Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1937 Nr. 22

Spalte:

404

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Erinnerungen aus Amt und Haus 1937

Rezensent:

Lerche, Otto

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

403

Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 22.

404

griechischen Text verwandt, die er seinem Werke beigegeben
hat. Die Sauberkeit des Druckes besonders
zu betonen, hat man nach alle dem kaum noch Veranlassung
. Auf S. 319 am Schluß ist durch einen lapsus
calami K. L. Schmidt als Verfasser einer Arbeit genannt
, die in der Bibliographie richtig Karl Fr. W.
Schmidt zugewiesen wird. Das ist das einzige Versehen,
das mir in dem ganzen Buche aufgefallen ist.

Gießen. O.Krüger.

Corpus Confessionum. Die Bekenntnisse der Christenheit. Sammlung
grundlegender Urkunden aus allen Kirchen der Gegenwart. Hrsg.
von Prof. D. Cajus Fabricius. Abteiig. X Bd. 1 : Die Brüdergemeine.
Kirchenordnungen, Lieder, Liturgien und Lehrschriften der Herrnhuter.
Bearbeitet vou Cajus Fabricius. Berlin u. Leipzig: Verlag von
W. de Gruyter & Co. 1936. (LXXVIII, 742 S.) gr. 8°. RM 71.75.
Als zweiter Band des Corpus Confessionum ist im

vergangenen Jahr endlich der über die Brüdergemeine

vollständig geworden, auch er vom Herausgeber selbst

bearbeitet. Der Band enthält:

1. den Verlaß der Generalsynode der ev. Brüder-Unität vom Jahre 1914 ;

2. die Gemeinordnungen der ev. Brüder-Unität in Deutschland vom
Jahr 1920;

3. das (deutsche) Liturgienbuch der ev. Brüdergemeine vom Jahr 1906,
das noch heute gültig ist;

4. deutsche Lieder der Brüdergemeine aus dem Gesangbuch von 1927,
d. h. sämtliche Lieder dieses Gesangbuches, die herrnhutischen
Ursprungs sind;

5. die »General Principles of the Moravian Church*, die von der britischen
Generalsynode 1914 erlassen sind;

6. den „Catechism of the Moravian Church" der amerikanischen Pro-
vinzialsynode von 1893 in der Fassung von 1926;

7. den .Shorter Catechism" derselben Synode;

8. englische Lieder der Brüderkirche aus dem britischen Gesangbuch
von 1912;

9. französische Lieder aus dem Schweizer Brüdergesangbuch von 1926;

10. ladinische Lieder von Johann Frizzoni aus dem unterengadiner Gesangbuch
von 1923;

11. dänische Lieder von Nils Johannes Holm nach dessen Gesangbuch
.Harpen", 6. Aufl., 1914.

Alle diese Lieder sind im Urtext abgedruckt, zugleich aber, z. T.
auf Grund von wortgetreuen Vor-Übersetzungen, vom Herausgeber
in rhythmischer Form wiedergegeben. Daß sie so keine wörtliche
Übersetzung darstellen, ist selbstverständlich; doch wird man anerkennen
müssen, daß die meist feine Form, die sie in der deutschen
Wiedergabe erhalten haben, auch dem Sinn des Originals gerecht
wird, soweit wir das nachprüfen konnten.

12. die allgemeine Kirchenordnung der ev. Brüder-Unität und die Beschlüsse
und Erklärungen der Generalsynode von 1931;

13. die Verfassung der Brüder-Unität in Deutschland von 1932;

14. historische Beilagen, nämlich

a) die (Herrnhuter) herrschaftlichen Gebote und Verbote von 1727;

b) den brüderischen Verein und Willkür von demselben Jahr;

c) das Sendschreiben Zinzendorffs an den König von Schweden, 1735;

d) den Brief an die in Amerika verstreuten Prediger des Evangeliums
von 1742;

e) den Aufsatz für die Generalsynode des Jahres 1748, der die Brüdergemeine
an die Conf. Augustana bindet.

Diese historischen Beilagen werden ergänzt durch einige kürzere
Dokumente, die in den Text der Einleitung hineingearbeitet sind.
Ein reichhaltiges Register beschließt das Werk.

In dieser Liste vermissen wir nur das „Wort der
Synode der Europäisch-festländischen Brüder-Unität"
vom 8. Februar 1935, das ihre Haltung in der Gegenwart
festlegt, d. h. sie praktisch an die Seite der Bekennenden
Kirche in Deutschland rückt. Davon abgesehen
ist aber sicher, daß hier das für eine Beurteilung
der Brüdergemeine in ihrer Eigenart entscheidende Material
so reichhaltig vorgelegt ist, wie keiner von uns
es bisher zur Verfügung hatte. Der Dienst, der damit
getan ist, ist in konfessionskundlicher und ökumenischer
Hinsicht sehr hoch einzuschätzen.

Die 60 Seiten umfassende Einleitung gibt die wesentlichen
Gesichtspunkte für die Einordnung des gebotenen
Materials kurz an, indem sie von der Entstehung
, dem Wollen und den charakteristischen Erscheinungen
der Brüdergemeine handelt. Auch in ihr wird
man wirklich Wichtiges kaum vergeblich suchen. Ein
voll abgerundetes Bild ergibt sich freilich erst, wenn

man ein eingehenderes Studium Zinzendorffs und der
Entstehungsverhältnisse der Brüdergemeine der Durcharbeit
der heutigen Urkunden vorausschickt; aber auch

; dafür bietet das reichhaltige Literaturverzeichnis die

! Handhabe.

So darf man dem Herausgeber und seinen genann-
j ten und ungenannten Helfern, unter denen der Archivar
der Brüdergemeine, P. Bettermann, hervorgehoben werden
darf, herzlich danken für diese Gabe. An den Verlag
kann aber die Frage nicht unterdrückt werden, ob
der Absatz des Werkes nicht eine Senkung des ungewöhnlich
hohen Preises ermöglicht. Sie wäre dringend
zu wünschen.

Hermannsburg. Kurt Dietrich Schmidt.

Krummacher, Pf.Theodor: Erinnerungen aus Amt und Haus.

Berlin: Mittler u. Sohn 1937. (XI, 159 S.) gr. 8°. RM 4.50; geb. 5.50.
Der Verfasser legt hiermit als Siebzigjähriger nach einem sehr intensiv
ausgeübten Pfarramt eine Art Rechenschaftsbericht ab. 1892 wurde
er Hilfsprediger an der Friedenskirche in Potsdam, dann dritter Pfarrer
an der neugegründeten Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin und
1910 Pfarrer der Pfingstkirche, der späteren Kaiserin Auguste Viktoria-
Gedächtniskirche und der Kaiserin Augusta-Stiftung in Potsdam. Vorbereitet
wurde dies fast vierzigjährige Pfarramt durch ein theologisches
Studium in Göttingen und Berlin und namentlich in Halle (Kahler),
sowie durch ein Domkandidatenstiftsjahr unter Kögel. Bemerkenswert dürften
in erster Linie die Erinnerungen an das Pfarramt an der Kaiser Wilhelm-
| Gedächtniskirche sein: das kirchenfremde Berlin der Vorkriegszeit er-
I fährt auch hier eine interessante Beleuchtung.

Berlin. Otto Lerche.

! Herrmann, Gotthilf: Religionsfreiheit. Amtliche Dokumente. Worte
führender Männer. Zwickau: Joh. Herrmann 1936/7. I (119 S.),
II (133 S.) 8°. je RM 1.80.

Eine reichhaltige Zitatensammlung aus Reden und
Schriften führender Nationalsozialisten mit dem ständig
wiederkehrenden Leitgedanken der Freiheit religiöser
Entscheidung, welche auch der Staat dadurch berücksichtigt
, daß er „keiner Konfession ein Monopol zubilligt
" (I, S. 17), während die politische Bewegung
s-ich aus dem Kampf der konfessionellen Fragen herauszieht
(S. 31). Diese Leitgedanken werden durch
eingefügte amtliche Erlasse erhärtet (S. 33 u. 42).
Möchte die neueste Entwicklung dahin gehen, daß „die
Zeit der politisierenden Kirche" nicht nur vorbei ist, sondern
auch mehr politisch als religiös eingestellte Pfarrer
sich des Wortes erinnern „die Trennung zwischen
Politik und Kirche muß restlos durchgeführt werden"
(S. 48). Daß das Reichskonkordat und das Gesetz
zur Sicherung der evang. Kirche mit abgedruckt worden
sind, erhöht den Wert der verdienstlichen Schrift,
für deren Beliebtheit das inzwischen erfolgte Erscheinen
I der 6. Auflage zeugt . Im Jahre 1937 ist unter gleichem
Haupttitel ein zweiter Teil erschienen. Stehen hier
i maßgebliche Äußerungen unter dem Motto „keine
| Staatskirche", so belehren uns die Dokumente über
j die staatliche Anerkennung der Methodisten-Kirche, der
Altkatholiken und russisch Orthodoxen, daß der Staat
jeder Konfession, welche auf dem Boden des dritten
I Reiches steht, durch Anerkennung zur ungehinderten
j Religionsübung verhelfen will. Interessante Entscheidun-
! gen über den Religionsunterricht, Kirchenaustritt, das
Verhältnis von Hitlerjugend und Kirche sowie Wehrmacht
und Kirche machen auch dieses zweite Heft
als Nachschlagewerk wertvoll. Heft 1 trägt den Unbedenklichkeitsvermerk
der parteiamtlichen Prüfungskommission
.

Jena. Erich F a s c h e r.

' G o e b e 1, Hans: Nietzsche heute. Lebensfragen des deutschen
Volkstums und der evangelischen Kirche. Berlin: Kranzverlag 1935.
(93 S.) 8°. RM 1.80

Der Haupttitel dieser Schrift wie ihr Untertitel sind
reichlich allgemein gehalten und verraten noch nicht,
wie der Verfasser den Philosophen Nietzsche beurteilt-
Erst auf Seite 88 wird das Anliegen des Verfassers in