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Ausgabe:

1937 Nr. 4

Spalte:

73-77

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gloede, Günter

Titel/Untertitel:

Theologia naturalis bei Calvin 1937

Rezensent:

Schulze, M.

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Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 4.

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beiter von 17 Kirchenliedern nach. A. Moller bestrei- j armung, würde die revelatio generalis gestrichen." (64.

tet, daß in Kingos geistlicher Dichtung englischer Einfluß
anzunehmen sei, wogegen sich O. Andersen in
sehr temperamentvollen Ausführungen wendet. — B. G.
Lindhardt behandelt das Krisenjahr 1734 (Chrir
stians VI. Hinwendung zum Hallischen Pietismus). B.
Kornerup teilt aus dem Vitaprotokoll des Aarhuser
Bistums 8 Autobiographien (1779—1835) mit und gibt
Aktenstücke über die Ernennung L. Gudes zum Dompropst
in Roskilde (1866) bekannt. — Endlich behandelt
H. F. Petersen die Schleswiger Generalsuperintenden-
tur vom Abschied Callisens 1848 bis zur Ernennung
Propst U. Beesens zum Scbleswiger Bischof 1854 mit
zahlreichen z. T. leider nicht in der Originalsprache mitgeteilten
Briefen.

Rendsburg. Th- °- Achelis.

70).

Noch einen charakteristischen Vergleich der beiden
Offenbarungsformen, dessen C. sich mehrfach bedient,
muß ich erwähnen, nämlich den mit der Brille, die
dem sehschwachen Auge zu Hilfe kommt, aber dieses
doch nicht überflüssig macht. Der Verf. nennt dies
„den treffendsten Ausdruck, den C. gefunden hat."
(S. 12f.).

Demgemäß „verurteilt C. eine Ablehnung der theol.
nat. aufs schärfste, ja sieht selbst eine Nichtbeachtung
von ihr für einen großen Schaden an." Sie steht im
Widerspruch zu der allgemeinen Erfahrung, ist irreligiös
und widerstreitet dem Worte Gottes (S. 8 f.).

Der Mensch ist die Krone und das Ziel der Schöpfung
. Gott hat seiner Seele sein Bild „eingemeißelt"
d. h. er hat sie mit vorzüglichen geistigen und sitt-

„, _ , . , .. . , r„,..;„ QI„H„„,. liehen Gaben ausgerüstet, mit dem Lichte der Erkenntnis,

Gloede, Günter: Theologia naturalis bei Calvin. S uttgart: hpSif> . r, Hpr r^.sM-WWnU mit rWr-h+icrW II*,'

W. Kohlhammer 1935. (XVIII, 355 S.) 8°. = Tübinger Studien zur
systematischen Theologie. H. 5. RM 12 .

Ein wertvoller Beitrag zu der jetzt wieder aktuellen
Frage nach der natürlichen Theologie, speziell ihrem Vorkommen
bei den Reformatoren! Verf. glaubt sie, was
C. betrifft, „mit einem glatten Ja beantworten zu
können", vorausgesetzt daß unter n. Th. eine solche
verstanden wird, „deren tragender Grund die nie ganz
aufgegebene schöptungsmäßige Verbundenheit des Schöpfers
mit seinem Geschöpf ist", also aller Naturalismus,
und Synergismus, Deismus und Pantheismus ausgeschlossen
bleibt (S. 2ff. 15ff.). So wird denn zuerst
C.'s Lehre vom Schöpfer und seinem Geschöpf behandelt
(S. 10ff.), sodann die Gotteserkenntnis aus der
Natur (S. 50 ff.), weiter der natürliche Mensch (S.
72 ff.), darauf die göttliche Ordnung der natürlichen
menschlichen Gemeinschaft (S. 159 ff.) und im letzten
Hauptabschnitte die natürliche Anlage zur Religion (S.
282 ff.). Anhangsweise folgen noch einige Einzelfragen
<S. 332 ff.). Jeder Teil ist wieder mannigfaltig gegliedert
.

Die Behauptung der Schöpfung ist eine Glaubensaussage
, die sich auf die heil. Schrift gründet (S. 10) —
Gott ist nach ihr „primär" der Schöpfer (S. 14) —
und zwar ist er es im „aktuellen" Sinne des fortwährend
alles Geschehen Bestimmens und Beherrschens, also
des Zusammenschlusses von Schöpfung und Erhaltung
(S. 15 ff.). Aber eben dies macht die n. Th. möglich.
Man kann Gottes Wirken in einer Natur, deren Ordnung
Moment der Erhaltung der Welt ist, nachgehen (S. 24.
18). In immer neuen Wendungen drückt C. ihre Eignung
zum und ihren Wert als Offenbarungsmittel aus. „Gott
hält allen ohne Ausnahme seine göttliche Hoheit in den
Geschöpfen abgezeichnet vor", „das ganze Meisterwerk
des Weltalls, in dem uns Gottes Herrlichkeit widerleuchtet
(S. 12. 50 ff.) usw. Die volle Gotteserkenntnis
ist allerdings nur aus der Schrift zu schöpfen; aber
neben ihr ist doch auch die Welt eine Offenbarungsform
— sogar von einer gewissen Gleichrangigkeit —
hat sie doch denselben Zielpunkt, nämlich Gottesfurcht
und Gottvertrauen zu wecken. Schrift und Werke Gottes
stehen also in einem Sowobl-als-auch-Verhältnis (S.
11 f.), oder, wie der Vf. auch sagt „in einem konjunk-
tiven, einem Verbundenheits- ja sogar Bestätigungsverhältnis
" (S. 5ff.). Der Wert der heil. Schrift wird
damit nicht herabgesetzt; sie bietet uns das rechte Gottesbild
(13), auch erschließt sie (ihr Christus) allein
uns den letzten Sinn der Welt (S. 15). Aber „C. hat
die natürliche Gotteserkenntnis doch als einen Teil für
den vollen Heilsglauben gewertet, als einen Schritt,
der trotz seiner gewissen Schranken und vorbehaltlich
seiner späteren Reinigung und Klärung durch das Wort
Gottes stets der erste sein wird." (S. 7). Auch die

besonders der Gotteserkenntnis, mit Gerechtigkeit, Unsterblichkeit
usw. (S. 24 ff.).

Aber die n. Th. muß noch einen anderen Tatbestand
beim Menschen berücksichtigen: die Sünde. Durch
sie ist seine Gottebenbildlichkeit zerstört, aber auch die
ganze Naturordnung umgekehrt (43. 48). Damit scheint
freilich die n. Th. unmöglich zu sein. Aber neben
diesen Aussagen begegnen viel mildere, wonach Gottes
Bild im Menschen nur entstellt oder übermalt (43. 77)
— also im Grunde nicht zerstört —, die Erde sogar
dieselbe wie im Anfange geblieben ist, bis jetzt von
Gottes Barmherzigkeit voll (S. 49). Die Natur- oder
Schöpfungsordnung besteht also fort, wie das ja auch
der „Aktualisierung des Schöpfungsbegriffs" allein entspricht
.

Daher kann der Verf. sich denn auch im 2. Hauptteil
über die Gotteserkenntnis aus der Natur als eine
durchgängige, bei allen Menschen vorhandene, auch den
einfachsten und Ungebildetsten zugängliche verbreiten
(62 ff.). Auch inhaltlich ist sie nicht beschränkt auf
einen Teil des göttlichen Wesens, etwa seine Allmacht,
vielmehr steht es so, daß die gleichen göttlichen Eigenschaften
im Himmel und auf der Erde widerleuchten,
welche in der Schrift aufgezählt werden (S. 70). Mit
Berufung auf Act. 17 wird gesagt, daß „Gott in alle
Teile der Welt . . . den Ruhm seiner Macht, Güte,
Weisheit und Ewigkeit geschrieben und gleichsam eingraviert
hat" (51 vgl. 56. 70). Durch den Glauben
wird gesehen (Ebr. 11), was die Ungläubigen selbst
erkennen (66). Aber nicht nur draußen, in der Natur
und ihrer wunderbaren Ordnung bietet sich dem Menschen
reichlich Stoff zum Preise Gottes dar, auch durch
seine persönliche Erfahrung und sein eigenes Empfinden
fühlt er sich dazu gedrängt. „Jeder könnte ihn in
sich selbst finden" und in seinem Leben, dank seiner
unermeßlichen Liebe und unzähligen Wohltaten (60ff.).
Es liegt nur an ihm, seinem „Versagen", wenn es zu
diesem „Höherdringen" nicht kommt (55. 61. 66).
Darum eben „muß Gott ein neues Heilmittel hinzufügen
", womit er „unseres Geistes Unbildung unterstützt
", die Schrift (68. 65). Aber damit wird die
natürliche Gotteserkenntnis „nicht entbehrlich", sondern
nur „intensiviert fortgeführt". Im Übrigen kehren alle
Elemente jener, wie sie für die vorgläubige Anschauuno-
galten, bei der gläubigen Betrachtung wieder (69).

Auch in dem Abschnitte über den natürlichen Menschen
wird gezeigt, daß nach C. trotz aller Verderbnis
die imago Dei nicht einfach Verloren sep-anio-en
ist (72ff. 82f.). Und zwar erstreckt sich ihr Restbestand
" nicht nur auf das von dem Begriff der Person
Unabtrennbare, Verstand und Wille (75f.) sondern
auch auf „die himmlische Seite der Seele des natürlichen
Menschen" (82ff.). Gott läßt ihn nicht einfach lau-

Gläubigen sollen sie sich zunutze machen als eine Be- j fen, sondern übt sein Herrenrecht als Schöpfer weiter

^tätigung und Stärkung ihres Glaubens (S. 6f. 70). j aus. Und das heißt: wir sind und bleiben die Seinen

Ja C. „sieht hier eine der größten Pflichten des Glau- ihm unterworfen, in ihm geborgen und auf ihn gerichtet

^ns". „Es wäre keine Steigerung, sondern eine Ver- : (84ff.). „Es ist jener Rest der den Menschen ver-