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Ausgabe:

1937

Spalte:

46-47

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Maccabaeorum liber I 1937

Rezensent:

Eissfeldt, Otto

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45 Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 3._46

^ ii , •_, f t-u i „,,m„„tm den Nach- ! die Dubletten, Wiederholungen und Widersprüche wer-

Quellenscheidung aufgeführten Argumenten den wac , ^ K m -Qn Rudol h ein€r Prüw

weis der aufgestellten Thesen zu erbnngen daß es m ; unte „ (S 152_{75) mit dem Ergebnis, daß sicri
der Genesis keine Erzählung gibt, in der ein tauen ^ dj& j,osepjls„e.scj1ich-te als eine literarische Einheit
selbständigen, nur ihm zugehörenden Stoff vorgetragen ^ >>die JKonzepfetion eines Geistes« erweist. Abgei
hatte" (S. 47). beschränken sehen von einzelnen notwendigen kleineren Vers- und
im Rahmen dieser Anzeige müssen J^^J^J^JSShSSi Versteil-Umstellungen, von entstellenden Glossen und
Ä^T«"^ S^,^^^^. Wucherungen undVn „P-Stücken" wird der Fluß der
als „Umdichtung jahwistischer Erzählungen" (so schon Smend) j Erzählung nur an zwei Stellen ernsthaft unterbrochen:
gewertet Damit wird E oder Rd zu einem „Umdichter und Ver- | durcn 46, laß—5a Und 48, 15 f., WO also EinschÜbe
einiger", der zwar bestimmte Tendenzen bei seiner Umdichtung | VQn fremder Hand vorliegen" (S. 176). Diese EinschÜbe
verfolgte, aber nicht mehr beanspruchen könne, als ein zweiter ort- , j,ajjen dje gleiche apologetische Tendenz, wie sie Ulis
ginaler Erzähler (neben J) zu stehen (S. 35). - Wie aber steht , ^ 2Q 21, 8—21, 21, 22—32, 31,2.4—16, 35,1—4. Tentes
mit der Erzählung in Kap. 22, die heute fast allgemein t zu- tr;tt Damit w;rd auch für die josephsgeschichte
geschrieben wird und einen originalen Stoff enthält? Einmal hat S S Fr7;ihler hinfällig Anhancrsweise (S
hier gehon Dillmann auf die Anklänge an den Sprachgebrauch der ttohlSt JÜB' tKaWer_ mnmi^ An^SWeiSC (b

von J hingewiesen, während Kittel und König hier eine Verschmel
zung von E und J annehmen, Sellin und Bruno gehen noch einen
Schritt weiter und vermuten eine jahwistische Grundlage. Volz
weist auf das schwierige Nebeneinander der Gottesnamen hin: fünf'

180—183) schließt Rudolph auf Grund feinsinniger Beobachtungen
, daß die Josephsgeschichte ursprünglich
ein Sonderdasein geführt habe und „von J nicht geschaffen
, sondern fertig in sein Werk eingestellt wurde"

maliges Elohim, aufgewogen durch viermaliges Jahwe (v. 11. 14 a. I 181).

14b. Morija v. 2; vgl. auch v. 16), das sich am besten erklaren Es kann njcht Aufgabe dieser Anzeige sein, sich mit

läßt aus Benutzung einer alten Vorlage e.ner Kult««« » « j rf vorgetrageilen Beweisführung aus einander ZU set-

El-Numcn (Ablösung des Menschenopfers durch das Tieropfer), K K »b in Einzelheiten hei Volz

durch die der Jahwist zum Ausdruck bringen will, daß Abram auch Zeil OrJei dUt ADWeicnuilgen in tinzeineiten Dei V01Z

zum äußersten Opfer für Gott bereit war. So wird von Volz, nach
dem er die Willkürlichkeit der für E sprechenden Argumente aufgezeigt
und Kap. 22 für J reklamiert hat, in geschickter und treffender
Weise Gen 22 als natürliche Fortsetzung und Steigerung
von 12, 1 ff. dargestellt. — Ebenso wie Kap. 22 wird auch Kap. 35
heute fast ganz E zugesprochen, wenn auch nicht mit absolut zwingenden
Gründen. Wir haben es hier aber überhaupt nicht mit
einer Erzählung zu tun, sondern mit einer „Reihe vereinzelter Notizen
" (Holzinger), mit „lose zusammengehäuftem .Geröll', also
auch keiner alten Sage, sondern Redaktorenarbeit" (Gunkel über
35, 1—5). Soweit Erzählungsstoff vorliegt, kann er nach Volz
„ohne jedes Hindernis dem einen großen (jahwistischen) Erzähler
der Genesis zugeschrieben werden", während der geistliche
Bericht v. 1 ff. von J stammen kann oder „wie andere derartige
Berichte der deuteronomistischen Bearbeitung zuzuweisen" sein wird
(S. 134). — Besondere Schwierigkeiten ergeben sich bei dem Verhältnis
des Isaak-Stoffes zum Abram-Stoff. Da Kap. 26 im großen
ganzen aus Wiederholungen der Abramgeschichtcn 12,10 ff. 21, 27 ff.
besteht, ist es nach Volz am wahrscheinlichsten, daß der „Jahwist,
Sammler und Gestalter" (S. 61), diese Varianten in Sein Werk
aufgenommen habe. — Ebenso sei es für J charakteristisch, daß
er solche „erratischen Blöcke" wie die Episode 30, 14 ff., die
einen merkwürdig fremden Geist trägt (vgl. auch 15,2ff. 35,22),
in sein Werk aus der Volksüberlieferung übernommen habe. — In
31,44—54 liegen auch nach Volz zwei Darstellungen vor (vgl.
LXX), aber entsprechend der Gesamtthese, die eine Verteilung
auf mehrere Quellen ablehnt, sieht Volz hier ähnlich wie in Jcr.
19 (vgl. Gen. 11,1—9, 21,22—32, 32,23—32. 34) zwei ursprünglich
selbständige Berichte des gleichen Verfassers, die „auf irgend
eine Weise ineinander geraten" sind (S. 107).

Anhangsweise (S. 135—142) wird über den Erzähler
— nicht den Gesetzgeber! — P gehandelt, wobei
Volz zu ähnlichem Ergebnis wie für E kommt:
daß „P kein Erzähler, sondern ein geistlicher Bearbeiter
und Prediger" gewesen sei (S. 139). Kap. 23 —
die einzige „P-Erzählung",

die keine Parallele hat, also „original" ist — wird mit Eerdimans

und Rudolph hinzuweisen. Wichtig und entscheidend
ist allein die Hauptthese, welche die Herren Verfasser
mit großem Geschick, viel Umsicht und guter Beobachtung
durchgeführt haben. Jede künftige Arbeit an der
Pentateuchkritik wird die hier erhobenen Bedenken gegen
E und P als „Erzähler" ernstlich zu prüfen und für die
Forschung nutzbringend zu verwenden haben.
Berlin. Curt Kühl.

Kappler, Werner: Maccabaeorum Uber I. Göttingen: Vanden-
hoeck & Ruprecht 1936. (146 S.) gr. 8°. = Septuaginta Vetus Testa-
mentum Graecum. Auct. Soc. Litterarum Gottingensis editum. IX, 1.
= 3. Lfg. des Gesamtwerkes. RM 12.60; Suhskr.-Preis RM 9—.

Dem Text des 1. Makkabäerbuches ist eine 40 Seiten
umfassende Einleitung vorausgeschickt, in der die
Textzeugen, die Gruppierung der Textzeugen, die Überlieferung
des Buches als Ganzes und die Anlage des
textkritischen Apparates behandelt werden; eine, die
Erklärung der Zeichen und Abkürzungen enthaltende
Lesekarte faßt ihren reichen Inhalt zusammen und ermöglicht
dem Benutzer, ihn ständig gegenwärtig zu
haben. Während der Verf. bei der Bewertung der lateinischen
und der syrischen Übersetzung und ihrer
Zeugen weithin die Vorarbeiten anderer, bei der lateinischen
namentlich die de Bruynes, benutzen konnte,
steht er in der Gruppierung der griechischen Handschriften
auf eigenen Füßen; in beiden Fällen verdient
sein Urteil Zustimmung. Das gilt auch von den Grundsätzen
, nach denen er die Entscheidung bei der Textherstellung
fällt. Da „wir uns auf keinen unserer Überlieferungszweige
als den unbedingt besten verlassen können
", müssen wir „die wissenschaftlich allein mögliche
Konsequenz ziehen, daß wir bei der Herstellung des
Textes von Mac. I nur mittels des eklektischen Verfah-
Löhr, Eichrödt.'^Hei'nlsch"unter"'selbständiger Begründung p abge- I <"ens, das in der Interpretation seine letzte Kontrollin-

sprochen, während für Gen. 6—8 eine einzige Flutgeschichte (von I stanz hat, dem alten Text nahe kommen können" (S.
J) als ursprünglich angesehen wird, die später für den litur- j 3T). Auch sonst wird des öfteren die Bedeutsamkeit der
gischen Gebrauch innerhalb der Ncujahrsliturgie (durch P) umge- { „Interpretation" betont und geltend gemacht, daß von
arbeitet worden sei. , ihr aus auch ein,e weniger gut bezeugte Lesart einer
Rudolph, der anschließend (S. 145—183) unter glei- ! besser überlieferten vorgezogen werden dürfe (S. 33.
chen Gesichtspunkten die Josephsgeschichte be- 36. 40). Um so merkwürdiger, daß kein Wort über
handelt, kann sich wesentlich kürzer fassen. Hatte doch die Konjekturalkritik gesagt wird, die beim 1. Mak-
schon Nöldeke sich dagegen verwahrt, daß man diese kabäerbuch darum besonders wichtig ist, weil sie an
fließende Erzählung von Joseph nach Quellen zerstük- der Tatsache, daß das Buch die Übersetzung eines he-
kelte, und Gunkel in ZDMG 1922 und besonders Greß- bräischen Originals darstellt, eine bedeutsame Kontrollmann
(Eucharisterion 1923) auf das Versagen der Quel- instanz hat. Und doch hat der Verf. 6,37 Rahlfs' ja
lenkritik für die wissenschaftliche Beurteilung der Jo- ! auch einleuchtende KonjekturxiaaoQtq(A) statt Tpidxovret(Ä)
sephsgeschichte nachdrücklich hingewiesen. Die Ten- ' in den Text genommen, andere Konjekturen etwa
denz ist einheitlich, die sachlichen Differenzen nach zu 5,23, im Apparat verzeichnet und zur Rechtferti-
Holzingcr „spärlich und von geringem Belang. Auch ; gung der Aufnahme des 7,16 allein von S* bezeugten
der Sprachgebrauch (Gottesnamen, Name des dritten xov A.6yov, ov eypaipev avtov in den Text de Bruynes
1 atnarchen, Sonstiges) ergibt keine ausreichende Grund- Wort angeführt: „. . . un hebraisme et demontre l'excel-
lage für eine Quellenscneidung (S. 148—151). Für lence dc^S*" (S. 38). Vielleicht kommt der Verf. in dem