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Ausgabe:

1937 Nr. 4

Spalte:

68-70

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sellin, Ernst

Titel/Untertitel:

Das Alte Testament im christlichen Gottesdienst und Unterricht 1937

Rezensent:

Meinhold, Johannes

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Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 4.

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mit Ausstellungen genug, ganz abgesehen von der im
Vorwort selbst hervorgehobenen Notwendigkeit, in einer
zweiten Auflage die von der Rassenlehre gegebenen Anregungen
aufzunehmen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen
, so danken wir den Herausgebern doch für
das Werk, das eine bequeme Überschau ermöglicht,
leichter eine einheitliche Neubearbeitung erfahren kann,
als das riesige Schwesterunternehmen, bei dem ein gültiger
Rahmen auf lange Zeit zu zimmern ist, vor allem
aber vermöge seiner Preiswürdigkeit in die Hände aller
Interessierten kommen kann und kommen möge, denen
das große Werk sich zu erwerben, ein unerfüllbarer
Wunsch bleiben wird.
Quakenbrück. H. Vorwahl.

We ndel, Dr. theol. Adolf: Säkularisierung in Israels Kultur.

Gütersloh: C. Bertelsmann 1934. (XIII, 407 S.) gr. 8°. = Beiträge
z. Förderung christl. Theologie. Hrsg. von A. Schlatter u. W. Lütgert.
2. Reihe: Sammig. wiss. Monographien. 32. Bd. RM 12— ; geb. 14—.

Es ist ein wichtiger Gegenstand, dessen Behandlung
sich der Verfasser zur Aufgabe gestellt hat. Er teilt
den Stoff folgendermaßen: A. Einführung (über den
Titel „Säcularisierung", das Problem, die Wichtigkeit
der Untersuchung u. a. m.) B. Bindung und Lösung I.
Durchgöttlichung der Welt innerhalb der Typen und
Epochen der israel. Religion. 1. Sacralbereich in der vor-
und unterjahwistischen Religion, 2. Art und Grenzen der
Heiligkeit in der Frühzeit der Jahwereligion, 3. Die
Ausgestaltung in der Folgezeit. IL Die Entgöttlichung
der Welt nach ihren Ausgangspunkten. 1. Dynastische
Säcularisierung, 2. Technisch-mercatorische Säcularisierung
, 3. Kapitalistische Säcularisierung, 4. Klerikale
Säcularisierung, 5. Empiristisch-reflectorische Säcularisierung
, 6. Imitatorische Säcularisierung. III. Wider-
und Neuvergöttlichung durch den Talmud. 1. Die universale
Bindung, 2. Die totale Bindung, 3. Die Freiwilligkeit
der Bindung. C. Rückblick und Wertung.

Schon die Angabe des Inhaltes mit den Worten des
Verf. zeigt zweierlei, einmal, daß er sich eine gewaltige
und große Aufgabe gestellt hat in dem Versuch das
Ringen des Göttlichen oder „Sacralen" mit dem Weltlichen
in dem Verlaufe der israelitischen Religion und
Geschichte darzustellen, dann aber auch, daß er leider
von den Fremdwörtern zu viel Gebrauch macht.
Das ist nicht im Interesse der Klarheit der Darstellung.
Diese vermißt man auch sonst nicht selten, da die
Sprache des Verfassers nicht immer flüssig ist, er vielmehr
eine „schwere Zunge" hat. So z. B. S. 5: Die
Warte dessen, was wir in unserer heutigen Kampfzeit als
Christen wünschen und für recht halten, darf den in
die Vergangenheit gerichteten Blick nicht beeinflussen —
oder Seite 309: Aber dieser Angriff (der Propheten
nämlich) konnte auch eine Vergröberung des Gegenschlages
gegen die verweltlichende Klerikalmacht sein."
S. 356: man denke an den Samgar-Beinamen, den die
ägyptische Göttin Anat nennt (— in Wahrheit doch
eigentl. eine ursprgl. kanaanäisch-syrische Gottheit!
Md —) vorausgesetzt, daß Samgar Israelit ist oder
S. 216: Hier befand sich deutlich die rückschauende Geschichtsdeutung
in ihrem Willen, einerseits das einstige
Vertrauen auf Gott gerechtfertigt erscheinen, aber anderseits
gegen es stehende vorhandene geschichtliche
Tatsachen verarbeiten zu müssen, in einem Dilemma.
Es ließe sich da noch manche Stelle anführen, bei der
man einfachere und schlichtere Ausdrucksweise wünschen
könnte. Doch das ist ja mehr äußerlich. Ebenso,
daß eine große Zahl von Druckfehlern und Versehen
mit untergelaufen sind.

Es versteht sich von selbst, daß bei einem so großen
Stoff, der mit eindrucksvoller Beherrschung der einschlägigen
Literatur behandelt wird, mancherlei Meinungsverschiedenheiten
sich ergeben werden, je nach
dem verschiedenen kritischen Stand der Gelehrten. Wer
z. B. wie ich den Dekalog nicht für mosaisch, sondern
in der prophetischen Zeit entstanden hält, wird und

i muß zur Sache eine andere Stellung einnehmen. Auch
I wird man gegen manche Verwendung dieser und jener
Stelle seine Bedenken nicht unterdrücken können. Wenn
z. B. S. 68 der Bericht aus dem Priestercodex
von der Steinigung eines am Sabbat Holz lesenden Man-
I nes Num. 15,32 ff. als ein Beispiel dafür angeführt
I wird, daß in der „Erstperiode der Jahwereligion" die
„hauptsächlichen Bereiche des Lebens der Israeliten"
sacral vom Jahweglauben überzogen" wurden, so kann
man da gewiß nicht zustimmen, ebensowenig wenn aus
Gen. 23 (Ankauf der Höhle Machpela) entnommen
wird, daß man schon zur Zeit des Abraham Geld
hatte und verwendete. Auch hier redet PC, der ja
nur Geld kannte und das natürlich auf für die Pa-
triarcherzeit voraussetzte (S. 243). Je nach der Stellung
zu den Quellen wird ja die Meinung der Forscher
über den Proceß der Säcularisierung verschieden lauten.
— Anderes befremdet. Inwiefern Rieht. 5, 21 „eine ausgedehntere
Überlieferung anklingen" soll (S. 325), ist
unklar. Daß nach Arnos „das Händlertum im neuen
Volk der Zukunft keinen Platz habe" (S. 240), kann
man schwerlich aus Arnos 9, 12 ff. entnehmen, ganz abigesehen
davon, daß die Herkunft dieser Stelle von
Arnos mehr als zweifelhaft ist. Daß die Weissagung

fegen Babel Jes. 13 tatsächlich dem Jesaja zugeschrieen
wird wie das Wort gegen Tyrus-Sidon K. 23 (S.
92) ist doch verwunderlich. Daß auch Arnos 9,1 ein
Wort gegen den Hochmut der N o t a b e 1 n vorliege
(S. 197 Anm. 5) kann man wirklich nicht behaupten.

Es ist ja nicht verwunderlich, daß man gegen einen
ersten kraftvollen Versuch diesen schweren Stoff zu meistern
, mancherlei Einwände zu machen hat. Das verdeckt
aber keinesfalls die Anerkennung, daß der Verfasser
dieses große und schwere Thema mit großer Kraft,
eindrucksvoller Beherrschung des Stoffes und der Literatur
gemeistert hat. Möge es reiche Anregung zur
weiteren Verfolgung des Gegenstandes geben.

Ich notiere an: S. 145 1. 5) Rudolf Kittel, nicht 4) in den Anmerkungen
. S. 213 Anm. 3) 1. Annalen st. Analen. S. 170 Anm: Jes. 20, 3
st. 30, 3. S. 169, Z. 9 v. o. Fremrfvölker st. Fremvölker. S. 295 Z. 10
v. u. 1. Salomo st. David! S. 355 Anm. 1. 6ab st. /zab. S. 391, Z. 12
v. u. streiche ein: der. S. 291 Z. 17 v. o. 1: Kohanim st. Kochamin u.
a. m.

Bonn. J. Mein hold.

Sellin, Prof. D. Dr. Ernst: Das Alte Testament im christlichen
Gottesdienst und Unterricht. Gütersloh: C. Bertelsmann 1936.
(51 S.) 8°. Kart. RM 1.50.

Diese kleine Schrift Sellins bietet nach einleitenden
Worten (S. 7—10) folgende Ausführungen: 1. die
Bedeutung des Alten Testamentes als heilige Schrift
für die christliche Kirche (S. 11—28); 2. die Einwände
gegen eine Verwendung des Alten Testaments im christlichen
Gottesdienst und Unterricht und ihre Zurückweisung
(S. 29—48); 3. als Anhang: den Aufbau des alt-
testamentlichen Schulunterrichts (S. 49—51). —

Der Verfasser wendet sich in dieser warm und schön
geschriebenen Broschüre nicht an die Viel-zu-vielen, die
das Alte Testament schmähen und verwerfen, ohne es
ordentlich zu kennen, das hat er schon vorher — neben
anderen — getan („Das A.T. und die evangelische Kirche
der Gegenwart" 1922; „Abschaffung des A.T.?" 1932).
Eine sichtbare Wirkung haben diese und ähnliche Schriften
bisher nicht gehabt, weil zumeist der Wille der Gegner
fehlt, sich in die Sache gründlich und ohne Vorurteil
einzuarbeiten. —

Hier wendet er sich an die Kreise, die in „ihrem
Festhalten am A.T. geklärt und gefestigt" werden möchten
. Es handelt sich also um eine Klärung in unseren
eigenen Reihen über die Verwendung des A.T. in christlichem
Gottesdienst und Unterricht (S. 8).

Es ist ja klar: denkt man sich das A.T. ganz fort
aus dem Gottesdienst und dem Unterricht, so würde
das eine große Verarmung bedeuten. Wir haben nichts,
was wir an Stelle der Prophetenworte, an Stelle der