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Ausgabe:

1937 Nr. 23

Spalte:

415-417

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schlatter, Adolf

Titel/Untertitel:

Die Kirche der Griechen im Urteil des Paulus 1937

Rezensent:

Jeremias, Joachim

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415

Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 23.

416

9,12; S. 302 Hiob 14,3; S. 212 Jes 8,12; S. 214
Gen 49,4 usw. Bei manchen Vorschlägen ist W. entgangen
, daß andere sie schon vor ihm gemacht haben,
oder er hat vergessen, dies zu vermerken; auch z. B.
Ps. 29,9; 47, 10.

Als beachtlich sei vermerkt: Jes 18,2.7 b°zer „am
Rande (der Ströme)"; Am 6,6 s. o.; Thr 2,5; Hagg
1,10 mätär; Hab 3,17 gäzäh (von güz); Am 8,3;
Hos 12,1'; Ez 7,17; Hiob 34,24 (gl. G); Prov 14,21
(cf. G) leräsim besser als BHK3; Hiob 39,25 bereac;
Sach 8,15 häsabti (so aber auch G); Prov. 15,19 kasirim
(besser als BHK3); Hiob 20,23. Erwägenswert ist
auch re'sit statt seeritMi 4,7. Dazu kommen eine Reihe
guter Auflösungen von G, wie etwa Jer 10,2; Hos
10, 4; Mi 4, 5; Sach 2,10 u. a. m.

Wenn auch aus der Fülle des vorgetragenen Textmaterials
nur ein Teil brauchbarer „Besserungen" herausspringt
, so leistet W. uns jedenfalls den Dienst,
auf viele noch ungelöste Textfragen hinzuweisen, und
das in manchen Fällen auch da, wo er selbst zu verstiegenen
und abzulehnenden Lösungen greift. Denn
darin stimmen wir ihm zu: es gibt keine echte Korrektur
des M-Textes, die sich der genauen Rechenschaft
über den Versionenbefund, speziell der G, entzieht. Peinlichste
Sorgfalt ist nötig. W. selbst sei Zeuge gegen
W.; in der als Musterbeispiel S. 469 vorgeführten
Stelle wird über „zö'ön" in G völlig hinweggegangen,
und da liegt der Ansatz für die Fehllösung. Nicht
überzeugt bin ich von der Richtigkeit einer These, die
für die textkritische Arbeit d. Vf. von entscheidender
Bedeutung ist: bei gleichem Konsonantenbestand und
abweichender Vokalisation in M und G liege stets ein
Konsonantenfehler vor. Weder die anschließend gebrachten
Beispiele noch voraufgehende im Text haben dafür
Eindruck gemacht. Eines zur Probe: Sach 9, 1 M menu-
hätö, G thysia autou minhätö; W.: munaddötö „das
Wort J's erging im Land H. und D., die ihn verstoßen
haben"; wozu?

Die Liste der 17 Corrigenda auf S. 484 ließe sich leicht auf eine
stattliche dreistellige Zahl bringen. Ich notiere nur ein paar Stellenangaben
mit Fehlern. Hos. 13, 11 1. 13, 1; Am. 6, 13 1. 6, 3 (S. 18);
Mi. 1, 15 1. 1, 14 ; 2,12 1. 2, 11 (S. 264) ; 6,10 1. 6,9 (S. 302) ;
Zeph. 1, 3 (S. 567) füge hinzu: 335; Mal. 3, 18 I. 3,8; Hiob 10, 11
f. 10, 12 (S. 262); 31, 34 1. 31, 33 ; 39, 40 1. 39, 30 (S. 298); Prov. 13, 4
(S. 550) füge hinzu: 247; 13,9 i. Index z. Str., dafür 12,9 255.
Steeg. F. Horst.

Schlatter, Adolf: Die Kirche der Griechen im Urteil des

Paulus. Eine Auslegung seiner Briefe an Timotheus u. Titus. Stuttgart
: Calwer Vereinsbuchh. 1936. (272 S.) 8°. RM 7.50; geb. 10-.

Es ist schlechtweg erstaunlich, welche Arbeitskraft
Adolf Sehlatter, der nunmehr 85jährige, besitzt. Seit
1929 hat er uns Jahr um Jahr einen neuen Kommentar
geschenkt: Der Evangelist Matthäus 1929; Der Evangelist
Johannes 1930; Das Evangelium Lukas 1931 ;
Der Brief des Jakobus 1932; Paulus, der Bote Jesu
Christi (Korintherbriefe) 1934; Gottes Gerechtigkeit
(Römerbrief) 1935; Markus, der Evangelist für die
Griechen 1935; Die Kirche der Griechen im Urteil des
Paulus (Pastoralbriefe) 1936 — und zur Zeit warten
wir mit Spannung auf seine in Bearbeitung befindliche
Auslegung der Petrusbriefe. Welche Bedeutung diese
Kommentare, namentlich die zu Mth., Lk., Rm., Kor.,
für die neutestamentliche Forschung gleicherweise wie
für die Verkündigung der Kirche besitzen, das liegt so
offen zu Tage, daß darüber Worte zu verlieren überflüssig
wäre. Ref. glaubt daher, seiner Aufgabe dadurch
am besten gerecht zu werden, daß er an Hand von
ganz knapp gefaßten Einzelbelegen einen Eindruck von
der Schl.'schen Auslegung der Past. zu geben versucht
.

1. Exegese. I.Tim. 1,2 (25) ev motei: kausales ev, wie sehr
oft bei Paulus. — I 1,3f. (26f.): Die Wiederholung des mündlich gegebenen
Auftrags erklärt sich daraus, daß Tim. erwartet, der Brief werde
ihn zu Paulus rufen. — I 1,4 (36. 123) iiOfJm: Aus- und Umdeutun-
gen der Schöpfungsgeschichte. — I 1,7 (44) Hflovzec,: ironisch „es

I «nacht ihnen Vergnügen". — I 1,13 (57) ußpicrrrl?: Paulus war an
I der Geißelung von Christen beteiligt. — I 1, 18 (67): die segnende
Handauflegung wurde vor der Übernahme neuer Aufgaben wiederholt.
— I 2,7 (81) ev juctei zai dtafOetty: kausales ev. — 1 3, 13 (108 f.)
ev juotei tfj ev XotoT(T) It|O0ü : beide ev kausal. Der Vers wendet
1 sich gegen eine durch die Gnosis geförderte Geringschätzung der (an
j der theologischen Diskussion nicht beteiligten) Diakonen. — I 4, 1 (117)
öiöaoxaMai öaiuxrviwv: die Dämonen schaffen von Anfang an in der
Menschheit Religionen. „Die Religiosität, die die Kirche verwirren wird,
wird also ein heroisches Unternehmen sein". — I 4, 10 (128) u.d).i<rru
juotcüv: die Scheidung der Gläubigen von der Menschheit ist vom Chi-
1 liasmus her zu verstehen! — I 5, 3 (137) f| ovxcoq xT'lQa: mr wich-
I tigstes Kennzeichen ist der definitive Verzicht auf die Ehe; ihr Dienst
an der Gemeinde besteht im Gebet. — I 5,13(144) jteqieqvoi: deutet
auf zauberische Experimente, Beschwörung z. B. bei Krankheiten (vgl.
Act. 19,19). — I 5, 17 (147) jtqeo'p'uteqoi : ist nicht Amtsbezeichnung.
I — I 6, 12 (167) dvAvtt ti"|<; nfafettg: gen. epexeget. vgl. II 4,7. —
I 6,20 (174) ävTiÖEOEig: der Gebrauch der Formel durch Marcion als
Buchtitel zeigt nur, daß sie im Schulgebrauch außerhalb und innerhalb
der Kirche geläufig war. — Tit. 1,5 (178): s.o. zu I 1,3f. —
Tit. 1,6 (182) TEjcva: es ist an erwachsene Kinder gedacht. — Tit. 1,7
(183): e silentio ist zu schließen, daß es in den kretischen Gemeinden
keine Diakonen gab. — Tit. 1,11 (185) olv.ov<;: man hat ihnen das
Wort in den Gemeindeversammlungen verweigert. Mit der Geheimwissenschaft
verbindet sich der Zauber (a ui] oei vgl. ob. zu I 5, 13).
| — Tit. 2, 7f. (192) ücpdopiuv . . .: die Akkusative geben den Inhalt
der Lehre. - Tit. 3, 1 (199): ÖQyni sind ständige Beamte, EHouoiai
solche mit besonderer Vollmacht. — Tit. 3, 11 (208) EtEOTorutTai: falls
passivisch (nicht medial) zu verstehen, ist das Passiv Umschreibung des
Gottesnamens. — Tit. 3, 12 (180) NixcctoXic, : Paulus scheint nach
Westen (Italien oder Dalmatien) vordringen zu wollen. — II. Tim. 1,12
I (225) TTyv jtaoai'h'|y.t|v uou: Paulus hat .seine Rettung, sein Recht,
j sein Leben, dem Christus anvertraut". - II 1,15 (228f.) toivte? : alle
Führer der Kirche der Asia haben Paulus die Gefolgschaft aufgesagt,
i Als Grund wird vermutet: weniger der Widerstand des Apostels gegen
die Gnosis (dagegen spricht der aus Apk. 2, lff. erkennbare Zustand der
Gemeinden der Asia) als das Bestreben, die zerstreuten Orts- und Landeskirchen
zu einer Gesamtkirclie zu vereinigen (Luk., 1. Pt. 1,1;
I 2. Pt. 3, 15 f.), das eine Lösung von Paulus in sich schloß. — II 2, 9
(235) ev <T): kausales ev. — 11 2, 14 (239) Aoyou.u;(eiv: gegen die
l Bemühungen um den Gewinn heiliger Formeln gesagt. — II 3, 6 (253)
I obüac,: s. zu Tit. 1,11. — II 4, 8 (264) dbtÖxsiTCU: „auf die Seite
gelegt" seil, für die Parusie; 6 tfj? oimiOöVrvrii; OTerpavoc,: gen. epexe-
! get. Das somit sich ergebende Nebeneinander von öixaioonvn, und
i öixcuog xqiti'ic entspricht dem Grundgedanken des Rm., daß Gott sich
in der Rechtfertigung des Glaubenden als den Gerechten offenbart. —
An manchen Stellen wird man Fragezeichen setzen müssen. I 1, 12 ff.
53 ff.): daß die Verse Angriffe auf die Person des Apostels abweisen,
J der als ehemaliger Verfolger des Apostolats nicht würdig sei, ist mit
| nichts angedeutet. — I 1, 13 (58 A. 2): Kann man wirklich sagen, „daß
I Paulus nur das, was er als Jude getan hatte, als Sünde richtete; daß
j er auch innerhalb seines apostolischen Wirkens gesündigt habe, lehnte
er immer ab" ? Zum mindesten hat sich Paulus vorsichtiger ausgedrückt
1. Kor. 4,4; Phil. 3, 10. 11. 12. — I 1, 15 (61): gegen die Ver-
i mutung, juotÖc, 6 köyoq ... sei Gräzisierung des alten palästinischen
Amen spricht die Stellung vor dem Zitat I 1, 15b. — I 2,9 (88) |ir|
Iv jt/tEynuaiv: Verzicht auf das Kopftuch ? Das wäre deutlicher ge-
! sagt worden. - I 2, 11 (88) ev ticjuxuj: „kann nicht heißen, sie lerne
I schweigend". Dagegen die Belege bei Bauer, Wörterbuch '' 582. —

I 3, 16 (114) EcW.uioVÖT]: die Erscheinung im Fleische bedurfte der
j Rechtfertigung, weil sie Jesus in Gemeinschaft mit den Sündern brachte?
j Doch in erster Linie: der Schmachtod ! — I 5, 4 (138 f.) uavi)uvET(oo«v

und 5,8 (140) xi?: Subjekt sind die Witwen und die Kinder? —
Tit. 3,2 (200) (ir|ÖEva ßaaqyr(iEiv: gegen Lästerung fremder Götter
j und Kulte? — II 1, 1 (211 vgl. 217. 267): Timotheus ist in Ephesus?
Dagegen 4,12 (ei; "EcpEOOv); 4,20 (ev MMxif>), auch 1,15. —

II 1,3 (213): der o>?-Satz gibt den Gegenstand des Dankes? Das wäre
I ein im NT singulärer Gebrauch von (!><;. — II 2, 6 (233) töv xomoivra
i ye<o0Y()v srowTov . . .: Paulus hat das erste Recht auf Timotheus?
! Aber wie die Bilder in V. 4 und 5, bezieht sich auch dasjenige vom

Landmann V. 6 auf Timotheus, nicht auf Paulus! — II 3,15 (258)
j dbtö ßoEcpouq: im Gegensatz zu den Irrlehrern gesagt, denen „das Alte
; Testament fremd" war? Aber S. 36 hat Schi, selbst gezeigt, daß ihre
i Mythen und Genealogien (I 1,4) Ausdeutungen der alttest. Schöpfungsund
Erzvätergeschichte sind. —

2. Echtheit und Chronologie. Auch hier seien ganz knapp
einige wichtige Beobachtungen Schi.'s notiert. S. 19—21.256: Die vollständige
Übereinstimmung von II 3, 11 mit Act. 13 f. einerseits, die Abweichung
der Situationsangaben der Past. von Act. 20—28 andererseits
schließt Benutzung der Apostelgesch. durch den Verf. der Past. aus. —
S. 30: Der Bruch mit der Gnosis ist noch nicht erfolgt. Wir stehen
i noch in der Zeit vor Kerinth. — S. 33 A. 2: An keinen der in den
; Briefen genannten neuen Führer der griechischen Gemeinden hat sich
I in der Literatur des zweiten Jahrhunderts irgendeine Erinnerung er-