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Ausgabe:

1937 Nr. 6

Spalte:

101-103

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Heussi, Karl

Titel/Untertitel:

Der Ursprung des Mönchtums 1937

Rezensent:

Dörries, Hermann

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101 Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 6. 102

Es ist nicht einfach, bei einem Buch dieses umfas- daß nun grobe Konstruktionsfehler vermieden werden,

senden Inhalts auf Einzelauseinandersetzungen sich ein- Das gleiche gilt von dem Verzicht, die Hauptgestalten

zulassen. Nur einige Fragen seien angedeutet. Ist Jesu der Wüstenväter nach ihren Aussprüchen einzeln zu

Stellung zum Oesetz wirklich so positiv, wie B. es charakterisieren. Dieser Verzicht hängt zusammen mit

S. 22f. ausführt? Geht Paulus Rom. 10,4 nicht auf dem Urteil über die Art der Überlieferung: sie nenne

Jesus (cf. Luk. 16, 16 u. a.) zurück? Zu wenig scheint die Väter in erster Linie als vorbildliche Repräsentan-

mir trotz der selbstverständlichen Zukünftigkeit des Rei- ten bestimmter Tugenden, ohne ein primäres Personen-

ches Gottes doch die in Jesu Auftreten gegebene Gegen- interesse. Faßt man aber — so möchte ich einwenden —

wart gesehen. Bei Johannes dürfte der eschatologische vielmehr die Väter vornehmlich als Bürgen ihrer Worte,

Grundton zu kurz gekommen sein. Und ist bei Paulus so kommt man m. E. im Feststellen des Charakters

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die Rechtfertigung wirklich nur forensisch zu verstehen?
Ute Ethik des Paulus, z.B. seine Stellung zur Ehe,
scheint mir zu positiv gewertet. Überhaupt zeigen Abschnitte
wie z. B. der über die ethischen Fragen doch die
^etalir, die in solch gedrängter Darbietung liegt; hier
S'bt B. nur summarische Auffassungen, die in solcher
Allgemeinheit schwer haltbar sind. Noch eins sei ange-
tenct: die recht eigenartige Verwendung der Literatur

dieser „Worte" dem Sinn des ältesten Mönchtums näher
und wird der Besonderheit der wichtigsten Führer wie
der eigentümlichen Sorgfalt in der Art dieser Überlieferung
mehr gerecht als es bei H.s Auffassung möglich ist.

Weniger in diesem Kapitel, im Bannkreis einer einheitlichen
Tradition, als namentlich in der Vorgeschichte
macht sich ein anderer Verzicht verhängnisvoll geltend,
der auf eine inhaltliche Bestimmung des Themas der

Man fragt sich oft, unter welchem Gesichtspunkt ist Arbeit. In der verständlichen Scheu, der Wirklichkeit

sie erfolgt? Warum fehlen wichtige Neuerscheinungen ! der Geschichte Gewalt anzutun, und in dem Wunsche,

ganz? Endlich noch dies: die Darstellung zeigt eine ge- , aus dieser vorurteilslos dargestellten Wirklichkeit selbst

schlossene, abgerundete, wohl abgewogene Art. Nur ver- I die sichere Bestimmung des Wesens des Mönchtums zu

misse ich freilich das Herausarbeiten der Ungeheuerlich- j erhalten, trägt H. alles zusammen, was es in der ältesten

keit der Pneuma-Gewalt des N.T.'s. Aber all diese i Christenheit und ihrer Umwelt an religiös begründeten

Ausstellungen sollen den Wert des Buches an sich nicht ! Enthaltungen gibt. Aber nicht das bloß Vorhandene ist

herabsetzen. Die Einheitlichkeit der Auffassung, der
Versuch, die Einheit des N.T.'s als Wort Gottes deutlich
zum Ausdruck zu bringen, die Konsequenz der Anschauung
geben dieser jüngsten „Theologie des N. T.'s",
auch wo man 'in Einzelheiten anders denkt, ihre Sonderart
und damit ihr Daseinrecht.

Breslau. Herbert Preisker.

H e u s s i, Prof. D. Dr. Karl: Der Ursprung des Mönchtums. Tübingen
: J. C. B.Mohr 1936. (XII, 308 S.) er. 8°. RM. 8.60; geb. 10.50,
In den Rahmen eines kritischen Forschungsberich- j tung geraten. Im Urchristentum waren die Gemeinde

Gegenstand kirchengeschichtlichen Interesses, sondern
die Meinung, in der solche Askese geübt wurde, und
auch diese nur soweit sie den Anspruch erhob, damit
Entscheidendes zu sagen. Sonst kommt man notwendig
dazu, das Verschiedenartigste zusammenzustellen und
gewinnt niemals klare Definitionen. Die Folge ist denn
auch, daß nicht nur so gegensätzliche Größen wie
Gnosis und Montanismus Arm in Arm als Vorgänger
des Mönchtums auftreten, sondern daß auch das Urchristentum
und die Predigt Jesu unter diese Beleuch-

tes sind hier einige Kapitel gestellt, die der frühchrist- glieder „in gewissem Sinne alle Mönche" (67). Doch
liehen Askese und dem ägyptischen Mönchtum gewid- j eschatologische Stimmung und Martyriumsbereitschaft
met sind. Die älteren Hypothesen werden auf ihren I sind keine Askese. Und ist wirklich die Forderung der
Wahrheitsgehalt untersucht und, wenn auch um die aus- I Nachfolge sachlich dasselbe wie die Weltabkehr der
schließliche, so doch nicht um alle Geltung gebracht, i Mönche? Die „Flucht in die Wüste" (Apk.12) wird eben-
Mit Fug wird etwa der religionsgeschichtlichen These J so wie die Versammlung der Parusieerwartenden Mon-
das Recht bestritten, das aus christlicher Überlieferung | tanisten zu Pepuza zur „traumhaften Vorwegnähme des
leicht sich Erklärende noch aus außerchristlichen Ein- Mönchtums" (35), dessen entscheidenden Züge dann
flüssen abzuleiten; und daneben wird doch in beacht- besonders bei Origenes alle gefunden werden (48). Kon-
lichem Hinweis der Blick auf den Manichäismus als ! stitutiv ist nach H. für die Entstehung des eigentauf
eine mögliche Quelle mönchischer Begriffe gelenkt. liehen Mönchtums das Schaffen einer Sonderwelt. Doch
Der Haraackschen These: „das Mönchtum Flucht aus i bedeutet ihm das Mönchtum, entstanden aus „kirchlich
der Weltkirche", wird die Hollsche entgegengestellt: ! noch garnicht durchgreifend organisierten Verhältnis-
„das Mönchtum vielmehr Vortrupp der Kirche im Kampf sen", nicht ein Verlassen der Gemeinden, sondern ein
gegen die Dämonen"; doch wird Holls Herleitung des , Zuwachsen zur organisierten Kirche (68, Anm. 2).
Mönchsideals vom Gnostiker des Clemens erheblich ein- I Danach nimmt es nicht Wunder, wenn auch das
geschränkt eigentliche Mönchtum zunächst als eine „bunte, beweg-
Der Hauptabschnitt gründet sich auf Boussets Er- "che, fließende und unbestimmte Größe" erscheint (69),
kenntnis von der grundlegenden Bedeutung der aus ; also überhaupt nichts sui generis ist. Erst Athanasius
dem sketischen Mönchtum selbst stammenden „Aus- ; und Pachomius haben eine relative Einheitlichkeit in
Sprüche der Väter". Darin vor allem besteht das Ver- I das Mönchtum hineingebracht.

dienst des Buches, daß es den Anfang damit macht, die , Bei dem „Stammvater des Mönchtums", Antonius,

Apophthegmen für das Bild des ältesten Mönchtums macht Heussi von der Einsicht in den Vorrang der Apoph-

auszuwerten. Die nach ihnen unternommene Schilderung ; theg men keinen Gebrauch. Sie scheinen ihm so wenig wie

der „Zustände im ägyptischen anachoretischen Mönch- die Antonius zugeschriebenen Schriften und Regeln einen

tum" nimmt auch im Umfang — fast der Hälfte des | neuen Einsatz zu verraten. Mag also auch die Bedeu-

- den ersten Platz ein. Und so dicht ist das j tung seiner Person nicht gering gewesen sein, —größer
ben, das im 4. und 5. Jahrhundert die ske- ! scheint die seiner Biographie. Die vita Antonii bestimmt

eineswegs auch in dem jüngsten Werk über den Ursprung des

tische" Wüste erfüllte, daß die DÄ«! Mönchtums das geschichtliche Bild. - Das rfapitel

zu breit ausgefallen ist. Man kon"Te heIMier mit über Pachomius beschränkt sich im allgemeinen darauf,

wünschen, daß der Verfasser 8 ch noefcein e ^ knappe8 und sachliches Bild vom Stande der (beson-

dem Werden und Sich-Wandeln der Lerjenb französischen und belgischen) Forschung zugeben,

formen dieser Einsiedler befaßt und geM'Si 'neen Es erübrigt sich, auf Einzelheiten einzugehen, etwa

die eigenen (ungemein ernst ^™Pf^C^ Aus- , über die Exegese des und jenes Apophfhegmas zu

diese Anachoreten Schritt um Schritt über ihren a uoej-«^ natürlich) daß es hier Meinungsver-

gangsort hinausgeführt haben und so der 'nngwr | ^ iten ben wird. Nur der Zitationsweise sei

ste Abschnitt der Mönchsgeschichte ein in sich fg™. «redacht- es scheint mir nicht zweckmäßig, in einem

diges Ende gefunden hat. Dere Vorzue dieser | ß««^ ^ Q48 stucke durchzutiumerieren und
dung, alles auf gleicher tDene zu senen, ncg