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Ausgabe:

1937 Nr. 24

Spalte:

447-448

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schlier, Otto

Titel/Untertitel:

Das Christuszeugnis des Alten Testamentes 1937

Rezensent:

Fascher, Erich

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Seite 1

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.447

Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 24.

448

göttlichen Wortes teilhaftig, das der Heiland zum Pharisäer
sprach: Du bist nahe dem Reiche Gottes" (S. 195).
Wir betonen zwar die Gegensätzlichkeit zuerst und mit
Fug, aber dahinter wollen wir mit dem Verf. auch die
verborgenen Spuren des Gottesreiches nicht übersehen.
— So wird in diesem Buch im Katholischen allenthalben
echt Christliches lebendig. Die Geschichte kommt her
von Gott, führt hin zu Gott; Christus die entscheidende
Mitte usw. Überhaupt darf vom gut-apologetischen Charakter
des Buches geredet werden. Wie besonnen erörtert
Verf. (im 8. Kap.) z. B. vom christlichen Glauben
aus die Frage der Prähistorie, des Urmenschen oder
setzt er sich mit dem pessimistischen wie dem optimistischen
Eschatologismus auseinander! — Sehr aktuell
ist die Aussprache über das geschichtliche Heute und
seinen Krisencharakter, desgleichen über die kommende
Wende. Verf. meint, daß die das 16. bis 19. Jahrhundert
umspannende Epoche mit ihrem Individualismus
zu Ende gehe, seine Hoffnung ist, daß die: Religionserneuerung
des 16. Jahrhunderts mit ihren Auswirkungen
im Verschwinden begriffen sei (S. 277). Tatsächlich
wird heute wie der Protestantismus, so nicht minder
der Katholizismus einer Feuerprobe ersten Ranges
unterzogen, und es besteht für niemand ein Grund,
bereits Siegeslieder anzustimmen. — Eindrucksvoll ist
jedenfalls die Zeichnung der heutigen Lage, ist der weltgeschichtliche
Ausblick auf das Ende der Vorherrschaft
der europäischen Völker, die Erwartung kommender
großer Wertverluste und vieler Leiden. Verf. sieht der
Zukunft tapfer entgegen; er verwirft ein ängstliches Zurückschauen
, er fordert den positiven Anschluß an die
Geschichtsphase, in der wir stehen; er nennt es die
Aufgabe des Heute, den geschichtlichen Gehalt des
Übermorgen rückhaltlos zu bekennen und auf sich zu
nehmen.

Tübingen. Wehrung.

K a u p e I, Dr. Heim.: Die antisemitische Bekämpfung des Alten
Testaments vom Standpunkt katholischer Bibelbetrachtung beleuchtet.
Hamburg 1: A. Lettenhauer 1933. (48 S.) 8°. RM —50.

Schlier, Otto: Das Christuszeugnis des Alten Testaments.
Heidelberg: Ev. Verl. 1936. (47 S.) 8°. RM--60.

Durch die Bekämpfung des AT. sind in den letzten
Jahren mancherlei sachkundige Federn in Bewegung
gesetzt worden, um vom streng wissenschaftlichen Gesichtspunkt
aus die Notwendigkeit seiner Erhaltung für
Theologie und Glaubensleben darzutun. Ich will nur
auf Namein wie Hempel, Meinold, Sellin, Begrich und
E. Hirsch verweisen. Über dieser rein fachlichen Literatur
soll man die große Flut von Broschüren nicht vergessen
, weiche demselben Thema gewidmet sind. Zumeist
handelt es sich dabei um gedruckte Vorträge, das
ist auch bei den hier genannten Schriften der Fall.
Beide verleugnen ihren Gelegenheitscharakter nicht, insofern
sie anstatt gründlicher Behandlung eines Gesichtspunktes
die Reihe von Gründen zusammenstellen
, welche uns das AT. als noch wertvoll und unentbehrlich
erscheinen lassen. Überraschend wirkt dabei
auf den Leser, wie stark doch zwischen katholischer
und evangelischer Betrachtung eine Annäherung in der
Wertung des AT. stattgefunden hat. Daß der protestantische
Theologe — sich an den Grundsatz Luthers
haltend —• es dem NT. nicht gleichachtet und es nur
insofern für wertvoll hält, als es Christum treibt, wird
uns nicht weiter verwundern. Auch seine Ablehnung
allegorischer Exegese wird man durchaus teilen. Wenn
aber der katholische Gelehrte dieses lutherische Deu-
tungsprinzip als unzulänglich empfindet, weil dadurch
der Willkür des Einzelnen zuviel Raum gegeben werde,
so kann er doch nicht umhin zuzugeben, daß sich
in der nichtinspirationsgläubigen liberalen Exegese viel

Schönes finde, das auch der Katholik mit Nutzen verwenden
könne (S. 6), wie er auf der anderen Seite von
seiner Kirche gestehen muß, daß sie „um den unvollkommenen
, vorbereitenden Charakter des AT. selbst
weiß" (S. 27). Stellt Kaupel die starke Verflochtenheit
des AT. mit der Liturgie heraus, so weist Schlier
mit Recht darauf hin, wieviele seiner Gedanken als
geflügelte Worte in den deutschen Sprachschatz übergegangen
sind. Daneben finden sich überraschende Parallelen
(vgl. Schlier S. 10, Abs. 3 mit Kaupel S. 27,
Abs. 2, Schi. S. 30 mit Kaupel S. 38 die Gestalt Nehe-
mias; Schlier S. 34ff. mit Kaupel S. 37 Wert des
AT. für den Gedanken des Volkstums, Schi. S. 40 mit
K- S. 39 Einfluß alttestamentlicher Gedankenwelt auf
das Kirchenlied und die Musik im Allgemeinen). Man
sieht daraus, wieviel gemeinsame Gesichtspunkte sich
aus der Situation der Verteidigung für beide Konfessionen
ergeben. Daß beide über der Fülle der Einzelargumente
die Hauptlinie im Gottesgedanken nur andeuten
können, entspricht dem Gelegenhettscharakter dieser
Schriften, deren Lektüre weiteren Laienkreisen nur zu

j empfehlen ist. Nur zwei Dinge möchte ich bei Schlier
beanstanden: Der Moses Michelangelos dürfte uns den
Respekt vor dem geschichtlichen Moses nicht erzeugen
(S. 24) und über die stark jüdisch empfundenen Stellen
in den Psalmen dürfen» wir nicht hinweglesen (S. 28);
denn einem ernsthaften religiösen Gegner gegenüber

i hilft weder die Flucht in die Kunst noch die Haltung
eines Als ob.

Je mehr wir — Versäumtes von Generationen nachholend
— hier wissenschaftlicher Erkenntnis Raum geben
, desto eher dürfen wir hoffen, auch die ewigen reti-

! giösen Werte respektiert zu sehen.

Jena. Erich Fascher.

Soeben erscheint:

Der Aufstieg des

Assy rerreichs

als geschichtliches Problem

von

Dr. Wolfram Frhr. von Soden

ord. Professor an der Univ. Göttingen
43 Seiten, mit 1 Kurte und 8 Taf. 8°. RM 3—
Der Alte Orient. 37. Band, Heft 1/2

Durch seinen jahrhundertelangen Bestand nimmt das Assyrer-
reich unter den Großreichen des alten Orients eine besondere
Stellung ein, die zu erklären eine der wichtigsten Gegenwartsaufgaben
der Orientforschung bedeutet. Da das kleine
assyrische Stammland durchaus kein natürlicher Mittelpunkt
eines Großreiches ist, können die Wurzeln der Reichsbildung
nur in der Eigenart assyrischen Volkstums und der Kraft
in ihm lebendiger Ideen gesucht werden. Aus dieser Erkenntnis
heraus geht der Verfasser der verwickelten Rassenschichtung
im Assyrervolk nach und sucht die entscheidenden
Ereignisse sowie die Staatsgestaltung des Reiches aus
den wechselnden rassischen Gegebenheiten und der Wirksamkeit
bestimmter Ideen zu verstehen. Dem verhängnisvollen
Versagen der assyrischen Politik Babylonien gegenüber
wird ein eigener Abschnitt gewidmet. Zahlreiche Abbildungen
neuerer Funde ergänzen wirkungsvoll den Inhalt des Heftes.

e

J. C. HINRICHS VERLAG / LEIPZIG C 1

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 4. Dezember 1937.

Verantwortlich: Prof. D. W. Bauer in Oöttingen, Düstere Eichenweg 14.
J. C. Hinrichs Verlas.', Leipzig C 1, Scherlstraße 2. — Druckerei Bauer in Marburg.