Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1937 Nr. 18

Spalte:

334-336

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Görnandt, Werner

Titel/Untertitel:

Reformatorischer Glaube 1937

Rezensent:

Eckels, Kurt

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

333

Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 18.

334

der Verf. bestätigt. Der Wandel der Form ist bedingt
durch diie Form der Sozialstruktur der Gesellschaft, wobei
sich die beiderseitigen Formen typisch entsprechen.

Die Arbeit gibt reichen Stoff und viel Anregung.
Sie tut es mit der soziologischen Methode; und das ist
auch ihre Grenze. Sie hat die Tendenz zum Allgemeinen,
Gesetzlichen, Typischen; sie sucht das Phänomen der
religiösen Begründung der Herrschaft in Regeln einzu-
fangen, um es begreiflich zu machen. Das alles ist
berechtigt als Forschung, aber nur wenn die Grenze
der Methode gesehen Wird. Sie wertet historische Wandlungen
nur als Formen im Rahmen des Allgemeinen;
so übersiieht sie im vorliegenden Thema, daß mit Judentum
und Christentum eine völlig veränderte Lage entsteht
, die erst das eigentliche Problem bildet. Der Verf.
erkennt richtig die formale Veränderung, aber sie ist
ihm nur eine andere Spielart derselben im Orient beheimateten
Sache. Er erkennt nicht die Tragweite der
wesentlichen Veränderung des Geschichtsbildes
und der Tatsache, daß nun, kein Herrscher mehr als
„Gott" oder „Göttersohn" oder Reinkarnation erscheinen
kann, sondern als Mensch, der in all seiner menschlichen
Schwäche und Begrenztheit von Gott lediglich
beauftragt ist. Hier hegt die Wurzel des modernen
„Gottesgnadentums", das so >in der deutsch-preußischen
Geschichte etwas ganz anderes geworden ist als es in
Ägypten und Babylonien war. Die Grenze der soziologischen
Methode zeigt sich auch darin, daß sie die
innere Notwendigkeit der göttlichen Legitimierung nicht
verständlich machen kann. Warum begnügt sich die
jeweilige Herrschaft nicht mit dem bloßen Besitz der
Macht? Im Zusammenhang damit müßte der geschichtlichen
Tatsache der modernen Entgöttlichung der Herrschaft
gedacht werden. Ist sie eine Fehlentwicklung?
Endlich kann die soziologische Betrachtung nur sagen,
was ist, nicht was sein soll. Diese Frage freilich muß
die Theologie beantworten. Für sie gibt das Buch als
wichtigste Anregung die: Weil von echter Herrschaft
nicht geredet werden kann, ohne daß von Gott geredet
wird, muß es eine christliche Ethik des Politischen
geben.

Marburg a. L. Georg Wünsch.

Fleisch, D. Paul: Hundert Jahre lutherischer Mission. Leipzig
: Verlag d. Evang.-luth. Mission 1936. (XV, 480 S., 1 Tafelbild
) 8°. Geb. RM 5-.
Wir haben hier eine auf Grund des in dem Archiv
der Leipziger Mission vorhandenen Aktenmaterials bis
in die — man ist versucht zu sagen — geringfügigsten
Einzelheiten gehende Schilderung der Geschichte der
Leipziger Mission in ihrer deutschen Heimat und darüber
hinaus in dem lutherischen Europa und z. T. auch
in dem lutherischen Amerika, ferner auf ihren endgültigen
zwei Arbeitsfeldern, in Indien im Lande der Ta-
mulen an der Ostküste Südindiens, wo die Arbeit der
alten dänisch-halleschen Mission übernommen und weitergeführt
wurde, und in Afrika in dem damals deutschen
, später aber zu Britisch-Ostafrika geschlagenen
Grenzgebiete Deutsch-Ostafrikas unter dem Volke der
Wakamba durch Verschmelzung mit der im Jahre 1886
in Hersbruck gegründeten „Gesellschaft für ev.-luth.
Mission in Ostafrika", einem Arbeitsgebiet, das während
des Weltkrieges endgültig wieder aufgegeben
Wurde, und in dem früheren Deutsch-Ostafrika im Kilimandscharo
- und Pare-Gebirge.

Der Verfasser verfolgt die Geschicke der Mission
durch alle Perioden ihrer z. T. sehr bewegten Geschichte
hindurch, nichts verschweigend und nichts beschönigend,
als ob er habe zeigen wollen, daß der Herr der Kirche
a"ch mit Hilfe menschlicher Unvollkommenheiten, ja
Menschlicher Fehler und Irrungen seine Kirche zu bauen
vermag.

Manchem Leser wird es vielleicht scheinen, als ob
der Einzelheiten zu viele sind, namentlich denen, die

nicht direkt zum Freundeskreise der Leipziger Mission
gehören. Diesen aber wird das Buch gerade deswegen
besonders wertvoll und lieb sein. Die anderen aber
mögen sich sagen, wie dankbar wir Deutschen und
nicht etwa nur die Kirchengeschichtler oder Missionswissenschaftler
unter uns, sein würden, wenn wir einen
ebenso ausführlichen Bericht etwa über die Mission der
Iro-Schotten in deutschen Landen hätten. Um nicht
durch die Fülle der Details erdrückt und verwirrt zu
werden empfiehlt es sich, bei der Lektüre immer wieder
den Blick auf das nicht weniger als 10 Seiten umspannende
Inhaltsverzeichnis zu werfen; denn dann erkennt
man, daß die vielen Einzelheiten doch ihre große sachliche
Bedeutung haben, daß sie vor allem im Dienste
rücksichtslos wahrhaftiger Berichterstattung stehen und
deswegen doch wohl unentbehrlich sind.

Der Schwerpunkt liegt in der objektiven geschichtlichen
Darstellung des wirklichen Sachverhaltes. Der
Stellungnahme zu m'is9ionstheoretischen Problemen enthält
der Verfasser sich, es dem Leser überlassend, sich
ein Urteil darüber zu bilden, ob und wie weit die eingeschlagenen
Wege richtig gewesen sind oder nicht. Der
aufmerksame Leser ist auch gerade durch die vielen
Details, die geboten werden, und dadurch, daß nichts verschwiegen
und beschönigt wird, imstande, sich darüber
ein auf Tatsachen begründetes Urteil zu bilden.

Das 24 Seiten umfassende Register am Schluß des
Buches ist im Wesentlichen ein Namen- und Ortsregister
. Der Verfasser hat wohl geglaubt, wegen des
ausführlichen Inhaltsverzeichnisses (10 S.) auf ein ausführliches
Sachregister verzichten zu können. Bewundernswert
ist der niedrige Preis des Buches trotz vornehmer
Ausstattung.

Die Leipziger Mission hat schon früher eingehende
wissenschaftliche Bearbeitungen gefunden, z. B. besonders
in der Geschichte der lutherischen Mission von
PUtt-Hardeland (1894/95) und in Richard Handmanns
Buch: Die Evangelisch-lutherische Tamulen-Mission in
der Zeit ihrer Neubegründung." (1903) Das Werk von
Fleisch bedeutet aber nicht nur eine Fortsetzung der
älteren Darstellungen bis in die Gegenwart hinein, sondern
trägt ihnen gegenüber auch in der Darstellung der
von diesen zwei Werken berücksichtigten Perioden
eine neue Schau und Beurteilung, für die wir dem Verfasser
dankbar sein dürfen.

Halle a. S. Schomerus.

Görna ii dt, Werner: Reformatorischer Glaube. Eine Geschichte
des Glaubens dargestellt an den Petrus-Berichten der Evangelien.
Berlin: Furche-Verlag [1036). (112 S.) 8". = Dienst am Wort. Beiträge
zur Schriftauslegung und zum Schriftverständnis, H. 5. RM 2.40.
Die dänische evangelisch-lutherische Kirche beging
1936 ihr vierhundertjähriges Reformationsjubiläum, seit
350 Jahren finden deutsche Gottesdienste in der St.
Petri-Kirche zu Kopenhagen statt. Dies doppelte Jubiläum
veranlaßte den Hauptpastor der deutschen Gemeinde
W. Görnand t als Grundlage für die gottesdienstliche
Schriftauslegung die Abschnitte aus den
Evangelien zu wählen, in denen Simon Petrus dem Jesus
Christus begegnet, um an dieser Begegnung den Gemeindegliedern
von heute deutlich zu machen, was
eigentlich christlicher Glaube ist . . Die Predigten sind
von der Epiphaniaszeit bis zur Freudenzeit 1936 gehalten
. Sie haben über die Gemeinde in Kopenhao-en
hinaus auch für weitere Kreise Bedeutung, weil diese
I Predigten nicht nur die Erinnerung an altes Geschehen
| und an alte Geschichten wecken, sondern gegenwärtiges
Geschehen im Menschenherzen auslösen und echten
I reformatorischen Glauben lehren. Wie Görnandt seine
Aufgabe versteht sagt er in der Einleituno- mr ersten
I Predigt (S. 9): „Dänemark ist das Land Sören Kierke-
j gaards. In ihm sollten wir von diesem großen Sohn
gelernt haben, die neutestamentliche Geschichte und Ge-
I schichten unter dem Gesichtspunkt der Gleichzeitio-
| keit" zu betrachten. Das will besagen:" Wem auch.