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1937 Nr. 1

Spalte:

9-10

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Revue d'histoire ecclésiastique 1937

Rezensent:

Köhler, Walther

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Theologische Literaturzeitung 1937 Nr. 1.

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unter guter Auswertung der Quellen, daß Paulus nicht zu den Gebildeten
im Sinne seiner hellenistischen Umwelt schärt hat, wohl
aber Philo. H. J. Cadhury, „The macellum of Corinth" (S,
134—141) berichtet über den Stand der archäologischen Erforschung
des macellum, auf das 1. Kor. 10, 25 Bezug nimmt. J. W.
b a i 1 e y, „The temporary messianic reign in the litcrature of
early Judaism" (S. 170—187) stellt aus apokalyptischer und rabbi-
nischer Literatur das Material zusammen, das als Hintergrund für
Apok. Joh. 20, lff. anzusehen ist (vgl. zur Sache seitdem P. Volz,
Die Eschatologie der jüdischen Gemeinde im neutostamentlichen
Zeitalter, 1934, S. 71 ff.). H. A. Sanders, „The Beatty papyrus
of Revelation and Hoskier's edition" (s. 371—380) stellt zum erstenmal
eine umfassende vergleichende Untersuchung über den Apok.-Text
von ty" an, mit dem Ergebnis, daß zwar die Majuskeln *}5 47 näher
stehen als die Minuskeln, aber eine nähere typische Verwandtschaft
zwischen bestimmten Majuskeln und ^ " nicht zu entdecken ist.

Nachbargebiete der Bibelwissenschaft. J. Mof-
fatt, „The sacred book in religion" (S. 1—12) spricht in großen
Zügen von Buchreligion (in Judentum, Christentum und Islam, aber
auch bei den Sikhs und bei Mani), dem Problem der Nähe des heiligen
Buches zum Ursprung der betr. Religion, dem Verhältnis von
heiligem Buch und heiliger Tradition, von Buch und Leben in der
Religionsgeschichte. J. Starr, „A new Jewish source for Gerasa"
(S. 167—169) verweist auf ein midraschisches Genizah-Fragmcnt,
nach dem Gerasa in der Zeit zwischen 80 u. 63 v. Chr. eine jüdische
Asylstadt war. Die Frage ,,Is Philo mentioned in rabbinic lilera-
ture?" beantwortet L. Fink eist ein für Midrasch Tannaim 6,7
bestimmt, für Tosefta Jebamot 3,4 zurückhaltender mit Ja (Pcloni
= Philo).

Berlin. J- Behm.

Revue 'd'histoire ecclösiastique. Fondee par A. Cauchie et P.
Ladeuze. Directeurs: A. de Meyer, R. Draguet, R. Koerperich, J. Le-
bon, R. Maere, Ch. Terlinden et L. van der Essen. Universite Catho-
lique de Louvain. T. XXX. (938 u. 600 S.) gr. 8°. — Louvain:
Burcaux de la Revue 1935.
Zur alten Kirchengeschichte: R. van Cauwelaert:
L'intervention de l'Eglise de Rome ä Corinthe vers Tan
96 verficht die These, daß 1. Clem. in keiner Weise
betrachtet werden dürfe „comme un acte de la primaute
romaine", vielmehr nur „le sentiment de la solidarite
chretienne" verrate. Zur Stütze dieser Ansicht greift
van C. auf die amerikanischen Ausgrabungen in Corinth
zurück, die Corinth „comme une ville entierement et
exclusivement romaine" zeigen. Der Nachweis dieser
alten Beziehungen zwischen Rom und Corinth ist wertvoll
; was im übrigen zu der These zu sagen ist, mag
man bei Altaner in der Theol. Revue nachlesen oder
bei W. Bauer: Rechtgläubigkeit und Ketzerei im ältesten
Christentum. — Die von J. Lebon aufgeworfene Frage:
S. Athanase a-t-il employe l'expression <> kuqiox&c fivf>o<o-
™?? wird bejaht, und zwar in der Epistula ad episcopos
Aegypti et Libyae, im Zusammenhang damit wird darauf
hingewiesen, daß Severus von Antiochien über die
pseudepigraphische Expositio fidei eine vom Herkömmlichen
abweichende Version bietet. — Ch. Martin:
Fragments en onciale d'homelies grecques sur la Vierge
attribuees ä Epiphane de Cypre et ä Hesychius de Jerusalem
identifiziert in Cod. lat. 4403 B der Pariser Na-
tionalbibliothck enthaltene Fragmente. — J. Lebon:
Alteration doctrinale de la Lettre ä Epictete de samt
Athanase wendet sich gegen Ed. Schwartz, der das
Zeugnis des Cyrill von Alexandria, der Brief an Epiktet
habe in verschiedenen Formen existiert, für unglaubwürdig
erklärt hatte; die syrische Version des Briefes,
bisher nicht beachtet, sei vielmehr eine altenertc Form
des Briefes, und zwar wahrscheinlich durch einen Apollinaristen
geändert. Der Nachweis der Varianten dieser
Form stützt den Beweis. — J. Zeil ler und van
Cauwelaert kreuzen in kurzem Waffengang die
Klinge über van C.'s oben erwähnte These zu 1. Clem.
Zeiller redet aber am Thema vorbei, wenn er meint,
vom Blickpunkt van C.'s aus würde man einen lateinischen
Brief erwarten, „envoyee par des Romains de
Rome ä oes autres Romains qu'etaient les citoyens de
la Nouvelle Corinthe". Das ist nicht einzusehen. J-Cor-
neliau: A propos de la priere de Pelage hält das
bei Augustiii und Hieronymus bezeugte Gebet für echt
auf Grund einer Analyse desselben; die neuerdings von

G. de Plinval dem Pelagius (statt, wie bisher, Fastidius)
zugeschriebene Schrift De vita christiana kann aber
nicht, trotzdem sie auch das Gebet enthält, der Uber
oonsolatorius sein, in dem nach Augustin das Gebet gestanden
haben soll.

Zur Kirchengeschichte des Mittelalters: E. v a n
Steenberghe: Gerson ä Bruges fixiert den ersten
Besuch des Dekans an der Kollegiatkirche S. Donat
zu Brügge auf 1396, den längeren Aufenthalt auf die
Zeit vom 4. Juni 1399 bis 21. Sept. 1400 und zeigt
die Gegensätze zwischen Gerson und dem Kapitel bezw.
dem Herzog von Burgund. — R. Maere: Les origines
de la croisee d'ogives referiert über das 1934 erschienene
Buch von M. Aubert: les plus anciennes croisees
d'ogives, die Verbreitung und Modifikation dieser Architektur
im 11. bis 13. Jahrhundert zeigend. — J. Geß-
ler: Une version inedite de la legende de sainte Wil-
geforte ou Ontoommer druckt nach einem Mskr. der
kgl. Bibliothek in Brüssel einen vom Ende des 15. Jh.
datierenden Text der Legende d. h. Kümmernis ab, nach
dem der Name Wilgefortis der wirkliche Name der
Heiligen auf Erden gewesen sein soll, der Name Ontoommer
ihr am Kreuze durch himmlische Gnade zuteil
wurde „pour caracteriser sa puissante intercession en
faveur des affliges". — Ein kritisches Referat bedeutet
die Arbeit von R. M. Martin: Travaux recents re-
latifs ä la faculte des arts aux XIIIe et XIVe siecles,
unter denen natürlich Grabmann an erster Stelle genannt
ist. — E. Druwe: La premiere redaction du Cur Deus
homo de S. Anselme verteidigt sein Buch Libri s. Anselm
i ,Cur deus homo' prima forma inedita 1933 gegen
den Angriff von Riviere (Rev. des sciences religieuses
1934), der in dem von Druwe als erste Form angenommenen
Libellus einen mit Anselms Kalbe gepflügten
Sermon eines Unbekannten über das gleiche Thema
gesehen hatte. Druwe argumentiert: der Stil des Libellus
ist Anselmisch, Cur deus homo hat eine erste Redaktion
gehabt, der Libellus ist sie.

Zur Keformationsgeschichte: Le changementdoctrinal
dans l'eglise anglicane sous Edouard VI. (1547—53)
I. von G. Constant charakterisiert die Persönlichkeit
von Thomas Cranmer, namentlich in Hinsicht auf
seine Beeinflussung durch Luther, Zwingli, Calvin, a
Lasco und Bucer. Im Corpus Christi College in Cambridge
befinden sich die beiden ersten Bände der Wittenberger
Lutherausgabe mit dem Besitzvermerk Cran-
mers.

Zur Kirchengeschichte der Neuzeit: unter dem Titel
„Le martyre de la papaute" (1769—99) schreibt P.
Richard ein eingehendes Referat über Bd. 16 der
Papstgeschichte von Ludwig v. Pastor.

Über die Hälfte der Zeitschrift nehmen die eingehenden
Buchbesprechungen, Berichte aus den einzelnen Ländern
und die wie immer ausgezeichnete Bibliographie
ein.

Heidelberg. W. Köhler.

Acta concillorum oecumenicorum. Iussu atque mandato Societatis
scientiarum Argentoratensis ed. Ed. Schwartz. Tom. II: Concil.
univ. Calcedonense. Vol. V. Collectio Sangermanensis. Berlin: W.
de Gruyter & Co. 1936. (XXIII, 167 S.) 4°. RM 48-,

Von Tom. II der großen Schwartz'schen Konziliensammlung
mit dem Konzil von Chalcedon ist je der
2. Teil von vol. II und III noch unter der Presse.1 Das
vorliegende vol. V, das letzte dieses Tomus, enthält die
Collectio Sangermanensis, vom Herausgeber so genannt
nach dem zur Zeit der Karlinger im Kloster Corbie
geschriebenen, von da ins Kloster St. Germain verbrachten
und jetzt in der Pariser Nationalbibliothek befindlichen
cod. Lat. 12 098 (P), der zwar nicht die einzige,
aber die weitaus beste Grundlage der Sammlung bildet.
Eine zweite, von Schw. zum erstenmal ganz herangezogene
Handschrift ist cod. Vindobonensis 397 (W),
der aus derselben Vorlage wie P stammt und ebenfalls

1) Inzwischen ebenfalls erschienen.