hatten die Könige einen MilMär-
adel, von dem ein Teil in der nächsten Umgebung des
Königs war, ein anderer in einem möglichst engmaschigem
Netz über die unterworfenen Länder verteilt war,
der dann für den Bereich der zugewiesenen festen Sitze
die Befehlsgewalt über die einheimische Bevölkerung
erhielt und mit seinen Pferden und Streitwagen fortgesetzt
kriegstüchtig und kampfbereit war. Nach dem
Zerbrechen des Hyksos-reiches verschwanden diese „Dynasten
" nicht, sondern gewannen an Selbständigkeit.
Die Pharaonen, die das palästinensische Gebiet nach
ihnen eroberten, fanden das vor, haben es aber nicht geändert
, wohl nicht ändern können. So kam es eben zu
den vielen Zwergstaaten und nicht zu einer Zusammenfassung
, zu einem größeren Staat eigenen Wachstums. —
Es liegt in der Natur der Dinge, daß man hier vielfach
über Vermutungen nicht hinauskommt. Immerhin
ist es höchst verdienstlich, daß Alf auf Grund seiner
umfassenden Kenntnis der Dinge einem weiteren Kreise
die Verhältnisse der' Frühzeit Syriens klar zu legen bemüht
ist.

Bonn. Joh. Mein hold.

Windisch, Hans: Paulus und das Judentum. Stuttgart: W.
Kohlhammer 1935. (V, 93 S.) 8". RM 2.40.

Der verewigte Verf. hat in der vorliegenden kleineu
Schrift noch einmal unmittelbar in den Tageskampf
um die Gestalt des Apostels Paulus eingegriffen. Aus
selbstverständlicher Beherrschung der Gesamtheit der
paulinischen Probleme und ihrer Geschichte heraus zeigt
er die Einseitigkeiten und Übertreibungen in der weitverbreiteten
modernen Beurteilung und Verurteilung des
Paulus auf. Gewiß ist Paulus Jude gewesen, und nichts,
was er geschrieben hat, könnte eine andere Annahme
notwendig machen, und gewiß beweist sich sein Judentum
in mannigfachen Einzelheiten seiner persönlichen
Haltung und seiner Theologie. Aber die gesamte theologische
und missionarische Arbeit des Paulus ist grundsätzlich
und tatsächlich gegen das Judentum gerichtet.
Seine Lehre bedeutet Authebung und Auflösung der jü-
j dischen Religion. Er verkündet die Freiheit der Kinder
Gottes. Er ist in seinem ganzen Sein von Christus
bestimmt. Er ist nicht nur Theologe und Schriftgelehrter
, er wirkt als prophetischer Verkünder, als Weltapostel
.

Das wird in drei Kapiteln dargestellt. 1) Die
Apostelgeschichte wie die Briefe zeigen den Abstand des
Paulus vom Judentum, wenn auch die Apg Paulus