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Ausgabe:

1937

Spalte:

433-436

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Mühlmann, Wilhelm E.

Titel/Untertitel:

Rassen- und Völkerkunde 1937

Rezensent:

Vorwahl, Heinrich

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkung von Prof. 1). HERMANN DÖRRIES, Göttinnen, und Prof. D. Dr. GEORG WOKBEÜMIN, Berlin

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D.WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt, bearbeitet von Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, und Bibliothekar Lac. E. STEINBORN, Berlin.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und gelehrte Mitteilungen nind auüchliefilich an Professor D. ßAUKK in Güttingen, Düstere Eichenweg 14, zu senden,
KeKenoion-exeniplarr ..•>■-• h I i <■ :■ ! i ■ h an den Verlag. Gewähr für Besprechung von unverlangt genaniKen Rezensionsexemplaren
, besonder« noch bei Zuwendung nach Göttingen, kann nicht übernommen werden.

Frinted in Germaoy.

J. C. HINKICHS VERLAG, LEIPZIG Cl

62. JAHRGANG, Nr. 24 20. NOVEMBER 1937

Spalte

Heussi: War Petrus In Rom? (Molland). 439
— War Petrus wirklich römischer Märtyrer?

(Ders.)...................439

Kaupel: Die antisemitische Bekämpfung

des Alten Testaments (Fascher)......447

Lietzmann: Petrus, römischer Märtyrer

Spalte Spalte
(Molland).................. 439!Schütz: Gott in der Geschichte (Weh-

Mühl mann: Rassen- und Völkerkunde

(Vorwahl)..................433

Rechcrches theologiques (Kalthoff)......436

Schlier: Das Christuszeugnis des Alten
Testaments (Fascher)............447

rung)....................445

Schurr: Die Trinitätslchre des Boethius im
Lichte der „skythisclten Kontroversen"

(Niebergall).................444

Zukunflswege nordischer Feuerehrung (Vorwahl
) ....................438

Mühl mann, Wilhelm. Rassen- und Völkerkunde. Lebenspro- deutung der Ruhe einer geschlossenen Weltanschauung
bleme der Rassen, Gesellschaften und Völker. Braunschweig: Vieweg (Bericht Über den 14. Kongreß f. dt. Psychologie 1934,
& Sohn 1936. (VIII, 596 s., 206 Abb. auf 76 Taf., 33 Textabb. u. s. 186) als fermentbildenden Faktor für die Lebeuslei-
zahlr. Tab.) gr. 8". RM 44-; geb. 48-. slung Von interesse ist auch Mühlmanns Feststellung,
In einer bestimmten religiösen Form, dem west- daß der Pfarrerstand sich zu einem Drittel aus sich
fälischen oder sizilianischen Katholizismus den symbo- selber rekrutiert, während weitere 21o/0 aus Schul- und
lischen Ausdruck verschiedener Rassen zu sehen, mag , Bildungswesen stammen. Die Bedeutung der Paarungs-
einem künstlerisch schauenden Geist genügen. Wenn siebung macht er an amerikanischem Zahlenmaterial
wir aber sagen sollten, welche Erbanlagen die eine deutlich, nach dem von 1000 hervorragenden Gelehroder
die andere Form des Katholizismus „hervorrufen", ten, die 25o/o Wissenschaftler unter ihren Verwandten
würden wir in Verlegenheit geraten. Es würde daran hatten, die Frauen den gleichen Prozentsatz Wissen-
die Einsicht dämmern, daß die Bedingungen und Fak- schaftler unter ihren Verwandten aufwiesen. Scheint
toren komplizierter sein müssen, welche diese Erschei- aiso Homogaiuie heute die Regel zu sein, so befriedigt
nungen bestimmen. So begründet der am Hamburger Mühlmanns Erklärung für die im Totemismus wie Alten
Museum für Völkerkunde tätige Verfasser das Recht Testament geforderte Exogamie wenig, daß nämlich der
der völkerkundlichen Betrachtung, die neben den Kraf- Frauenaustausch zwischen zwei verschiedenen Gruppen
ten von Blut, Boden, Nahrung, Handel und Verkehr, Frieden und Freundschaft zwischen ihnen sichere. Hier
Staatsleben und Wissenschaft auch die Bedeutung des scheint wieder der weltanschauliche Gesichtspunkt außer
religiösen Faktors für die Anthropologie ausdrücklich Acht gelassen ZU sein, den man m. E. am leichtesten in
würdigt. Eines der eindruckvollsten Beispiele der Sie- der Absicht magischer Verdoppelung der Stammespoten-
bung und Auslese religionssoziologischer Art ist die Ver- zen suchen darf, wie ich versucht habe nachzuweisen
treibung der Hugenotten aus Frankreich und ihre Aus- (Deutsche medizinische Wochenschrift 1923 Nr. 12).
breitung in Holland, England und Deutschland. Ihr rjie Ausmerze der gebildeten Stände, soweit sie
Ausfall griff in die Wirtschaftslage Frankreichs aufs durch ihr höheres Heiratsalter erfolgt, erscheint Mühlschwerste
ein, denn er ruinierte den Stand der indu- mann als notwendige Folge des Wissensapparates der
Strießen Arbeiter. Holland nahm die besten Kaufleute abendländischen Bildung, auf dessen Umfang zu ver-
unil Handwerker auf. Die Vermehrung der produktiven zkhten die Kompliziertheit des Lebens nicht gestatte.
Bevölkerung gab die Grundlage für die spätere preu- ' Wenn der mittelalterliche Adel seine nachgeborenen
Iiis che Kriegsmacht, deren Aufstieg mit der slawisch Söhne vielfach ins Kloster schickte, ist das nach Mühluntermischten
Bevölkerung allein kaum möglich gewe- mann keine speziell christliche Wirkung, sondern hängt
sen wäre. mit der sozialen Struktur mancher Aristokratien zusam-
Mühlmann vertritt auch den Einfluß des religiösen men. Allerdings gibt er die Ansicht Summers wieder,
Bekenntnisses auf die Kinderzahl und führt besonders daß die mittelalterliche Siebung aufrichtige Kirchenmän-
den Kinderreichtum der Franko-Kanadier auf ihre Zu- ner und gerade Denker vernichtet und statt ihrer eine
gehörigkeit zur katholischen Kirche zurück. Wie in der Klasse von Heuchlern und unterwürfigen Feiglingen kul-
Kinderzahl ist in der Bedeutung als Quellort von Hoch- tiviert habe. . Doch ist er sich auch des von Ichheiser
Ieistungen das evangelische Pfarrhaus soziologisch wich- hervorgehobenen Widerspruchs zwischen den Erfolgs-
tig, denn von 1641 deutschen Gelehrten bis zum Ende legenden (Der Tüchtige setzt sich durch) und den tat-
des 19. Jahrhunderts stellte das evangelische Pfarr- sächlichen Erfolgsmechanismen (Reklametrommel) behaus
861 = 52o/0, das Arzthaus nur 210 = 12o/o. Bei wüßt, die den Siebungsordnungen anhaften. Die Staaten-
der sächsischen Untersuchung der mittleren Schülerlei- bildung hat nach Mühlmann ihren typischen Fall in
stungen in ihrem Verhältnis zu den Berufen der Väter der Überlagerung von Großviehhirten über Feldbauern,
erhielten die Pfarrer mit 74o/0 den ersten Platz. Mühl- wobei die Grundsätze der Viehhaltung nunmehr auf das
mann erklärt diese Tatsachen damit, daß hier das Eltern- Halten von Menschen angewandt wurden und die Behaus
die Siebungsfunktion von Schule und Kirche mit Zeichnung des Königs als „Hirten der Völker", wie sie
übernahm, d. h. praktisch mit der sorgfältigeren Er- aus dem alten Orient geläufig ist, nicht nur Bild, sondern
Ziehung, übergeht aber die von Fr. Giese erkannte Be- Tatsache wurde. Die übertriebene Heilighalttmg des Für-

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