Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1937 Nr. 18

Spalte:

327-328

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Smith, Margaret

Titel/Untertitel:

An early mystic of Baghdad 1937

Rezensent:

Horten, Max

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

327

Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 18.

328

sitz in Palästina im Zeitalter Jesu" im Palästina-Jahrbuch
1928). Der Verfasser zitiert zwar „Rostovtzeff,
Gesellschaft und Wirtschaft im römischen Kaiserreich",
scheint aber die übrigen größeren Werke dieses Forschers
, seine grundlegenden „Studien zur Geschichte des
römischen Kolonates" (Leipzig 1910) sowie sein Buch
„Notes on the Economic Policy of the Pergamene
Kings" (1923) nicht zu kennen. Auch von „Gesellschaft
und Wirtschaft im römischen Kaiserreich" scheint
dem Verfasser nur die deutsche Übersetzung von Wik-
kers vorgelegen zu haben, sonst würde er nicht der
nur in dieser Übersetzung gebrauchten Schreibweise Rostovtzeff
folgen, sondern die sonst übliche Schreibweise
Rostovcev oder Rostowzew anwenden. Vor allem aber
hätte sich der Verfasser bei einer eingehenderen Kenntnis
dieser ganzen Literatur in seinem ersten Kapitel
nicht so gut wie ausschließlich auf eine Darstellung
der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Rom
und Italien beschränken dürfen, sondern hätte viel stärker
die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in den
oströmischen Provinzen, in denen das Christentum seine
Heimat hatte, ins Auge fassen müssen, wenn er für das
urchristliche Wirtschaftsethos sichere Maßstäbe gewinnen
wollte.

Es folgt im zweiten Kapitel eine knappe „Zusammenstellung
und Systematisierung der in der frühchristlichen
Literatur aufgenommenen wirtschaftlichen Lehren
des Neuen Testaments". Hier ist das Material gut und
vollständig zusammengestellt und das Meiste richtig
gesehen, nur muß fraglich erscheinen, ob man überhaupt
bei Jesus und im N. T. von bestimmten Wirt-
schaftsl eh re n sprechen darf oder ob es sich nicht
vielmehr — — wie der Verfasser in seinem Vorwort
selbst richtig bemerkt — — lediglich um eine geistige
Haltung handelt, mit der das Christentum auch dem
wirtschaftlichen Leben und den ökonomischen Anschauungen
der Zeit gegenübertrat. Ganz aus dem Rahmen
der Untersuchung fällt das dritte Kapitel, das kurze
„Biographien der Kirchenschriftsteller" darbietet, die
man in jeder Patrologie oder alten Kircheugeschicbte
lesen kann. Erst mit dem vierten Kapitel kommt die
Untersuchung zu ihrem eigentlichen Gegenstand. In
Anlehnung an Seipel „Die Wirtschaftslehren der Kirchenväter
" (Wien 1907) werden hier und In den folgenden
Kapiteln die Anschauungen der Kirchenväter
über das Eigentum, über den Gütererwerb und über
die Gütererzeugung mit sorgfältigen Quellennachweisen
und mit Abdruck der Belegstellen in den dem
Buch angefügten Anmerkungen übersichtlich zusammengestellt
. Darin liegt eine dankenswerte Materialsammlung
, die freilich dadurch beeinträchtigt wird, das in
den griechischen Zitaten eine Fülle von Akzentfehlern
und sonstigen Flüchtigkeiten vorkommen (vergl. z. B.
Anm. 271, 272, 274), die auch innerhalb des Textes
nicht vermieden sind. So wird z. B. Seite 62 von einem
Slater statt einem Stater, den Petrus im Fisehrnaul
als Steuermünze fand, geredet. Beim Übergang von
Seite 154 zu Seite 155 sind die Zeilen versetzt. Seilte
156ff. wird nur die erste der vier wiedergegebenen
Theorien mit 1 bezeichnet, dagegen die weiteren werden
nicht numeriert und von einander abgehoben. Zum
Schluß wird in Kapitel 8 eine Zusammenstellung der
patristischen Wirtschaftsanschauungen versucht und in
Kapitel 9 eine kurze Übersicht über die verschiedenen
Auffassungen von den Ursachen des Untergangs der
antiken Welt gegeben.

Leipzig. Johannes Herz.

Smith, Margaret, M. A. Ph. D.: An early mystic of Baghdad.

A study of the life and theaching of Härith b. Asad al-Muhäsibi a.

d. 781 -857. London: Sheldon Press 1936. (XI, 311 S.) 8°.' 15s.
Muhäsibl 857*, über den S. diese Studie veröffentlicht
, war bisher kaum bekannt. Aussprüche von ihm,
die sich als Zitate in den bekannten Quellenschriften
fanden, zeigten deutlich, daß er der christlichen Rich-

i tung der islamischen Mystik angehört, deren erster
und Richtung gebender Theologe er ist. Neben dieser
stehen die pantheistische der Mamifestationslehre (Bis-
! taml, Halläg, Gunayd Niffarl 965*) und die originalpersische
der Emanationslehre, die die Lichtmotive des
! Parsismus beibehält und im originalen Sinne versteht.
Das Verdienst der Arbeit von S. liegt darin, bisher
noch unveröffentlichte Quellen zu erschließen, deren
Veröffentlichung in Aussicht gestellt wird, und aus ihnen
die große Linie zu erkennen, die von M. zu Gazäll führt,
von dem aus sie weiterhin die christliche Theologie be-
■ einflußte. So schließt sich der Ring von Gedanken, die
! aus dem Christentum fließen, um durch die Überleitung
über zumeist persische Muslime wieder in das Christentum
zurückzugelangen. Die große Bedeutung M.s für
den späteren Islam wird lichtvoll hingestellt neben der
für Maimouides, Thomas von Aquin, Raymumdus Lullus
und sogar Dante.

Das Wesentliche ist das System M.s. Von diesem
werden behandelt die psychologische Theorie, asketische
Theologie, Moral (Tugendlehre), Übungen der Frömmigkeit
, mystische Lehre. Nach der Veröffentlichung
1 der Quellen wird man voraussichtlich wesentliche Teile
dieses Systems ergänzen können, vor allem Gotteslehre
; und Weltanschauung, in dieser die naturalistische Grund-
| läge und den theologischen Aufbau, ebenso in der Ethik
j die persische Grundschicht und spätere Zutaten. Vor
i allem aber würde unserem Blick das spezifische Gottes-
j erleben M.s fesseln. Die indischen Einflüsse in dieser
Zeit werden anerkannt, gegen die man bis in die jüngste
I Zeit hinein oft völlig blind war. Die lobenswerte Arbeit
I S.s zeigt, welche tieferen kulturellen Probleme unserer
i Orientalistik heute gegeben sind. Da es sich bei den-
j selben um die persisch-iranische Rasse, also ein in der
Wurzel nordisch-germanisches Volk handelt, ist ihre Bedeutung
auch für uns Nationalsozialisten damit aufgezeigt
.

Bonn. M. Horten.

Literatur zum dänischen Reformationsjubiläum.
N e i i e n d a m, Michael. 1536. Den Danske Reformations Historie

folkelig genfortalt. Kopenhagen: G. E. C. Oad. (138 S.) gr. 8°.
Severinsen, P.: Hvordan Reformationen indfortes i Danmark
. Kopenhagen: O. Lohse 1936. (192 S.) 8°.
I Olsen, Max W.: Den danske Kirkeordinants af 1539 og andre
Aktstykkar vedrerende den lutherske Kirkcreformations Indforelse i
Danmark. Kopenhagen: Nyt Nordisk Forlag, A. Busck 1936.
j Luthers Arv og Danmarks Kirke i Dag. Praesteforeningens fest-
skrift in anledning af 400 aars dagen l'or reformationens indforelse
i Danmark, redig. af Paul Nedergaard. Kopenhagen: Arnold
Busck 1936 (256 S.) gr. 8°.
j Bergmann, Lorenz: Den Lutherske Reformation og Missionen
. Kopenhagen: Haase & Son 1936. (VII, 191 S.) gr. 8°.
Am 30. Oktober 1936 waren 400 Jahre verflossen,
seit auf dem Kopenhagener Reichstag der spätere dä-
. nische König Christian III. die Reformation nach der
I siegreichen Beendigung der Grafenfehde durchführte
und das Bekenntnis zum Evangelium der Reformation
i von den Versammelten wie aus einem Munde mit lautem
Zuruf ausgesprochen wurde. In Dänemark ist die Er-
i innerung an jene Tage, wie schon 1636, 1736 und
1836, festlich begangen worden. Die theologischen und
kirchlichen Zeitschriften haben ebenso wie die Tagespresse
der Einführung der lutherischen Lehre im Königreich
gedacht. Von den Büchern, welche aus Anlaß
des Jubiläums erschienen sind, liegen uns die fünf oben
genannten zur Besprechung vor. Dazu kommt dann
noch der Band 11,1 von L. P. Fabricius' ausführlicher
Darstellung: „Danmarks Kirkehistorie" (vgl. Th-
j L. Z. 1936, Sp. 419—420), der sich gleichfalls nur mit
der Reformationszeit beschäftigt (378 S. 8; Kopenhagen
, O. Lohse, 1936). Diese eingehendste Würdigung
soll später besprochen werden.

Die Bücher von Neiiendam und Severinsen
sind illustrierte volkstümliche Darstellungen. Beide Bü-
[ eher sind zum Lesen bestimmt, nicht zum Nachschlagen;