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Ausgabe:

1937 Nr. 17

Spalte:

313-314

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gurlitt, Wilibald

Titel/Untertitel:

Johann Sebastian Bach 1937

Rezensent:

Luther, W.

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313

Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 17.

314

und erasmianische Angleichungen gegenüber der Wahrheit
und der harten Unbeugbarkeit des Wortes Gottes
in den Hintergrund traten.
Berlin. Otto Lerche.

Dflbi, Dr. Heinr.: Das Buch von den drei Betrügern und das
Berner Manuskript. Eine Untersuchung. Bern: A. Francke 1936.
(71 S.) 8°. = Neujahrsblatt d. Liter. Gesellschaft Bern. N. F. H.H. Fr. 7.20.
Viel Mühe hat sich der Verfasser bei der Herausgabe
dieses Textes nicht gegeben, denn sonst hätte er
die neuere Literatur über den Tameux livredeses trois
imposteurs' doch zu seiner Untersuchung heranziehen
müssen, so die Biographie von E. Kan-
torowicz über .Kaiser Friedrich den Zweiten (2
Bdie, 1921) und dann vor allem die Dissertation
von J. Presser ,Das Buch De Tribus Impostoribus
(von den drei Betrügern)', Amsterdam, 1926,
worin der ganze Traktat aus dem Jahre 1598, der viel
nachgedruckt und abgeschrieben wurde, als Fälschung
angesehen wird. Es „ist nicht anderes als ein von einem
gewissen Straube 1753 herausgegebener Druck nach
einer vorhandenen Handschrift ,De Impostoribus Reli-
gdonum' . . Straube wollte durch die fiktive Jahreszahl
1598 eben den Eindruck erwecken, daß es sich
hier um Exemplare eines Druckes aus dem 16. Jahrhundert
handelte; nicht nur der Titel, auch die Jahreszahl
sei hier falsch; der ganze Druck vom Jahre 1598 ist
eine Mystifikation" (a. a. O. S. 110). Demgegenüber
macht nun J. Charpenntier in ,The Livro da Seita
dos Indios Orientais of Father Jacobe Fenicio, S. J.'
(Uppsala, 1933, S, XXXVf.) geltend, daß J. Presser die
Untersuchungen von W. C a 1 a n d in .Ontdekkingsge-
schiedeniis' (p. 264 ff.) nicht beachtet habe, wo „Caland
has pointed out that the De tribus Impostoribus" is pro-
bably the first European work in which there is found
an explicit mention of the Vedas und annimmt, „that
the work was really printed in 1598". Es wäre daher
schon eine Untersuchung wert, welche Quellen der
unbekannte Autor im Jahre 1598 benutzt hat. Aber
leider scheint der Verfasser nicht einmal zu wissen, wer
eigentlich der S. 12 genannte Mathurin Veyssiere (H.
Dübi schreibt Malurin Veiszier!) La Croce war, denn
S. 15 macht er diesen berühmten Hugenotten zum „Juden
". Somit ist diese „Untersuchung" fast völlig wertlos
und es bleibt lediglich der nach dem Berner Manuskript
abgedruckte Text des ,Traite des Imposteurs' aus der
ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts als wirklich brauchbar
übrig. Die Art solcher „Untersuchung" ist mir
umso weniger verständlich, als der Verfasser doch von
verschiedenen Seiten beraten wurde und bereits vor Jahren
diese Studien abgeschlossen hat, ohne sie, wie es
scheint, bei der Drucklegung nochmals überprüft zu
haben.

München. R. F- Merkel.

Our litt, Prof. Dr. Wilibald: Jon. Seb. Bach. Der Meister und sein
Werk. Berlin: Furche-Verlag 1936. (79 S.) 8°. RM 1.80.

Der durch seine hervorragenden Arbeiten auf dem
Gebiete der evangelischen Kirchenmusik bekannte Freiburger
Historiker hat hier wiederum ein wertvolles Buch
vorgelegt.

Es gibt heute eine immense Bachliteratur und gerade
die letzten Jahre, in denen der Altmeister und sein
Werk immer mehr in den Vordergrund getreten sind,
brachten eine Unmenge wissenschaftlicher und volkstümlicher
Abhandlungen. Niemand aber ging so, wie
e* jetzt Gurlitt tut, an den Stoff heran. Es kommt ihm
nämlich darauf an, die drei Grundkräfte der „Musikersippe
Bach", die Heimatvvelt des ostmitteldeutschen Raumes
, die Glaubenswelt der evangelisch-lutherischen
Kirche und — im Einklang mit Glauben und Heimat —
die Berufswelt der „stadtbürgerlichen Handwerkskunst
des Spielmannes" als für Seb. Bachs Leben und Werk
entscheidend herauszustellen. Das Buch wird noch dadurch
besonders wertvoll, daß es auch den nicht musikwissenschaftlich
Geschulten an die Großwerke Bachs heranbringt
.

Göttingen. W. M. L u t h e r.

Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte. Hrsg. von Otto
Schmitt. 5.—9. Lfg. Stuttgart: J. B. Metzler.

Von allen Seiten ist dem rüstig fortschreitenden Unternehmen
seit dem Erscheinen der ersten Lieferungen
das wohlverdiente Lob in reichem Maß zuteil geworden.
Man hat mit Recht gesagt, daß es jeden gebildeten
Menschen angeht, und daß es jedem Freunde der deutr
sehen Kunst und des deutschen Volkstums viel zu geben
hat. In dieser Ztschr. wurde auf das RDK schon zweimal
nachdrücklich hingewiesen (1934, Sp. 61f. und 1935
Sp. 112), und es genügt jetzt, wenn wir im folgenden
wieder die theologisch und kirchlich besonders wichtigen
Artikel der seither erschienenen Lieferungen kurz hervorheben
.

Wie die vierte Lieferung ist auch die anschließende fünfte fast ganz
von „Altar-"Artikeln ausgefüllt: Altarleuchter, Altarpult, Altarretabel,
Altarschranken, -tabernakel, -tuch, -Umgang, -vasen, -velen finden, wieder
mit reichen Illustrationen, eine eingehende Darstellung. Die Artikel sind
meist geteilt in einen katholischen Teil von Jos. Braun und in einen
protestantischen, den Gg. Stuhlfauth und Helm. Eggert bearbeitet haben.
Der 38 Spalten umfassende Aufsatz des letzteren über die protestantische
Altarretabel verdient ganz besondere Beachtung. Denn er stellt
die wichtigsten Typen und Denkmäler „unter möglichster Berücksichtigung
des Darstellungskreises" erstmalig zusammen. Damit wird ein
viel zu wenig beachteter Zweig der kirchlichen Kunstentwicklung allgemeiner
bekannt gemacht, in dem eindeutig Norddeutschland — unter
ganz besonders reger Beteiligung Ostpreußens — die Führung hat. In
fortschreitender Entfaltung bis in die Zeit des 30jährigen Krieges hinein
und z. T. auch darüber hinaus entstehen eine große Anzahl origineller,
kraftstrotzender protestantischer Hochaltäre von bedeutendem kunstgeschichtlichen
Interesse (vgl. dazu die Artikel über die protestantischen
Altarschranken und den protestantischen Altarumgang sowie den
Altar selbst vom gleichen Verf.). Ikonographisch sind vor allem die
frühesten Denkmäler wichtig, die z. T. Anregungen von Luther zu berücksichtigen
scheinen, wie z. B. der Wittenberger Cranach-Altar von
1547, der — neben der öffentlichen Predigt — die rechte Gestalt der
Taufe, des Abendmahls und des Schlüsselamtes vor Augen führt. So
kennzeichnend diese Zusammenstellung auch ist, sollte man indessen doch
nicht von „drei von Luther anerkannten Sakramenten" reden.

Für die Geschichte des Kirchenbaus sind die großen Artikel
über die Apsis, die Arkade (Leop. Giese), die Architekturplastik (A. v.
Reitzenstein) wichtig, ferner auch Architekturzeichnung und Archivolte
(Dag. Frey); für die Kirchenaussta11ung: Ambo, Apostelbalken,
Apostelkreuz und -leuchter (Leonie Reygers), Armreliquiar (Heinr. G.
Lempertz). Unter den ikonographischen Stichworten nenne ich
Hl. Antlitz, Apokryphen, Apostel (Ad. Katzenellenbogen), Aminadab, Antichrist
(Osw. A. Erich), Armenbibel, Ars Moriendi (Hild. Zimmermann),
Aspis (H. Köhn), den interessanten Beitrag Armeseelen von Osw. A.
Erich und die gehaltvollen Ausführungen über die Illustration der Apokalypse
von W. Neuß, dem hervorragenden Kenner dieses weitverzweig-
I ten Gebietes. Aber auch die allgemeineren Artikel über das Andachtsbild
(Dor. Klein), Ampulle (L. Reygers; doch sollte hier die Hypothese
der „Blutampullen" in den Katakomben eindeutiger als Phantasterei
zurückgewiesen werden), Amulett (W. Peßler), Apotropaion (Osw. O.
Erich) bringen vieles, was den Theologen unmittelbar angeht. Das
Gleiche gilt für die erst seit dem endenden Mittelalter auch" „profan"
begegnenden Symbole des Anglers, des Ankers, des Apfels und der
Armut (Lis. Strauch). Für die altkirchlichen Anfänge der christlichen
Symbolik dürfte vielleicht noch größere Zurückhaltung am Platz sein,
als die Verf. zeigt. Bei der Behandlung des Apfels als Attibut der Eva
vermisse ich einen Hinweis auf dessen Bedeutung als erotisches Symbol
, die — für das katholische Verständnis des Sündenfalls durchaus
sinngemäß — in einigen Paradiesesbildern der Renaissancezeit zum Vorschein
kommt; daß jetzt häufig gerade Adam nach dem Apfel greift,
wird damit zusammenhängen.

Ich notiere zum Schluß einige Druckfehler und Versehen
Sp. 565 lies „Taufstein (Taufe)" für „Taufe". Zu Sp. 696: die Vor-
| Stellung von Christus als Angelköder, an dem sich der Teufel festbeißt
| begegnet schon vor Gregor d. Gr., besonders bei Gregor von Nyssa'
vgl. B. Funke, Grundlagen und Voraussetzungen der Satisfaktionstheorie
des hl. Anselm (1903) 16 ff. Sp. 745 ist im Artikel über die Antoniter
1 (H. Wentzel) der Hinweis auf den Hl. Antonius den Einsiedler nicht richtig
, da das Stichwort „Antonius" garnicht begegnet („HL Antonius"??)
Zu Sp. 821: Gal. 2,9 werden noch nicht „die" Apostel als solche mit
j Säulen verglichen. Sp. 867 lies „Loiregegend" für „Loitegegend". —
! Allgemein ist zu beanstanden, daß griechische Kirchenväter, z. B. Kle-
I mens Alexandrinus oder Chrysostomus auf lateinisch angeführt werden
I Bei den Bibelzitaten mag das im Hinblick auf das katholische Mittel-