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Ausgabe:

1937

Spalte:

409-415

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wutz, Franz

Titel/Untertitel:

Die Transkriptionen von der Septuaginta bis zu Hieronymus 1937

Rezensent:

Horst, Friedrich

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Theologische Literaturzeitung

BEGRÜNDET VON EMIL SCHÜRER UND ADOLF VON HARNACK

unter Mitwirkuni; von Prof. D. HERMANN D Ö R RIES, Göttinnen, und Prof. I). Dr. G EORG WOBBERMIN, Berlin

HERAUSGEGEBEN VON PROFESSOR D. WALTER BAUER, GÖTTINGEN

Mit Bibliographischem Beiblatt, erarbeitet von Bibliotheksrat Lic.Dr.phil. REICH, Bonn, und Bibliothekar Lic. E. STEINBORN, Berlin.

Jährlich 26 Nrn. — Bezugspreis: halbjährlich RM 22.50

Manuskripte und pclehrtr Mitteilungen wind autschliefilich an Profeisor I). BAUER in Güttingen, Düstere Kichenweg 14, zu senden,
Rezensionsexemplare ausachliefilich an den Verlag. Gewähr für Besprechung von unverlangt gesandten Rezensionsexemplaren
, betonditb noch bei Zusendung nach Göttingen, kann nicht übernommen werden.

Printed in Germany.

J. C. HINRIGHS VERLAG, LEIPZIG Gl

62. JAHRGANG, Nr. 23 6. NOVEMBER 1937

Spalte

Aalders: Het geweten (Schowalter). . . . 428
Auslanddeutschruin und evangelische Kirche.

Jahrbuch (Usener).............426

Acta Conciliorum Oecumenicorum (Koch) .417
Fror: Was heißt evangelische Erziehung

(Schräder).................430

Gogarten: Gericht oder Skepsis (Thielicke) 418

Spalte

M i e: Die Denkweise der Physik und ihr
Einfluß auf die geistige Einstellung des
heutigen Menschen (Bavink)........430

R i 11 e r b o s: De strekking der Bergrede naar
Mattheüs (Schowaltei)...........428

Schlatter: Die Kirche der Griechen im
Urteil des Paulus (Jeremias).......415

Spalte

Schowalter: Deutschgläubige Schlagworte
evangelisch beleuchtet (Fascher)......432

Van de Pol: De kerk in het leven en denken
van Newman (Schowalter)......428

Wutz: Die Transkriptionen von der Septua-
ginta bis zu Hieronymus (Horst).....409

Wutz, Franz: Die Transkriptionen von der Septuaginta bis 3. Umstellung von Konsonanten (370—93); 4. verschiedene

zu Hieronymus. 2. Lieferg. (= Texte u. Untersuchungen z. vor- j Wortabtrennung (393-417); 5. Ausfall von Strichbuch-

masoret. Grammatik d. Hebräischen, hrsg. v. Paul Kahle, II.) Stutt- , Stabeil — nur solchen! — (417-20); 6. wechselnde Oltho-

gart: V. Kohlhammer 1933. gr. 8°. = Beiträge z. Wissensch, v. A.T. grapllie (443—54). Nicht berücksichtigt sind also von W.

Hrsg. v. R. Kittel. N. F., Heft 9. RM 30—.

Da die 2. Lfg. der Untersuchung von Wutz über
„die Transkr. v. d. Sept. bis z. Hieronymus" mit diesem
Hauptthema in keinem sonderlich erkennbaren Zusammenhang
steht, sondern sich die Frage darauf richtet,
welcher hebr. Konsonantentext der ü vorgelegen hat, so
kann eine Besprechung von jedem Zurückgreifen auf
Lfg. 1 absehen und sich auf das neue Thema beschränken.

Die Abweichungen, die zwischen M und Q bestehen,
lassen als Möglichkeiten zu: 1. Verlesungen von M

1. Falschschreibungen, die durch Benachbartes veranlaßt sind.
So erklärt sich z. B. leichter als bei W. 2. R. 23, 8 "VW1 tri?
jtu^c; Ez. 16,38 ü~, womit das konstruierte Wort ffj?
„Rechentafel, Rechenexempel" in die Versenkung fällt,
Ps. 106, 27 b*örft statt ytm (cf. v. 26), Ps. 88, 15 «eooeujcnv
(cf. v. 14), Prov. 21,26, Hos. 2,8 u.a. Es fehlen 2. Falschlesungen
, die durch Oleichklang oder Anklang hervorgerufen
sind, also »-S (spez. ^$~^?), -~n u. dergl. Das
gilt z. B. für Hiob. 24, 12 D^bbn vrm<av = n-Vss> (W. konj.
darüber hinaus D^bw) oder das häufigere DrrbN itoo? tov Xaov.

durch G; 2. Verlesungen bezw. Entstellungen innerhalb Es ist zweifellos von "Wichtigkeit, wenn einmal plan-

der hebr. Textüberlieferung neben G und vor allem nach rnlBig und umfassend aus einem Vergleich von M und

ü (zeitlich); 3. Fehler bei M wie bei Q, die auf eine ge- , G Textfehler festgestellt und die in ihrem Vorkommen

meinsame ältere Textform zuruckschließen lassen. Es einwandfrei ermittelten Fehleniiöglichkeiten klassifiziert

kommen hinzu die scheinbaren Abweichungen: durch ! werden. Den Gewinn davon hat einmal die hebr Pa'läo-

falsches Verständnis von Wörtern oder Konstruktionen, graphie, zum andern die atl. Textkritik, der gegen wildes

durch innergriechische Fehler in G und, gerade durch Emendieren eine „heilsame Schranke" gesetzt für be-

W. aufgeworfen, durch eine zu erwagende Verlesung SOnnene Arbeit aber eine solide Grundlage o-eschaffen

infolge von Transkription. Aus dem von W. beigebrach- , wjrd. Schon Frd. Delitzsch hatte sich in seinen Lese-

ten Stellenmaterial durften sich z. B. als innergriech. j und Schreibfehlern des A.T." 1920 dieser Aufgabe unter-

Verlesungen erledigen: Ps. 89,46 ftoovou < xoovou (cf.
MSS); 132,15 WO™ <*»l«av (so auch W. 26, gegen 313);
Sach. 1, 16 emßJLeV« *C tmotgatym. Darüber hinaus gibt
es in der G eine ganze Reihe von absichtlichen Änderungen
, die einer veränderten Frömmigkeitshaltung der
Ubersetzer entstammen, wie Milderung von Anthropo-
morphismen u. ä. So wird man z. B. für Hiob 9, 21f.
G besser nicht zur Textherstellung beiziehen, weil G hier
bewußt mildert; ähnl. wohl auch Ez. 4,25. Auch ist
darauf zu achten, ob G jeweils wörtlich übersetzt oder
frei wiedergibt. Dann wird man z. B. für öerioecoc. in
Hiob 8,6 kein hebr. Äquivalent suchen, und xatapoivwv
in Ps. 139,8 als freien Gegensatz zu voraufgehendem
ttvaßcuveiv nehmen. Und schließlich wird es m. E. —
trotz W. — immer einen Rest von Stellen geben, für
die sich eine rationale Fehlererklärung einfach nicht findet
, ganz abgesehen von der Möglichkeit gleichberechtigt
nebeneinander stehender Varianten.

Als Fehlerquellen nennt und behandelt W.: 1. Buch-
stabenverlcsung (S. 191—341); der Behandlung von s ist
ein bes. § gewidmet (341—55); 2. Haplographie und Ditto-
graphie (359 70); dazu die Textdopplungen (421—42);

zogen. Es ist verwunderlich, daß W. dieser verdienstvollen
Arbeit nirgend Erwähnung tut, wo es doch gewiß
nicht ohne Gewinn gewesen wäre, die Ermittlungen von
D. mit dem aus der ü geschöpften Material auszubauen,
zu ergänzen, zu bestätigen oder auch zu berichtigen, mindestens
aber Stellung dazu zu nehmen. Ich will hieran
gleich noch folgendes anschließen. Nahezu Seite für
Seite liest man in diesem Heft über textkritische Einzelentscheidungen
„die Moderne" bezw. „die moderne Kritik
" oder „die gesamte heutige Textkritik" „streicht x
kurzerhand", „steht nicht am, x in y zu korrigieren". In
einer stattlichen Zahl von Fällen stimmen diese summarischen
Urteile einfach nicht (vgl. etwa zu S. 291 oder
335 oder 439); W. hat sich da nicht genügend in der
Literatur umgesehen, wo es doch neben vielen Fehllösungen
auch mancherlei sehr beachtliche Entscheidungen
gibt, die vor schiefen und gequälten Erklärungen bewahrt
hätten. Insonderheit hätte von Bibl. hebr. Kittel
soweit wie möglich die 3. Aufl. benutzt werden müssen.
Das weitaus meiste Material, das W. bringt, stammt aus
XII-Proph., Hiob, Prov. u. Ps. Letztere liegen in BHK 9
seit 1930 vor, die andern seit 1932.

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