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Ausgabe:

1937 Nr. 17

Spalte:

307-308

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schammberger, Hermann

Titel/Untertitel:

Die Einheitlichkeit des Jacobusbriefes im antignostischen Kampf 1937

Rezensent:

Hauck, Friedrich

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Seite 1

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307

Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 17.

308

aus der synoptischen Überlieferung auszusondern. Der
Messiasglaube wird auf die Zwölf in Jerusalem zurückgeführt
, der Menschensohnglaube auf die galiläischen
Kreise. „So stehen die galiläischen und jerusalemi-
schen Erscheinungen mit dem gleichen Recht und der
gleichen Notwendigkeit nebeneinander". Auch Markus
und Matthäus wußten von jerusalemischen Christopha-
nien, Lukas von galiläischen, haben aber aus theologischen
Gründen darüber geschwiegen. Über die Reihenfolge
der galiläischen und jerusalemischen Erscheinun-
nungen kann man nichts sicheres sagen, aber L. vermutet
daß die Jünger nach der Kreuzigung zuerst
nach Galiläa zurückgekehrt sind. Dieses Resultat betreffs
der Doppelheil der Christophanien leuchtet aber
nicht ein: wenn es zwei verschiedene Gruppen der
Urgemeinde gegeben, hat, die von Christophanien erzählten
, ist daimit noch nicht erwiesen, ja nicht einmal
wahrscheinlich gemacht, daß die Berichte beider Gruppen
historisch gleichberechtigt sind. Mir scheint, daß
Lohmeyers Nachweis der großen Bedeutung der galiläischen
Gemeinde nur die Gründe für die Ursprünglichkeit
der galiläischen Christophanien verstärkt hat.

In einem kurzen Schlußabschnitt betont Lohmeyer
dann noch einmal, daß es keine einheitliche judenchristliche
Gemeinde gegeben habe, und vermutet, daß der
xiipio; -Titel nicht aus der hellenistischen, sondern aus
der ga,liläisehen Gemeinde stammt, was durchaus wahrscheinlich
ist. Wenn L. dann freilich auch die Täufer-
jünger zur urchristlichen Gemeinde zählt und bei allen
diesen Gruppen Ansätze der Gnosis findet, so fehlen m.
E. die Beweise.

Es dürfte kla,r geworden sein, daß Lohmeyers Buch
eine sehr wesentliche Neufundierung der Geschichte
der Urgemeinde bietet. Erwiesen scheint mir, daß es
eine bedeutende galiläische Gemeinde neben der jeru-
sa,lemischen gegeben hat, und daß diese galiäische Gemeinde
die eigentliche Wurzel der synoptischen Tradition
und der Menschensohntheologie gewesen ist. Der
Versuch, von dieser Gemeinde ein Bild zu zeichnen,
ist dagegen aus den angegebenen Gründen nicht überzeugend
. Der Wert des äußerst anregenden und förderlichen
Buches wird aber dadurch nicht vermindert.
Zürich. Werner Georg Kümmel.

Schammberger, Hermann : Die Einheitlichkeit des Jacobus-
briefes im antignostischen Kampf. Gotha: Leopold Klotz 1936.
(92 S.) 8°. RM 3—.

Der Vf. bemüht sich um dien Nachweis, daß der JB
seine innere Einheit in dem Kampf gegen die gno-
stische Bewegung seiner Zeit habe. Er führt damit
Gedanken Schweglers, Pfleiderers und Weineis weiter
(S. 8 ff.). Die gegebene deutliche Ausgangsstelle scheint
ihm in 3, 13—17 lrj «ätvwttev ao<pia; imyEioQ, ^iv/y/.i]) zu
liegen. Dieselbe antignostisehe Tendenz findet er im
einer Anzahl weiterer Stellen, bes. in 1,2—4 (Themabestimmung
); 1,4f. (xetaios); 1,5—17 (Gottesaussa-
en); 1,18 (Xoyo; xfq (u^flgiac. dbtsxvnaev); 2,14—26
jtioti?, e'py« ); 4, 11 f. (Einheit Gottes) u.a. Sch. kann
wohl Parallelen beibringen, welche die von Jac. gebrauchten
Wendungen 'in antignostischen Zusammenhängen
zeigen. Aber die besprochenen Jac.-Stellen fügen
sich doch nur teilweise in den versuchten Beweis. Bei
anderen scheint die hergestellte Beziehung allzu gekünstelt
, z. B. 1, 18 ßouAriflsu'q sei gegensätzliche
Anspielung auf den gnostischen Emanatismus, das
feminine äiiex&t]aev Anspielung auf Hervorgehen der
Äonen aus einem weiblichen Element; 4, llf. Polemik
gegen die gnostische Zerreißung der Einheit Gottes u. a.
Wie Sch. selbst zugibt, ist der Abschnitt 2, lff. nicht
antignostisch. Dasselbe gilt gewiß auch von den andern
an der sozialen Frage interessierten Abschnitten (4,
13 ff.; 5, lff.). So kann Sch.s Untersuchung wohl den
Blick dafür schärfen, wie der große kirchliche Abwehrkampf
gegen Libertinismus und Gnosis auch einige Mahnungen
des JB bezw. ihre Formulierungen beeinflußt

i hat. Aber mehr wird man nicht behaupten dürfen. Daß
j das Schreiben in die nachpaulinische, näher nachaposto-
lische Zeit zu setzen ist, wird gewiß richtig geurteilt
sein; ebenso, daß sein Vf. der kirchlichen, antignosti-
! sehen Front seiner Zeit zugehört. Aber daß das einheitliche
Thema des Schreibens darin bestehe, „Irrlehre
zu unterbinden" (1,2; S. 48), ist gewiß ein falscher Ansatz
des durchaus praktisch ausgerichteten Mahnschreibens
, dem es gerade auf die Mannigfaltigkeit der ethischen
Weisungen ankommt.
Erlangen. Fr Hauck.

Metzger, Dr. theol. Gerhard : Kirche und Mission in den Briefen
Augustins. Gütersloh: C. Bertelsmann J936. (69 S.) gr. 8°. = Allg.
Missions-Studien. 20. Heft. RM 1.80.

Die Auseinandersetzung des Christentums in unseren
Tagen mit nichtchristlichen Religionen und Weltainschau-
ungen verschafft der Arbeit von Metzger ein unmittelbar
praktisches Interesse. Die mit der Darlegung verbundene
Einführung in eine weit hinter uns liegende Epoche
der allgemeinen Welt- und der christlichen Missionsgeschichte
wird allen denen willkommen sein müssen,
die aus der Geschichte lernen möchten. Aus der größeren
Arbeit des Verfassers, betitelt: „Die Kirche Afrikas
um die Wende des 4. und 5. Jahrhunderts nach dem
augustinischen Briefkorpus" hat der Verfasser den Abschnitt
, der die Missionsfragen umfaßt, herausgezogen
und zu dieser klaren und lesenswerten Sonderdarstellung
verarbeitet. In vier Hauptabschnitten

Das nordafrikanische Heidentum — Die äuliere Überwindung des
Heidentums — Die innere Auseinandersetzung zwischen Christentum
und Heidentum — Die afrikanische Kirche und das Heidentum jenseits
der Grenzen des Römischen Reiches

führt uns M. in die Fragen hinein. Dabei verwendet
er die neueren Untersuchungen von G. Walter und G.
Beyerhaus, ohne etwa nur schon Erbrachtes zu wiederholen
. Augustins missionarische Wirksamkeit in seinen
Briefen erscheint uns nach dieser Darstellung als im
besten Sinne apologetisch. Diese Apologetik wird die
Kirche besonders in der Auseinandersetzung mit der gebildeten
Welt immer treiben, müssen. Die eigentliche
Überwindung des „Heiden" wird allerdings nur durch
die Begegnung mit Christus geschehen. Augusttn hat
es an sich selbst erfahren, was er zentral in seinen
Briefen von Christus bezeugt. Ein Vergleich der Missionstatsachen
, von denen hier die Rede ist, mit der modernen
Missionsgeschichte wäre verlockend.

Ilfeld. Ernst Strasser.

Lad n er, Gerhart: Theologie und Politik vor dem Investiturstreit
. Abendmahlstreit / Kirchenreform / Cluni und Heinrich Iii-
Brünn: Rudolf M. Rohrer 1936. (160 S.) gr. 8°. = Veröff. d. Österr-
j Instituts für Geschichtsforschung. Bd. II. RM 8—

In dieser Schrift sollen „eine Anzahl verschiedenartiger
geschichtlicher Erscheinungen, die das Zeitalter
des Investiturstreites vorbereiteten, ja zum Teil noch
in dieses hineinreichten" (S. 9), im Zusammenhang mit-
I einander betrachtet werden. Das geschieht in drei, vom
Untertitel bereits angedeuteten Kapiteln über den
Abendmahlstnei't, über Kirchenreform und Kirchenrecht
und über das Reich Kaiser Heinrichs III. und die Kirchenreform
. Neue Forschungsergebnisse im eigentlichen
I Sinne werden dabei freilich nicht gewonnen; der Wert
von L.s Schrift liegt vielmehr in ihrer Betrachtungsweise
, die einen größeren Horizont erschließt als sich
in wenigen Worten sagen läßt. Denn es gelingt ihr,
sowohl die kircheimpolitische Bedeutung der dogmatischen
Erörterungen klar zu machen, als auch umgekehrt
die Verwurzelung der kirchenpolitischen Maßnahmen
in dogmatischen Überzeugungen aufzuzeigen. Auf
diese Weise wird den Gefahren gesteuert, denen man sich
giegenübers'ieht, wenn bei einer Einzelbetrachtung der
' geistigen und politischen Probleme der vorgregoriani-
i sehen Reformzeit ihr innerer Zusammenhang notwen-
| wendigerweise vernachlässigt werden muß, der, wie L.
i zu Recht hervorhebt, ja schon dadurch gegeben ist,