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Ausgabe:

1937 Nr. 2

Spalte:

30-31

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Köhler, Ludwig

Titel/Untertitel:

Theologie des Alten Testaments 1937

Rezensent:

Beer, Georg

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Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 2.

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Er hat ihm ein eigenes Rechtfertigungsschriftchen
beigelegt, einen Druckbogen groß. Als Ankündigender
dieses neuen, in zäher Schnelligkeit erarbeiteten Bandes
, ist man daher in der glücklichen Lage, für das
Wollen gerade bei der Psalmenübertragung eigne Andeutungen
des Übersetzers mit seinem praktischen Werk
vergleichend einsehen zu können. |

Über die Frage der Textwertung und -Behandlung
äußert sich Buber in seinem Schriftchen S. 2:
Dem masoretischen Text „ist der feste Buchstabe anvertraut
, dem gegenüber jede, auch die verlockendste,
Konjektur als Willkür erscheinen muß. Da es schlechthin
keine zuverlässige Methode gibt, hinter den Text,
zu einem ursprünglicheren Wortlaut, zu gelangen, muß
die Übertragung, die das Original vertritt, zum Unterschied
von Kommentaren, die es bunt umsäumen, halten
und übermitteln, was dasteht. Nur in den seltenen
Grenzsituationen, wo ihm Sinn und Zusammenhang
schwer beeinträchtigt, aber durch eine geringfügige Änderung
wiederherstellbar erscheinen, wird der Übersetzer
sich befugt und verpflichtet erachten, sie in der
besonderen Verantwortung seines Amtes vorzunehmen."
Der letzte für den Text verantwortliche Redaktor wird
ja wohl einen Sinn mit seinem Text verbunden haben!
Mit Recht meint daher Buber S. 3 f., daß man diesem
letzten erkennbaren Bewußtsein zu folgen suchen müsse, j
Ebenso richtig ist sein Hinweis auf die Notwendigkeit j
des Achtens auf innerliche Selbstdeutung schwieriger |
Begriffe. So bleibt m iptt» in Ps. 2,12 ohne Verän- j
dermis, übersetzt mit: „Waffnet euch mit Läuterung".
Die meist geänderte Stelle Ps. 63, 2 Ende läßt er auch j
stehen, nur ? bleibt unübersetzt: „Im Heidenland, ohne
Wasser". D^xb D5>b in 74,14 bleibt: dem Wüsten-
spuck-Volk, wo Gunkel z. B. nur einen Buchstaben ändert
und oybj Fraß, liest. Manchmal freilich will es
offensichtlich erscheinen, daß man in dieser Treue gegenüber
dem mas. Text nicht zu weit gehen darf; allerdings
sind diese Stellen viel geringer an Zahl, als man
annehmen möchte. So z. B. Ps. 73, 24: ^arrpnToa "ITOC:
„und künftig nimmst du mich auf in die Ehre." — Das
geht doch wohl nicht!

Zur Metrik äußert sich S. 16: „Metrische Entsprechung
wird nicht angestrebt....., wohl aber wird

versucht, die besondere rhythmische Struktur und Bewegung
des Liedes zu bewahren."

Die Wortwahl verwendet „ungewohnte" Begriffe,
etwa, wenn ein Drüberweglesen unterbunden werden
soll. Aber es sollen dann möglichst wenigstens einmal
früher im Gebrauch befindliche Wörter sein, welche die
deutsche Sprache ,,^ern aus einer vergessenen Kammer"
hergibt. Manche durchgängige und grundlegende Begriffe
sind mit Absicht stets gleich wiedergegeben; -ion
= Huld, p-ix = Wahrbraueh, Wahrheit etc.; ton = j
Treue; v»m = Harm; rus =■ Wahn. Begriffe dagegen, |
die diese Betonung und „Assoziationsdichtigkeit" (S. 11)
nicht haben, wie sn und nn, können an verschiedenen
Stellen verschieden wiedergegeben werden. Es mag noch

interessieren, daß -^.^ mit „glückzu dem.....!" und

nbo mit „Empor!" wiedergegeben ist. "pa wird, ob auf
Gott oder Mensch bezogen, mit „segnen" wiedergegeben.
Es ist ja auch der gleiche Ideenhintergrund, die gleiche
Sache; somit geschieht es mit Recht.

Direkt unverständliche oder für deutsche Ohren anstoßige
Wörter habe ich nicht gefunden. Die Bände
sind stets lebensnäher und freier von „Unformen" geworden
. Man lese einmal einige Psalmen im Verhältnis
zu Genesiskapiteln!

Besonders packend wirkt die Übersetzung, wie schon
in früheren Banden, an Stellen, die dramatisch-lebendige
Schilderung bringen. Als Ü b e r s e t zu n g s be i s p i e 1
mochte ich daher zunächst den ersten Teil von Psalm 2
anfuhren:

Wozu tosen Weltstäinme auf,
murren Nationen — ins Leere !
Erdenkönige treten vor,

mitsammen munkeln Erlauchte
wider IHN, wider seinen Gesalbten:
„Sprengen wir ihre Fesseln,
werfen wir ihre Seile von uns !"
Der im Himmel Thronende lacht,
mein Herr spottet ihrer.
Einst redet in seinem Zorn er zu ihnen,
verstört sie in seinem Entflammen:
Ich aber,

belehnt habe ich meinen König
auf Zion, meinem Heiligtumsberg.
Reich an eigentümlichen, aber gut gewählten Worten
ist der Anfang von Ps. 18:
Ich minne dich,
DU, meine Stärke!
DU, mein Schroffen, meine Bastei,
und der mich entrinnen macht,
mein Gott, mein Fels, an dem ich mich berge,
mein Schild, Horn meiner Freiheit,
mein Steilhorst!
Gepriesen, rufe ich, Du,
schon bin ich von meinen Feinden befreit.
Breslau._Adolf Wendel.

Köhler, Prof. D. Dr. Ludwig: Theologie des Alten Testaments.

Tübingen: J. C. B. Mohr 1936. (XI, 252 S.) gr. 8°. = Neue theolog.
Grundrisse. RM 8.50 ; geb. 10.20.

Köhler führt wie Sellin (in einem gleichnamigen
Werkchen 1933) die Theologie des A.T. unter den aus
der Dogmatik bekannten 3 Schematis: Theologie, Anthropologie
und Soteriologie vor. Den Kult glaubt K.
nur als Anhang zur Anthropologie bringen zu können.
Aber richtiger stellt ihn Sellin in die Soteriologie ein.

Ich will hier nicht prinzipiell die Frage erörtern,
ob es angeht, den religionsgeschichtlichen Gesamtstoff
des A.T. unter den 3 obigen Kategorien zu behandeln.
K. kann sich für sein Verfahren auf Dillmann, Schultz,
Sellin und Eichrodt berufen. Aber Dillmann und Schultz
stellen dem systematischen Teil einen historischen voran,
den Sellin in einem Sonderbändchen „Israelitische und
jüdische Religionsgeschichte" darbietet, das eine Einleitung
und Ergänzung seiner Theologie des A.T. sein
soll. Schließlich nähern sich auch Marti, Stade, Kautzsch
und Hölscher in ihren bekannten Darstellungen der
At.lichen Theologie, obwohl sie den ganzen Stoff nach
den Hauptepochen der kulturellen Entwicklung Israels
! gegliedert vortragen, an Köhler an, indem sie des öfteren
| die 3 Leitgedanken K.'s zur Ordnung des Materiales
in den Unterabschnitten verwenden. Dem historischen
Gewissen wiederum trägt K. Rechnung, indem er die
3 Teile seines alttestamentlichen Lehrgebäudes geschichtlich
unterbaut.

In der Ausstattung der Ober- und Unterteile seines
Buches gleicht K. einem Hausbesitzer, der seinen Mietern
ein behagliches Wohnen ermöglichen will.

K. hat sein Buch für Studenten geschrieben. Aber
auch der Fachgenosse wird manches Anregende und
Fördernde d arin finden. Dem Fachgenossen gelten u. a.
die Anmerkungen S. 231—245. Daraus notiere ich S.
241 Anm. 123 die hübsche Zusammenstellung von ">'ä
mit arab. sawida „schwarz sein". Wie diese Etymologie
verdankt K. dem feinsinnigen Arabisten J. J. Heß
auch S. 234, 40 die Angabe, daß die Midjaniter einst
bis an den Ostrand des Nildelta zelteten. Denn der
midjanitische Stammname rttrs entspreche dem gaipha
bei Belbeis auf der Strecke Kairo—Zagazig. S. 8 (232
12) tritt K. wiederum (wie u. a. schon ZATW 1932'
183) als Hornissentöter auf. runx im A.T. soll nämlich
nicht die Hornisse, sondern die Entmutigung bedeuten
, wie des öfteren schon vor K. (cf. Gesenius, Thesaurus
s. v.) behauptet worden ist. Allenthalben'merkt
man K.'s Theologie des A.T. an, daß der Verfasser
emsig an der Neuauflage des Hebräischen Lexikon Oese-
nius-Buhl schafft. Dahin weisen u. a. die häufigen
Zahlangaben über das Vorkommen eines bestimmten
Wortes oder Wortgefüges im A.T. Z. B. Vom Geist
Jahwes spricht das A.T. etwa 30 mal und vom Geiste
Gottes etwa 15 mal (S. 96). Oder man vergleiche S. 18.